Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1909-01-29 · Heft 5 (29.1.1909) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2651605-2651611--06200-2663272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 5. würden• und das* diu Entschuldung a«s Jlldlscivcii Problems auch in Russland uu Ule Reihe kommen wird. Wir Juden sind nur* verpflichtet, letzt je 11 on den Boden zur Beschleunigung des ersehnten Moments vorzubereltcn. Ich hebe das Wort ״Juden״ huvor, Indem ich dadurch den Punkt auf! ״l" setze, l 11. dass wir Juden «,־mtltch und ein lilr ullomal dlo IuIkcIic Austelit lallen lassen müssen, •wir müssten unser Schicksal mit dem Irgendeiner bestimmten, nicht Jüdischen, politischen Organisation vereinigen, tme gösse historische Sünde begingen die Jüdischen hdircr, die die Jüdischen Deputierten der ersten Ifclclisdunia daran verhinderten, gleich den Musel• mailen und Polen nls besondere, selbständige lüdischc Gruppe «11*z11scl1cldcn, und sie auf diese Welse vernnlnssteii. allem zuvor auf die 01 c I c 11 - יןer 1 c 1111g 1111 g der Juden In d,er Reichs. ,111 ina selbst zu verzIc 11 tc 11. Deshalb behaupte ich und vertrete auch Jetzt imvIi den Standpunkt, dass wir in der dritten Reichs• ,111111,1. obgleich sich auf uns nicht einmal das .!He lateinische Sprichwort »tres!nehmt colleglum" ,nivvemleii Hisst, in der indischen Frage zu eigner Initiative verpflichtet sind. Unsere Preunde müssten uns dabei nur unterstützen, und ich bin überzeugt, dass sie uns ihre Hille nicht entziehen werden. Es min. jedoch lächerlich und unbillig, von ihnen zu i. filom. dass sic für• uns die Kastanien aus dem i'anr holen, dass sic uns ihren breiten Rücken zum silmt/e leihen. Was nun die Präge betrifft, eineQesctzcsvorlage kt die Gleichberechtigung der Juden in der Duma . ii/nrochvii. so muss ich erkUiren, dass ich nie daran tvdacht batte, der Duma irgend ein die Juden bc* 1»ficudes• (lcsctzcspro)ckt vorzutragen, bevor Ich!;,di! .!!יי Bevollmächtigung einer besonders zu diesem ׳wuk /11 bildenden Organisation (nicht etwa irgend unes Kreises oder einer Gruppe jüdischer Führer) odiabcn l'.ibe. Das ist der Oruiui, weshalb icli keine ';Imite getan habe, um das Verhalten der Fraktion .׳u Vnlksireilicit zur Antragstcllung meines nicht י.‘Wiurciulen Projekts nnfzuklürcn. Ich erachtete cs .”;rii f!t!' ulKrflüsisg. der Fraktion oder deren Vor• Mtnn.lr in P. N. Miliukow über meine P 1 i v n t g c spräche mit den Führern der anderen Fvaktloncn /!:1 bivichtcn. da ich es für zwecklos hielt, der Frak- ׳!י:•» t.Jvr deren Vorsitzendem meine Absichten zu 1«',rn. bevor sie die Form einer realen 1 .<׳ la me n t a r i seb c 11 Aktion angenomns11 ־, zu deren Verwirklichung wir der tatkräftigen "niersiut/ung unserer Freunde bedürfen. Mehreren der in der ]üdiseben Angelegenheit Tätigen crzühltc isli anc!1 von mellten Absichten und von meinen ,’״!er! aiKiliingcii mit diesen oder jenen Persönlich• i.tai, nbwuiii mir das Verhalten so manclicr von neu zu der mich Tag und Nacht beschäftigenden l ׳1■ז.:e schon vorher bekannt war. Nicht von ihnen uu.irute ich Ratschläge oder Direktiven, schon aus 1cm (irimdc nicht, weil cs zur Feststellung end- ׳: י1'׳• r Heseiiliissc unbedingt nötig Ist, ein Bemm ־.;virgan ans unparteiischen Politikern zu bilden. •; A״e Exzellenz Joab, der Sohn Zerujas, der kfiuMiiinister Seiner Majestät." Ibis war ein Mann in kurzem Kleide, rings- '״" von Scltildwcrk gehalten, das Gesicht geb tci, die Nase gestülpt, der Bart struppig und!׳ A111U. Der grimmige Herr verbeugte sich t1:1d wandte sich rasch ab, dass sein Wehr- *■•!tauge rasselte. ..Ihre Eminenzen Zndok und AcWmelcch!)(AMer des Herrn. Herr Oberst Benaja, Kom- ',,:«rulaut des Leibgarderegiments; Krcthl und l'ktlii.“ Während ich die Verbeugungen erwiderte 1:1 J darüber nachdachlc, wie die Herren wohl in 111 1*in Gespräch zu ziehen seien, erklang ein Stifter Chor. Die Teppiche rückten ausena״(br, der Raum, in dem wir standen, «ntj ^viiwnuj den Blicken, es hob uns •חי einer sanften j •11*inilic leicht zur Holte, während ein zartes 11'-"1intern die Augen erquickte. Der Chor tönte j ״filier: ••Wer wird auf seinem Berge wohnen und U|f(i stehen auf seiner heiligen Stätte. . . . Her reine Hände hat und unschuldigen Herist — der nicht Lust hat zu loser Lehne und S(■"wäret m׳cht fälschlich. - Machet die Tore weit und die Türen in der weil hoch, dass der König der Ehren einziehe.*4 ..^LÜnjSCHE^j^U.NDS^CHAU.״_ Bk Ist aber traurig, da^s alle meine Bemühungen, ein «olclics parteiloses Organ zu bilden, vollständiges Fiasko erlitten haben. F.s landen mchrcrcBcratungcn statt, bei denen unendliche Debatten geführt wurden. Zum Schluss blieb Ich allein, meinen cigcneu, schwachen Kräften überlassen, ohne auf Irgend einer Seite Unterstützung zu finden; von einer bc• stimmten Gruppe sogar wurdo lUnter den Kulissen meinen Bestrebungen ־ entge gongewirkt. Unter solchen Umständen wäre cs uidit verwunderlich, wenn Ich selbst fulschc Schritte ge• tan hätte. Da (dt lcdoch die auf mir ruhende ungeliciiro Verantwortung empfand, so war; Ich üusserst vorsichtig. Ich hoffe daher, dass sogar meine Gegner nicht Imstande sind, mir Irgend eine unseren Inter• essen widersprechende Handlung iiaclizuxugciu F.s darf aber nicht so weitet gehen, da *01 n e t Im Felde nicht Sieger seht kann." Wie Ist cs müg* lieh, diese Situation zu andern? Der Zweck meines vorliegenden Berichts, dcsscu Veröffentlichung Ich beschloss, ist eben, dem gesamten Judentum Kuss• lands laut zuzurufen: ,.Der Zeitpunkt Ist gekommen, sielt der Apathie und Verzweiflung zu erwehren und immciitlicii den inneren Zwistigkeiten Einhalt zu tun. Unsere Kettung, unser Wohlergehen liegt In unseren Händen, in unserer Vereinigung, In unserer Organisier 11 ng, und nicht etwu in der Auflösung unserer spezifischen Inter• essen In irgend einer nichtlüd Ischen ' Organisation, wäre cs ttueh eine ganz j besonders fortscli rlttlichel leb wie•; dcrbolc: Die dritte Rclcbsduma wird, falls ihr besciilcdcn ist, den ihr gesetzten Endtermin zu erreichen, gar nicht umhin künntten. infolge der zwingenden Notwendig• keit auf Ute brennende jüdische Präge zu antworten, und ihre Antwort kann meiner tiefsten Heb erzeugung nach nur I n einem für uns günstigen Sinuc a u s f a 11 c n. fSchluss folgt.)! Zangwill über Nationalismus j Vor einigen Wochen wurde in englischen Zeitungen von der Leitung der ״Jcwlsli Territorial Organisation" (JTO) offiziell das Erscheinen eines Artikels des Herrn IsrncIZangwIll angekündigt, der zu dem Problem der Jüdischen Nationalität und zu der mehrfach aufgeworfenen Frage, ob die JTO! als eine nationale Bewegung zu betrachten sei, Stellung nehmen sollte. Der.Artikel Ist nun In der letzten Nummer des In Zürich erscheinenden Monatsj Mattes ״JIO“ enthalten, und wir bringen ihn nachstehend zum Abdruck, weil das darin behandelte Thema — wie Immer man zun Sache stehe — zwelfcL los von höchstem Interesse Ist. Freilich dürfte der Artikel auch manche der eifrigsten Anhänger Zangwills recht stutzig machen. c• m Und wie auf ein gegebenes Wort flogen alte Türen auf, ein Rauschen zog durch die Hallen, ein harmonisches Weiten und sanftes Klingen umschmeichelte d'e Sinne. Eine ernste Simmc ertönte mit markiger Kraft du reit die zarten Akkorde: ״Ihr Heiligen, lohsingct dem Herrn, danket und preiset seine Herrlichkeit! Denn sein Zorn wlihrct einen Augcnbl'ck, und er hat Lust zum Leben; den Abend lang währet das Weinen aber des Tages die Freude." Die Mtisik wurde imer stärker, die Harmo« nien markiger — aus dem Dunkel des unermessliehen Raumes drang ein weiches L'cht, Rosenfärben« Tinten verschmolzen mit Purpur, ein leises Glühen und Olcissen — und immer mächtigere Ton wellen, ein hell ansteigendes Lied: ״Die Himmel erzählen d'e Ehre Gottes — und die Feste verkünden seiner Hände Werk. Ein Tag sagt es dem andern und eine Nacht tut cs .kund der andern. Es Ist keine Sprache noch Rede, da man nicht ihre Stimme hört." Ein warmer Sonnenstrahl drang durch die Krystallkuppel, die hoch oben schwebte, nahe dem Himmel, und erhellte den wcltenwe'ten Raum mit herrlichem Olanz. Da Ich emporblicken wollte, die geheimnisvollen Chorsänger Seite 51. Terrllorlallstmis und |*JaUonallsnui$ Von Israel Zangwill, London. Es Ist Ule Frage aufgetauebt, wie sich die Ito speziell zu den Beziehungen zwischen Tcnrltoriatis* niun und Nationalismus verhultc? Dio Antwort ist einfach. Die Ito ist zu nichts verpflichtet, als zu dem, was Ihre Formel besagt: ״Ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden zu finden, die 111 'den Ländern, ln denen sie letzt wohnen, nicht bleiben können oder wollen." Diese Formel sagt kein Wörtchen über Natlonallstnus oder selbst über das Jüdische Volk. Es ist ledig• lieh eine Erkhirung Uber jüdische Auswanderer. Die letzteren müssen notwendigerweise aus zwei Klassen bestehen, aus solchen, dlo an ihren gegenwärtigen Wohnorten nicht bleiben können, und aus solchen, die nicht bleiben wollen, und cs Ist eben der Zweck der Ito, für diese Auswanderer ein Territorium auf autonomer Basis zu finden. Das ist durchaus keine Erklärung, die sich auf meine Person beschränkt. Der ursprüngliche terri* torialistlschc Kongress von I90S. der die Ito ge• . schallen, erklärte, dass dieselbe in keiner notwen* digen Beziehung zu irgend einer anderen Bewegung stehe■ Es stehe aber ledern Itolstcu frei, als ludi• vldiium sich irgend einer anderen Gruppe nach Bc• lieben anzusclilicsscn. und umsomehr ist derselbe berechtigt, beliebigen Ansichten zu huldigen. Die Ito hat cs ubgclchnt. irgend eine ingiiisitoriselio Tyrannei ausznübcn. Trotzdem cs einem Zionisten nicht gestattet wird. Itoist zu sein, so steht cs doch einem Itoisten frei, Zionist zn sein. Es bleibt folglich des Itoisten persönliche Sache, ob er an den Territorialismus vom Standpunkte des Nationalismus aus hcrautritt oder nicht. Da das Ziel der Ito eine bcstimmte, praktische Arheit bildet, so schlicsst sie selbst Nichtjuden von der Mitwirkung nicht aus. Das einzige Obligatorische besteht im Unterzeichnen der Koformcl und der Itobcilragslistc. Die ,.Jüdisch-tcrritorialistischc Organisation" (״JTO") hat den Zweck, ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden zu finden, die in den Ländern. In denen sie jetzt leben, nicht bleiben können oder wollen. Damit aber ist der Gegenstand noch nicht crlc- Gißt. Die Auswanderer nach dem Itolaudc unter•; scheiden sich von gewöhnlichen Auswanderern in; einem sehr wichtigen Punkte. Auswanderer bczcicli-! net gewöhnlich Jemanden, der sein Heimatland ver•; Hisst. Ein Itoaiiswaudcrer dagegen zieht nach ן einem Hclinatlandc. Von den zwei Klassen der Ausj Wanderer, nämlich derjenigen, die an ihren Orten I nicht bleiben können, ui. I derjenigen, die cs nicht : wollen, wird die letztere aller Wahrscheinlichkeit! nach aus Nationalisten bestehen, die sich danach; sehnen, ein indisches Heimatland aufzuhnucii, und 1 .‘1iese Klasse würde mit dem Wachsen und der ent- | sprechenden zentripetalen Anziehungskraft des Heliiuitlandcs ftänüig zimchnicn. Diese Auswanderer; werden die schönste Blüte des Nationalismus bilden, und der Charakter des neuen l.aiulcs wird von den-! selben in der Hauptsache abliüngcn. Aber selbst die | zweite Klasse, die der ökonomischen Auswanderer, j wird nicht umhin können, das Heimatland aul/.u• , bauen. Mit dem Aufbau eines neuen Landes ist aber das Hcrnnwaeliscn eines neuen Nationalismus unverzu sehen, schoss mir ein scharfer Lichtstrahl ins Gesicht, dass ich geblendet die Augen schloss. — Als ■ich sic wieder Offnen konnte, stand ich vor einer hohen Mnnnesgcstnlt. Ein mächtiger brauner Bait floss über das lange Qewand, die wallenden Haare hielt ein schmaler Goldreif; l״ der linken Hand ruhte ein Saitensplcl. Das ticfdnrchfnrchtc Antlitz war in die Farbe satter Seligkeit getaucht. Die Augen blickten himmeL wärts. Die Uppen bewegten sich IcJsc. Dann legte er den Psalter beiseite. Das Gesicht ordnete! sich zu tiefem Ernst. Die Augen richteten sich abwärts; sic blickten auf mich. — Dann hub er an zu reden: ״Du bist tapfer mit deinen Augen, darum Jehst du, was Vielen verborgen ist, und erlangst Gnade. Viele kommen her gen Zion und finden' den Staub auf den Strassen, d!c Hitze im Ge. müuer. die Ruinen auf den Bergen und leere Gräber im Qcfels. Dann ziehen sie heimwärts ihre Strasse und künden auf dem Wege: Zion ist gestorben und JeruscholaJim geschieht. David mht starr im Sarge, er liegt leblos im Tiefen allein. — Der aber Augen hat, der soll sehen, wer Ohren hat, der soll hören." Er setzte sich auf einen breiten Stuhl von Olivenholz und stützte seine Arme auf die wachtigen, geschnitzten Armlehnen. Das Gesteht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.