Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite SO. J 0 D ISCHE R U NJjS CjjAU Theodor Herzls Ansprache an den deutschen Kaiser in Jerusalem Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät! Allcrgundigster Kaiser und Herr! Eine Abordnung von Söhnen Israels nullt sieh in tiefster Ehrfurcht dem Deutschen Kaiser im Lande, welches das unserer Vater war. Durch keinen geltenden Besitztitel sind wir mit diesem heiligen Hoden verknüpft. Viele Geschlechter sind gekommen und gegangen, seit diese Erde jüdisch war. Spricht man davon, so ist es nur noch wie von eiViein Traum aus sehr alten Tagen. Aber der Traum!lebt noch, lebt in vielen hunderttausend Herzen; er war und ist ein wundervoller Trost in gar manchen schmerzensreichen Stunden unseres armen Volkes. Es l-'cgt etwas Ewiges in diesem Gedanken, der seine Eormen freilich mit den Mensehen, mit den Einrichtungen, mit den Zeiten mannigfach gewandelt hat. Die zionistische Hewegung vom heutigen Tage!!st denn auch eine völlig moderne. Sic knüpft an die Zustände und nediiigungcn des gegenwärtigen Lebens an und will aus den Möglichkeiten unserer Zeit heraus die Judenfrage lösen. Ja, wir glauben, dass es jetzt endlich gelingen kann, weil d!e Menschj heit so reich geworden ist an Verkehrsmitteln! und technischen Errungenschaften. Uutcriieh- 1 rmmgen, die noch vor einem halben Jahrhundert : phantastisch ansgcschen hätten, sind heute Alltiiglichkciten. Dampf und Eiektrizhiit haben das! Antlitz der Erd’o verändert. Es sind daraus auch : ,Konsequenzen der Menschlichkeit zu ziehen. Da ist das Land unserer Väter, das sicii für . eine Kolonisierung und Kultivierung eignet. Ew. Majestät haben das Land gesellen. Es schreit nach Menschen, die es behauen sollen. Und wir haben unter miseren Brüdern ein schreckliches Proletariat. Diese Menschen schreien nach einem Lande, das sic bebauen wollen. Nun möchten wir aus den zwei Notständen — des Landes und des Volkes — durch die planvolle Verbindung beider eine neue Wohlfahrt .schaffen. Eiir so gut halten wir diese Sache für so wert einer Teilnahme der Grossmutigsten, dass wir Ew. Kaiserliche Majestät um Ihre hohe Hilfe zu dem Werke bitten. \ Aber wir würden cs mellt wagen, wenn in unserem Gedanke״ etwas enthalten wäre, wodurch der Herrscher dieses Landes gekränkt ( oder beeinträchtigt werden könnte. Die Ereund- Schaft Eurer Kaiserlichen Majestät für So. Mnjestitt den Sultan ist so bekannt dass kein Zweifel über die Absichten derjenigen bestehen kann, die sich um d’c Aliergnädigstc Vermittlung ihrer Wünsche an Ew. Majestät wenden. Wir sind ehrlich überzeugt, dass die Aus-!,ו!!׳mag des zionistischen Plaues auch für die Türkei Wohlfahrt bedeuten muss. Energien und materielle Mittel werden dem Lande zugeführt, eine grossart’gc Befruchtung verödeter Ge- : bietsteile ist leicht vorherrschen, und aus alledem erwächst mein׳ Glück und Gesittung für viele Maischen. . j Wir planen die Errichtung einer Jüdischen; Landgcscilschnft für Syrien tmd Palästina,; welche das grosse Werk in Angriff nehmen soll. ן Niemandes Rechte oder fromme Empfinי ־ dimgcn bedroht unser Gedanke. Wir verstehen und achten die Pietät aller Konfessionen für j den Boden, aus dem Ja auch der (Haube unserer j Väter erwuchs, j Das ist das Vaterland von Ideen, die nicht . einem Volke, nicht einer Konfession ausschl’essj lieh angchürcu. Je höher die Menschen in der I Gesittung steigen, um so deutlicher erkennen sic das Gemeinsame in diesen Ideen Und so ist I auch aus der wirklichen Stadt Jerusalem mit j ihren scliicksaisvollcn Mauern längst eine sym- bolische Stadt geworden, d!c allen Kulturmcnschcn heilig ist. Ein Kaiser des Friedens zieht mächtig ein j in die ,ewige Stadt! ,Vir Juden grüssen Eure j Majestät in diesem hohen Augenblick und 1 wünschen dabei ans tiefster Brust, dass ein Zeiti alter des Fr'cdcns anhrcclicn möge für alle j Menschen. i (Nachdruck verholen.) | Die Judenfrage j in der dritten Reichs-Duma! f Bericht von I.. N. Nisse losvit sch, [ Mitglied der R c I c 11 s D u m a. I (Fortsetzung.) Am allcrmei'loviirdigstcii ist es, dass;inlässlic'1 meiner Unterlialtnngcii mit den Eiilircrn der rechten Fraktionen und gelegentlich eines Besuches heim I Ministerpräsidenten die Zeitung ,.Rictscli“ cs war, die;״erst I.iirm schlug und mir, dem jüdischen Dcpti- | tierten, durch die Feder eines Andersgläubigen, der mit den D-augs;dcn der Juden allenfalls durch die Aufklärungen seine•* jüdischen Mitarbeiter vertraut sein konnte, eine Zurechtweisung erteilte, wie ich mich den Leiden des indischen Volkes gegenüber zu verhalten habe. Die genannte Zeitung hat es nicht für nötig befunden. Ihre Leser darüber zu verständigen, aus welcher Voran- Inssimg' Ich heim Ministerpräsidenten Vorgesprächen habe. Sic erachtet!' cs mich nicht flir notwendig, mit einem einzigen Wort zu erwähnen, dass Ich eine Beruhigung der Juden erreichte, die durch die Pogromagitationen der ״Eohtrussen" in ungclicuro Erregung versetzt worden waren. Jene Zeitung Hess die Erklärung des Rcgicrungshauptcs unerwähnt, dass unter keinen Umständen Pogrome j z u gelassen werden sollte n. Was nun j die Erklärung des Ministerpräsidenten Stolypl״ i,|)Cr. die Haltung der Regierung zur Initiative der Duma j bezüglich de: Verbesserung der Lage der armer, Jüdischen Bevölkerung betrifft, so zeigte jene Zeitung i sie in der Beleuchtung einer knrrikicrcndcu Anck. : dotc. Sic erzählte die Antwort, die ein polnischer } Atagnat seinem mahnenden jüdischen Oiäuhigcr ge | geben: ״Wenn ich haben mul wollen werde, um! j warn Gott mir helfen sollte, so werde ich dir viel« leicht bezahlen." Tatsächlich lautete die Antwort des RegicMiiigsobcrhauptcs wörtlich folgcmlcr1»;r,wn: ״Falls in der Duma selbst ein c,״.! setzesantrag bezüglich der Jude׳,, einR'cb rächt wird, so wird die Pcgierung der Duma cntgcgenkoinmcn, um eine Verbesserung der Lage und Lebensweise der armen Klassen der , notleidenden jüdischen Bevölkerung i m A 11 s i c d 111 n g s r a V o n 11 n d a 11 s s c r. I) .׳! I h d e s s c I b c 11 h c r b e i z 11 f ii h r c 11." Die Leiden der jüdischen Bevölkerung in Pass• Sand sind eben deshalb so gross und mnnuigiath, weil 98 bis 99 Prozent den notleidenden Klassen angehören, und diese Angabe ist im buchstübiickn Sinne des Wortes zu nehmen. Deshalb bat die ״») ige Erklärung des Oberhauptes der russischen Regicran.: meiner Ansicht nach den Charakter eines best! m :nlen Versprechens von M a s s r c g c I n, zu denen der Autor nicht weniger verpflichtet ist, als unsere Freunde zu ihrem Vorschlag. In derselben Zeitung ״Rietsch" wurde• mir!11 einer sehr ״delikaten" Form geraten, ״ich sollte mir der Leiden des jüdischen Volkes wegen nicht <! i c Hacken an d e 11 T ü r s c 11 w c II e n der An- 11 ä 11 g e r d c s schwarzen Hundert a ü laufen", ich sollte bei den Bobrynskis Hiebt so h c r 11 m sc 111 c ic 11 c 11 1111 dx nie!11 hei den G111 s e h k o w s u m 11 c r t ä n d e I n. Dns Echo dieser Zeitung in Wihia schrie!) sogar, dass meine Taktik eine sehr, sehr waltete sei, m:m könnte sie als eine traditionelle für alle Juden heza'clmen. die vom wirklichen Geiste des ״Gnlus" durchdrungen sind, und auf die der alte Vers passe: .,Gebückt, gebückt, mit dem Hut in der Hand, Kommt mau bequem durch das ganze Land." Darauf möchte ich erwidern, dass meine Taktik In der Tat im geraden Gegensatz zii derjenigen stell), die mir angedichtet wkd. ln Wirklichkeit laufe ich mir die Hacken weder an den Schwellen irgend jemandes vom ״schwarzen Hundert", noch bei den .,Progressisten" ab. Ich laufe zu keine m der Führer weder des ״schwarzen Hundert“ noch der ״Progrcsslstcn", sondern Ich verhandle mit allen wie ein gleichgestellter Parlamentarier mit seinesgleichen. Auch künftig denke Ich nicht daran, mich vor irgend lemandem zu bücken. Ich bin der Ansicht, dass wir zum Licht durclulringon Ein tnlerview mit König David (Nüchdruck verboten,) Von H. York -Stcincr. Wir sind o'nc realistische Generation, die nur das anerkennt, was sich im Laboratorium nachweiseil oder mit dem Rechenstift darstellcn lässt. Selbst der Künstler darf sich nicht zu sehr von dem körperlich Geschauten entfernen, wenn er nicht das verwunderte Kopfschütteln aller ernsten Männer erregen will. Es gibt trotzdem noch immer wirre Köpfe, die sich in einer nicht nachweisbarem Traumweit bewegen. Sic leben ein doppeltes Leben sozusagen. Manche von ihnen behaupten, dass wir Realisten an teil weiser Blindheit leiden und Malier nur die Hälfte aller Erscheinungen zu sehen bekommen. Sie gehen sogar soweit, zu sagen, dass keine grosse Begebenheit sicii auf Erden allein abspiclc, dass vielmehr oben in den Lüften obve hohe, dem gewöhnlichen Sterblichen unsichtbare Welt sieb regt, die alles mitfühlt, ordnet und leitet, was da unten sicii entwickelt. Sie nennen das die Dimension der Idee. Manchmal ist es, als ob man den Phantasten beistimmen sollte; besonders an Orten, an denen grosse Ereignisse gezeitigt wurden, ist man dazu leicht geneigt. Eine dumpfe Schwere legt sich da auf uns, cs Ist, als ob die Geister der Lüfte das Gemüt belaste{ Und aus diesem geheimnissvolien Druck 11c׳r; löst sich eine neue Kraft, ein kaltes Schai und Denken wird rege, ein helles Fühlen 1 zartes Empfinden erfrischt 1ms, ein erlichen! Ahnen zieht uns hinan. Wonn man vom Zionstor 11i11aufwandcrt,< Hügel empor, festen Willens, zu sehen, schauen —- in sicii *• unterhalb -• 11m sich' 1 oberhalb — dann führt einen die grosse Sc sucht den rechten Weg in jene höhere Dirn sion, in die Welt der Geister, an die wir so gern glauben. — Tiefe Ruhe lagert über der Gottesst: Aus dem Dunkel des Abends drängt kla Mondcnlicht, das die Lüfte verklärt und Gebäude ringsum in eine .stille, überirdis׳ Schönheit taucht- D'e glatten Mauern des Zionsklost dehnen und strecken sich, die kbiucn Kunr der Moschee Nebi Daed wölben sich ins We und das schlanke Miiiarct steigt durch < piinst empor, hinan zmn Licht. Dort drin! hat Christus mit seinen Jüngern das Ict Abendmahl genossen und unterhalb ruhen Ucbcrrcstc Davids, des Psalniistcn, das Qcbäi aber ist im Besitze der Moslem, die David Uircn Propheten verehren und Christus als eil Fürsprech bei Aülah. Die übermenschlichen Geschehnisse des Platzes weiten den Bau vor dem gestigen Auge.- Von der Erde zum Himmel steigt er, ein mächtiger, feierlich leuchtender Dom. Pie Tore öffnen sich weit, wir schreiten eine breite Treppe empor und kommen in einen Saal, an dessen WS'mdcu kostbare Teppiche hängen. Vor uns eine Schaar von seltsam nussehe■■■- den Männern, die sicii alle tief verbeugen. Zwei von ihnen kommen näher. Der eine, umhüllt von kostbaren Gewändern aus Seide und einem Oberrock aus Linnen, klug und vornehmen Blickes, den wohlgcpflegten langen schwarz.״ Bart in zwei Spitzen geteilt, glänzend von OG und von Narden duftend, der andere wenig■• ז kostbar, nur in Seide gekleidet in der Hand eine Rolle aus Pergament. Er verbeugt sicii tiefer, da der Vornehme spricht und auf ihn weist. "^.!cf ^®raJa• der Gcheimschrc’bcr Seiner Majestät! Er sei Ihnen zngctcilt während der /-e t da Sie unter 1ms weilen. Möge cs Ihne״ beuchen, ihn als Kollegen zu betrachten.“ Scraja verbeugte sich immer tiefer und tiefer. Kanzler seinem Knecht an? . r * Joscpliat stellte die übrigen Herren vo