Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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(!heraus würdigen gestalteten. Hlne besondere Ucbcrraschung wurde den Delegierten durch clu Hegrüssnngssehre Iben des zum Prilsl-! deuten erwflliHcn Herrn Taft, das In herzlichen j Worten gehalten war. [ /.n Uhren des Schriftstcllcrjnhiläums Scholen» | Aleiehcitis veranstaltete eine Anzahl der indischen \ Vereine N c w Y o r k s im Thalia-Theater eine *j SoirCe. hei der Pr. Sch in ar Ja hu Löwin, der | hckamite jüdische Führer und Delegierte der ersten j 1>u111;1. die einleitende Ansprache hielt, Wührcml des folgenden kflnstlerisclicn Programms wurde u. a. J'.ö j neueste Erzählung des Jithliars ״Sc um ut I s c It m e I k c r s und sein .1 u b 11 (t u m" aus j dem Manuskripte vnrgelesc»». Dann wurde der ן ,!ritte Akt seines Dramas ״Zusüt und Zuspüt" von i Mitgliedern des Thalia-Theaters zur Darstellung; ge- 1 1<r.«cl»t, Der reiche finanzielle Frtratt des Abends 1 «imde dem Humoristen übersandt. ן ln P11 i I a d c I p h i a hat sich auf AnrCRtuiR des I Vereins ״Keiieseth Zion" eine (lriippe von Zionisten ) /11s.1m1nengctan. die beahsichtiRcn, auf Rcnosscn- 1!.eluftliclier (IrundlaRc in Paliistinn Hoden zu kaufen, ן um später der HcRrilndmiR einer neuen jüdischen kiii'Hiie iiäherzutreten. Hs sollen ]00 Aktien Im | Weite von 25 Dollar aiiSRCReben werden, und am! Ani.imj des konnneiidcu Sommers soll mit dem Landj k.uti begonnen werden. V«m den Aktionären — | .ייי \ktien sind bereits ««zeichnet — haben sieh 1 riiiue /iisanunenRetan, die zuniiehst einmal auf einer j «iesellscliafisrcisc die Möglichkeiten an Ort und Siehe prüfen wollen. Ich erwähne dieses junRC ן t'iiteriiehnicn, weil cs symptomatisch ist für j!kn Ernst. mit dem Jetzt hier allerorten Wege rc- | »uni weiden, im Umdc Israel seihst für das zio- J ni'iivclie Endziel wirken zu können. | Der Zionismus ist auch bei uns in Amerika auf! ,!ein Marsche, und ein Protestrabhiner, wie er rck'ci'ittlicli einer ARitationsrcisc des Sekretürs, Mr. j rnmi viison in Denver, Colorado, in der Person 5 11, s Herrn William Friedmnitn vom Reform Tcmplc j uAi.mdcn ist, berührt liier bereits wie ein 1 \11.uhnn1is1m1s. Die ArRiimcntc. welche der Herr ווי י \ ן (in Kanzel herab ReRcu den Zionismus hrauebte, ״ <in,l;111 und hüuliR widerlCRt. Eine Ranze Woche j!umIm eh wurde der Zionismus in öffentlichen Ver- ן Mii'iiiliniRen und kleineren ״Empfängen" Tur für ] i'ag diskutiert, und obwohl die ״Reformer“ die | l'agc'.prcssc auf ihrer Seile hatten, war der Erfolg, 1 «lass unser Sekretär l>el seiner Abreise die Mehrzahl J der luden von Denver als OesinnuiiRSRCnossen I /iirnekliess. die ihre OpferfreudiRkeit bereits durch I iiaiuli.iiic Spenden für den Hczalel und andere 1!lalasiiniselic Institutionen bewiesen!iahen, Be- | sonders erfreulich ist das reRe Interesse, das auch ן der nicht-zionistisclie Teil der .amerikanischen | linleiilieit dem Hczalci cntRCRCiihriuRt, — ן Alles in allem ist zu hoffen, dass dieser Winter, 1 dessen Arbeiten wohl vorbereitet sind, den Zionls- ן nius in Amerika ein Rutes Stück vorwürts hriiiRCn j wiid, besonders, da die politischen VorRÜiiRo Im 1 Orient ihren Eindruck auf die Juden Amerikas nicht I verfehlt haben. I New- York, Ende Dezember 1908. I F. A. B. ״Israelitische“ nquisltion ן Von Zelt zu Zelt waRen sich auch bei »ms Juden ן 'usdiamniRcn aus Lieht, die besser in dem Dunkel, ן •ms dem sic stammet», Rchlichen wären, die mau ׳• ןher, nachdem sie sich einmal dokumentiert haben, ]] ficlit mehr Riit iRitnricrcn kann. Wir rühmen »ms ״inner, dass das Judentum keinen Gewissenszwang , 1 emii - und mit Recht. Umsomehr aber müssen Dinge hei ihrem richtigen Namen RCiiannt werden, j 'iiv einen solchen doRmatischen Zwang schÜnwnstcr Irt zu enthüllen scheinen, müssen als regelrechte 1 n <1 u i s i t i n n s v e r s 11 c h c die cinmiltiRC Zurück- "eisiinR der jüdischen ()Öffentlichkeit finden. Der uns heute vorlicRcndc Fall ist der folgende: Herr Rabbiner Dr. P. m i 1 L c v y, Charlotten- 1״״g. erhielt von der Redaktion des ״Israelit "״ler dem 10. Januar 1909 ein Schreiben, in dem sie ״׳ittcilt, cs licRe ihr ein ziemlich ausführlicher He- ׳idit über einen VortraR vor, den Rabbiner Dr. Levy j "her seine 0־icntrcisc RChallen habe. In diesen» I •töricht würden ciniuc AcusserunRCi» des Dr. Levy I einer scharfen Kritik »intcrz.oRcn, und da cs sich | "ic 111 um wissenschaftliche, sondern I ״m religiöse Beanstandungen handele, so ן »volle die Redaktion Herrn-Rabbiner Dr. Levy Oe- ן •CRcnhcit Reben, sich über die Korrektheit der! Wiedergabe zu fiussern. ן Das siebt vollkommen loyal aus. Ist aber ן Hoch eine Inquisition, denn der Hinweis ״ ןul die ״religiösen BcanstnndunRcn, die wir nicht 1 Unterdrücken können," Ist für einen Rabbiner Rcrndo I deutlich genug, Zum Olück hfilt cs Herr Rabbiner 3 'זי• Levy »nit dem Worte *Bange machen gilt nicht“ und schrieb der Redaktion des ״Israelit“ das PolRende: Charlotte 11 burR, 12 Januar 1909. Sehr Rcchrtc RedaktionI Ich luibo als treuer Abonnent Ihren Brief mit Vergnügen rcIcsoh und bin gern zu einer RücküusscrunR bereit; zu Ihrem Rrössten Scluncrzc werden Sie wahrnchmcn, dass Ich ein nocl» viel Rrösscrer Sünder bin, als Sie ln Ihren schlimmsten Erwartunrcii befürchten mögen. In Bezug auf den ersten Punkt, dcsscntwlllen der Herr Berichterstatter über mich Gericht abhült Ich soll behauptet haben, ״dass Ule Institution der ברכוח auf eine arabische Sitte zurllckzuflllircti sei" ־-־ bin icli leider ein wenig missverstanden worden. Ich habe erwühut, dass die arabischen Paiüstincnscr die Sitte h.'ittcn, bei Jeder besonderen Veranlassung den Namen Allnli's anzurufen und die Vermutung geüusscrt, dass dieser scliönc Biaucb, hei Jeder Gelegenheit Gott zu preisen, hei unseren Vorfahren schon hfcimisch war, als die Welsen den einzelnen Lobsprilchcn ihre prÜRiinntc Form gaben. Ad 2 — icl» soll behauptet haben, dass unser טלית arabischen Ursprungs sei — bin icl» so frei, meine Behauptung' aufrecht zu halten. Der Mantel der ehemaligen Juden unterschied sich dadurch vot» dem kanaanälschcn Kleidungsstück, dass an seinen vier Ecken die Schaufüdcn angebracht waren. Der Mantel ohne •Sclmutüilcn hat sicli hei dem arabischen Landinann durch die Jahrhunderte mivcrüudcrt erhalten; er führt den Namen ״Aböle“ und hat in seiner braunen oder schwarzen Slrcifimg eine verblühende Ärmlichkeit mit unserem Talith. Auch der orthodoxeste Jude kann mit Befriedigung koii« staderen, dass durch unsere religiösen Satzungen uraltes sc1»titisches Kulturgut sich bis auf unsere Tage in Israel erhalten hat. — Ad 3 gehe ich offen zu, dass icli auf dem Tempelplatz gewesen hin und bin kctzcriseli geimg. elnzugestehen, dass icli wegen dieser Tat keine sonderliehe Reue empfinde. Ich habe bei der Betrachtung des uralt ehrwürdigen Felsens, der den Brandopfer* Altar trug, die heiligsten Emplindimgcn meiner ganzeit Reise gehabt. Empfindungen, die ich nicht dadurch profanieren will, dass icl! über sic rede oder schreibe. Das soll in den Augen keines Menschen eine Entschuldigung sei». Nur muss Ich dagegen protestieren, dass, wie Sic schreiben, das ״Ranze jüdische Volk" das Verbot beachtet, den Tcmpciplatz zu betreten. Von dem religiös-indifferenten oder radikalen Element, wie cs leider auch In Jerusalem stark vertreten Ist. will Icli nicht reden, dagegen könnte Ich Urnen einige Namen durchaus orthodoxer und weithin bekannter Persönlichkeiten nennen, die den ״Feisendom“ besucht haben. Der Unterschied ist vielleicht der folgende: sic sprechen nicht darüber in der Öffentlichkeit. Icli stelle auf dem Stand* punkte: was mau tut, muss man auch vertreten können. — Al>cr das ist nicht alles. Ich habe mich In meinem Vorträge noch vieler anderer Dinge ״schuldig" gemacht, die icl» nicht Unterdrücker» möchte, da Ihr Gewährsmann vielleicht vergessen hat, sie aufzuzülilcn. So habe ich — wie ich einerseits das radikale Element gcissclte — andererseits bittere Klage geführt über die Biidimgsfcindliclikclt der orthodoxen Juden in den Sliidtcn und geüusscrt, dass unserem Stuiiiminndc in seiner Not nicht gedient ist, wem» mm» von morgens bis abends ״lernt" und leder praktischen Arbeit abhold ist. Icl» üusserte ferner, es wiirc ein Gottesdienst, die Kinder nicht in der Stickluft des Cheder verkümmern zu lassen, sondern sie so weit als möglich in den jüdischen A c k c r b a 11 - Kolonien zu tüchtigen Landwirten h c ra n zub 11 dc n.*) — Ich habe für die CUalukka, diese — offene Wunde an Israels Leihe — einige bittere Worte gehabt und cs für eine Mizwaii erachtet, den Zuzug nach Jerusalem von Selten kulturell unbrauchbarer Elemente tunlichst cinzuschriinkcn. — Beim Anblick des Tcnipclplatgcs habe ich nicht ״Keriah" gerissen, sondern an das •Prophetenwort gedacht: Zerreisst euer Herz und nicht eure Kleider! (Auch habe Ich wührciul der ״neun Tage" zu Jernsalcm — Horribllc dictu — Hülinorflcisch gcgcsscnl) Ich habe gewiss noch sehr viel Unerlaubtes getan dessen ich mich im Augenblick nicht entsinne. Sollte ich mich nachträglich erinnern, so werde ich nicht verfehlen, ein hochverehrtes Inquisitionstribunal geziemend in Kenntnis zu setzen. — Einstweilen sehe ich dem über mich ergehenden Ketzergericht In Gelassenheit entgegen und danko Ihnen für die Ehre, dass Sie sich mit mir bcschüftigen. Dem liebenswürdigen Herrn Anonymus, dessen heiligen Eifer Ich löblich anerkenne, bitte Ich meine herzlichen Qrflsse übertragen zu wollen. — *) Von uns im Druck hmorgohobenl Rod. d. ״J. R," I Indem ich Sic bitte, diesen Zeilen unycrkürzt in Ihrem geschützten Blatte Rann» zu geben, zeichne icl» hochuhclktiuigsviill R a 11 b i 1» c r D r. Emil Levy, Nlirnbcrgerstr. 24. Herr Rabbiner Dr. Levy besitzt, wie man sicht, Mannhaftigkeit und Humor genug, um über solcho kleine ״Versuchungen" nicht zu stolpern. Ohne die geringste Nc'igung zu kulturkümptcrischci» Anwand• iungen müssen wir aber doeli sagen, dass für dio Öffentlichkeit In diesem Falle die Sache wichtiger ist als für den so wenig' gedemütigten Betroffenen. Die jüdische Presse wird hoffentlich der Redaktion des ״Israelit“ einmütig zu verstellen geben, dass die Zeit für eine jüdische Inquisition — auch in ihren bescheidenen AnfUngen — jetzt wenig geeignet ist. Es gibt wirklich näher liegende Sorgen, will cs uns scheinen, vielleicht sogar auch für den ״Israelit“ und! seine Bcrichtcnstattcr! Das hunderijährige Jubiläum der badischen Synodalverfassung Au» Mittwoch, d. 13. Jan. empfing der Grossherzog von Baden anlüsslicl» des 100. Gedenktages der den Juden Badens gewährten!)ärgerlichen Gleichstellung und Syiu'dalverfassung eine aus dem luudesherrliehen Kommiss,׳ir bei dem Oberrate, Geheimrat und Ministerialdirektor Bechcrer, den Ohcrr.'itcn Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer, Leop, Btt- 11 n g c r, Fritz H o n» b u r g e r (Karlsruhe). Kon? tcrcnz.rahbincr Dr. S t c c k e 1 m a c h e r (Mannheim), sowie den Syiiodalausscluissmitgiicdcrn Stadtrat Marx (Bruchsal) und Rechtsanwalt Kassewitz. (Freiburg i. Br.) bestellende Abordnung, die cino Adresse überreichte, in der es heisst: ״Am t.י. Januar 1809 hat Orossherzog Karl Friedrieh mit dem siebenten Konsiitutionsedikt seine für dl« moderne Staalsvcrfassmig grundlegende Gesetzgebung abgeschlossen. Durch dieses Edikt ist nicht nur ut»- scrcr Glaubensgemeinschaft die konstitutionsmüssig'e Aufnahme und eine den grossen Landeskirchen .,ihn- Jiclic Organisation gewülirt, sondern auf» jedem einzelneu Israeliten der Weg zum vollen Bürgerrecht an« gebahnt worden. Damit hat der grosse Gesetzgeber für seine gedrückten und missachteten israelitischen Untertanen eine damals ungeahnte Entfaltunggcistigcr Kraft und Regsamkeit ermöglicht. Auf den» von dem Unvergesslichen gelegten Grunde ist von seinen Nachfolgern auf dem Thronfl weiter gebaut worden. Nicht allein die volle bürger* liehe Gleichstellung danken ihnen Badens Israeliten, sondern auch die moderne Ausgestaltung ilircr kirchliehen Verhältnisse. Eure Königliche Hoheit sind der treue Erbe und Bewahrer der edlen Ucbcrlicfcrimgcn des ruhmreichen Hauses der; Zäliringcr. Eurer Kgl. Hoheit Tlirono nahen wir deshalb heute, »tm der durch ein volles Jahrhundert bewährten dankbaren Anhänglichkeit der Israeliten au das Qrosshcrzogl. Haus, die auch fne im Aufträge des Oberrats verfasste Qcschichte der* selben bekunden soll, bei diesem bedeutsamen Anlasse besonderen Ausdruck zu geben und das Gelöbnis treuer Arbeit und unbegrenzter Opfcrwilligkcit für das Wohl der teuren Heimat und für׳ den Ruhm des deutschen Namens zu erneuern." Der Orossherzog dankte in einer längeren herzliehen Ansprache für alles, was die Adresse in so sciiüncr Welse zun» Ausdruck bringe. Immer mehr werde erkannt, wie sein Urgrossvater einen weiten Bück geliebt habe für die Bedürfnisse des tmicr ihm geeinigten Landes und für die Anforderungen der neuen Zeit. Was Karl Friedrich, gesegneten Andenkens, geschaffen, sei grundlegend und beispielgebend geworden für die Verhältnisse, deren wir uns heuto zu erfreuen haben. Er wolle diese Tradition ganz ebenso wie sein seliger Vater pflegen und das Wohl allfcr Lnndeskinder im Auge haben - ohne Unterschied. Sehr angenehm habe ihn die pietätvolle Schmückung des Denkmals seines Urgrossvaters und der Ruhestätte seines Vaters berührt und ebenso die Ehrung der verewigten Staatsmänner, die sich ihnen zur Durchführung' ihrer Ideen z.ur Verfügung gestellt hätten. Besonderes Wohlgefallen bekundete der Gross-!»erzog, sodann über die künstlerische Ausstattung der Adresse, die den» jungen badischen Maler Ernst Kaufmann in München anvertraut worden war. Ein sinnig komponiertes und zeichnerisch wie kolo* ristisch fein durchgeführtes Bild stellt den unter dem Schutze der Gerechtigkeit erfolgten Eintritt der badisehen Israeliten in die allgemeine Kultur dar. Tt, Zu der Jubiläumsfeier schreibt uns ausserdem unser Freiburger f.•Korrespondent: Am vorletzten Sonnabend nahmen die Rabbiner In den Synagogen das Jubiläum zum Text für ihre Predigten, und wenige Tage vor dem 13. Januar wurde sehr eifrig daran gearbeitet, die nötigen Zclch-