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Jüdische Rundschau · 1909-01-22 · Heft 4 (22.1.1909) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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No. 4. Seite 40־, .1 Ü I )ISCHL KU NO SC HAU Osten. In der Verhandlung erklärte Sergeant Osten nach clndringliclicr Verwarnung vor dein Meineide auf die!,rage des Verhandluug'slcitcrs, ob er den Angeklagten gcsciilagcn, dass er die Bea11tw׳or- 11111 g dieser 1'rage nblcIn!e.. Durch die Vcrnelnmiug des llaiiptiiiaiiiis Meerkai/. «ml des Musikmeisters Scliwarzsvald wurde icstge« siellt, dass Sergeant Osten wegen des ZuspütUmnmens mir den Angeklagten, nicht aber auch Uifflcr gemeldet hat. Wegen dieses Aiiklag'cpuiikte.s erii'lgtc die Freisprechung des Angeklagten. Oer Vorfall zeigt deutlich, wie das ״zugekulffene Auge" niederer Chargen, auf das der Soldat hei den sirengcn Diszipliiinrvorsohriiten täglich angewiesen ist, dieselben Unterseliiedc y.u maclicn weiss, die aucli höheren Orts nach ungeschriebenem Gesetz bei den Beförderungen Geltung haben. Die weiteren Straftaten wurden in einigen Aeiisscriiugen Duhluwskis erblickt, die dieser zu dem erst im letzten ,iahrc eingestellten llilfsiiuboisien l.öiflcr in Gegenwart von dessen Liter» gemacht. Der Angeklagte liest reit et. aucli diese Actisse- .•.ingcn getan zu halten. Der junge Löffler sei mir ein sehr schwacher Musiker, er glaubte' mit der l'.r* zählung den dem Angeklagten feindlichem Hoboisten einen Gefalle« zu erweisen und sich 'selbst deren Gunst zu erwerben. Das Uerieht verurteilte Dubit-wski wegen dieser angeblichen Acnsserimgcn zu v i c r >. e 11 n T a g e n Mittel a r r e s t. Die' Härte kriegsgerichtlicher Urteile ist gerade in den letzten Jahren häufig Gegenstand öffentlicher Diskussion gewesen, und cs liegt uns wahrhaftig lern, mit feinem Spürsinn allerorten antisemitische Motive zu wittern. Aber in diesem Falle wird man ס. eh allzu deutlich an die bekannten Worte des l’atriarchcn rms l.cssiugs ״Nathan" erinnert. Die prinzipiell bedeiiiniigsvoile!•’rage der iiidiselten Reserveoffiziere hat die Aiiimcrksainkeii allzu lange von den weil schimpflicheren Zurücksetzungen und Verfolgungen abgclenkt. denen der gemeine Mail« beim ׳ preussisclicu Kommiss ausgesetzt ist, v onn er Jude ist. Man komme da nicht mit der ..!iefgelieiiden Abneigung gegen unsere jüdischen Mitbürger in breiten Schichten unseres Volkes." Gerade die militärischen Dienstiuhre mit ihren gem«'insameu Strapaze« und der vollkommenen Gleich* idimng aller könnten viel zum gegenseitigen Verstehen beitragen, wenn nicht die Zwietracht syste» m .1 tisch von oben her gesät würde. I'.s ist heg eiflieh, dass jene Kategorie, die allein entgegen den k'iicgsartikcln und der Verfassung von den Führerstellen im Heere im Vorhinein ausgeschlossen ist. den Kameraden und niederen Vorgesetzten aucli dann verächtlich erscheint, wenn die Offiziere sieb für zu gut dütikcu, ihren Witz an ihren jüdischen Unter* gehenen zu üben; mul die Disziplin unseres Heeres bewährt sieb kaum jemals mit gleicher Kxaktheit, wie bei dem traurigen Kapitel: ״Die Juden im! leere." Ein"neu entdeckter Antisemit Man braucht ja wirklich nach Antisemiten nicht weit auf die Suche zu gehen. Kitt Skeptiker sagte einmal, jeder Nichtimle sei ein geborener Antisemit, mul bei den Juden sei das Gegenteil nicht sicher. Der ״Staatsbürger-Zeitung" genügen aber die vorhntidenen und bekannten Antisemiten noch nicht, zumal von liberalen Blattern oft behauptet wird, dieser und Jener grosse Mann, dieses oder׳ jenes Volk kennt keinen Antisemitismus. Besonders häufig wurde das von den Japanern gesagt, und die Staatsbürgerin könnte recht haben, wenn sie meint, das kommt nur daher, weil die Japaner auch fast gar keine Juden kennen. Denn wenn alle die!•'aktoren des Anti- .semitismus --־ als da sind Neid, Hass gegen alles Fremde, politische Bescliriinktlieit, spiesshiirgcrücho ״Ideale", Streberei und Intrigantentum. Heuchelei in allen Schattierungen, diimiit-eliaiivinistisclier Ligendunkel etc. etc. -- überall so üppig aiifspriessen, warum sollten sie In Japan nicht vorhanden sein mul bei guter Gelegenheit ans Lieht kommen? (Obwohl allerdings gerade die Japaner bis Jetzt wenig von diesen kiiltnrförderiulcii Tilgenden Imbcn bemerken lassen ~~ vielleicht ist das al>er mir aus maiigeiiider ״europäischer Zivilisation" zu erklären!). Die Staatsbürgerin, der wir schon so manche fette Lute danken, hat sich aller an die Ligen- Produktion diesmal doch nicht gewagt, sondern hat sieh au ihre russische Kollegin, die ״Nowoje Wremja" gewendet. Die Glaubwürdigkeit dieser verehrten Kollegin stellt mm zwar nirgends sehr hoch ungeschrieben . ~ t;;ts!Halt des Herrn Suworiu ist sogar manchem deutschen antisemitischen Blatt im Fälschen mul Seit windeln ganz, erheblich über! — aller Naivität ist ja auch eine antisemitische Tilgend, und so berichtet die ״Staatsbürger-Zeitung“ ihren Lesern folgendes: ״Kein geringerer nämlich, als Her iridiere!amtniselic Ministerpräsident mul der intimste Freund des :Mikado, Grat Okuma, hat über das Judentum Ansieb teil ziiiii besten gegeben, die geeignet sind, überall das grösste Aufsehen zu erregen. Die New-Yorker Korrespondentin der ״Nownje Wreinja". die auf der Durcltrci.se nach Amerika längere Zeit in Tokio verweihe, veröffentlichte nämlich vor kurzem eine Reihe von Aufsätzen über ihre Liudrüeke. Bekanntschaften und Besprechungen, die sie in Tokio mit den einflussreichsten Staatsmännern, Aristokraten m׳d Politikern hatte. Grosse Sensation in ganz Russland mul Japan hat mm der Artikel der l־'ran Bnrjatschowska, so heisst die Korrespondentin, liervorgerui'en. welche ilire Interviews mit einem der höchsten Staatsmänner in Japan, dem oben genannten Grälen Okuma, wiedergilit. Zuerst dreiite sich das Gespräch um die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen /wischen Jamnuiinl Russland, daun aber fragte Graf Okuma die Korrespondentin, oh das Gerücht, dass Graf Witt e neuerdings au das Ruder komme, ri Jitig sei. ״Was denken Herr Grai von dieser Konibination?״ iragte die Korrespondentin. ..Ich könnte dieser Walil nur ziistiii.iiien.״ antwortete Okuma, ״weil ich den Grafen Witte als einen gewandten mul fiiedlichen Politiker noch ans der Portsmmitlizeit kenne. Gew iss wiiic er mir lieber als lswolskv, mit dessen Politik im weilen Osten niemand zufrieden sein kann. Das einzige, was icli dem Oraieu Witte \01wericn könnte, das ist seine luden freund- I i c 11 c Politik, die er ganz offen in Portsmouth zur Schau trug. Ich möchte dem Grafen Witte den guigcniciutcn Rat geben, s i c 11 v o m .1 11 d e 1111111! /. 11 e m a 11 z i p i e r e n. Die Juden arbeiten au der Zerstörung Russlands, indem sie die Grundpfeiler des Patriotismus zu untergraben trachten, ITaukreielt und andere Staaten sind beute von Juden schon •/ersetzt und zerstört. Ich beschäftige mich viel mit der Judenfrage und mich interessierten besonders die Ursachen des grenzenlosen Hasses, von dem die ganze Welt gegen die Juden critilL ist. Dieses N 0 111 a d e n v o I k 11 a t kein V a t c r I a n d 11 ״ a w011 i 11 es zieht, trachtet es, die Vater• I a n d s 1 i c b c m» d g e s 11!1 d e Moral der V ö I k c r - 0 n s t g c b c r z 11 e n t w c i 11 e 11 11 n d zu zersetzen. In Japan gibt es keine Juden, wir k e n 11 e 1) d e s 11 a 111 dieses V o \ 1, praktisch nicht. Nichtsdestoweniger haben wir Japaner einen Heidenrespekt vor dieser Rasse und lassen die Juden unter keiner Bedingung m Japan sich ständig aitsiedelu, Die Juden streben (iaimcli, eine internationale Republik zu gründen, wo sie die iiimmseliräiiktc llerrseberrolle spielen wollen. Wir selien, wie sie Amerika und Liirom .schon croliert haben. Ohne jede b'eberlreilumg kirn:׳ mau sicher behaupten, dass der gesamteWeltreich• tum unter jüdischem Liniliissc stellt. Von ihnen luiit•.׳,: jetzt Krieg und Priedeu ab. Das Italien wir erlebt mul auch im letzten Kriege verspürt. Die Jude!, allein tragen die Schuld, dass Russland heute so ge• schwächt mul erniedrigt ist. Deshalb rate ich den, (irafeii Witte, d e 111 .111 d c n 111111 k e i 11 c weite r e n Konz e s s i o 11 e 11 z 11 111 a c 11 c 11,״ Und die ״Staatsbürger-Zeitung" versichert i! Biedermannstone noch, nicht mir die russischnationalistische Presse (!!) hätte diesen Artik hundertmal gedruckt, sondern sämtliche japa II i s c 11 e Z c i 11111 g e 11 hätten mit der grössten M» friedignng Wort f ii r Wort diesen Artike wiedergegeben, und mir die ״internationale jüdisch» Zoitiingszciisiir" hätte ihn totgeschwiegen. Was die ״russisch-nationalistische Piesse" an langt, .so mag die Sache stimmen -- diese Organe de: ״echt-riissiselicn Leute" haben noch ganz, niulet. Sachen gedruckt. Aber für die begeisterte Zustiiu• tmmg der japanischen Zeitungen wird wohl die ״Nowoje Wremja" selbst die ״Quelle" sein, denn Her. —־ix. von der ״Staatsbürger-Zeitung" verstellt ver• nmtlieli weder drei japanische Scliriftz.eielien noch auch kennt er eine japanische Zeitung. Die angeblichen Acnsserimgcn des Graici Okuma aber sind in iiirer Tendenz von eine solchen albernen Aufdringlichkeit, dass wohl keio Mensch ausserhalb der Redaktionen der beiden antisemitischen Bniderorgaiie an iure Leiitiieit glaubt Jeder Satz zeugt für die tendenziöse Lrfindiuig Aber Japan ist ja weit, mul telegraphieren würde Graf Okuma wegen eine solchen diimmei: Schwindels nicht gleich — also. Man Könnte cs beinahe wirklich bedauern, das^ die antisemitischen Zeitungen nicht wenigstens im: etwas Verstand und Geschicklichkeit redigier: werden! — 110 — Amerikanischer Brief Das jüdische Vcreiiisleben Amerikas zeigt im begonnenen Winter allenthalben das Bild erfreu• lieber Rührigkeit. Die erste Dczcmhcrwochc brachte den V. Jüdiseiten Prauentag in Cincinnati. Das umfassend•• Programm der Tagung bezog sich auf Fragen de: religiösen Li Ziehung, soziale Fragen, Mädchenhandel und die interna des Verbandes. Fiiiifundvicrzig dv weit über das Land dislozierten Gruppen hatten Delegierte entsandt, die mit grossem Frust an den Beratungen teilnalimeii und die Tagung zu eine: nicht durch irgend etwas ilire Schuld abtragen könnte. Sie wollte ihm so gern zu Diensten stehen, aufrüumen und putzen, sein Bett machen, seine Wäsche überndunen, die Einkäufe für ihn besorgen. Nein, er brauchte keine Hilfe. Kr war daran gewöhnt, sich selber zu helfen. Wenn sie aber zuweilen mit ihrem kleinen Mädchen zu ihm kommen wolle, so würde es ihm sehr l eb mul angenehm sein. Und er streichelte das Köpfeben der Kleinen. $ Wenn die Zimmermuunsirau beim Hinausgehen einen Blick nach rückwärts getan hätte, so wäre ihr ein sonderbarer Anblick geworden, aber sie ging mit frohem Herzen und leichten Schritten quer über die Gasse und segnete im stillen den alten Manu, der 11m ihretwillen ein solches Opfer gebracht hatte. Denn sic verstand recht wohl, dass cs ihm sehr schwer geworden war, Ebcnczcr verschloss die Tür hinter ihr und , knieto vor dem Feuerherde nieder, wo er alles Gerümpel in eine Ecke schob, so dass dio Herdfläche ganz frei lag. Auf dieser Stelle leerte er nun das Kästchen aus, und begann die übriggebliebenen Goldmünzen in bestimmten Linien und Vierecken auszulcgen, wie ein Kind die Stücke aus einem Spiclzcugkastcn ordnet. Jemehr die Arbeit fortschritt, desto leuchtender wurden seine Augen, und d'e gelblichen Wangen bekamen Farbe. Die emsige.׳!, bebenden Finger fügten Münze an Münze in langen Keilten an einander, hier und dort eine Oeiiuuiig frei lassend. Hs waren die Mauern und Pforten seines erträumten Jerusalem, und er batte cs so au! dem alten Herde aufgebaut, dass er ohne viel naclizttdenkcn jeden bFnkendeii Stein auf den rechten Platz legen konnte. Als die Mauer fertig war, zog er ein Paar gerade Linien, di־.׳ in einem kleinen Abstand parallel von einander 1 liefen. Das war der Weg nach Jerusalem. Aber plötzlich musste er mit seiner Arbeit auihöron, Das Material war zu Ende. Die Augen erloschen, die runzligen Wangen würden wieder gelb, und die Arme sanken matt und leblos an den Seiten herab. ,,Ich wusste cs," seufzte er, ״ich wusste cs. So ist cs immer. Der Weg wird niemals fertig, niemals. . .“ Die Katze sprang auf den Herd, setzte sich dort mitten zwischen die Goldmünzen und starrte ihren Herrn an, der noch vor dem Feuerherd kniete. ״Was willst du?" sagte der Jude. ״Glaubst du, dass ich bereue?" Er schob die Katze beiseite und legte die Geldstücke, eins nach dem anderen, in das Kästchen zurück, Es war nun fast dümmrig ln dem kleinen /immer geworden, aber nachdem er seinen Seil,atz wieder verwahrt hatte, setzte er sich auf schien dreibciiiigen Schemel am Fenster und begleitete, wie früher — mir vielleicht etwas weniger hofinungsvoll — seine Arbeit mit detn alten Gesänge. ״F.henezcr, Ebenezer wird nach Palästina reisen." 0 # ׳> Schon am folgenden Tage kam die Zimmermmmsinm wveder, um ein Goldstück zurück zu bringen, das sie unter den Silbenniinzcu gefiindcn 11aü׳.\ Der lag hatte schon längst begonnen, aber Lbenezer sass nicht wie gewöhnlich auf seinem Holzschcmcl am Fenster, Die Katze ging unruhig und schnurrend auf der Diele umher, und war mit einem Sprunge draussen in der dunklen Gasse, sobald d!e Tür geöffnet wurde Die Zimmennannsfrau wollte sich wieder zurhckziclicn, als ihr kleines Mädchen auf etwas nn Bette hinwies. " ,:£!01יז n1al• M,,ttcr• wie schrecklich bleich ei SCriCm B£ttc und sch״cf• obgleich cs sei: so spät am Tage war. lärbi״’ o״fSCl1llicV.״UiR u״d friedvoll! mit ein Pf«r!?n dC״ Lppc־״ Er war durch Horten des neuen Jerusalem eingegangen

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