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Jüdische Rundschau · 1909-01-22 · Heft 4 (22.1.1909) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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- N״. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 39 treiben, so wilrc ich überzeugt, dass sich ülc absolute Mehrheit der Duma zur parlamentarischen Aktion »ul (IResem Qcbictc bereit gefunden hatte, poch hat die Opposition kclno Zeit, sich hiermit zu belassen, ihrer linrrcn Jn grössere Aufgaben und Probleme .... lilcrinll könnte teil eigentlich inclitcii vorllcgcn• ,11-11 Herlelit selillcsaeii. Dm:h «ult e» wahrend meiner Kiir/.lristlucii Tätigkeit uis Deputierter noch zwei Momente, von denen viel Kosproehen wurde, sowohl im Luter meiner Widersacher als auch Im Krelso meiner Parteigenossen. Hierunter verstelle ich erstens meine unab• listige Pllrsprachc für meine Oimihcnsgcnosscn in eiii/vlncn Füllen, und zweitens meinen Wunsch, dlo jüdische l'riigc in ihrem ganzen Um• fang in der Duma aufs Tapet zu l* rin ge n. Um dies bewerkstelligen zu können, 1,11 ich einige Schritte rein Informatorischen Charakicrs in den Ocmiiclierii des Tau rischen Palais bei den I.eitern derjenigen Prnktionen, die noch mehr;nr Rechten neigen als die Frlcdcnscrncuciicr, aber riich ausserhalb der Dnmn. Anlässlich meiner einzelnen Rücksprachen mit M ö ncrii der Regierung, um!eine Abänderung der gegen die Juden bestehenden Rcprcssivmassrcgcln zu erwirken, ertönten unter den Petersburger Jlldi• sehen Propagandisten bestimmter Richtung fort• u.iliiciul Stimmen des Protestes, die darauf bin*! wiesen, dass ich meine» Dcputicrtciibcruf mit Klclnig- Keilen vertrödele und dadurch meine Würde uis Ver• ncle'r der Juden verletze. Ks wurde mir der Vorwurf gemacht, dass Ich zu einem unbedeutenden ״Für•! sprcchcr" ulten Zuschnitts geworden würc, usw. j Auf diese Angriffe habe ich bereits in der Presse geantwortet. Ich wiederhole cs liier, dass feil mich von Beginn meiner Dcputicrtcntiitigkcit an als ״Dol• welscher" hei der Regierung fiir alle meine Brüder verwende, die sich tügich ans allen Ecken und Enden Russlands mit Jammern und Klagen und hllfcflchcnd;-11 mich wenden, Meist handelte cs sich um Un• gliicKsialle. deren Abhilfe einstweilen nur von den Behörden abhüngt. Da wurde ich, ohne Jegliches Zögern und ohne n>cincr eigenen Einsicht zu folgen, ein traditioneller, ״unbedeutender Fürsprecher", dessen Lied zur Zeit der Freiheitsbewegungen' vielen bereits für immer verklungen erschien. Was sollto ich jedoch tun? Für mich selbst würc cs n a t ii r I i c 11 viel bequemer und a n g e ne 11 mer. mich einfach in die Togal eines römischen Patriziers zu hüllen, j wie es mir ein Petersburger Jü dI• sehe! Politiker ungeraten hat, von dem Antichambrieren Abstand zu ne h men und mich mit dem Ehrensitze des Dc pu11 e r tcnstu hIs im Taur i s c 11 e n Palais zu begnügen. Möge nun die mit Steinen auf mich werfen, die imstande sind, gleichgültig an den Trünen der Verzweiflung ״!ich davon zu trennen. Aber sehen Sie nur, wie schön sic sind." Sie nalun eine Tasse aus dem Korbe und l'iclt sic gegen das Lieht. ..nurchs'chtlg wie Glas und mit echtem Goldrande." ״Behalten Sic sic nur, und trinken Sic mit Hii'en Freunden daraus Kaffee. Wir können vielleicht einen anderen Ausweg finden.“ Sic ׳legte die Tasse wieder in den Korb und will ihn fragend an. Eine lange Weile sass er in Gedanken verfinken, und schien vergessen zu haben, dass Mnand im Zimmer war, und als die Katze auf seine Kn!e sprang, und sich schmeichelnd an 1 'Im schmiegte, da sagte er gleichsam erstaunt: j ״Ja so — du bist also hier.“ ״Ebcnczcr, Ebcnczcr wird nach Palästina reisen.“ Dfc> kleine Strophe glitt so pKJtzl'ch über ’C!nc Lippen, und er sah dabei so sonderbar :'״s, dass das kleine Mädchen sich näher an seine Mutter schmiegte und ihn erschrocken anstarrte. Aber ebenso plötzlich erhob er s'ch, sein Antlitz hellte sich auf, gleichsam wie von innen '׳eraus, und dann ging er auf einen alten Schreiblisch zu, der zwischen dem Herde und der Aussenwänd eingeklemmt stand, er sprach dabei! 1 schncM und entschlossen, wie zu sich selber: ' und den alltäglichen Leiden unserer bedrück* teil, armen und hungrigen Brüder vorübcrzug'ehcri. Mein Gewissen, mein Herz lassen mich nicht so handeln. — Bedeutet dies etwa, dass Ich meine Mission in dem Slnno nufgeinsst habe, nur ein Blttsteiler unserer Notlage vor den Machthabern zu sein, und dass cs nicht meine Aufgabe ist, für dlo tterechto Suche 111 der Dinim mit allen tim♦ zu Go• bnto stellenden parlumcntarlscheii Knmpfcsmlttotn 0111• zutreten? Natürlich nein, tausendmal 110 1 ul Nicht umsonst habe ich vom ersten Augenblick meines Eintiitts In die Duma davon gesprochen, dass cs notwendig Ist, dor Taktik de• Totschweigen• dor ilidlsclion Frage In dor Duma etil Endo zu boroltoii. Ick kann daher denen nicht zustlmntcn, die da bc• lumpten, dass os für die Juden günstiger würc, dio Rechte nicht in Aufregung zn versetzen, die angeblich die Handlungsweise der Juden mir zu demonstrativen Skmulniszencii benutzt, Hierbei kann Ich nicht un• erwühut lassen, dass Pu risch, ko witsch von der Rednertribüne seine empörende Erzühluug von dom Schild an einer Kneipe in Prenssen: ״Hier ist Juden und Ihm de ח der Eintritt vor• ho teil!" nicht nuch, sondern vor dem Auftreten der Juden hei dem Etat des Ministeriums der Volks• aufklürung vorgchrucht hat, Zugleich muss Ich aber betonen, dass ich einen tiefen Schmerz empfand in dem für uns so schimpflichen Augenblick, der von der QI c I c 11 g 111 i g I; c 11 nicht nur der leitenden Dmimmeliiliclt, sondorn niicli der Opposl* tlon gegenüber dieser den Juden Ins Gesicht ge• schleuderten Beschimpfung zeugte. Nur von den Banken der ilusscrstcn Linken erschallten schwache Zurufe ״Ekelhaft", und der Prüsident Baron Mey c 11• dor ff beschrankte Meli auf die Bemerkung, der Redner möge einen parlamentarischeren Vergleich wühlen. llfornacfi bedeutet ״kiimplcn“ nicht schwelgen! Nun darf man aber unter Kümpfen Im Parlamente nuch nicht verstehen, seine Gegner vom Duinapndium aus mit schönen Gesten oder sogar mit Donnerreden iiiederztiwcrfcn. Ein solcher Kampf er* fordert Zahlen und Fakta, um die Gegner zu entwnffucn, was nur in den Dumakommlssloneu möglich ist. Deshalb eben trage ich mich mit dem Gedanken, der Duma einen Gesetzentwurf zu über* reichen, demzufolge die politischen und bürgerlichen Beschränkungen der Juden aufgehoben werden. Dies kann Jedoch mir unter der Bedingung geschehen, dass ich zuvor die unbedingte Z u s i c h c r, u n g erhalte, die Duma werde sich damit einverstanden erklären, den G c s e t zc n t - wurf einer entsprechenden Kommissi0n zu überweisen. Zu diesem Beliufc erkündigte ich mich bei den Führern der rechten Fraktionen, wie sic sich zu der Frage verhalten würden, einen derartigen Gesetzentwurf einer Kommission zu überweisen. Als sich nachher, noch vor Ostern, anlässlich der mir aus dem ״Rayon" zuge• ״Nein, die Reise nach Palästina muss einstwellen noch aufgeschoben werden.“ Er entnahm der obersten Schublade ein kleines Kästchen. Und während er es öffnete, sprach er: ״Ich werde Ihnen erzählen, was cs für dne Bewandtnis damit hat. Als ich noch ein ganz kleiner Knabe war hatte ich einen Wunsch — einen einzigen. Der hat sich wie ein goldner Faden durch mclu ganzes Leben gezogen — er war der Traum meiner Nächte und die Freude meiner Tage. Er hat mir viel, viel anderes ersetzt, was ich entbehrte, — Weib, Kind —־ Ich habe keines von Beiden besessen. Ich habe gearbeitet und gestrebt — und tue cs heute noch — um dieses Ziel zu erreichen. Immer sehe Ich es vor mir, und strecke nra'nc Hände danach aus, Er streckte seine mageren Hände nach der dunklen Hcrdcckc hin, und seine Augen bekamen einen wunderlichen, entrückten Ausdruck. ״Jerusalem, Jerusalem, du herrliche Stadt, die seinem auscrwählten Volke wiederzugeben dor Herr versprochen hat. Du bist es, nach der Ich mich sehne, und einst werde Ich deine Mauern sehen, und durch deine Pforten einziehen.“ . ״Sieh her,“ sagte er und streckte das Küst« chen hin, ״daran habe ich lange, lange gesammelt — das wird mich dorthin führen.“ gängelten Mitteilung, dass dort von Seiten der ״echtrussischen Leute" Ausschreitungen vorbereitet würden, beim Ministerpräsidenten vorsprach, benutzte Ich die Gelegenheit und teilte!י. A. S t o I y p i 11 dio von den Führern der genannten Fraktionen erhaltenen Antworten mit, tun zu erfahren, wie die Regierung über dieses Beginnen denke. Selbstverständlich Spruch ich Im «egciiencn Fülle'mit dem Kcglcrnngs• überhaupt(! nicht In der Elgenscliuft eines ״Für- Sprechers", sondern nis 111 י r I n in 0 n t n r 1 c r, der sich zu einer Aktion vorbereitet, die cs cpfordcrlich macht, darüber verständigt zu sein, nach welcher Richtung um zwcckniüssigsten vorzugehen wiire. Ein schlechter Stratege ist, wer den Kampf aufnimmt, ohne zuvor das Schlachtfeld rekognosziert zu haben. Ein schlechten Kampfer Ist derjenige, der mit verbundenen Augen au! seinen Gegner zielt. Mir Jedoch hat man den Vorwurf gemacht, dass Ich den Wunsch gehegt hätte, zu handeln, ohne mich dabei einer Oefahr aussetzen zu wollen, well ich vorher den Ausgang zu sichern suchte, der unserer Sache nm wenigsteil gefährlich schien.!Schluss folgt.) Juden beim Militär Der Hilfsholmist Dublosvski vom 37. Infanterie- Regiment in Krotoschin steht unter der Anklage in drei Fällen beleidigende Aeusscrungcn gegen Unter- Offiziere seiner Kompagnie getan zu haben. I). ist Jude und wnr «Is solcher, wie die Verhandlung ergibt, den niederträchtigsten Schikanen und Schindereien seitens seiner Vorgesetzten und daher uucli seitens seinen ״Kameraden" ausgesetzt. Die Parole zu Hänseleien, die fast stets in Geliüssigkcltcn ansarten, kommt beim Militär stets ״von oben" und ein jeder hat ein feines Gefühl dafür, wem gegenüber er sich etwas ״rnusnehmen" kann, wer der Willkür schutzlos prcisgcgcbcn ist und wer au der zuständigen Stelle auf Rückhalt zu rechnen hat. Die Verhandlung zeigte, dass dieses Gefühl die Beteiligten nuch diesmal nicht getäuscht hat und warf ein grelles Schlaglicht auf die wenig beneidenswerte Rolle, die der jüdische Soldat biswellen in der Kompagnie spielt: Als D. eines Abends mit seinem Kameraden Löffler zu spat in das Quartier kam, wurde er von dem Sergeanten gemeldet und daraufhin mit drei Tagen Mittclnrrcst bestraft. Die Anzeige gegen Löffler aber unterdrückte der Sergeant und erklärte Dublowski, Löffler sei von dem Hauptmann mit einem Verweise bestraft worden. Die Bcleidigungen, deren siel» Dublowski schuldig gemacht haben soll, wurden darin gefunden, dass er von den Misshandlungen durch den Sergeanten Osten seiner Mutter Mitteilung gemacht hatte, die wiederum dem Kompagnicchcf, davon Anzeige machte. Da Sergeant Osten die Misshandlung im Laufe der Voruntersuchung entschieden bestritt, so erblickte die Anklage in der Mitteilung des Angeklagten die Verbreitung einer unwahren Behauptung und eine Beleidigung des Sergeanten w■— ,1 ■!׳■ ■ ■■ . —————— Er wog das Kästchen in seiner Hand und betrachtete mit g'crigen Blicken die Münzen, die auf dem Orunde lagen. Aber als ob er einer Versuchung entgehen wollte, schlug er hastig den Deckel zu. ״Wieviel braucht Ihr zur Miete?" fragte er schnell, und wandte sich der Zimmermannsfrau zu. Das war wieder der alte Ebenezer. ״Nein, nein,“ sagte sic abwehrend und streckte ihm ihre beiden Hände entgegen.“ Für mich sollen Sie kein solches Opfer bringen. Ich werde ins Leihhaus gehen.“ Er schien nicht zu hören. ״So, hier nehme» Sie,״ sagte er. ״Eins; zwei — zehn, zwanzig — brauchen Sie mehr? Dreissig.“ Es war ein seltsamer Eifer über ihn gekommen und während er die blanken Kronen hcrausnahm, erstrahlte sein Gesicht in wachsender Befriedigung. ״Ich wo*ss nicht, ob ich es annchmen darf,“ sagte die Frau, und Ihre Augen standen in Tränen. ״Sie dürfen,“ sagte er und legte das Geld ln Ihren Korb. ״Und soMten Sie ln weitere Bedrängnls geraten, so kommen Sie her.“ Sie hätte seine Hände küssen mögen, so braun und runzl'g s&e auch waren, aber sie dankte ihm schliesslich nur und fragte, ob sie 'S t i, f' t, I. * 1 f; r. t t: L! t i *>,;1' 1: I .} ) :t; i! i I : I 1

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