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Jüdische Rundschau · 1909-01-15 · Heft 3 (15.1.1909) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 3. >clmui1K der orientalischen .ludeiätelt werde». Soeben 151 auch liier der lange erwartete, be* tltfiiliiiMftvotlc Gedanke einer » o 1111 s c 11 c 11 O r. uaiiUiille'• der Jude» des o 11 n 111 a 11 i * s c h e n R c I e 11 e s »115 Ihrer eigenen Mitte heraus;ms l.iclit getreten. ■a Ibis Volk hat seine Amwort mit die lhroiirede des Ntiivcrllns gegeben und sie im ganzen Reiche dftentllcli .msclilngcii lassen. Und so hnt Jeder Sutz. dieses he• itentsamvn Dokuments Kraft mul Wirkung gewonnen. Um m* wichtiger ist die Passung, die schliesslich der Uislussung über die Seltuifrage gcgclieit wurde. Hie grosse prinzipielle Debatte mit klarem Herausneten der nationalen Programme und iiriiimicrungeii. die erwartet wurde. Ist ausgehllcben. Wieder hat sieh die Higenart des türkischen Charakters, wenn man will, auch die Gesell icklich• kdt der juiigtiirkiselieii Taktik, darin dokumentiert. Hinge, von deren Behandlung!nun ernste (leiahren ,;wartete, sind dem leidenschaftlichen Atem der InbibicnUcliandlung entzogen und in klugen Vor• KMiiccliuiigcn kühl und entgegenkommend erledigt worden, 50 dass nach aussen hin nichts als eine voll- /ngciic Tatsache und eine allgemein befriedigende \1muHigkeit zutage trat. Oer Protest der Nutlmiall•!;iii'ii gegen eine staatliche Kontingentierung und t'iiiiormicriiug des gesinnten türkischen Schulwesens. ,11 c aus der itrsnrüiigliehcii Passung des Satzes Über nie Erziehung itcratisgeleseii wurde, kam In einem ,licsbczügliclieii ״Wiinsclie" der (Irieclicn bei der kmniuissionsbcrutiiug zum Ausdruck. Und um des »•'Bodens uml der crspriessliehen Fortarbcit willen ist!׳m Rechnung getragen worden. Pie Thronrede• .mtuort besagt uuninebr. dass nur die bis jetzt vom Maate selbst gegründeten und dem! iitwrricbtsmiuisteriuni unterstehenden Scbulanstalteit unheitlicli auf nationaler und patriotischer ()rund• .!ge /n reformieren sind. Somit sind die von den!׳!riechen, .luden und andern N a 110 n a I i t ii t e 11 unterhaltenen Schulen als t*r ivatunstulten erklilrt und mit der ver• i.mgtcii P r e i 11 e i t für die W a 111 der U ni e r r ic h t ssp r a c h e und des Scliulpro• *ranims ausgestattet. Pieso P.rlediguiig der Präge kann auch das indische Ocwlsscii beruhigen. PALAeSTINA'RUliOSCHAU ־־ma— Die Administration der JCA hat über die landwirtschaftlichen Arbeiter! 111 Clalilila ihre He• »nediguug geüusscrt. Per gesamte Hoden von s eil sc her» ist ausschliesslich von Juden In;• ׳ •irbeitcl worden. In vcrliiiltnlsmüssig kurzer Zeit j M111I last alle Arbeiter IJodenhesitzer geworden. > 1he Arbeiten sind derart hervorragend, dass die I \dmi11istrntion der JCA daraus ersieht, dnss eine , indische Kolonisation In Palästina bei einem liclsslgcn ' und energischen Vorgehen weit grössere Erfolge er• , 'iclcn könne als eine solche In Argentinien. In!miss• gehenden Kreisen der Administration trügt man sich : ״dt der Absicht, der JCA eine Erweiterung ihres Vrheitskreises in Palästina zu empfehlen. * ma In der letzten Zeit ist die JCA bestrebt, 1״ Tiber las ihre Kolonisations-Arbeit zu er- 'eitern und neue Krättc nnzusicdcln. Zu diesem *wecke ist die Administration in Palästina beauftragt worden, den an Araber verpachteten Hoden den Pachtern zu kündigen und Juden znzuweisen. Un* .׳tiahr!WH) Dunum des Bodens, den die Tscbcr* kessen gepachtet hatten, wurden bereits Juden über- .:eben, in alicrnüclistcr Zeit muss auch die Klage nitseliieden werden, die die JCA gegen die Araber ״'׳gestrengt bat, die in nicht rechtmässiger Weise ,<0יא ßuiiuin des Hodens von Lubia sich angccignct hat; dieser Boden soll dünn ebenfalls mit .luden '׳esiedclt werden. P.ini• ncucKolonlu beabsichtigt lie JCA in Hcth'gan zu begründen. Jeder der Kok•• nisten der neuen Kolonie soll von de״ JCA 250 Dunum ei halten, ferner ein Wohnhaus, einen Stall und 3000 *’’raues zum Ankauf von Arbeitern, Vieh usw. kn h tzten Jahre hat die Administration sieben Kolonisten 1״ Jamma, vier in Me schab, sechs in Zfilnh ״nd sechs in KI n c r c 111 angcsiedclt. 4! ma— in Clicüerah herrscht eine hofiuungs• hohe Stimmung. Fs ist wührend des ganzen Som• ׳ners kein Malaria-Pall vorgekommen. In ärztlichen Kreisen glaubt man annchmon zu können, dass diese souchc in kurzer Zelt völlig verbannt sein wird. Die Inhaber der neuen Wein gärten, die in Chcdcrah gepflanzt wurden, haben im Tal Chcdcran vinen Brunnen gebohrt, um filr die Gürten genügend Wasser zu haben. Die Aerzte sind der Ansicht, dass dieser Brunnen auch hygienisch von grosser Be• deutung ist, weil er das Talwasscr selbst reinigen und die ganze Gegend von KrankhcltsbazlUcn säubern wird. # -'ma— in Haifa wird in diesen Tagen dio tcehniachc. Fabrik fertig, die die Aktien««• __ .f 0 n IS C H E RUNDSCHAU.; Seilschaft ״Atliid" begründet bat. Nach zwei Monnten wird sie bereits In vollem Hange 5el11. Ptlr dio Industrlcatlslcruiig Haifas ist diese Pnbrlk v.on grosser Bedeutung, RUNDSCHAU DER PRCSSe Oesterreich, Wochenschrift Wien In einem Artikel Uber die bevorstehende Koniorenz der Mächte heisst es mit Bezug auf die Annexion Bosniens und der Herzegowina: ״Bios weil ein Wort, eine Form des Berliner Vertrages geändert wurde erlichen sich einige Ürossmüelite wie grollende Götter, ihre offiziellen Organe wie brüllende Löwen, und es wird mit diploinutisclicn Noten und l.cilurtikeln ln einer Art geschossen, dass mun hätte meinen milsseii, jetzt und Jetzt müssten auch die Kugeln koiunien. Hnt mau eine grössere Heuchelei jemals gesehen? Ein viel krasserer, ein wirklicher, all des Internationalen Rechtes barer Vertragsbruch liegt vor, und doch wurde keine einzige Zelle für ein Golbbucli oder Ülaubnch geschrieben. Es ist richtig dass die rumiinlschen Juden an Zahl nur ein Dritte] der aniiektierteu Serben ausmaclteii. Aber das Unrecht, das Unicii zugefügt wurde mul wird, üherstelgt die un• geblichc Unhill der Annexion wie ei» Berg einen Maulwurfshügel. P.uropüisehe Sklaverei ist die Bclumdhmg der Via tclmilliou rumänischer Juden, die niclit mir der Bürgerrechte, sondern mich der Menschcnrcchtc beraubt, unter Ausnahmegesetze gestellt, Vom P.rwcrh, der Bildung uhgcschnürt, aus gemein• stem Pamitismus!lein bittersten P.lcud in die Arme getrieben werden. Und doch haben ihnen die letzt empörten Urossmiiehtc Freiheit uml Recht garanllcrt, mit dein Worte der Poteutiiten und Minister slcliergestcllt. Ach Oott, wer wird sielt erfreelicii, im eine Konferenz der Judleii wegen auch nur zu denken! Aber Ihrer eigenen Ehre, ihres Ansehens, ihres Rechtes wegen hätten dio Garanten des Berlincr Vertrages wenigstens einen platonischen Ein- Spruch erheben müssen, als rumänische Grausamkeit Pogroms veranstaltete und die luden zur Mussemms• Wanderung zwang. England uml Amerika liuhcn wenigstens den Versuch dazu gemacht, aber die anderen linhen billigend geschwiegen.״ Baronin v. Cohn-Oppenhclm-SlUlung Pie gross.trtigc Inmmnltüre Baronin v. Colin Stiftung in De.ssim, die nach verschiedene» Riehtimgen örilichcr uml nllgemciner Philanthropie in grossem S1il scgenhriiigeiHl wirkt, hatte schon fniilier einige kulturelle Institutionen und Wohlfahrlsoin* riclitungeu in Pa lü st hin mit Suhveiitioneii bcdacht. Pie nene i'ntwicklnngspliase, in die die Palilstinaarheit resp. die Kolonisation und die jüdischkulturelle Renaissance dort eingetreten Ist, entging nicht dem weitanssehaneiulcn Blick des Kuratoriums, xn dem die Herren Geheimer Kommerzienrat Hugo Hl umcutha!, Geheimer Kominerzienrat August '1' r 111» tu a 11 n . I loibankier Merker und Rechtsanwait A seil er gehören. Um über die Lage der jüdischen Bevölkerung Paliislinas, den Stand der iiidiselien Sicdchnigui mul fiistitutinncii Auskunft zu erhalten, bat das Kuratorium der Stiftung beschlossen. Herrn Kantor Blitz nach Palästina zu delegieren. Herr Blitz, der mit dein Charakter unseres Volkes tums so eng vertraut und der so intensiv das IIIdisclie Volksleben cmpiiiiUut. hat niclit die Aufgabe, in kühler, faclmiiiimi.scii-wisscnscliaftlici'icr Weise Untersuchungen auziistcllcu, sondern, sich durch nnmittolbnres Inhezleliiingtrcfen mit Land und Leuten ein lebendiges Bild über die Bedürfnisse und die Möglichkeiten zu verschilften. Dieser Orieiitlcrungsversuch kennzeichnet den Anfang eines lebhafter» Interesses, dns das Kuratorium, In klarer Erkenntnis der neuen Situation, den uaUtsUnlschcu Angelegenbeiten widmet. Es steht zu erwarten, dass die Ergebnisse dieser Orientierung sich in der Zukunft in grösseren Zuwendungen für palästinische Zwecke dokumentieren werden. AU5״D€N G6M6IMD6N Dia Mitarbeit unserer User an dieser — erwünscht.— Rubrik Ist besonder• Staatshilfe für Jüdischen Religionsunterricht In dem soeben dem Landtage zugögaugeneu prcussisclicn Etat ist eine Summe /.un Gewährung widerruflicher Beihilfen an lclstungsschwache Synogogcngctneliidcn zur Beschaffung des jüdischen Religion stinterr ich ts ausgcwerfen. Nach einer Verfügung des Kultusministers ist der Jüdische Religionsunterricht unter Gewährung einer Staatsbeihilfe mir du einzurichten, wo die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder dauernd mindeaten» 12 betrügt. Dabei sind nur dfc die Volksschule 11 e 511 c 11 c n d c n Kinder in Be- Seite 29. tracht zu ziehen. Werden in einer Sviuuogciigi׳• inclndc mehrere Unterriclitsstationen eingerichtet, und werden die schulpflichtigen jüdischen Kinder mehrerer Syiiagogcngcmciiideii zu einer gemeinsamen Unter* riciitsstntlon vereinigt, so ist mit einer Staatshciliilfc nur da ihizutrctcn. wo die Gesamtzahl der an dem Unterricht in einer Station tcihichmcudct! iüdi• sehen Kinder m indes( e 11 s z w ö I f betrügt. Es genügt »Im! nicht, wenn in der Sviiagogcnucincinde zwölf oder mehr schulpflichtige jüdische Kinder v 0 r 11 a n d c 11 sind, sondern cs müssen mindestens zwölf Kinder zu einer gemeinsamen Unterrichts- Station vereinigt werden. Sinkt in einem Falle, wo der Religionsunterricht unter Gewährung einer Stmitshcihilfc eingerichtet ist. die Zahl der un dem Unterricht teilnehmenden Kinder danerml unter zwölf, so ist die Beihilfe zurück/.uziclicii. Hum bürg. Um einem dringenden Hvdnrtms ab* zuliclfcu, soll hier eine Re f o r 111 s v 11 a go g'u ge• haut werden, für die sich lK׳rcits ein Komitee zu* sumnicngcftiiKlen lud. Sogar ein ..namhafter“ Grund*, stock soll bereits aufgebracht sein. Es fehlen also wahrscheinlich nur noch diejenigen, die in die neue Synagoge mich wirklich lilticingciieit wollen. München. Pas ״H u v e r i s c 11 c luden* Edikt" vom 11). Juni IHM hi Verbindung 1111t einer Miiiisterial-Entscliliessung vom 2V. Juni IHM bildet noch •heute die gesetzliche Grundlage der Verhält* nis.se der haycr. israelit. Kuitusgcmcindcn. Pass der* artige veraltete Verordnungen nur sehr schwer zu den heutige׳» Verhältnissen passen, wird jedermann, der einigermassen Einblick darin genommen hat., leicht begreifen. Das Edikt •md sein Anhang kennen z. B. in einer Gemeinde nur eine Synagoge und einet» Rabbiner (§ 2t und 25 des Edikts); das war wohl im Jahre 1810 in München möglich. Heute, w<» mau Uber 10 000 jüdische Seelen zählt und eine ncologc and orthodoxe Richtung besteht, Ist eine derartige Satzung' ein Unding, mit welchem cHimat auf* geräumt werden muss. Wie diese Paragraphen, sind uticli eine Anzahl andere vorhanden, welche gar nicht mehr itmcgchuUcn werden können und welche je früher desto besser beseitigt werden sollten. Wohl haben sieli seit .Inlircn schon manche Köpfe mit der Frage der Armierung des Edikts beschäftigt, allein trotz der Notwendigkeit hnt immer eine gewisse Scheu vor der Frage: ״Was bringt ein neues Gesetz?־־ ein Aufrollen derselben!lintangcbaitcu. Erst der letzt* lälirige Konflikt der orthodoxen Vereinigungen in München und Nürnberg mit den Kuitusgcmcindcn da* selbst bat die Bedürftigkeit der Judengesetze in ein so grelles Liebt gestellt, dass man die Politik des ״Rühr midi niclit an" fallen lassen musste, und dass mm energisch eine Revision in Angriff genommen werden muss. Während nun dir: Gcmciiidevertreter. Orthodoxe und Liberale, ihre Mitarbeit hierbei gerne zur Verfügung stellen, scheinen orthodoxe Rabbiner nur sehr migornc dabei mitzuwirkeii. Im Ministerium, das tmtei• den Jetzigen Verhältnissen ebenfalls sehr zu leiden hnt, indem bei dem kleinsten Konflikt seine Entscheidung angenifen wird (wie z. B. letzt bei der Ertige der Lage des ״Almemors" in der Synagoge zu Stiaiisnig und ähnlicher ■.hochwichtiger Fragen"), vünseht man sclndichst eine Aendcrnng und würde cs daher gern«! selten, wenn alle lictciligtcii Faktoren wie Rabbiner, Gemeinden und Parteien, sieh auf Vor* schlüge einigen würden, die dem Ministerium als Grundlage ihr das neue Gesetz dienen könnten. De־׳ bayerische Lundcsvcrcin. in welchem alle grösseren haycr. Gemeinden vertreten sind, hat im Sommer beschlossen, solche Vorschläge zu machen, und bat eine Kommission von liberalen und orthodoxen Ge* mcindcvcrtctcrn und Rabbinern ernannt, welche dies* bezügliche Entwürfe dem Lamicsvercin unterbreiten soll. F.s wäre mir zu wünschen, dass die Opp<>* sltlnii, welche sich noch letzt gegen eine Revision bemerkbar maelit, »ishaUl sich derselben hcgchc. Wenn eine brauchbare Vorlage ernstlich nicht erzielt werden sollte, dann könnte es »»weit kommen, dass das Minstcriiim selbständig ein Gesetz erlässt, das dann vielleicht noch weniger befriedigt. Ivri. Stras5b»rg. In weiteren Kreisen der hiesigen Judcnlicit macht sieb ein reges Interesse filr jüdische ׳Fragen und bewusstes Judentum geltend, ln der hiesigen Unitas-Logc hat unlängst Herr Obcrrabbmer N 011 c r aus Metz über den Einfluss des Judentums auf die Wcltkultur und erst letzte Wochedferr, Rai'• biner Dr. Emil Lcvy aus Berlin über seine .,Reise* crlcbnlssc in Palästina" gesprochen. — Ferne! hat der Vorstand der hiesigen Kultusgemcinde an einem Nachmittag der Chanukah-Wochc eine durchaus würdige und zahlreich besuchte Chanukah-Fcicr veranstaltet, die als eine Uber den Rahmen des ähliehen Gottesdienstes hinausragende Sondcrfcicr An* erkenmmg verdient. Es sei hier gestattet, darauf hlnzuwelscii, dnss die Synagogcnvcrwaltung durchaus nicht denselben engherzigen und einseitigen Standpunkt gegentther dem jüdischen Turnverein ein• nimmt, wie wir ihn auf Seiten des Verjwaltungsratcs der Israelitischen Gewerbeschule zu unserm leb* haften Bedauern konstatieren müssen. Auch in der

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