Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ב Seil28 *.׳. JÜDISCH« RUNDSCHAU Seite 87. luünch in dein kleinen Tübingen. da s:1jes ein weit• abgcw׳amltor Gelehrter. Alfred v. Giitsehmldt. der kannte das Werk des Russen und legte dessen He* nutzuiiß bloss. Allgemein wurde dagegen slic tiir• kiscIic Grammatik Vambervs gepriesen. Auch seine ethnologischen Schriften lialien manches (Inte. Sodaun ist er ohne Zweitel der beste Kenner blos Martin llartinaun ausgenommen ~ der islamischen I*resse.!Mit dem Sultan ist er tatsächlich sein intim. \rin in Arm wandeln die hehlen, wenn der Professor lildls-Kiosk besucht. in dem Saal entlang. Auch saute einst der Sultan: ״Ich wiire froh, wenn ich mein Reich s!» mit kennte wie Sie." Wenn man über Herrn Pr. Wirth in diesem Tone schreiben wollte, Hesse sich jedenfalls noch mehr — mellt satten. Wir hrnnclieii auch Herrn Vamher.v nicht in Schutz zu nehmen, aber widerlich Ist dieser moderne deutsche Journalismus, der sottar zum olfeiien Aiiliseniitismns zu feitte ist, doch namenlos - ■ Wirkliche Judenfreunde Angesichts der \ielen ..l'liilosemitcii", die in u.anelien indischen Kreisen mit Vorliebe entdeckt und ui Szene gesetzt werden, nml über deren 11110*1״• semitismus" einem selbstbewussten Juden nicht selten die Schamrote in die Warnten steigt sei es wetten der Kriecherei und Sclhstcutwürdigmig des luden oder der dadurch begünstigten Arroganz and Preehheit des christlichen ״Pliilnsemiteu״ «ngcsiclits dieses grossen und heinahe irutingsteii Kapitels der jüdischen (iolnsttesehiclite, ans dem der ganze Skluvenshin vieler licntittcn .Inden liervorhlickt, be• Milirt eine Mitteilung sehr sviupalliiscli. die wir vom 1*111 ii s t tun R es so r t der Zionistischen Organi• sation erhalte», und in der cs heisst; ״(k’lctteiillieh der Gründung der IU..D.C. (Palestinc l.aml I>evel0|)n1eut Company, der neuen Palästina - Kolouisatiniis < iesellseliaft mit Anteilen ä 1 l'fd. - Jit'i Mk.) zeichnete ein Herr in Sachsen 5 l'fd. für diese (iesellseliaft. Nach einitteu Monaten sandte der hetreffeiule Herr ans eigenem Antriebe weitere In l'fd. für denselben /!weck. Olute zu aiuicii, dass dieser Herr ein Christ sei, wandte sieh vor einitteu Wochen das |*,1l;'jstin.1• Ressort an ihn mit der Aufrattv. oh er sich vielleicht an der in (iriiiiduntt bettriffenett mul iiheraus chaiieeit• reielien '1' e r r a 111g c s e 11 s c 11 a i t ״II a i f a" in. b. II, bcteilitteii würde. Hierauf erhielt das Palästina־ Ressort vom Adressaten foltteude höchst bemerkenswerte Antwort: 1 ״Obgleich ich nur über wenige tausend Mark Hesitziuni zu verlogen habe, auch leider nicht den Vorzug •gunlesse, der indischen Nation unzitgchärcii, סי würde ich doch meine Mittel gern nach Mita* liehkeit in einer Welse anlegen. bei welcher sie dem «rossen Ziele Ihres Volkes dienen, d. h. mit• wirken — wenn auch nur In höchst «erin«er Meise an der llesekleuntaimg der Rückkehr Israels in das l.attd seiner Väter, und ־zeichne auf beiliegendem Schein einen Anteil ii Süll Mit. der in Gründung begriffenen Torralugesellschnft ..Haifa" in. b. H." Hei dieser Gelegenheit sei darauf liiiigcwieseu. dass die P.L.D.C. auch in Hamburg mul א il r n ־ ber« e 11 r 1 s 11 i e 11 e A k t i o n ii r c mit r e e 111 g r o s se 11 Anteil e n besitzt: auch sind dem Ressort von Christen anderer Länder he• icits wiederholt grössere Beiträge liir das palästini• sein; Koluiiisatimisw erk ziigegangeii, ־ Hoffentlich w’erdeti dem Heisniei der eiiristliclien Zioiisfretmde unser־, wniiilmbcnueu (ilatibens־, Stammes־ und <icsinn 11 u g s g e 11 o s s e 1t recht bald l'olge leisten." Soiclie .liidem'reumk׳ kann man gern gellen lassen, nicht wegen ihrer materiellen Beiträge, die doch immer verhältnismässig geringfügig bleiben müssen, sondern wegen der Besinnung, die solche Hilfe, die in keiner Zeitung der Welt mit Namen, Stand und Wohnung des Ochers vermerkt wird, diktiert. AUS ALLCR W6LT I Deutschland Der Jurlslcnball In B e u t h e n (Obersehlesien) haben der l.attdgsriehtspräsident und der Erste Staatsanwalt gemein• schaftliel! Einladungen zu einem ״Juristenball" er• lassen. Die umfassende Bezeichnung des bestes hat die Ve tanstalter nicht gehindert, etwa die Hälfte der Anwälte allein von allen Juristen ttneiii־ geladen zu lassen. Die nicht Eingeludenen, die sich sämtlich allgemeiner Achtung erfreuen, zum Teil sehr angesehen sind, Jahrzehnte lang Im Orte amtieren und unter dom früheren Präsidenten nie obergangen wurden, sind ausser zwei!>011» is e 11 c n zehn i ü U i s e h c Rechtsanwälte. Diese nicht zu rechtfertigende Ucberguliung fällt um so mehr auf, als unter allen anderen Juristen uuelt mehrere Nichtiurlston eingeladen waren. Das ״Berliner Tageblatt" bemerkt dazu: ״Das Peinliche Vorkommnis wirft wieder ein grelles Schlaglicht auf gewisse gesellschaftliche Zustände und sei hiermit der prcussischen Justizverwaltung zur gefälligen Kenntnisnahme unterbreitet." Diese grässlich naive Bemerkung des ..B. T." ist miiuleslcns so peinlich wie das Vorkommnis selbst. (jlaul)t man denn wirklich beim ״B. I," noch daran, ' dass die וין eussiselic Jmdi/.venvaltung diese ״gesellschaitlicheu Zustände" ändern könnte — wenn sic sogar w'olltc? Und dass sie das will ין? Ks gibt eben noch harmlose Gemüter, die da meinen, wenn ein l.andgerlehtspr.'isident aufgeJoitdert würde, näcli• stes Mal weniger taktlos zu sein, daun sei mindestens in Deutschland die Jmkitfragc gelöst. Russland ״Kchtrussischcs“ Bekanntlich wird in Russland von den Hltcrn oder sonstigen auch noch so entfeinten Anvcr• wandten eines .luden, der sielt nicht zum Militärdienst gestellt hat eine 0 e I d s t r a f c v o!! 801) Rubeln erhoben. Da die Beamten also sehr daran interessiert sind, solche Deserteure am findig zu machen, so erklärt sieh leicht die bisweile t verhält• ui.MiiässIg hoch angegebene Ziffer Jüdischer ״Deser• teure." Mit w i e grosser Sorgfalt bei diesem Herum• schnüffeln in den Eamilicnaiiedcgeiiliciteii der Juden behufs besserer Bereicherung des Tsehins verfahren wird, ergibt sieh aus folgender tragik.iiiiijscne^i^ sJiichh׳. In KauieiieZ'Podolsk erhielt ein Jude, namens Steinberg, plötzlich eine Aufforderung, eine Strafe von .hm Isiihcln zu bezahlen, weil sein verstorbener Sn!111, namens Henne .lud Ith (I), der Im Jahre 1911(! das Aller von .*1 Jahren erreichen sollte, sieh nicht zum Militärdienst gemeldet habe. Alle Be• weise, die Herr Steinherg, seine Verwandten lind Bekannten den Behörden lieferten dass Henne .1 ti d i t h e r s t e 11 s k e i tt S n h 11, sondern eine Tochter gewesen sei, was doch auch schon aus dein weiblichen Vornamen hervorgiitgc. und zweitens, dass d i e T o e h I e r b c r e i t s v o r Jahren gestör Iren sei. hatten keinen Erfolg. Und Herr Steinherg muss die •800 Rubel bezahlen, entweder weil der zuständige Beamt«; wirklich nicht weiss, dass Judith ein weiblicher Vorname ist, oder weil er Herrn Sleiuberg nicht eben wohl gesinnt ist, oder weil er gerade sehr nötig Jdii Rubel braucht! Selbstverwaltung in Kussisch-I’olen ln einem Interview mit einem Mitarbeiter der ״L’jetseh" haben die polnischen Dumamitgliedcr vor einigen Tagen versichert, «lass sie im Prinzip gegen jede Beschränkung der Rechte der Juden in der künftigen städtischen Selbstverwaltung Russisch• Polens seien. Sic sind, wie sie erklären, der Mei- 1mng, «lass iede Beschränkung eine grosse Unz.11• fi iedenlivit mul Erbitterung in der jüdischen Bevblke• rillig hervorrnien würde. 111 den von der Regie־ nmg vorgcschlageneu Massnahmen, wonach die Zahl der jüdischen Abgeordneten nicht mehr als 20 '•« der Oesamtzahl der Abgeordneten in den .städtischen Parlamenten Russisch-Polens betragen solle, erblicken die polnischen Abgeordneten ein grosses Unrecht. Sie sind der Ansicht, dass die Höehstz.alil oer indischen Abgeordneten, wenn mau sie überhaupt auf eine gewisse Norm beschränken wolle, auf nicht weniger als auf '׳׳ der Ocsaintzahl aitgesetzt werden dürfe. (Daun sind sie ja immer noch unseliädlieli! Die Red.) Die polnischen Abgeordneten finden es allenfalls angebracht, eine Beschränkung der Zahl der indischen Abgeordneten in den Oouvcruc• nients am rechten Weielisel-Ufer Platz greifen zu lassen, weil dort sehr viele littauisebe Juden wohnen, die mehr zur russischen Kultur neigen nml die. wie von «len Polen beiirclitet winl, eventuell die Organe der Selbstverwaltung rnssifizieren könnten. Das kann also ein liebliches Doppelspiel gehen. Denn natihlieh wird die russische Regierung gerade im Gegensatz zu den polnischen Abgeordneten eher geneigt sein, den Juden dort mehr Rechte zu geben, wo nach der Meinung der polnischen Abgeordneten die Juden rtissifizicreud wirken könnten, als dort. Wo sie etwa die polnischen Aspirationen stärken könnten. Das wollen aber wieder die polnischen Allgeordneten nicht, und so werde» diese das eine, und die russische Regierung \vird das andere ab',ohne» und die Juden werden nichts erhalten. Das waPe Übrigens kein Novum, denn es ist das gewöhnliche Schicksal der Juden, dass s:e sieh in solchen Angelegenheiten immer zwischen zwei Stühle setzen. Und das wird mich solange nicht anders werden, als die .luden sieh nicht cutsehliesseii werden, dort, wo sie in |<om. pakter Masse zusammen sind, eine zielbewusste e i g' e n e i tt U i s c h e Politik zu treiben. Dann werden sie für sieh am stärksten sein mul wei'Uen auch von den anderen geschätzt werden, weii ־ - man sic brauchen wird. Aber wann werden die »mosai• sehen Polen", die Deutschen oder Russen ״jüdischer Konfession' zu dieser so naheliegenden ErkcmUnU kommen t (N.J.K) England Rftckfjang der F.lnwanderunc] Aus einun Jahresbericht des jüdischen' Unter* kimftshurenus in Leman Street, Whitechapel, für das am 81. Oktober 19( Kt endende Geschäftsjahr geht her vor, dass der Zustrom von Einwanderern nacli den« Vereinigten Königreiche gegen das Vorjahr betracht lieh zu r iiek gegan gen ist. Die Beamten des jüdischen Bureatts waren hei der Landung von (Mt Atiswandererseliihen zugegen, die 10558 Passagier«• trugen. Von diesen Pass.vgicrcn waren 14 061 nicht Juden. Im Vorjahre brachten 967 Schiffe 81 172 Lin Wanderer. Der Rückgang der Einwanderung' ist '<>! allen Dingen der n b n e h »1 enden A u s w a n derttg nach den Vereinigten Staate! und Kanada zuziisebreibcn. ln den ersten neu! Monaten des Jahres 19(17 landeten in den Vcneintat.״ Staaten mehr als eine Million Auswanderer, währen,! in «len gleichen Monaten des Jahres 100s nur 2öx 17; gelandet wurden. Die Auswanderung nach Amerika 11 st demnach um mehr «Is 70 Prozent ztirllckgcgauge׳- Von den Auswanderern, die vorübergehend von de« jüdischen Gesellschaft beherbergt wurden, kann 1121 aus Russland. Dieser Bericht zeigt deutlich, dass der Rückgang der indischen Auswanderung, mit dem gewiss« Blatter gern eine erhebliche Besserung der Lage de« Juden (Ien:1-nstricre11 möchten, •diesen Schluss keine» wegs /»!lässt, Die allgemeine Auswanderung ist demnach tun mehr als 70 Prozent zuriiekgegutigen als Ule Hübsche. Das besagt «her nicht, dass du Situation in d «.• 11 A tt s wtt 11 d e n 111! gs lä n d e r besser, so n d e r 11 d u ns sie in den E i n w a 11 d e r u n gs I •i 11 d 1׳ r 11 i in m er schice 11!c. v. e Word c» ist- Die Auswanderen wissen nick! n:chr ־ wohin! l’nd das trifft natürlich für die .luden eist recht zu! Rumänien Ans Bukarest erliaiteii wir die Nachricht), «lass der langjährige Eulircr der jetzt am Ruder In• bildlichen sogen, natinnalliberaleii Pa ״lei, Ile! Demeter Sturdzn infolge hohen Alters de missioniert I1.1t. An seiner Stelle ist der bis berige Minister des Innern. Jom’f liratiaiiu zu! M i 11 i s t e r p r fi s i «I e n t c n ernannt worden. Sinn auch alle änderen ״Liberale!,'* in Rumänien bekannt• lieh krasse Judenfeinde, so beginnt mit Hc'rn Bratiami, nrcli seiner bisherigen Stellungnahme «le!« Juden gegenüber zu sehlicssen. jedenfalls fiir die luden nicht das goldene Zeitalter in Rumänien! Türkei Oesterreich-Türkische VersUituH!j1.׳:vj Aus Ko 11 s t a 111 i 11 opc I wird unter neu. 12. Januar gemeldet, dass der türkische Ministern! das Österreichische Anerbieten, «ui eine Hnisehüdigütig von 2’i! Millioiiet* Pftiikl (45 «Millionen Mark! für die türkischen KroiKloinaueii in Bosnien und de! Herzegowina «!1 g e n o in nt e n habe. Damit e!• scheint eine Kriegsgefahr vorderhand ausgeschlossen, falls nicht etwa Russland im neheime» Serbien doe•« noch zu einer Unvorsichtigkeit treibt, die dann i־e lieh noch unabsehbare Enlgcn haben konnte. AI"׳ Russland diiritc sielt das doch zweimal überlegen. # Die linkische Kammer votierte am 18. lami! Kiamil Pasch« mich Vorlegung seiner \>• tmiehuiigeii mit Oesterreich e i 11 s t i in tu t g da» Vertrauen. Wenn die Vorlagen mm in de!׳ österreiebiscb־m1gr.riscbe11 Parlamenten genehmigt werden, soll noch in die *er Woehe die e׳st> Rate seitens Oesterreichs gezahlt werden. , <« Aus Konsta»tiuopel wird unter dem 12. Jam!.«■ gemeldet: Auf Antrag ,!es Koitstantiiuiplcr israe l it i sehen Abgeordneten Earaggi in de« türkischen I)ep11tiertepknn1tuer, wonach die Ver יל ‘W׳I1״W ''״,1'^ ״c ilcr!MlnlsferverantwortlidtkeU. 1«^o •H''Bnrkcit eines •eiles der Senatoren und de׳ Aufhebung des Vcrlinminngsrcelits des Sultans .ו b geändert werden .soll, nahm die Deputierten kammer einstimmig und unter begeisterten Be«• /j!SMu"d״״<lk’ v־״‘‘'*HW««srevision im Prm Was in Analogie der plötzlich attisi Entwicklung der türkischen Nation zu erwu ist tatsüeiilich eingetretcu: ein tuerkliel spriessen und Aufblühen auch jüdisch k u n f t s w e r t c. Wie nach einem Erwav langem Sehlale regt es sich allerorten, t meisten in Saloniki. Diese merkwürdi! die Qeburtsstättc der türkischen Erciheitsb wird unseiteinend auch der Kernpunkt fiir