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Jüdische Rundschau · 1909-01-15 · Heft 3 (15.1.1909) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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V ב: _ Seite 26.___־_ .*>1011 den zu Iichaiuielmlcu Fragen gegenüber durcli- .־ms gcscliäftxniü.ssig verhielten, sine ira et sttulio, ohne irgend jeinainlcs Nationalität oder Volksbewnsstscin zu beleidigen, kurz, die Debatten wurden in der korrektesten Weise geführt. Hieraus geht natürlich nicht hervor, dass in den Kommissionen eine fortschrittlichere Richtung vorherrsent als im Plenum der Duma, da, wie ich bereits oben anfiilirte, sämtliche Fragen in den Kommissionen so mit wie vorentschiedeu wurden: aber der äusseren Horm nach tnieten die Debatten der Kommissionen einen vollständig friedlichen, heim ersten Ansehen sogar einen unparteiischen Charakter. Als .hule messe ich diesem Umstande besondere Bedeutung hei, da ich, wie bereits (dien bemerkt, überzeugt bin, dass c i n r n hi 1:es n 11 d kaltblütiges V e r 11 a 1 icn i 11 der Judo 111 rage von «rosser Wichtig* heit i s t. Wir sehen tatsächlich, dass in l״’ällen, wo in den Kominksimici! speziell jüdische I'rasten berührt winden, diese in einer für die .luden günstigen Weise erledigt wurden. So ]iahen die Mitglieder des Verhandes vom I" Oktober in der Kommiss i 0 n ו nr k 0 n f e s s i o n 0 Ile A 11 g c I e k e 11 * hcitcu vom Auiaiik ihrer Tätigkeit an mit den Vertreter.•! der progressiven mul uatiotialistischeii (irtippen ihre Stimmen abkckcbcii. Zum Schluss der Session bilde tu sieh eine vorteilhafte, wenn auch selir unbedeutende progressive Majorität, deren An* strciikuiiken daraiii gerichtet sind, dass in den mi- 1'isteriellen Bvsctzcmwürfcn der Begriii der Oe* Wissensfreiheit erweitert werde, ohne dabei einen Unterschied in den Konfessionen zu machen, die in* diselie nicht ausgeschlossen. Die •iidisci.e Frage wurde übrigens mir einmal 1 berührt und dieses eine Mal auch nur hei einer pri*! \atcn tielekcnlicit -- ausserdem in der Kommission 1 /nr Vorhcratmik von tlerichtsreformen anlässlich der ] Vorlage des .liistimiiiiiisteriiims filier das örtliche f jcrieht. In diesem l'ntwurf kibt es eine Anmerkmik 7 zum $ •11V», die dem .lusti/.minister nnbcimstellt, die Hestätikui'k von Nielitehrisieti als Rechtsanwälte analok dei durch den £ JSO des Kodex der Oeriehts• institutiom n festgestellten Reitel erfüllten ־zu lassen. An dieser Kommission nehmen die jüdischen Depu* tierteu nicht teil, sie kcnicsscii daher nicht nur 1 kein Stimmrecht, sondern dürfen sich sogar an den 1 Debatten nur mit jedesmaliger Erlaubnis der Kornmissiou beteiligen. Als die Kommission bei dem oben ankciiilirtcn S •10» aiikelaiikt war. bat ich den Vorsitzenden um die Erlaubnis, an den Debatten teil* nehmen zu dürfen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden hat die Kommission meiner Bitte e i n s t i m!11 i k i־'olkc geleistet. Die Debatten über die Notwendig* heit der Streichung oben angeführter Anmerkmik 7 zum $i •1(1׳׳ eröffnet; der Progressist mul Deputierte des Tumbowsolien Onnverneinents, S. .1. Komssin!früher Vizepräsident des Tninbowsclicn ücz.irksgc* lichts), der driiikend und überzeugend den Stand• tmnkt verfocht, dass den .luden das Recht zustehe, klcich den Nichtjmlcn behandelt zu werden. Ihn unterstützte energisch der Deputierte P a r t * _JÜDISCHE RUNDSCHAU schewski, Mitglied des »oliiischeu Kolo.^ Diesen beiden schlossen sieh an der Moslem Chass- Mamedow, der konstitutionelle Demokrat Adtsehe 111 0 w , der Nationalist M i I o r a d <> w i t s c h ן mul der Ühtobrist Androuow. Gegen die Strel-! elmng sprachen die gemässigten Rechten, nämlich , der Deputierte des Gouvernements 1111a. K!>h>w, Kmizlcisehreiber des Kreispicniims, und vom Goiivcriienieiit Cherson (Jraf Mceiiboek-I’ermor. Ihnen ent* gegneten mit kräftigen und schwungvollen Reden dieselben Herren Komssin und Partsebewski, denen sich die Kadetten Tselieruossw itow mul Sachailcw .‘״•׳wie auch der Oktobrist Kliiiienko anschlossem ׳ Ural Stecnboek-I'criimr wiederholte, dass die Koni* ן missiou unvorsichtig verfahren würde, wenn sic den! Entschluss, der im Sinne der Losung des jüdischen J Problems iiherliaimt von bedeutender Irakweite sei. 1 nur beiläufig fassen wurde, '/um Schlüsse bat mir , der Vorsitzende vier Kommission im Einverständnis mit dieser das Wort erteilt. Nach meinen Erkln* rilligen w urde über die Frage abgestiiiiiiil. mul die Kommission beschloss mit 22 gegen 9 Stimmen, die judcuiciiulliclic Anmerkung 7 zum Jt •Wb z 11 j s t r e i c h e n. ן Darauf machte S. .1. Komssin den Vorschlag, den :סאן. ז des Kodex der (ierichtsiustitutioiieu, auf den diu von der Kommission gestrichene Anmerkung 7 zum j? 40f» Bezug hat, ebenfalls zu streichen, (legen die* sei! Antrag sprach wiederum Graf Stecuboek-Formor, ileiii sieli der Oktobrist Purst Tcniscliew, der heim ersten Ballotement für die Streichung der An* uierkuug 7 zum ft •10(! gestimmt halte, ausehloss. Partseliewski und Komssin vertraten energisch die Notw endigkeit der Abschattung des fj 3S0 des Kodex der (ieriehtsinstinitiniieii. Die Kommission beschloss mit i(1 gegen H Stimmen, dein $ 3su eine andere P a s s 1111 g zu geben. N. S. Sch 111) i 11 s k i, Vor* sitzender der Kommission, stimmte sowohl beim ן eisten als auch beim zweiten Ballotement dafür, dass die I; i u s e It r ä u k u 1t g e u. denen die .luden unter* liegen, g e s t r i c 11 c 11 w erde 11. Auch in du־ Kommission der Landesverteidigung; war gelegentlich der Beratung des Militärkontiugents j für 1 Olts von den Juden die Rede. Das Wort nahmen; die Mitglieder der äuss/rstcii Rechten, die den An* I trag der A u s s e!11 i e s s 11 n g der Juden vom j Militärdienst gestellt hatten. An dieser Korn* ■ missiou hat die Opposition nicht teilgemnnmcii, so ן dass die I ,chatten über die Juden ausserst einseitigen j Charakter hatten. Dennoch schlug es die Kom- . missiou a'o, irgendwelche Anträge zu stellen, die sich { speziell gegen die Juden richteten. Hs muss freilich erwähnt werden, dass .sonderbarer Weise in der Kommission der Vorschlag, die Juden von der Wehr* Pflicht zu befreien, als eine Vergünstigung für die Juden amgefasst wurde, Dieser Vorgang beweist, dass mehrere der Deputierten die vom AiUisemitisums nicht imgeriiigsten angesteckt sind, die anti* semitische Massnahme zu befürworten bereit waren, mir w eit sic m i t de n W ü 11 s c h e 11 der 111 d e ח nicht v e r t r a 111 sin d. No. X P.mllieh musste ich persönlich bei der Beratung des Etats des Ministeriums der. Volksanfklärmig in der Budgetkommission die Präge vom Pensums, kapital der jüdischen Lehrer in den jüdischen Schule!,;.ur Sprache bringen. In meinem Referat wies icn die Biidgetkoinmission daraiii bin. dass dieses Pen. sionskapital sieli aus Summen z.usammciisctzt, di׳: vom Jahre IMS ab von den Behältern der jüdischen Lehrer in Abzug gebracht wurden, und dass di■: Beider seihst, die auf jüdische Krons-Sehnleir ver. wendet werden, die sogenannte Lichtstem•!׳, ans. schliesslich von luden aufgebracht werden. Dessen, ungeachtet haben die in jüdischen Schulen augestell, teil jüdischen Lehrer sogar nach JSialiriger Dienst, zeit bis ielzt nicht eine Kopeke Pension bekommet,, obgleich bereits von Anfang des Jahres 1א1-א ah atu Allerhöchsten Befehl verfügt wurde, die dienstlichen Verhältnisse der jüdischen Lehrer und somit aue'n ihr Peushiisrccht zu regeln. Dieser Allerhöchste ii׳:. fehl wurde im Jahre 1*7.1 wiederholt, wovon der Rektor des Wilnaer Lehrbczirks am 21. April in Kenntnis gesetzt wurde. Später wurde allerhöchst allbefohlen, beim Reiehsrat über diesen (iegeiistaml vorstellig zu weiden. Die Budgetknmiiiissioii brachte ihre Ansicht über die von mir auigerollte Fnage durch einen speziellen Hinweis in ihrem Reierat an die Roiehsduma über den l'.tat des Ministeriums de! Volksanfklärmig zum Ausdruck. Ausserdem hat auch die Budgetkommission au: die Stellet frage der den jüdischen Melamdim alljähr. lieh erteilten Erlaubnisscheine, die sogenannten ״Chcdcr“ zu unterhalten, hingewiesen. (Schluss folgt.) Stöcker als — Spekulant! Im Wahlkampf, wenn die sonst so friedlichen antisemitischen Brüder verschiedener Richtung sieh gegcniihatreten, um sich gegenseitig Stimmen weg. zuiangen. entschlüpft ihnen manch wertvolles Bestäiulnis, das sonst nicht in die Oeiiomliclikeit dringen wurde. In reichem Masse geschieht das jetzt im S i e g e r la n d ׳;. Die Cliristliclisozialen. die mit ihren Parteigrmids.'itzcii keine Wähler werben können, begeben sieh auf das persönliche Belnet und reisseu die gegnerischen Parteien mul Kandidaten herunter. Der n a t i oii a 11 i her a lc Kandidat wurde als Pi• rvktor des Schanishnusener Bank\׳e1־.ins ständig ,mit der Bohrgcscllschut Hrklnnz venmiekt und ihr die rHl Prozent Dividenden verantwortlich gemacht. Darauf antwortete d!c natioiialiiheralc Partei mit einem Plugblatt, das über •S t ö e k e r s Spekula* tioiisgesciiäfte recht erbauliche Aufklärungen enthält: ״An der l.V)0 gegründeten Knliholirgeseilscliait ״AdolLUhick", Int sieh Herr Hofprediger a. 0. Stöcker IWO mit WO Anteilen beteiligt. Er hat die Anteile damals zu H;0-12n Mark erworben. Um die Jahreswende 10.י4/0ו verkaufte Herr Stöcker dann seine Anteile hintereinander iiir 12(1(1-1,(11(1 Mark. ו J ’{ .11 , fs * i . % S i \ ן ן Ebenezer (Niichdrurk veilmieii.) Von S. I.inkc. Aus dem Scliwcüisclicii übertragen von H c n n y B 1»ek * א e u in;1 n 11. Niemand von dun Nachbarn wusste, woher der aite Jude gekommen war, oder wann er eigentlich das dunkle Zimmer in der Gasse bezogen baue, ahev an einem müden Herbstmorgen war das Peustcr seiner Wohnung breit geöffnet, und er selbst sass fiiiitcr demselben, eifrig besclüiitigt, ein Paar alte Stiefel 7.\\ flicken. Zn seinem gelben, run/Jigeii Gesicht — aus dem •eine gewaltige .Nase mit imponierender Krümmung itervorsprang — bildete der morsche!־'enstcrraimien, der vor Alter grau und wurm* stichig war, einen so passenden Pond, dass kein moderner Künstler ihn geschickter hätte wählen können. Auf dem Fensterbrett lag eine Katze ausgc* streckt und — fast hätte ich gesagt — sonnte sich, aber nein, kein Sonnenstrahl verirrte sich so tief in die Gasse hinein, und deshalb war auch das holprige Strasscnpflastcr von der Nachtluft bis weit in den Tag hinein nass und schlüpfrig. Aber trotzdem sali der alte Jude bei seiner Arbeit nicht missmutig ans, Der Mangel an Sonne und die dumpfe Luft der Gasse schienen seine Gemütsstiimmmg nicht zu beeinflussen. Im Gegenteil! Nach seinem zufriedenen Ge* siclusuusüruck zu urteilen, befand er sieb auf seinem Dreibein ganz wohl, und er sang mit rauher Stimm•.’ ein Morgenlied, das in dieser sonst so stillen Diireligangsgassc gar wunderlich und fremd klang. Ich habe niemals einen alten Adler singen gehört, und habe auch keine Ahnung, ob es rieht'g wäre, ilm in die. grosse Schar der Singvögel einzurcilien, aber w e n n ein alter Adler wirklich durcli irgend einen Zufall mit der schönen Gabe des Gesanges ausgestattet werden sollte, so könnte er keine heisereren und widerspenstigeren Töne hervorbringen, als sic P.benczor an diesem Morgen seiner alten Kehle entrang. Einige Knaben die auf dem Schulwege waren — drängten sieh so dicht an die gegeniiberliegcnde Wand, wi•״• sic nur konnten, und lauschten dem sonderbaren Gesänge. ..Nein, seht den blo.s mal au! Er hat eine Nase, wie eine henmtcrgeiallcnc Markise. Und wie er 1110s singt. Wolter ist dieser komische Mensch denn nur gekommen?“ ״Ebcnczcr, Ebenezer, wirst nach Palästina reisen." ״Nein, hört blos, er kräfit ja was von einer Reise nach Palästina.“ Die Jungen näherten sich vorsichtig dem Feilster, und nun sali der Jude sie auch. Die Katze wurde unruhig, erltob sieh m't krummem Buckel von dem PVnstcrbrott und fing an, zu fauchen. ..Was wollt Ihr Jungen?“ fragte der alte!stacht, ״sind eure Stiefel zerrissen? n1111״ ist liier jemand, der sie besolden kann, so dass ihr damit nach China wandern könnt, ohne sie zu zerrcÄsscn." ״Ach, ne,c! Aber •es wäre viel netter, wenn wir Luch nach Palästina begleiten könnten. Ihr habt eben so schön davon gesungen, dass man wahrhaftig die grösste Lust kriegt in F:״rer 1 jesdlseliaf( hinzu reisen " f , " .WWI ,IMS. ״Lasst nur nur eine Meng׳; alter Stiefel 7. Reparatur herbringen, denn die Reisekassc ’ zu klein." ״Ebenezer, Ebenezer, wärst nach Palästi reisen.'* 1 1*H1״ W״I crstc Ik'hainuschaft gemacl und bald w׳ar der alte W’undcrlielic F'liekselmst nn ganzen Quartier unter dem Namen , Elte beinnas׳;" ~ eine Verdrehung seines Name! Ebenezer — bekannt, womit man jedenfalls eil ganz charakteristische Bezeichnung des Vo Sprunges in seinem Antlitz gefunden hatte. i 1

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