Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«IMÜfei■ י״״ו1 ו t I t ■ •, 5 « m mm m m m m m m m m*\ Abonnomonta •ul die wöchentlich am Freitag erscheinende ״Jüdische Rundschau" kosten ocl der Expedition und bei allen Pott• Imtern vierteljährlich 1,23 M, ausserhalb Deutschlands und Oesterreich• Ungarns 2.— Mt lUr Mitglieder jUditcherVerelna Im Sammclbetug durch den Verein 1,— M. Varta! Jüdisch! Rundschi■ B. O. m. b, H. Bartl• SW. M, Zlm»4ntr. 77. Ocschültsstundent 3 bis 7 lihr ausser Sonnabend u. Sonntag. I «vmct 0vnn>»cna u« sonn lag• 9 י■•••*• ••••■» mmmmmmmJ , U rrn/p m m #י m mm m — — 1 Anzeigen kosten tUr die lünlgcspnltrne י Pciluclle oder deren Knum * 25 Plg.t Stellen-Anncbotc und J Oesuchc sowie Vcrelnsntit• * tellungnn u. ״Kleine An/clßcii* I nur 15 Pf«. 0000000 1 Manuskripte werden, wenn * Porto heilleCt, stets zurOek• gesandt. — Redaktionsschluss י Mittwoch mittags. י Radikllon Jüdisch! Rundschau \ Uerilii-Ch.irlotterihuru, I BlilblrtU'Str. 41. Tal. Ch. MH. I Sprechstunden Dlensta(* und ן Donnerstag 6—7 Unr abends. t « 1 * t t t I t! t I I I I « I 4 .J ALLG6M€!N€ CDO^DOSCMS Z6ITUMO Nummer 3 Berlin, den 15. Januar 1909 — 22. Tebeth 5669 ■ , ' ■ 1 11■■——mmm————— XIV. Jahrgang Deutsche und Juden in Palästina Von .1, Radler- 1*' e IU111 u 1111 (Kincrcth, PaltiMln;!.) Sei! einiger Zeit wird von gewisser Stelle uns mit den ve seliie.lenslcn Mitteln der Versuelt gemnelit, in der deutschen Presse den Zionismus zu verdächtigen und eine gegen ilm gerichtete Stimmung liervor/nriifeii. Zuerst begann imni mit Schilderungen des iinscelsiselt sJifidlichvn Einflusses, den die Jfidiselic Kolonisation in Palästina lllr die dortigen einige hundert i'iimilieii zählenden württembcrgischen Tcmplergenieimlcn imlien sollte: 111(1 n scheute uucli gelegentlich vor publizistischen Einflüsterungen Ins Ohr des Pmlisehali nicht zirJiek, die einer Dcnunzic• rung ues jlidisciiui Kolonisationswerkes verzweifelt ähnlich sahen. Als sieh nun diese Ranze Liebesmühe als vergebens erwies, jilanhle man. es viel pfiffiger /n itmchen: Per Umstand, dass einige zionistische Institutionen nni 0er Dusis des Miit-1 *ftiiul-Anteilen gegründet sind. nmssto dazu lierlialten, die gesamte /ioiiistisehe Weltbewegung als von England .msgehend und e n g i i s e 11 c n Interessen -liet• cn ,1 ilur/usteMen, Da nun die Vettern Icnseils des Kanal.־« uURenblioklich stell in tnunehen deutschen Kreisen einer geringen Helicbthoit erfreuen, so vv׳ar 110!) sicher, mit der emjlisel e41 Version endlich einmal dem Zionismus in Deutschtum! einen uulicllluircii Scilla« vci setzt zu liahen. סיג genial mul diplomatisch dieses Manöver nun zu sein scheint, dem Auge des Kenners entpuppt cs sieh nichts ilesloweiliger als eine plumpe Nachahmung poliilscli-eluinviiiistisclier Verleumdinigskimst, de* stützt iitiinlicli uni die Tatsache, dass mehrere zionl• stischc Institutionen, darunter der Natlniialfomls, das!mliistric-Syudiknl, die Oelhamnspeiule,, der Verein ,.Be/.nlel" und neulich die Terraln'llesellseliaft als deutsche < I e s e 11 s « 11 a f t e n begründet wur• den; dass icrner die nielsien Initlaioren der Dewcgimg. die H css, U e r z I mul N o r d a u d c u t ־ sehe Schriftsteller nar excelletiee sind! dass das zionistische Aktions-Komitee seinen Sitz In Deutschland hat und der. zionistische Weltkougress in deutscher Sprache verhandelt; dass ferner in den zionistischen Schulen in Paliistina tz. B. im .Inftavr Gymnasium) deutsch unter* richtet wird, dagegen keine slawische Sprache, .!Iso auch nicht polnisch, Ins Programm ntifgenom* men ist — alle diese Umstünde dienen der polnisch* chauvinistischen Presse, allen voran dem ״Slowo Polski״ in Lcmlierg zum evidenten Beweis, dass dio zionistische Bewegung nichts weiter bedeutet •Ms ein DI p I o m a t c 11 s t ii e k c h e n des ׳ schlauen I•' li r s t e n B ii I 0 w, tun dem verhassten Polcntum den Garaus zu machen. Hs würde sich wahrscheinlich nicht lohnen, auf diese wenig sauberen Manöver nufmerksntn zu machen, wenn sie nicht die Gcfnhr in sielt Ircrgcn würden, diu recht frcundllehen Beziehungen, dio /.wischen den paiiistlnischeii Juden und deren dout* sehen Nachbarn bestehen, zum Nachteil dor letzteren im Laufe der Zeit lockerer zu ge* sialtcn. Hs Ist natürlich heller Unsinn, aus dem Um* stand, dass einige zionistische Institutionen uls eng* lischc Gesellschaften gegründet sind, politische Kon* segucnzcn ziehen zu wollen. Das geschah einzig und allein, weil die englischen Gesetze cs zulasscn, grosso <icsctlscliuften auf der Basis des 1 £»Shurcs zu gründen, was für die zionistische Bewegung, dio aus hunderttausenden armen Juden bestellt, eine conditio sine nua non ist. Einen direkten Nutzen haben nicht dio Engländer, sondern gerade die Deutschen in Paliistina. ״D-r 7.lonl111u1* erstrebt für das jüdische Volk die Schnfiun«( einer.,ültonilictwcchtllcli geliehenen Heimstätte In 1‘iil'isiina.“ Q»111«r Fngrtmm. Aus dem Inhalt Deutsche und ,luden In Paliistina. Von J, 1< u d * ler He Id man 11 (Kincrcth, Paliistina). — Die Judenfrage In der Dumu. Vom Dumn*At1gc• ordneten L. N. N i s s u I o w i t s e 11. — Stöcker uls Spekulant. Noudeiitseher Idealismus. —• »)Bescheidenheit Ist cluo Zier," *- Vamböry. — Literarische Rundschau: ,.Das Bach der Sage." Von CI1. N. Ii i n i 1 k (Odessa)'. — Aus ullcrr Welt. PuÜlstiiiu-Rit'Hlschsui. ־•• Ans den Gemeinden etc. Zur Beachtung! Die Hi ist zur Bestellung der auf 50 H.veinplare limitierten Ausgabe der ,״Jüdischen Rund* schan*• auf Kimstdruckpnplcr iiiuft am 20. .lummr 1909 al». Spüter eingehende Bestellungen zu l>eriieksiciitigeu, ist uinnüglieh. Verlag Jüdische . Rundschau. mam •mm 4 י י 50 ist z. li. die neue Sialilimg •K 1 n e r e 111 bei Tihcrius eine Griiiulung der, Palesiino Land Develop* ment Cmnp.11«־y. Aber imliezu der gesamte nicht unbeträchtliche Bedarf an Banmaleriullcn und Wirtseliaftsgegeiistündeii von Kincrcth wird hei der d e 111 s e 11 e 11 H i r in 11 Duck Co, In Hnifa gedeckt. Hlienso sind die Wngen. das Geschirr 11. a. hei d e 111* s e 11 e n i1 a n d w c rk c r 11 bestellt worden. Das 11 c 111 k c 11 e H 01 e I in Tlherias Ist der Sammelpunkt der Jüdischen Beamten mul würde ohne sie schwerlieh bestehen köimui. Hbeuso sind die deutschen Kolonien Sam na und Wilhelm 11 mit Ihrer enormen Mllehproduktlon fast!iushcIiIIckhIIcIi auf die Kid l.tclie Kundschaft angewiesen, Hs liegt{ überhaupt In der Natur der Sache, dass die Deut* J sehen vvn der indischen Kolonisation nur profitieren können. Dar Araber ist bedürfnislos und kumi weder beim Deutschen seine Produkte kaufen, noch hat er es nötig, dun Ocwcrbefleiss des Deutschen lohnend in Anspruch zu nehmen. Hr s t nt i t der Inten! 51 vicrung der jüdischen Kolonisation c r ö f f n c t c sich den Deutschen ein־ reicheres Arbeitsfeld! Hs bestehen überhaupt zwischen den Juden und den Deutschen in Patüstlna nachbarlich-freundliche Beziehungen, im denen nicht von unberufener, tüppischer Hund gerüttelt werden sollte. Deutsche Handwerket• (iitdett Lohn und UvscUtlUigvmg ln indischen Kolonien. Aber mich jüdische Im Plnntngeuwescu erfahrene Arbeiter finden guten Verdienst In den deutschen Siedlungen. Die grösste deutsche Ornngcn* Pflanzung, die des Herrn Kappus bei Jaffa, wurde von Tielpliügcn und Pferden aus dem Jüdischen Petueh-Tlkwah In Kultur versetzt. Weit entfernt davon, dass diu jüdischen und deutschen Interessen in Pnlüstlna einander kreuzen, crgünz.eii sic sich gegenscltig, wie aus dem bekannten Schreiben des allgcmein verehrten Vorstobers der Templergemeinde ׳ Sarona, Herrn Jung, an die Jüdische Kolonie RIschoii-le-Zlon unlllssllch ihres 25 Jührigcn Jubllüttms liervorgolit. In «Uesen! Briefe hebt Herr Jung besonders die Hinml. tigkelt hervor, mit der Juden und Deutsche all die filitfunclzwunzlg Jahre lang gemeinsam gearbeitet haben.*Und mm will mail von a u s so!1 Le r diese schöne und fruchtbaro Eintracht. stören. Das ,wird aber ein vergebliches Be7niU1en sein. Bedenkt man noch, dass die in Palästina ansiissigen Deutschen zumeist aus Tctupclgcmeiudcii bestellen, deren geistige Bestrebungen dem Judentum so nahe verwandt sind, so w ird man es vollends be* greifen, dass sie selbst über die von un-, verantwortlicher Seite inszenierte V c r h e t z ti 11 g sehr w c 11 i g e r f r e u t sind und denjenigen deutschen Zeitungen keinen Dank wissen, die diesen Machinationen Vorschub leisten. (Nachdruck verboten.) Die Judenfrage in der dritten Reichs-Duma Bericht v! 11 L. N. Ni $ sc 1 o w i t s e It, Mitglied der R e i c h s - D u m a.!Fortsetzung.) Vorbemerkung 0er Redaktion; Herr Dnma-Abgeordneter Nissebwitseh hat in den beiden bisher veröffentlichten Artikeln seinen prinzipiellen Stand- Punkt und seine Tätigkeit im Plenum der Dtirna dar* gelegt. GcniJe der nun folgende Bericht über die Koimnissionen rechtfertigt vielfach die Auscln.uiu.geu und das Vorgehen des Herrn Nissclowitsch. so dass wir auch diesen Teil in extenso geben. Hlieii die .,Kleinigkeiten״, um die es sielt hier liuudelt, gehen oft symptomatische Bilder, und sie lassen die bewniidcrnswertu Zähigkeit des Verfassers erst erkennen, der Ja mit ״Hriktlnnen״ verschiedenster Art (darunter nicht wenig Jüdischer Gegnerschaft!) reichlich zu kümpfeu Int. In den Kommissionen Die Duimikominissioiieii werden im allgemeinen nach dem proportionalen Prinzip zusammengesetzt, infolgedessen stell! die Opposition*), die fast den dritten Teil der ganzen Dilma zählt. In Jeder Kommissiini nicht weniger als den dritten Teil der Mitgiiedcrzahl. Daher gelten die Beschlüsse, die in den Kommissionen angenommen werden. In der Regel it־ der Plenarsitzung der Duma ohne Abänderungen durch, so dass im Grunde sämtliche Fragen II ti c 111 in den Plenarsitzungen der Duma, sondern in den K o m in i s s i o, u c n entschieden werden. Dadurch erklärt es sielt, dass sich die Hauptaufgaben der Deputierten, die diese oder jene Frage durchführen wollen, in den Koimnissionen ztisainrnciidrüugcn. Hbeuso wird die Stimmung der Duma einzelnen Fragen gegenüber nur III den Kommissionen beobachtet. Deshalb habe ich besonders aufmerksam die Tätigkeit derjenigen Kommlssloncn verfolgt, Sn denen Angelegenheiten erörtert werden könnten, die Irgendwelchen Bezug auf die Juden haben; Ich wohnte vielen Sitzungen dieser Kommissionen als Zuhörer bei.'erkundigte mich über sie bei Kollegen, usw. Auf Grund meiner Beohachtimgeii muss Ich vor allem konstatieren, dass nicht In einer einzigen der Du ma kom m iss i 0 n e n die jüdische Frage in so u e h e t» 8(t c h11 c Itc r We I s e b c r ii It r t w u r d e, wie in den PI c 11 a rs11zu 11 gen. Von den Juden wurde In den Vorträgen der einzelnen Redner überhaupt nichts erwähnt, obschnu die jüdischen Deputierten als Mitglieder nur in fünf bis scelis Kommissloncn tcilgcnontmcn haben. Das beweist, dass die in die Kommissionen aufgenommeueu Mitglieder *) Zu den Oppositionsgruppcn gehören: 1. Das ..polnische Kolo" und die Polen des nordwestlichen Rayons, 2. die ״Frledllcheri Erneuerer" und Progressisten 3. dio mnsclmanischo Gruppe. 4. dio Fraktion der Volksfrclhclt (Kadetten). 5. dio Arbeitsgruppe und 6, die lozlatdemokratlacfae Fraktion.