Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651608--06163-2663232- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHB RUNDSCHAU Stile 17 No. eine dreilllhrigc Sesshaftigkeit in Wien nls 13cdlnsu1»1: für die Ausübung des I.nndtngRwnhlrcchts gestellt wurde. Hie JII Ui sch» ׳atV.ua len (Zionisten) he• sitzen in Destorrcich einen ganz bedeutenden An• hang, namentlich in der Provinz (Böhmen, Möhren, Schlesien, Galizien, Bukowina). In Wien Ist cs hauptsächlich die jüdische Studentenschaft, welche die iimiouai jüdische Fahne hochhJilt. Doch finden sich auch unter den Bürgern, Beamten, Angestellten und Ai heitern zahlreiche Gesinnungsgenossen. Leider fehlt es an entsprechenden Organisationen, um die vorhandenen ־Genossen in Verbünden zu vereinigen und ihre Zahl zu vcrgrüSRcrn. Agitation ist nichts, Organisation Ist alles! Das sollten sich Jene Persönlichkeiten vor Augen halten, welche die Leitung der Wiener Organisationen inne• haben. Nur durch den Mangel einer fcstgcschlosscnen Organisation war cs bei den letzten indischen Re- P r ü s c n t a n t e 11 w a 111 c 11 niögllch, dass die jlldiscliualioiiule Liste nur 25 Proz, der abgegebenen Stimmen erzielte, während man auf eine viel grössere Zahl gehofft hatte. Von den sonstigen bemerkenswerten Ereignissen wären zu crwüliucn die nianiilgfaciien festlichen Ver• Anstauungen, wie Makkabilcrfcicrn, Theaterabend der Wiener indischen Studentenschaft. Herzl-Abcml der Wiener Poalei-Zion, (zionistischer Arheiterverband). Diese Organisation gewinnt in der letzten Zeit in Wien mehr an Boden, besitzt ein eigenes Vercinslokal (II. Grosse Pfarrgassc 12), in welchem auch die jüdischen!ugeudiiehen Arbeiter, sowie die akademische ponicziouistiseiic Verbindung ,.Che!• rutir ihre Sitzungen nblialtcu. B. 0. derschcn betraut wurde, hat 1ms die Verwaltung der Schule bedeutend erleichtert. Das Pn!üstlna*Amt hat zusammen mit Herrn Dr• Levy, Direktor der Anglo• Palcstinc Company Ltd. in Jerusalem, der mit Herrn Dr. Arthur Ruppin das Verwnitungskomitee des Bczalci bildet, das ihr bisher fehlende Organisation»• Statut ausgearbcltct, das von unserem Vorstände angenommen wurde. In gemeinsamer Sitzung mit dem Lehrerkollegium tut das VcrwaUmigskomJtec: die wichtigsten, die Arbeit der Schule betreuenden An• 8amu4l Hlrszanbtrg ä \y0M‘B6ZAL€L״=: In Ergänzung unserer früher gegebenen knappen .Mitteilungen vcroiieuiliehcu wir beute noch einen kleinen Auszug aus dem dritten Tätigkeitsbericht*) des ..Bczalci" Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in l’aliistina mul Nachbar• l.'imicrn: ■Hin wichtiges, unsere Schule betreffendes l'.r• uignis bildete der Umzug der Schule in ein neues Heim. Aus den Mitteln des Jüdischen Nationalfonds (Keren knjemetli ie Jisrnel), dessen Verwaltern wir an dieser Stelle unseren herzlichste» Dank aussprechen wollen, wurden in Jerusalem zwei Hiiuser •erworben, welche man unserer Schule mietweise iiherlicss. Im Februar d. .1. wurde der Kaufvertrag abgeschlossen, und bald darauf konnte der Bczaici von seinen: neuen prächtige» Heim Besitz ergreifen. Freilich waren wir diirgli diese Verüiidcrinigen zu nicht imlictriichtlichcn peknniiiren Opfern gezwungen. .... Natürlich hemmte der Umzug auch sonst den Betrieb der Schule. Der Unterricht und die Arbeit mussten auf volle zwei Monate eingestellt werden. Diese Opfer waren indes nicht umsonst gebracht denn das friliiere enge ^ehiilhnus hatte ein Hindernis tiir die gedeihliche Entwickelung der Schule gebildet, das nunmehr beseitigt ist. Am Lag Bvomerfeste erfolgte die Hin• ׳weihung des neuen Schulgcböudcs. das an einem der schönst gelegenen Plütze Jerusalems errichtet ist. Das stattliche in cch! orientalischem Stile angeführte Gcbötidc ist in weitem Umkreise von den entlegensten!,unkten der Stadt aus sieht* har. in der Eag-Bcomcrnnelit sah man den (lammenden ..Magen David“ auf den Zinnen ries Bezalelhniises, weiches nach altem jüdische» Brauche zu Ehre» des Lag-Bcoiucrfcstcs illuminiert war. In dem mit den Arbeiten der Schüler hübsch dekorierten Empfangssaalc fanden sich zahlreiche G.'istc ein, unter denen man Vertreter von verschiedenen jüdischen palästinensischen Institutionen bemerkte. Der Eiiiweihungsfcicr des neuen Hauses schloss sich eine Ausstellung im Bczalc) an. in der die verschiedenen Erzeugnisse der Schule vorgeflihrt wurden. Zur Eröffnung hatten sich der deutsche, der anieriknulsclic, der englische und der russische Konsul clngcfimdcn ferner der Bürgermeister der Stadt Jerusalem, ein Vertreter des Paschas und andere hohe Beamte. Die indische Bevölkerung, die die Aufstellung flcissig besuchte,bezeugte grosses Interesse für dieselbe. Während der letzten Sukkothtagc wurde In Jaffa gleichfalls eine Bcztilel-Ausstclluag veraiistallef, die sich ebenfalls einer sehr grossen Frequenz erfreute. geiegculieilen eingehend beraten und entsprechende .Beschlüsse gefasst. Vom PnliLsttuu-Amtc, das die •Schule monatlich vkwlchtigt, gingen uns regelmilssig ausführliche Berichte über den Stand derselben zu. Der Bezalcl umfasste im verflossenen Jahre .»ehe» einem Vorhereitmigskursus und einer höheren Kunstahteiliiug folgende Ateliers: 1. Teppich-Abteilung und Fiirbercl• Die Ansgc* staltung dieser Abteilung beansprucht ganz besondere Fürsorge. Für die Vervollkommnung in der Her- Stellung der Teppiche war die Hinrichtung einer saeiigemnsseu Fürberel Oriihdbcdinginig. Die Errichtung der Jetzt tadellos fnnktiotiieienden Fiirbercl ist in erster Linie dem liebenswürdigen Entgegenkommen der bnlg,irische» Regiciniig zu vcrdsuikcit. Das Kultus- und Unterrichtsministerium hi Sofia hatte die Güte, uns auf Ansuchen des Direktors unserer Schule. Professor Schutz, der früher an der Fürstliehe» Kunstschule in Sofia als Lehrer «»gestellt war, einen im Dienste der bulgarische» Regierung stehenden Für her auf einige Monate zu überlassen. Jetzt werden in der Pürherei mehr als sechzig Arten von echten Pflaiizcnfarbcn her׳gestellt: dadurch wurde cs ermöglicht, in den letzten Monaten bedeutend mehr Tcppeclic zu fabrizieren als in den vorungcgaugeucn Semestern, Sowohl in der Furbeiizusmmiicnstellimg als auch i״ den Entwürfen der Muster und in der Technik des KiiIiim'ciis waren bedeutende Fortschritte «ufzuweiseu. .... Um die Arbeiterinnen des Tcppiehatelicrs mit allen Einzelheiten der seit Jahrhunderten in Persien eingebürgerten Tcppichindiistric vertraut zu machen, beabsichtige» wir, im nlichsten Semester eine•» aus einem der Zentren der Teppichindustrie stammenden tüchtigen lind geübten Werkmelster anzustelient Herr Professor •Schatz wird zu diesem Zwecke die in Betracht kommenden Stüdtc bereisen, uni persönlich eine ge'lihtc Kraft zu gewinnen. 2. Abteilung für Holzschnitzerei, in dieser Abteilung, die mit einer Tischlcreiwcrkstatt verbunden ist, wurden Dekorativmöbcl für den palüstinensischcn Markt und Rcliefbildcr in Holz hcrgestcllt. Raliincuahtclluti«. Diese ist aus einer Werkuns Moskau In hochherziger Welse auf fünf Jahre bewilligten Beitrag von Je 600 Fr. ermöglicht. Wie in der Raliinenabtcllmig. sind auch die Arbeiten dieses Ateliers Souvcnirnrtikel und im wesentlichen fiir den Export bestimmt. Das Atelier wurde Ende April dieses Jahres eröffnet und hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens bewahrt; seinen Er- Zeugnissen scheint ein guter Absatz in Aussicht zu stehen. 5. Abteilung Uir Stclnhauerarbcltcn. ln derselben wurden in einem dreimonatlichen Kursus 29 Arbeiter «usgcblbict, darunter 23 mittellose. Im August dieses Jahres musste infolge des durch Wassermangel im Baugewerbe cingctrctcncn Stillstandes in der Abteilung zeitweilig gefeiert werden, da die meisten Arbeiter gezwungen waren, Jerusalem zu verlassen. Sic fanden indes in Jaffa, Haifa und anderen Orten Onlllüas anderweitig Beschäftigung. Auch in diesem Jahre fanden im Bezalcl Abendkurse statt. In denseihen wurde wührend des Winters filteren Leuten aus der Jerusalemer Bevölkerung Zeichenunterricht erteilt. Ein besonderer Kursus war für Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen eingerichtet, an dein 20 Damen tei!nahmen. Ferner enthält der .,Bezalcl‘• eine Kunstabteilung. In der höheren Klasse der Kunstabteilung fand mit Schluss des Geschäftsjahres der erste •drcljülirigc Kursus sein Ende. Infolgedessen haben sielt vier der künstlerisch begabtesten Schiller zur Fortsetzung ihrer Studien nach europäischen Kunstakademien begeben. Im rebruar Höchste» Jahres wird in unserer Schule eine Abteilung für Korb- und Kunstinöbclllcchtcrct errichtet. Der Begründer, Herr Popowitz, hat knntraktiuüss’g die Hinrichtung mul Unterhaltung der Werkstatt auf eigene Rechnung übernommen, wahrend der Bezalcl sieli verpflichtet bat. die nötigen Räume und das Lager zur Verfügung zu stellen oder hierfür eine jährliche Subvention von 500 Fr, zu hewilligen. .Die l«r diese Arbeiten nötigen Entwürfe werden von der Schule geliefert und die Produkte auf ihre Qualität und geschmackvolle Ausführung ge. prüff werden. Hs ist ferner in Aussicht genommen, im »üchstcu Semester neben den bereits bestellenden Werkstiittcu und Ateliers eine Werkstätte für Hamaskusmübcl zu errichten. Die fiir Errichtung und Bestreitung der Unterhaltungskosten dieser Abteilung; erforderlichen Geldmittel sind uns von der Alexander und Fanny Simon-Stiftung in Hannover in Aussicht gestellt worden. Das sicii an die Bczaldschulc anschliessende Musen m wurde durch mancherlei NeueiWerbungen : 11,111 *«Wendungen bereichert. Seitens der Bcvöikc- 1 rmig erfreut es sich stets eines Ichhattcit Interesses l und entwickelt sich allmählich zu einer belieben Bil-• dungssst.'ittc für die Jerusalemer Bevölkerung. m voi!• Erge- ו»ץ. •י!י*,״* das Instltutionen begründet und von uns mit der Überwachung der Bczalcl-Scliulc und der administrativen Leitung Die Errichtung des P n I ü »11 n a A m t c a, zum Zwecke der Vertretung verschiedener ״) Der Bericht, der eine stattliche Broschüre von über 40 Selten füllt, wird Interessenten von dem Bureau des ,.Bezalcl**. Berlin W. 15. Bklbtreu• Str, 34/35, auf Wunsch gern zur Verfügung gestellt. statt licrvorgcgangcncn, die vorher in JuHa bestund und vom Bczaici übernommen wurde. In derselben wurden Rahmen aus verschiedenen Holzarten her* gestellt, die einen absatzfähigen Souvcnlrartlkc! zum Verkauf an die Palästina besuchenden Fremden bilden und vielleicht auch als Exportartikel geeignet sind. 4. Abteilung für Filigranarbeiten. Die Errichtung dieses Ateliers, wurde durch den von Herrn Pollak Ein jüdischer Kriegsheld Der erste französische Adler von einem Jüdischen Turner erobert.*) Unter den mancherlei Heldentaten, diu liirncrn ousgxfülirt wurden, ist besonders die hciitung der ersten Tiirkoialmc und des dazu hörigen französischen Adlers bemerkeuswert. Leider war von Herrn Georg 11 i r s c h, Frankfurt am M a 111 kein snczicllcr Bericht darüber zn er- ))alten. Weder die Bemühungen von Vorstandsmitgliedern des Frankfurter Turn •Vereins, nach verschiedene Schriftliehe und persönliche Versuche des Herausgebers waren imstande, von Herrn Hirsch etwas Näheres über seine Heldentat zu erlangen. Ls war nur Ucrauszubekommen, dass Herr Hirsch da* Eiserne Kreuz L u 11 d If. K1 assc und vom Kaiser von Russland den r 11 s. si sehen St. Anna-Orden vor- Jiclicn bekam. Diese ungewöhnliche Ans- Zeichnung muss natürlich mich eine hesondere Veranlassung gehabt haben, und die ist darin zu suchen dass Hirsch derjenige deutsche Krieger war, der mit stürmender Hand den ersten französisehen Adler eroberte. Erst später gelang es mir, Näheres darüber durch eine Korrespondenz zwi- «chen dem Historiker des 80. Regiments, Baron von Poscck und Herrn Hirsch za erfahren, uic folgenden Wortlaut hatte: *) Mit Erlaubnis des Verlages einem soeben erschienenen Werke ״Turner und Helden“ von Gustav Möckcl entnommen, in dem über kriegerische Heldentaten solcher deutschen Turner im Kriege 1870/71 berichtet wird, die mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden. Der Verfasser Imt uns Hebenswürdiger Weise auf den Artikel aufmerksam gemacht. (Verlag Krnft und Schönheit. Berlin-Steglitz.)