Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Erfolg. Die beiden orthodoxen Kandidaten erhielten Je ca. 200 Stimmen, die vier liberalen *wischen 184 und 166 Stimmen. Wir haben gezeigt, dass wir fortan nicht mehr im Verborgenen bleiben wollen, und wenn, wie voransznsclicn, In nicht zu ferner Zelt die Proportlonnlwahl kommt, dann werden wJr ohne Kompromisse In der Verwaltung unsere Vertretung finden. Jedenfalls liabcn die Orthodoxen den Gewinn Ihrer zwei Mandate n u r den Zionisten :׳.u verdanken; hatten die Liberalen vor den Zionisten nicht eine so grosse Angst gehabt, dann hatte auch die vlclge• i lllimte Taktik der orthodoxen Führer dieses Resultat nicht gezeitigt. |vr|. PALAeSTINA-RUNDSCHAU Versammlung des Weinbauernsyndikats RI schon Ic Zion. Eine achttägige allgemeine Mit- *licdcrvcrsammlung des vereinigten Weinbauern• Syndikats fand im November hier statt. Es gehören dazu Weinbauern ans den Kolonien Rlschnn, Rccho• woth, Qcdcrnh, Wadi-Clmtiiu, Petneh-TikwaU und Slchron-Jacob. Von den 289 Mitgliedern, die das Syndikat in allen diesen Kolonien zahlt, waren acht• zig persönlich erschienen, die übrigen hatten ihre Stimmen auf die erschienenen Mitglieder durch Voll• macht übertragen. P.inen sehr ausführlichen Bericht über die Oescliiifte des Syndikats im Jahre Oktober 19n7—Okto• Fer 19Ü8, erstattete der Vorsitzende des Syn• d i k n t s, Herr 0111 s k I n. Nahezu 40 000 Hekto• liter Wein sind 1111 verflossenen Jahre verkauft wor* den. Per erzielte Durchschnittspreis erlaubt׳? 16 Fres. pro Kautar (ca. 800 kg) Trauben au die Kolonisten zu zahlen. Hierzu kommen noch 6 Fres, pro Kantor von dem vom Baron Rothschild den Kolonisten überlassenen Fonds. Bekanntlich hat der Itarou Rothschild bei der Ohcrgnhc des Rlschoncr Weinkellers an die Kolonisten zur selbständigen Ver• waltung׳ ihnen mich 1600 000 Fres. zur Verfügung gestellt, die zur Deckung von Defiziten im Laufe von 6 Jahren dienen sollen, bis die Ahsatzvcrhiiltnissc für den Wein sieb wieder gebessert hütten. Von diesem Beitrage des Barons entfiel hi diesem Jahre ein Zu• schliss von Je 6 Fres, auf!eilen Kontur Trauben. Auf Vorschlag des Direktors (lliiskin beschloss die ׳ tciicralversammlunr, nur 3 Fres, ausznlilcn zu lassen. 8 Fres. nbei dem Reservefonds zuzuführeu. Somit erhielten die Mitglieder des Syndikats 19 Fres, pro Kantor Trauben. Zum Schlüsse sprach die Versammlung dem Bnroit Rothschild ihren Dank und den Wunsch aus, er möge weiter die Freude erleben, die von ihm unterstützten Kolonien!),itlicn und gedeihen zu sehen, — Audi dem Vorsitzenden OI u s k i n votierte die Versammlung ihr Vertrauen und die Anerkennung fiir seine Leistungen. # Wie die Korrespondenz ,.Heer und Politik“ zu• verlässig erführt, beabsichtigt der deutsche Reichs* Kanzler, den Abiturienten der deutschen Schule in J c r u s a I r m das Recht zum F.inkilirig-Prcl• willigcn-Dicnst zu bewilligen. In diesem Jahre fnn• den an der Schule zum ersten Male Schlnsspriifungcn statt, zu denen der Reichskanzler Kommissare ent• somit hatte. Neun Knaben mul zwei Miidclicn bc• standen das F.xamcn. Für das neue Schuljahr wurde eine neue Untertertia eingerichtet, die In drcilfllirlgcm Kursus bis zum Abschluss der Untersekunda führt. Bekanntlich liegt auch der Kaiser für die deutsche Schule ein grosses Interesse. « —idji— Von dem Boden, den der Jüdische Natio• nnlfonds bei Ekroit besitzt, wurden 1000 Dunam an sechs Familien von B c r g J u d c n, die in der letzten Zeit in Palästina etngewandert sind, verpachtet. —mn - In Jaffa fand Jüngst eine allgemeine Aktionär• Versammlung der Maschinenfabrik Stein 11. C o. statt, die bekanntlich in der letzten Zeit eine Krisis diirchgemnclit hat. An der Versammlung bc• ieiligten sicli auch Vertreter der Ica mul Anglo- Pnlcstine Company. Auf der Tagesordnung stand in erster Reihe die Frage, ob diese Fabrik auch in Zukunft noch als existenzfähig gelten könne. Der Agronom W i 111 ti s c h, der in den letzen drei Monaten die Fabrik leitete, hat der Versammlung eine genau detaillierte Bilanz vorgclcgt, aus der zu ent• nehmen war, dass das cingcznhlte Akt cnkapital 180000 Francs betrügt. Die Bilanz schllcsst mit einem Verlustkonto von 15 000 Francs. Im übrigen weist Wiihuscl» daran! hin, dass die letzten drei Monate den Beweis erbrachten,, dass eine geordnete und geschäftskundige Leitung die Fabrik höchst ren• tnlici machen kann. Die letzten drei Monate haben nämlich 10000 Francs Reingewinn ergeben, Auf Grund dieser Bilanz wurde einstimmig beschlossen, dass die Fabrik beatohon bleiben soll, Da aber Herr Wilbusch nach Russland zurückgeht, wurde ein Kommission von erfahrenen Fachmännern gewählt, die die Fabrik zu beaufsichtigen und ausser• dem ein Schiedsgericht, das dlo Streitfragen zwischen Herrn Stein, der aus der Leitung austrltt, und den Aktionären zu schlichten hätte. Es ist nunmehr zu hoffen, dass die Fubrlkgcschilftc unter ordnungs• mässiger und geschäftskundiger Leitung auch wieder den Erwartungen gerecht werden, die an Ihre Orän• düng geknüpft wurden, und die sie lange Zelt erfüllt hatten. * —ma— Immer mehr wird Palästina aucli von spekulierenden Kapitalisten als ein geeignetes Feld erkannt. Wie von uns bereits mitgctclit wurde, ist bei der Konstantinopcier Regierung die Konzession zum Bau einer Eisenbahn von Jaffa nach. Pori-Sald nachgesiiclit worden. Das (lcsiich wurde dem Ministerium dir öffentliche Arbeiten zur Dcgutaclrtuiig überwiesen, — Ferner versucht dieselbe Gesellschaft, die die Chaussccarbcltcu In Beirut übernommen hat, dlo Erlaubnis zum Bau einer Bahn von Haifa noch Dolrut zu erlnngcn. Diese Linie soll vornehm• lieh für Prnclitzügc bestimmt sein, und man nimmt an, dass die Konzession dafür nach demniiehst er• teilt werden wird. * —■II— Einige angesehene Oclchrto Palüstlnas tragen sich mit der Absicht, auch iu Jerusalem ein Jüdisches Gymnasium zu errichten. Wie die lokalen Zeitungen berichten, soll diese Absicht schon in allernächster Zeit verwirklicht werden. Eine solche überstürzte Gründung erscheint uns sehr un* zweckmässig. Mau sollte docli lieber erst alle ver* tilgbaren Kräfte darauf konzentrieren, das hebräische Gymnasium in Jaffa zu konsolidieren und zu einer alten modernen Anforderungen entsprechenden An• statt machen. * Der Dichter Dr. T s e h c r n I e 11 o w s k i Ist als Arzt für die Umgegend von Tlherias engagiert worden. * Die drei JII d i s c h c 11 Abgeordnete n des türkischen Pnrlamcnts sind hei Ihrer Ankunft ln Jaffa mit grossem Jubel empfangen worden. An dem Bankett, das Ihnen zu Ehren veranstaltet wurde, hat sicli auch der Vizedircktor der Anglo Paicstluc Company beteiligt, t I VOM ZIONISMUS t »וי Hin Vorschlag für junge Zionisten Eine aus 50 Jungen Leuten bestellende Gruppe in Bohruisk macht den zionistischen Vereinen und Gruppen einen Vorschlag, der in der genannten Gruppe seihst zunächst dnrchgcfülirt wird, zu dessen vollem Erfolge aber gehört, dass andere ähnliche Gesellschaften stell aiiscliiiesscn. In den Monaten Tcbetli, Schchntli und Ailar zahlt Jedes Mitglied der Gruppe einen Rubel in eine Reisekasse. Die auf diese Weise im Laufe von drei Monaten gesammelten 150 Rubel sollen cs einem Mitglicdc der Gruppe, das am Ende der drei Monate nusgelost wird, ermöglichen, eine R c i s c n a c 11 Palästina zu machen. Wenn andere Gruppen den Vorschlag aufuehnien, so ist daran gedacht, dass die ausgeiosten Glücklichen sicli an einem Tage des Monats Nissan, der gecig• netsten Zeit für Pnlüstlnn-Reisen, in Odessa treffen, 11m die Reise nach dem Heiligen Lande gemeinsam zu machen. Die Vertreter der Gruppen haben auf dieser gemeinsamen Reise erstens Ge• Icgcnlicit, miteinander Beziehungen nnzuknüpfcn. die sicli spiücr als sehr nützlich erweisen können, und sie weriien so auch am besten gemeinsam Palästina kennen lernen, um später In Ihren Gruppen über ihre Erfahrungen und Eindrücke zu berichten. Die Adresse der Gruppe lautet: M. J. Lewin, Olchnwskaia Uliza, B 0 b r 11 i s k, Gouvernement Minsk, Russland. Für deutsche Gruppen, die diesen bcaclitcns* werten Vorschlag aiifnehmcn wollen, würde cs sich natürlich empfehlen, einen geeigneteren Treffpunkt als Odessa zu wählen. Auch die Summe Ist für eine Palüstinnrclsc etwas niedrig gegriffen. Immerhin wäre cs aber ratsam, dass deutsche Gruppen sich mit der Gruppe in Bohruisk Jedenfalls in Verbindung setzten. —nn. RUNDSCHAU DeR»PR655e Berlin ln c|ncm Artikel über ״Englands Vor* dringen in PaIüstlnn״ beklagt die Berliner ״Neuo Preussliclio (Krcuz*)Zoltung״ den angeblichen Rückgang des deutschen Handels in Palästina zu• gunjitcn des englischen, Das Blatt nennt als Haupt• ursucho des Aufschwunges des englischen Handels dlo on gl! sc he MUftionstütlgkclt in Palilstlim und die Entstehung von engllsch-pro• tostantlschcn Gemeinden unter den Eingeborenen Palüstlnas und führt dann forte ״So hervorragend auch die Erfolge der englischen Mission In Palästina sind, sic allein reichen nicht aus zur Erklärung des wachsenden Einflusses, den England In den letzten Jahren erzielte. Hier spielt noch ein zweiter, massgebender Faktor herein: Die Unterstützung, die das offizielle England dem Zio• n Ismus leiht. Zeitig hatte die englische Regierung erfasst, welche Bedeutung dem Erwachen des jildisollen Natlonalgcfillils inncwohntc. Sic stellte deshalb auch die neue Bewegung in ihren Dienst, indem sic ihr Sympathie und Wohlwollen bezeugte. Die Früchte dieser Politik fielen England mühelos in den Schoss: heute sind alle zionistischen Gesellschaften, die an der Eroberung Palästinas arbeiten, englischer Nationalität... Es würde zu weit führen, wenn hier auf die moderne Jüdische Ein wände• r 11 n g nach Palästina näher elngcgangcn würde. Nur soviel sei gesagt, dass heute rund 85 000 Juden Im heiligen Lande wohnen, während es deren Ende der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts höchstens 15 000 waren. Ferner zählt Palästina heute 30 Jüdischer Acker• und Wcinbaukolonicn, die erst seit dem Beginn der 80er Jahre entstanden. Solange der Jüdischen Einwanderung iu Palästina keine p o I i t i s c 11 c n Motive zugrunde lagen, konnte deren Existenz für die friedlichen d c u t - sehen 1 n t c r c s s e 11 im heiligen Lande wohnen bekanntlich etwa 2500 deutsche Kolonisten in Stadt und' auf den! Laude — nicht gefährlich sein. Das wurde aber mit einem Schlage anders, als die zionistisclic Partei ins Lehen trat. Sie beanspruchte Palästina für das Jüdische Volk und machte sicli daran, das Land auf Kosten der deutschen Ansiedler (?? Red. d. .1. R.) wirtschaftlich und Ixidcnpolitisch zu erobern. Unterstützung fand sic hierbei, wie ge• sagt, bei England. Und zum Danke dafür treibt sic heute — Englands Gcschiiftc. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der deutschen selbständigen Hand• werker und Kauflcutc In Palästina ab. An ihre Steile treten die Zionisten, die, von ihren Gesellschaften hierin gefördert, Englands Handel immer mehr zum herrschenden gestalten." Ueber den offenbar an die Adresse der d c u t - ,sehen R c g i c r u n g indirekt gerichteten Vor• wurl, dass die englische Regierung zeitig die Be• 'deiitiing erfasst hatte, die dem Erwuclicn des jüdi• scliui) Niitioinilgcfillils zukommt, mögen sich die Organe der deutschen Regierung mit der ״Kreuz• zeitung" auscinniidcrsetzen. 1 Die Vorwürfe aber, die hier der zionistischen Bewegmig gemacht werden, als schädige sic die duitsehen Interessen, sind weder richtig noch neu. Das Neue daran ist höchstens, dass sic jetzt der bei einem Teile der deutschen Presse Üblichen England-Hetze dienstbar gemacht werden. Bcknnntlich ist das genaue Gegenteil des in dem Artikel Gesagten der Fall. Die deutschen Kolonisten in Palästina liabcn von der Begründung der jüdischen Kolonien und von ihrer Entwicklung nur Vorteil gehabt, und die heute grösstenteils wohlhabenden deutschen Handwerker in Palästina verdanken ihre Wohlhabenheit nicht zum wenigsten -- Rothschild! Dass alle zionistischen Gesellschaften englisch seien, ist nicht wahr (der. sehr bedeutsame ״Verein Oclbaumspcndc" z. H. ist deutsch), und warum einige der zionistischen Gesellschaften englisch sind, sollte eigentlich die ״Krenzzeitung‘* auch wissen, weil nämlich das englische Gesetz Pfund-Aktien (ä 2ö'i Mark) zulässt, die in Deutschland nicht erlanht sind, und weil die Existenzbedingungen der zionistischen Gesellschaften unzertrennlich mit diesen kleinen Aktien verknüpft sind. Denn der Zionismus ist eine Jüdische Volks bcwcgnng, und das Volk besteht auch bei uns Juden nicht aus Miiiionärcnl Hamburg Wie allzu weit getriebene ״Objektivität" in politischen Dingen sogar der Logik schädlich werden kann, zeigt ein Artikel mit der milden Ucbcrschrift ״Unschöne Erscheinungen", in dem das ״Hamburger Israelitische Fnmlllcnblatt" die Versuche zur Schaffung eines ständigen Komitees aller grossen Jüdischen Organisationen und den letzthin akut gewordenen Konflikt zwischen ״Hilfsvercin" und ,.Alliance" bespricht, und in dem es heisst: ״Wenngleich im gegenwärtigen Moment eine Einigung über die Art des Zusammenschlusses auch nicht erzielt Ist, wenn insbesondere eine der ältesten grossen Organisationen, die ״Alliance IsraC'iitc Universeile" sicli aucli zurzeit dem Projekt gegenüber ablehnend verhält, weil man dort an der Fiction lesthält, dass die Alliance allein diese Zentralisation Ja bereits darstclic, so ist der Gedanke eines Zusammcnschlusscs der grossen Jüdischen Hilfsorganisatloncn doch auf dem Marsche, und cs ist nur eine Frage der Zeit, wenn sie sich realisieren wird. Oh man zu einer gemeinsamen permanenten Aktion oder zu einem Zusammenschluss für den Einzolf&li, bei bereits clngctrctciicii Katastrophen gelanget» wird, Ist für die Qrundidco nicht von solcher Bedeutung, wie man vielleicht an einzelnen Steilen meinen