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Jüdische Rundschau · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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0 Seile (i 0 I)! S C H 1׳. RUNDSCHAU Nr. I vvrstossc gegen de» jüdischen Oeist und die jüdische Lehre.' Mit Zion solle der schlicssllchc Sie« des Weltfriedens und der absoluten Gerechtigkeit verheissen sein. Die ungarischen Juden brauchten und wollten keinen Zionismus. Bei dem Richter haben die Ausführungen beider Parteien trotz seines aufiingliehen Widerstvebens grosses Interesse erregt. Schliesslich ist der Angeklagte wetten der Beleiöi- ,tun«: zu einer (leidstrafe verurteilt worden. — Der Prozess hat auch in nlchtzionistischcn Kreisen Höchst peinlich berührt, vor allem deshalb, weil der Autrcklagte, um anttebliche jüdische Interessen zu vertei• divten, bekannte Antisemiten als Sachverständige he• stellte. Das scheint freilich in Uuttarn Mode zu werden, denn die dem Zionismus feindlichen Kreise haben bekanntlich auch zur Hiubriiigimg der antisemitischen Jnterpellation im Abgeordnetenhaus•: keinen anderen als einen — antisemitischen Abgeordneten gefunden I Und diese Leute nennen nachher die Zionisten mit Vorliebe ״jüdische Antisemiten"! Serbien . 1 1 Eine ciycnurliyc Zumutung Lin ,.Comite des lsraelites Serbes" vcröifentlidvt -einen Aufruf, in dem die Israeliten aller Länder״;mfgcinrdoit werden, die Interessen Serbiens zu vertt etc» und zu unterstützen als Dank Jiir die gastjiwtindliche Aufnahme, die den Israeliten seit über jniii Jahrhunderten von den Serben gewährt worden ist. Der hierin offenbarte Patriotismus der paar Tausend serbischen Juden ist gewiss an sich lobenswert und bei so guter Behandlung auch erklärlich., aber die Ar! der serbisch-indischen Dankbarkeit ist denn doch nicht unbedenklich. Hs könnte nämlich ui mehr oder weniger einwandfreier Nachahmung dieses Beispiels dahin kommen, dass die Juden auch aller anderen Länder ״mehr (.der weniger freiwillig" solche Komitees gründen, die bei einreteiidcr. Schwierigkeiten für die Intcressennahmc der fiestunt• judenheit Propaganda machen. Und wenn sowas einmal von den Jmlcnschaitui zweier gegnerischer )ander arrangiert würde, so läge darin noch nicht einmal eine Aufhebung der Wirkung, wie naive de* uiiiter nieinen könnten, sondern voraussichtlich würde die Jmleuschaft jedes der beiden Länder wegen der P.'opagauda der anderen allerlei auszustchon haben, weil der Schaden einer solchen Mobilmachung all- ÜHiischer Sympathien meist höher ciugcsch;il/t würde als ihr Nutzen. Die Devise: ״Juden alle•• Länder vereinig: euch.•’ I:;utc schon Sion ״ aber nicht wenn die Parteinahme i,ir Serbien oder ein anderes Land der Zweck ist, smidern im Interesse eigenster jüdischer Augclcg•:!!• hi ilen. für die noch lange nicht entsprechend gesorgt ist, Htwas anderes ist es natürlich, wenn ־ ohne Ariiordcrung ••־ die entsprechende Behandlung der Juden wahrem' langer Jahihinulcrte die Sympathie der (le.sumtiudcnheit gewissen Ländern ganz, von seihst zufidrt. (Vgl. ״Rundschau der Presse"!. : ג England Jüdische Sludunlcnvcrcinc Drei jüdische Studeuleavcreinc an den Univereitäten O x 1' 0 r d . C a m b r i d g c und L c eils. von denen zwei zionistisch mul einer nathmaljiidisch ist, erlassen einen Aufruf, der zur Bildung ähnlicher Vereine an den übrigen Universitäten Hnglamls, Kamls und der Kolonien auiiordert. In dem Aufruf heisst es, dass wenig daran liege, mH welcher Tendenz die Vereine beejlüidet würden, sofern sie nur gut jüdisch seien und der verderblichen Assimilationssucht den Kampf erklärten. — Das ist ein erfreuliches Zeichen des Hrwaehcns der englischjüdischen Studentenschaft, das unter den jüdischen t Studenten der anderen Länder jedenfalls den lebhaf- ,testen Beifall finden wird. (NJK.) « t Amerika Die Vereinigung der Zionisten in New York hat den bekannten jüdischen Volksredner Solomon Krankel als Agitator für New York engagiert. Jüngst sprach er in einer grossen Masscnvcrsammhing, die von dem Verein Heget Zion veranstaltet w״r und als deren Resultat die Orilmlung eines netten Vereins zu verzeichnen ist. «S• Mr. lTomcnson, der Sekretär der ״Federation of American Zionists". besuchte jüngst u. a. die Städte Y o u n g s 10 \v n, CI c v c 1 a n d, MI n n c a p 01 i s, St. Louis und Kansas City und veranstaltete hi all diesen Städten grosse Versammlungen, Hr fand überall ein lebhaftes Interesse für Ule zionistische Bewegung, so dass es ihm ein leichtes war, viele neue Vereine zu gründen. 111 der nächsten Zeit wird Herr Promenson nach Denver, Texas und Kalifornien reisen, Argentinien Wie uns bekannt wird, bestellen mannigfache Missverständnisse in bezug auf die zionistische Vertretung in Argentinien. Demgegenüber sei darauf hiiigcwiescn, dass die einzige vom Aktionskomitec anerkannte zionistische Zentrale iür Argen• tinicu das ״Conütd Central dcl Partido Sionista cn Argcntina" ist, dessen Bureau sieh ln Bucnos-Aircs, Corrieutcs i.JM, befindet. Anfragen aus Deutschland erfolgen am besten durch Vermittlung des Zionist!• sclien Zentrallmrcaiis, Cbarlottciilmrg, Bleibtrcustrasse •19. Australien In M e I b 0 ti r n e ist ein neuer jüdischer sozialistischer K i u b gegründet worden, Die australischen Sozialdemokraten sahen sieb dazu ver* anlasst, weil in der letzten Zeit sehr viele russisch -jüdische Hin w׳ a זו d c r c r in Australien ankamen. Hs wird beabsichtigt, diesen Klub in dem eine Bibliothek eingerichtet ist und Vorträge gehalten werden, dem jüdischen sozialistischen Bund anzuschlicsscn.! AUS D€N G6M6lfiD£N Die Mitarbeit unserer t.cser nn dieser Rubrik Ist besonders mvlinsclil. Hamburg. Das Rcpräsentnntcn-Kollcgiiim der deutsch-israelitischen Gemeinde hielt eine Sitzung ab, in der milgetcilt wurde, dass sielt der Vorstand an verschiedene Orossgcmciiulcn mit der Anfrage gewandt habe, welche Hrfahrtmgen von ihnen mit der Übernahme der 01 iberpfiege in eigene Regie gemacht seien. Ferner wurde die Abrechnung der Gemeinde für das Jahr 19H7, die mit einem Fc h I b e t r a g von zirka 1500 Mark absclilicsst, vorgelegt. Alsdann gclangt das Budget für das fahr 1909 zur Beratung. Hs weist an Hinnahmen aus Steuern und Hintrittsgüdern H7 250 ML. aus Miete von Grundstücken zirka 50(10 Mk. und an Zinsen zirka 11500 ML auf. Die Hinmihsnc von annähernd UH (10• 1 Mk. wird durch die Ausgaben um fast .15 01)0 Mk. überschritten. Von den Repräsentanten wurde bemängelt, dass bei Auistellmig des Budgets durch den Vorstand grosse Felilbeträge sich 1 ••cl1m1M'4Nt11.'issicc ergäben, während dt.eli die Reebmmgsnbscliliissc höchstens ein ganz geringes Defizit erkennen Hessen. Auch die Deckung des Defizits sowie die wesentlich verspätete V o r I c g n 11 g d e s B n d g e t s gab Anlass zur Diskussion. r.lnr Bau und H i n r i c 111 u n g e i 11 e r H a 11 s b a 1111 n g s s c 11111 e soll vom Vorstand Auskunft erbeten werden. Zwecks Beralung über den Hrwcrh eines eigenen Gemeinde• bauscs wurde eine Kommission eingesetzt. Im Budget nimmt die Ausgabe fiir das Anncnwcscn mit 05 011!) Mk. die erste Stelle ein. Hs folgt die Ausgabe in•■ die Israelitische Töchterschule mit •10 800 Mk. und der Zuschuss für die Talimul-Thora-Schulc mit 2.5 01)0 Mk Das Ucgrähiiiswcscn erfordert einen Zu• schliss von 7000 Mk. Für Gehälter wird nur der bescheidene Betrag von 1־l70i) Mk. beansprucht. Hannover. Bundrabbiner Dr. G r o n e m a n 11 ieierte am 20. Dezember 100s sein 25jährigcs Amtsiubilätim. Nach dem Tode des Latulrabbiners Dr. M e y c r wurde er zu dessen Nachfolger gewählt mul im Dezember 188,t von Stadtdirektor Ifaltenlioff in sein Amt eiugefiihrt. Zu Hlircn des Jubilars wurde am Sonnabend, 20. Dezember, vormittags in der in der Synagoge ein Fcslgottcsdicnst veranstaltet. Am Sonntag. 27. Dezbr., fand im Hause des Jubilars die Beglückwünschung durch Vertreter der israclitisehen Gemeinden, Korporationen usw. statt, woran sich um 2יi Uhr im Konzertbanse eine von seinen Freunden veranstaltete Festlichkeit schloss. Hannover. Das Seliäel.twescn in unserer Genicindc bat schon seit Jahren Anlass zu vielen Klagen, Beschlüssen und neuen Anordnungen gegeben. Seit April 1907 ist neben Herrn Lnudrahbiner Dr. G r 0 n 0• mann in der Person des Herrn Rabbiner Dr. F r e 1111 d ein zweiter Ortsrabbiner .׳!»gestellt, dem vuiii ReprLsciitantcn-KoHcgium auch seit Mal d. Js. die BeaiuViclitigung des Schäclitwcscns übertragen worden ist. Wegen ritueller Unzuverlässigkeit wurde am LS, Dezember auf einstimmigen Antrag des Repräsentanten-Kollegiums einer Schlächterei die Rabbiiiatsuufsicbt entzogen. Als hierauf in einem Zirkular die beiden anderen hiesigen beaufsichtigten Metzger erklärten, dass sie die bislang’ seitens des Rabbimits über ihre Geschälte geführte rituelle Aufsiebt zuriiekgeben und, um ״ihren Geschäften den selbständigen Charakter zu wahren, auf die Aufsidttsfilbnmg des hiesigen Rabblnnls verzichten," wurde weiter bekannt gegeben, dass auch diesen beiden Fleischereien rituelle Zuverlässigkeit nicht mehr zuerkannt werden kann. Nachdem somit den sfimtliehen bisher unter Rabbiiiats-Aufsicht gestellten Fleischern die Aufsicht entzogen war. haben weitere eifrige Verhandlungen der Gemeinde-Verwaltung, wie der ״Israelit" schreibt, zu dem Resultat geführt, dass eine wolirenomniiertc alteingesessene Firma den Verkauf von rituellen! Fleisch unter Rabbinats-Auf. siebt übernimmt. Hs stellt nun zu hoffen, dass durch diese cnergU sehen Massnahmen endlich iür das hiesige Fleisch wesen zuverlässige und geordnete Hinrichtungen ge• scliafieii sind. Strasiihurg. Die Frage der Reorganisation der israelitischen K u 11 u s v e r f a s s 11 n g ist liier, obwohl sie schon 1902 von Mülhausen ans in Fluss gebracht wurde, aber keinen Hrfolg gezeitigt batte, wieder einmal auf der Tagesordnung, Am 10, Dezember referierte in einer zu diesem Zwecke einberufenen Versammlung Herr Rechtsanwalt Dr. Dreyfus über dieses Tliema. ' Nach längerer Rede schlug der Referent folgende Resolution vor: ״Die Unterzeichneten geben hiermit ihrer Ucbcr- Zeugung Ausdruck, dass die bestehende Verfassung des israelitischen Kultus einer g r 11!1 U s ä t z I i c 11 c n A I! ä oder 11 n g dr i 11 g c 11 d l> e d a r f, und dass diese Abänderung in der Richtung vnrgeiioinmcn werden!miss, dass d e 11 K n 11!1 s g c!!! e i 11 d e!1 die g r ö s s 111! «"• g I i c 1! c Selbständigkeit gegeben und dass die gesamte Kiiltiisvcrwaltung in eine oberste Behörde ziisammcngcfasst werden soll." Das Bureau wurde beauftragt, diese Resolution den Mitgliedern der Gemeinden zur Unterzeichnung vorzuiegen, um sie dann dem Kaiserlichen Ministerium ir Stnssburg einzurciclicn. München, in der vorigen Woche fand hier der erste Abend in der von der Münchener Loge (U. (). B. 15.) gegründeten Toynbce-Hailc statt. Herr Ralnbner Dr. Werner hielt eine längere Ansprache, worauf musikalische und deklamatorische Vorträge folgten. Die Veranstaltung war recht gut besucht mul die Loge verdient den herzlichsten Dank für ihre Schöpfung. .München. Als unser verewigter Führer Theodor llerzl im Jahre 1897 die Absicht kund galt, den I. Kongress nach München zu berufen, da entstand in den Reiben ücr hiesigen tonangebenden Glaubensgenossen ein panischer Schrecken. Hiligst wurde ein hervorragendes Mitglied nach Wien entsandt, und dessen Tätigkeit gelang es bekanntlich, das grosse Unheil von Bayerns Metropole abziiwcnden und die bösen Zionisten von der Stadt feriizubalten. Wenn mm;Mich inzwischen in München eine zionistische Ortsgruppe erstand mul auch ab mul zu grössere zionistische Versammlungen abgelialten wurden, so war doch nie eine grössere Lebhaftigkeit liier wahrzimelmicn mul die Herren, die den Zionismus so .sehr fürchten, konnten sich der ״königl. baycr. Ruhe" kiugcbeit. hniieiul. dass der Zionismus sieh liier nie zu einer kraftvollen Pflanze entwickeln werde. Doch wie so oft im Leben, ging es auch hier anders. 1111 'Nachfolgenden soll mm die Geschichte der letzten Tage erzählt werden: hieraus Kann ersehen werden, wie plüt/lieli der Zionismus sieh mich in München Geltung verschaffte. Für den 20. Dezember war die Walil von b Mitgliedern zur israelitischen Kiiltusverwaltimg angesetzt: durch ein Kompromiss zwischen den Liberalen und Orthodoxen wurde ein Kampf vermieden und die aufgcstellteii fünf Liberalen mul ein Orthodoxer um grosser Mehrheit gewählt. Nun Kam die Wahl von fi Hrsatzleuten. Diese fand heute, tun 27. Dezember, statt mul man glaubte, dass sie ebenso glatt wie die liaiiptwabl verlaufen würde. Doch dem war nicht so. Die Orthodoxen batten den Liberalen als den ihnen z.iifalleiulen Kandidaten Herrn Rechtsanwalt Dr. F. I i a s S t r a 11 s , den 1. Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe (als Ortlio. doxen mul n i c 111 als Zionisten!) in Vorschlag gehraclu; die liberalen Führer leimten Dr. S. auf das energischste ab, indem sie erklärten, dass e i 11 Zionist unter k e i 11 c 11 U ui s t ä n d e 11 Mit- ■gHwd dev KiiHnsv erxv all 1111 g werden könne!! (Im liberalen Verwalnuigskörpcr der Stadt Mann 11 ei in haben bekanntlich seit Jahren die Zionisten einen Sitz.) Um den Zionisten jede Aussicht abzuselmciilen, zeigten sich die Liberalen so nachgiebig, dass sie den Orthodoxen zw ei Sitze auhntcit, mul z.war die beiden ersten, während in den früheren Jahren immer mir einer aufgestcllt war mul dieser stets als letzter aus der Urne hervnrgiug. Die Orthodoxen, berauscht von diesen! Zugeständnis, das ihnen eine numerische Stärkung in der Verwaltimg in sichere Aussicht stellte, licsscn Dr. Straus fallen. Nachdem wir Zionisten von diesen Vorg.iugeii unterrichtet waren, beschlossen wir, obwohl wtr wussten, dass eine Aussicht, Sieger zu werden, nicht bestand, 111 die Agitation einzutretcii und Dr. Straus als Kandidaten aufzustcllen. Hs blieben uns nur fünf Inge Zeit zur Agitation, und diese wurden so gut «1» möglich aiisgenutzt. wenngleich wir auch keme •״feilt iclie Versammlung mehr abhalum Km Uten. Am heutigen Vormittag fand die Wahl statt, nun das Resultat entsprach unseren Hrwartungcii. von .HD abgegebenen Stimmen erhielt unser Kandidat 101, also nahezu 30 Prozent — sicher fiir eine erste Schlacht unter so erschwerenden Umständen ein

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