Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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seliliessen die Juden ihre Geschäfte im Winter spätestens um •I Uhr nachmittags, So 1111 abeu 11 für den «amten Ta« und Sonn tu« ist es Jetzt nur erlaubt, zwischen 2 und 5 Uhr offen zu liabcu. Aus diesem ökonomisch-rechtlichen und konfessionellen Dilemma sucht׳ mau bis Jetzt vcr«eblict!1 einen Auswc«‘. Der kleine Jüdische Hand ei I cldet aber u 11 gehe uci1 darunter, und wenn num die sehr «rosse Zahl derjenigen in Betracht zieht, die durch ihn ihr Leben fristen, so wird muii die Verzweiflung der in Iletrueiit knimnendcn Jüdischen Kreise wohl verstellen können. ,.Weihnächte׳״‘ ln Kusslsch-Polen Im nationalen Lehen der polnischen Juden ist erireulichcrweise ein langsamer, aber sicherer Port* schritt zu konstatieren. Diu Lüge der Assimilation an das Christentum und das Polcntum wird imitier mehr lallen gelassen. Das jüdische Bewusstsein bcmüchtigt sich alliiiüblieli auch soichcr Kreise, die bis Jetzt sich selbst und Ihre Kinder von allem, was lüdis&h ist. ängstlich fcrngchaltcn liahcn. Statt des Chrlstbatmtcs, der noch in den letzten Jahren in den meisten Jüdischen Intelligenten Kreisen in der Üblichen christlichen Pracht glanzte, brennen Jetzt Clianukaiikurzen, und die Weihuuchtsbesehcruii« ist durch die Ciiuuukalihcschcrm!« vielfach verdrüngt worden. Ls ist ein erfreuliches Zeichen, dass fast sämtliche Jüdischen Wohltütigkcftsvoreino und sonst alle kulturellen Zwecke« dienende« Korporationcn, wie der literarisch-musikalische Verein ..Hnzrunir" oder der grosse ,.Jüdische Lchrcrvcrcin" in Warschau, grosse ״M n k k n b ü c r f e s t c“ voriiiistaltcn, und die grosse, mit Jedem Jahr bedeutend steigende Zahl der Teilnehmer spricht eine deutliche, nicht misszuvcrstcheiide Spruche. Diese Tatsachen wurden auch von der anders gesinnten Presse zuge- «eben, (iernde in dieser Zelt wirken sie besonders erfreulich, wo anderwärts noch Immer dos widerwiirtige Treiben gcv'isscr Jüdischer Kreise In Übung ist. (NJK.) # Wie Londoner Dlilttcr berichten, hat sieb die russische Regierung entschlossen, dem Londoner Kaufmann Luxe m littrg eine Entschädigung auszahlen zu lassen dafür, dass dieser im Mürz des vorigen Jahres in Odessa verhaltet und im Gefängnis gehalten wurde, bis die britische Regierung seine Freilassung vc rlangte. Der Zar hat Herrn Luxemburg־ Jetzt erklären lassen, dass er k c 111 c gcs c t z 1 i c 11 c V c rn n t w o r 111 c 11 k c 11 anerkenne, dass er aber aus freiem Willen (I?) bereit sei, Herrn Luxemhurg für das zu entschädigen, was er durciigcmaclit Italic. Der Londoner Kaufmann erzählte einem Vortreter der Presse, dass seine Oefaugensetzmig ihm ausserordentlichen Schaden zugefügt habe. Sein Qcschüft sei vollständig desorganisiert, und er habe In den neun Monaten seit seiner Verhaftung auch nicht das geringste verdient. — Es ist anzunchmcn, dass die englische Regierung dem ״freien Willen" des Kaisers aller Reussen etwas nachgchoifcn haben wird. Einem d c u t s c 11 e 11 Jude ״ gegenüber liüttc der Zur slcli kutini zu einer üliullchert WlUciiscnt- Schliessung drängen lassen.. . anderen DekcniitnLsscs; im Jahre 1883/84 waren •J,(> Proz. Katholiken, 19,9 Proz, Juden und 6,5 Prob anderen Bekenntnisses; Int Jahre 1902/U3 gab cs nebei! 76,2 Proz. Katholiken 16,4 Proz, Juden und 7*4 Proz. Anhänger anderer Bekenntnisse. Die Zahl der jüdischen Studenten ist also in den letzten 25 Jahren um. einige Prozent zurückgcgaiigcn. Das hindert natürlich keinen braven Antisemiten, über die ״Verjudung“ der Universitäten zu Jammern, und gelegentlich ״Feldzüge“ gegen die jüdischen Stiidenlen zu veranstalten wie kürzlich in Wien. (Eine!! nusllllirllclieii authentischen Bericht, der uns Uber die jüngsten Wiener Vurgüugc zugiug, können wir leider aus Raummangel in dieser Nummer nicht mehr bringen, 1). Red.) Galizien Jüdische Turnvereine ln einer Ucncralvcrsammliiug des Jüdischen Turnvereins in Lemberg legte der Vorsitzende einen ausführlichen Bericht vor Uber die Zahl und die Tätigkeit der Turnvereine Galiziens. Der Kamp! gegen die körperliche Verwahrlosung der Jüdischen Jugend Qalizlcns hat im Jahre 1901 mit der Gründung von Turnvereinen eingesetzt. Diese Bestrebungen fanden anfangs bei der Jüdischen Öffentlichkeit gar ן keino oder nur sehr geringe Unterstützung', und noch gegenwärtig werden die Turnvereine vielfach angefeindet und als vollständig Überflüssig hingcsteilt. ,Irotzdem ist cs den unermüdlichen Bemühungen des Zcntralausschusscs gelungen, in verschiedenen Städten üafiziens Turnvereine zu begründen* die bereits eine ansehnliche Mitglicdcrzahl haben. Der erste Turnverein entstand in Lern borg, und dann rasch hintereinander Vereine in Taruopoi, S t u 111 s I a 11 und Krakau. Um diese Vereine populär zu machen, wurden Vortragsabende und verschicdciie andere Veranstaltungen abgeiialten, die den Vereinen eine immer grössere Zahl von UnterstUtzungsinitglicdcrn zuführten. Der Lemberger Verein zählt 202 männliche und 21 weibliche Mitglieder. Der Turnverein hat auch verschiedene Fussball- Klubs begründet, die ebenfalls sehr günstige und viel versprechende Resultate aufwciscu. Auch haben die Turnvereine grösstenteils eine anschnlicho Bibliothek, die wichtige Werke Uber Gymnastik und Turnübungen enthült. Die Pflege eines Jungen, kr.'iftigen und stolzen Muskcliudcutums hat in Galizien, wo cs am meisten Not tut, also nach vielen Kämpfen doch festen Boden gewonnen. * Der bekannte hebräische Publizist Herr N. S 0 k o 10 w wcilto in der letzten Woche zu Propagandnzwcckcn in Qalizicu. Am Sonntag, dem 20. Dezentber sprach er in einer grossen M a s s e 11 v e r ־ .>am 11111111 g in Krakau, am 21. Dezember hatte er daselbst eine Besprechung wegen organisatorischer Fragen mit den Vorstehern des Krakauer Distriktskomitccs. Am darauffolgenden Tage hielt Herr Sokolow einen Vortrag in Tarnow, am Mittwoch sprach er in Rzeszow mul am Donnerstag wiederum in Krakau. Ungarn richtet. -• Die Einführung der elektrotechnischen Kurse tr.t ein weiterer Schritt aul der von der Gescllsclibft cingcsclilagciicn neuen Balui». Wir bcgrüssen ihn Ircudig uiid wollen hoffen, dass es der iüdisclicu Initiative und Unctgio gelingen wird, das Jüdische Handwerk, wenn uueb nicht zur vollstentilgen Entfaltung zu bringen — das kann nur ein freies, bodenständiges Volk - - so doch cs wenigsten» vor dem Niedergänge zu bewahren. * R, Hin JudenfreundUcher Oklobrisl ln der Duiiut-Komiiiissloii zur Vorbereitung von Interpellatloneii Ist der bekannte oktohrlstlsehc Abgeordnete Falzfein gegen Jie Art und.Weise nufgetreten, wie die Rechte ihre Interpellation gegen die '"יי Stolypin ungeordnete milUcro Behandlung von Judcnaiiswclsmtgcn behandelt. Die intcrpcllanten möchten nämlich die Besprechung' dieser Frage in der Diiniu erst in dem Moment veranlassen, wenn die Zusammensetzung und die Stimmung in der Duma einen Ausgang sichert, der ihrem fuiintisclinn Judenhass Genüge zu tun verspricht. Faizfein dagegen verlangt, dass die Frag« sofort der Duma zur Beliaiidliing vorgelegt wird. Er ist überzeugt, dass die Juden von dieser Anfrage nicht» zu befürchte« haben, wen» sic fetzt auf die Tagesordnung gesetzt wird. Der Entschluss der Kommission stellt vorläufig.noch aus, und cs ist fraglich, oh diese eine oktobristische ״Schwalbe“ den Sommer ankllndigt. Das Benehmen der Fraktion spricht dagegen. (Vgl. den in dieser Nummer enthaltenen Bericht des Dinun-A!)geordneten Nisselowitsch!) Neue Jüdische Monalsschrlfl Vom Jnimai• l‘>1w alt erscheint in Petersburg in russischer Sprache eine neue Jüdische Monatsschrift ״Jewreskij Mir" (Jüdische Welt), un der eine Anzahl bekannter russisch-jüdischer Schriftsteller 11;i(atbeitet» werden, so z. B. A. AiiskI, Dubnow, P o r t!1 g a I o w. R u 111 e r, S e w u. u. Der ״JewreskiJ Mir“ betrachtet es als seine Aufgabe, die objektive Untersuchung der wissenschaftlichen, sozialen und politischen Fragen im Judentum zu fördern, künstlerische Daestclltiiigci! des iüdisclicu Lehens zu geben und an der Entwicklung der nationale« Kulturwerte des Judentums mitzimrheiten. Die neue Monatsschrift, die mich ihrem Programm durchaus den Stil einer vornehmen Zeitschrift aufwclscn wird, will ihre Aufmerksamkeit liauptsäclilici! dem Lehen der russischen Juden widmen, die letzt eine komplizierte historische Krisis erleben, sic will aber auch gleichzeitig über die tatsächlichen Ereignisse und die kulturelle Scliüpfutigskraft der jüdischen Nation in der ganzen Welt allseitig he* richten. So wird das neue Organ besonders auch der E m i g r a t i o n s h c w c g «1» g und dem Heran* wachsen zw eier neuer Hl 11 i s c i» c 11 Zentren in Amerika und in Palästina rege» Interesse schenken. Wir hegriissen die neue Zeitschrift mit aufriehtiger Freude, umsomehr als die russisch-jüdische Literatur nach dem Eingehen der ״Jew׳reskaJa Shisn" und des ״Wosclind“ den Mangel eines guten Journais stark empfand Der ״Jcwrcskl) Mir" kann ulso, wenn er seine Aufgabe riohtU erfasst, wie e» mich dem Prngruiuui der!,all zu sein scheint, eine wesentliehe Berciclicrnn« der iüdisclicu Literatur darstcllcn und eine tatsächlich vorhandene und oft mit Be• dauern gefühlte Lücke aiisfiillen. Sonnlafjsruhe Gelegentlich einer Beratung über die Ein füll* r 1111 g d c r S o n 111 a g s r 11 h c in der S*adt H o 111 e 1 haben die Stadtverordneten infolge verschiedener Beseliw’erdcn der Juden einen Jedenfalls originellen Ausweg gefunden. Es wurde iifiitiliclt beantragt, den Qc- | schüftsinhahcm zu erhüben, die Läden am Sonntag während zwei Stunden offen zu halten unter der Bedlngung, dass die .luden am Sonnahend Ihre Uden auch für zwei Stunden öffnen. Es Ist natürlich ausgeschlossen, dass die witzigen Stadtverordneten von Hömel einen Erfolg mit ihrem Vorschlag liahcn, alter das kleine Vorkommnis verdient, erwähnt zu werden, weil es zeigt, wie.num in Russland auch offiziell den Juden zum Schaden noch den Spott glaubt hlnztilügcn zu dürfen, Zu dcmsclbop Thema bringt die ״N. •I.K." uns Warschau folgenden Bericht: Die Bevölkerung Russisch-Polens bestellt bekanntlieh aus Polen, Russen und Juden, und da im kaufmännlschcn Lehen allo kathollschon und griechischorthodoxen Feiertage, ausserdem noch die russischen Galatago für alle Einwohner obligatorische Ruhetago sind, so Ist der iüdlschc Kaufmann, wenn nr noch seine eigenen Feiertage berücksichtigen will oder muss, ökonomisch von vornherein In einer äusscrat ungünstigen Lage gegenüber seinem chrlstlichon Konkurrenten. Es gibt Wochen, wo iildlscho Geschälte drei, vier Tage geschlossen liahcn: aber auch in ganz normaler Welse fallen mehr als zwei Tage In Jeder Woche weg, und zwar! Freitag Finnland Aus Hcishigsfors wird vom 23. Dezember berichtet: ״Zahlreiche Juden sind mit siebentägiger Frist aus Finnland nusgcwlcsen worden. Die Notlage mitten im Winter ist eine ausscrordciitflehe. V<hi dem wachsenden Antisemitismus des f I n 11 i s c 11 e 11 Senats zeugt auch die Tatsaclic, das» der Senat ein allgemeines S c 11 ä c h t v c r b o t zu erlassen im Begriffe ist. — Es verdient liervorgclmhcn zu werden, dass Finnland gegen die russische Unterdrückung die Sympathien der zivilisierten Welt immer erneut angcrutcn hat und dass imnmchr die Hunnische Regierung genau nach russischem Vorbild In rücksichtslosester W0I80 7ur Austreibung der wenigen Juden, <110 es in Flnnfand gibt, schreitet. Es gehört zu den Uubegreiflichkciten. dass die Finnländer, die selbst um ihre Freiheiten zu kämpfen luibcn, sich die Sympathien der human denkenden Welt durch solche Massrogein verscherzen." Darauf!iahen wir schon vor Jahren iiiiigcwicsen — aber dlo ]Hälschen Sympathien für das ״um seine (Freiheit kämpfemdo Finnland" wäret* la nicht *u händigent (Vgl, den Artikel ״Theodor Barth für dlo finnischen Juden" In dies, Nr.) ♦ Oesterreich In Wien Ist eine österreichische Universität»• Statistik erschienen, die die Verhältnisse der Jahre 1863/64 bis 1902/03 behandelt. Auch die Konfessionen der Studierenden werden darin einer Betrachtung unterzogen. Danach waren von den österreichischen Studenten im Jahre 1862/63 nicht wonlger als 83,6 Proz. Katholiken, nur 11,2 Proz., Juden׳ und 5,2 Proz. Der Zionismus im Budapesler Gerichtshof in der vorigen Woche hatte siel» der städtische übericlirer Julius Gabel in Budapest wegen einer ׳ Elircnhclcidigung. die er dem Vorsitzenden der zionistisclicu Vereinigung, Hern! Lchowitscli, zugefügt * hat, zu verantworten. Herr Gabel hat in der .,Un- ’ «arischen Woehcnselirift“ einen Artikel verüffent- 1 Echt, der den Zionismus und die Zionisten mit ver- IcDtitdcriscticn und beleidigenden Ausfällen bedenkt, ' Der Angeklagte iiat als Sachverständige über den Zionismus zwei bekannte antisemitische Agitatoren / geladen\ Der Richter leimte aber von vornherein die Vernehmung der Sachverständigen ah mit der ׳ Begründung, dass nicht über Zionismus und Zionisten, sondern über eine einfache private Elireiibelcidigting ׳. verhandelt werden solle. Der Angeklagte liabo den Beweis anzutreten, dass Herr Lebowitseb, wie vop/. Ihm behauptet worden war, den Zionismus in seinem— persönlichen Interesse ausnlttzt. Trotz dieser Erktärung des Oerlchtsvorsitzciidcu haben Jedoch beide Anwälte die Gelegenheit benutzt, um die Ziele untf'! die Tendenz des Zionismus näher auszuiegen. Der,.! Advokat des Klägers trug die Entstehungsgeschichte ,• de» Zionismus vor und schilderte Ihn als den natflr-" Heilen Ausdruck des Erwachens des Jüdischen Volks• / bewusstscln*. F.r skizzierte dlo Lage der Juden und kam zu dem Schluss, dass Her Zionismus dlo einzige Lösung der Judenfrago darstcllc; wenn Juden gegen den Zionismus kämpften, so beweisen sic nichts an-/ dcrcs, als was der Prophet mit den Worten bczoiali* ’ net: ״Deine Zerstörer und Peiniger sind nushlir׳*: selbst hervorgeganRen," Der Verteidiger des Ango-־! klagten schilderte. die Zionisten als beschränkte,' kurzsichtige und selbstsüchtige Juden, die sich In der 1 Rolle des Märtyrertums gefallen. Der Zionismus«׳ I ולוז}