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Jüdische Rundschau · 1908-12-25 · Heft 52 (25.12.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mit zwanzig Jahren kam er nach Salonik, und lebte zwanzig Jahre in dieser Stadt, die seine zweite Heimat wurde. Sehr hing begann er sich mit der Frage der Erziehung und des Unte׳- richts zu befassen und zugleich in die jüdischen Gemeindeangelegenheiten cinzugreifcn. Er wurde Mitglied de* Sttidienkomitecs für die Allianceschulcn und später•־ Mitglied des Alliancckomitees in Salonik seihst. Sodann wurde er in den jüdischen Gemeinderat der Stadt gewählt, wo er insbesondere sich Verdienste um die Bildung einer grossen einheitlich-ottomauischen (sehr viele Saloniker Juden waren damals noch ausländische Untertanen) Judengemeinde erwarb. Seine Hauntwirksmnkeit bestand in der Herstellung einer ge- Minden Finanzpolitik der Saloniker Gemeinde, und seinem Finanztalcnt ist cs zuzuschreiben, dass das Defizit von im**״» türkischen Piuud. das er vorfand, sich nach und nach in ein gleichgrosses Plus umwandelte. Audi der Staat wurde auf seine Fähigkeiten aufmerksam, und so wurde er zum Mitglied des öffentlichen Frziohungsrats in Salonik ernannt. Seit IST’ lebt Faraggi in der Hauptstadt, wo er als Advokat und Legis־ der Kaiserlich-ottomauischen Tabakregie einen angesehene!• Namen erwarb. Auch hier nahm er eifrig Anteil au den Angelegeuheitcu der Gemeinde und war einer der wenigen, die nach Verkündigung der Konstitution den türkischen Juden di. ersten Schritten zu ihrer Geltendmachung und Vertretung wiesen. Aus dem Lande Israel Jaffa. Der Nationalfond hat jetzt das Land an der Bahn Jaffa-Jerusalem, das zur Anpflanzung des Hcrzlwaldes bcstimmt ist und bisher der A.P.C. gehörte, definitiv von der A.P.C. gekauft und übernommen. Mit der Anpflanzung des Waldes wird voraussichtlich in Jahrcsirist begonnen werden, sobald das Pflanzmaterial der Baumschule in Lvdda genügend entwickelt sein wird. Soweit das Land für die Anpflanzung des Herzlwaldcs nicht gebraucht wird, ist es auf einige Jahre an sechs kaukasische Familien verpachtet worden, die vor einiger Zeit nach Palästina gekommen sind. Es ist erfreulich, dass die kaukasischen Juden, die für den Betrieb der Landwirtschaft viele gute Eigenschaften aus ihrem Herkunitslande mitbringen, allmählich mehr und mehr in Palästina Fass fassen. Jaffa. Die Bautätigkeit in Jaffa und Jerusalem ist noch immer sehr rege. Wenn im nächsten Frühjahr die Häuserbaugcsellschaft Achuzatli-Baith in Jaffa mit der Errichtung von Häusern beginnen wird, wird die Nachfrage nach jiidisehen Bauarbeitern (Maurern. Zimmerern) wahrscheinlich noch stärker werden. Es bietet sich hier für tüchtige jüdische Ar- Irciter eine Möglichkeit zu lohnendem Verdienst. Bisher ist die Nachfrage nach tüchtigen jüdischen Bauarbeitern grösser als das Angebot. Kastinle. In unserer Kolonie ist vor 1- 2 Jahren mit der Anpflanzung von Rizinus begonnen worden. Diese Pflanze hat sich bei uns ausserordentlich gut entwickelt und scheint, da sie auch auf weniger gutem Boden fortkommt. tiir die Landwirtschaft eine grosse Bedeutung zu gewinnen. Die Rizinuskcrne werden zur Fabrikation von Rizinusöl nach Europa exportiert, wo für Rizinuskcrne dauernd lohnender Absatz zu finden ist. Schrlltsetzerstrelk ln Jerusalem. Jerusalem, I. Dez. Aus nichtigem Grunde entstanden, hält der Schriftsetzerstreik schon mehrere Tage an und hat eine so scharfe Form angenommen, dass man im Interesse des allgemeinen Friedens die baldige Versöhnung der Arbeitgeber und Arbeiter wünschen muss. Ein Buchdrucker, namens Lcvy, misshandelte ungerechterweise seinen Gesellen. Darauf verlangte der Schriftsetzerverein, dem der geschlagene Arbeiter als Mitglied angeliorte. von Lew Satisfaktion und sehlug zu diesem Zwecke die Einberufung eines Schiedsgerichts vor. Der Buchdrucker Levy war anfangs geneigt, auf die Forderungen der Arbeiter cinzugeben, trat icdocli später davon zurück, wie behauptet wird, unter dem Einflüsse anderer Buchdrucker, mit denen er sich inzwischen verständigt hatte. Auf einer Versammlung der Druckercibcsitzcr, zu der auch Vertreter des ״Waad-Kol- Hakollelinr und andere bekanntere Persönlichkeiten Jerusalems. wie Direktor Antebi, Direktor Ephr, Cohn u. a. hinzu״«- zogen wurden, wurde beschlossen, mit den Arbeitern erst dann in weitere Unterhandlungen cinzutretcn, wenn sic aus dem Schriftsetzerverein austreten würden. Auf diese Forderung reagierten die Buchdruckcrciarbciter mit einem alllgemeinen Streik. Während des Streiks kam es zu einem Konflikt zwischen den streikenden Arbeitern und einigen anderen, die trotz des Streiks weiter arbeiteten. Die Arbeitenden wurden von den Streikenden beschimpft und geschlagen. Als zum Schutze der arbeitenden Arbeiter Araber und Soldaten herbeigeholt wurden, wurde von einem Arbeiter aus einem Revolver geschossen, angeblich, damit die hcrbcigchoUcn Araber in Schrecken versetzt würden und zuriicktrüteii. Darauf wurde seitens der Arbeitgeber der Schutz der Behördc und der Konsulate gegen diese Arbeiter als gefährliche Elemente angcrutcn und seitens der Rabbiner aller Kollelim wurde ein Verbot der Beschäftigung jener Arbeiter, die den jetzigen Arbeiterorganisationen angeboren, ausgesprochen. Da die Arbeitgeber zum grossen Teil von den n׳»l»hiucrn abhängig sind, werden sic gezwungen sein, den Issur de•־ Rabbiner einzulialteti. Es wird jetzt versucht, die Rabbiner dazu zu bewegen. Ihr Verbot ztiriickzurinVii. Vorläufig dauert der Streik und die starke Spannung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern an. Turnerei in Palästina Dem Dczemberhait der JÜDISCH LN TURNZEITTNG entnehmen wir den folgenden Brief des Herrn Zbi () rloii, I nrnlelirer am ״Gvmnasia Ibrit": Während der sechs Wochen seit meiner Riükkelir aus Luropa war ich damit beschäftigt, im Gymnasium Jbritlr. au der Mädchenschule und in unserem Turnverein R i s c 11 u u Ic-Zion den Turnunterricht zu reorganisieren und die n״twendigsten noch fehlenden Geräte herzustelleii. Von' der Leitung des Gymnasiums war mir zu diesem Zweck eine kleine Summe zur Ycriügung gestellt worden. Bei meiner Heimkehr bestand der Turnverein nur aus wenigen Mitgliedern, die meine Rückkehr mit Ungeduld erwarteten. Nachdem aber in den Klassen des Gymnasiums angesagt worden war. dass wir Abendkurse tür Männer und Knaben je zweimal wöchentlich eröffnen, wuchs die Zahl schon in der ersten Woche in der Männerahteilung auf -45 und in der Zöglingsabtcilung aui 25. Jetzt nimmt die Teilnehmerzahl von Abend zu Abend zu. das luteresse wächst und unsere Ideen werden hei der Bevölkerung populär. Vor zwei Wochen gründeten wir eine Frauen-Abt ei lung, in der vorläufig 22 Turnerinnen turnen; es ist jedoch gute Hofinui.g, dass sich ihre Zahl in Kürze verdoppeln wird. Auch ein Vorturnerkursus ist bereits im Gange. Der Turnplatz des Gymnasiums steht uns wie bisher iiir unsere Zwecke zur Veriiigung. Die Gesamtzahl unserer Mitglieder beträgt 92. Jeden Samstag Nachmittag unternimmt die Männerimd Zöglings-Abteilung einen gemeinsamen Aiisilug. Auch weitere Touren werden regelmässig unternommen und drausseii während der Rast Ringkämpie vorgefiihrt. Die Frage des An- .Schlusses au die Turuerschait wird in Kürze besprochen werden. Meine Arbeiten am Hebräischen Lehrbuch und dem Leitladen der Kommandospraehe machen gute Fortschritte. Mit jüdischem Tiirnergruss Ihr Zbi Orloif. Gegen die Mädchenhändler Das Organ der argentinischen Zionisten, der in jüdischer Sprache in Buenos Aires erscheinende ״Z i o n i s t־\ ver* öfieutliclit in seiner letzten Nummer einen Aufruf des ״imabhängigen jüdischen Klubs“ in Argentinien, worin die Juden des l-audes zw einem Massenmeeting eingeladen werden. Das Meeting soll gegen die jüdischen Mädchenbändle r und gegen das Prostitiitionsiinwesen in Buenos Aires Stellung nehmen. Von den .3000 Prostituierten des Landes sind 90 Prozent jüdische Mädchen, welche durch Schurken niedrigster Art, die sogenannten ..Weissfleischhäiidlcr“. in das Land gelockt und in Freudenhäusern unter- 1 gebracht wurden. Der ״unabhängige jüdische Klub־־ hat sich f י ■n w—9; י * 1 1 t i \ i ו ♦ ין v» tj )»; * \ י <

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