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Jüdische Rundschau · 1908-12-25 · Heft 52 (25.12.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite M2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Ko. 52 Behörden Schwierigkeiten zu machen, die aber niemals einen Finger gerührt haben, wenn einem Juden schreiendes Unrecht geschah. Aus diesen Massen, die in Abzug zu bringen sind, wenn mau die Zahl der Juden im Lande Israel mit dem Wunsche angibt, daraus auf ihren Einfluss schlossen zu wollen, muss man nutzbringende Menschen machen, die dem Judenttime Ehre machen und dem türkischen Staate treue und starke Bürger werden. Während so das national-jüdische Eiement im Volkshause nur durch Faraddschi vertreten ist, hat sogar die durch die Alliance künstlich gezüchtete Assimilationssucht ihren Vertreter im Parlament, wenn auch diese Lust der Angleiclnmg bei den orientalischen Sefardim niemals die grotesk lächerlichen Formen annimmt, die man bei uns zu Lande zu sehen gewohnt ist. Es ist das nicht zu gering zu schätzen, weil der Nachdruck unserer ganzen Bewegung im Orient liegt und weil sich der Schwerpunkt des Jüdischen Volkes :!inner mehr in das Türkische Reich verschieben muss, wenn wir überhaupt daran denken wollen, dass das Jüdische Volk an irgend einer Stelle die Gelegenheiten haben soll, ircte wirtschaftliche Bewegung und politische Freiheit mit der Möglichkeit zu verbinden ihr eigenes nationalkulturelles Leben auszuleben. Das ist nur im stamm- und religionsverwandten türkischen Orient möglich. Es ist kein Zufall, das der alte Orient mit seinen Völkern sich zu gleicher Zeit zu neuem Leben aufrafft, wo das dein alten Orient entstammende alte Volk d*.־r Juden zeigt, dass es keineswegs ein Greis ist oder sein will, sondern mit voller Manncskrait am friedlichen Wettkämpf, der Nationen als voügiltiges Glied rührig teilzunehmen beginnt. Sein Geschick ist mit dem seines Stannnlandes und dem seiner Rasse aufs Engste und unlöslich verknüpft. Und wenn sich darum heute alle Nationen erwartungsvoll nach dem Türkischen Orient wenden, so sehen \M׳r Juden mit gesteigertem Interesse und mit dem Bewusstsein, dass sich für das Geschick unseres Volkes dort etwas vorbereitet, was für Jahrhunderte und vielleicht Jahrtausende wirken soll, dorthin, wo mit der ihm eigenen Ruhe und Klarheit, mit der Entschiedenheit und Qradheit, die ihn auszeiclmen, der Hiob Eine Erziilil׳!״״. (Uebtfrsetzt aus dem Jüdischr-Dcutschen von E. Wechsle r.) Gerufen hat man ihn Chaim-Melamed, und hat ihm einen Zunamen ״Hiob“ gegeben. Seine Frau war immer krank. Ihr Husten klang wie das Klopfen an ein leeres Fass. Wenn ein Fremder es gehört hätte, so hätte er sich gewiss erschrocken und geglaubt, dass sie bald sterben werde. Chaim aber hat de!r Musik ihrer Lunge' mit Ruhe zugehört, — er war es schon gewöhnt: sie hustet, solange er sie kennt. Ausgchustet — und wieder ״gesund" und kräftiggemig, um zu schreien und ihn zu schelten, wenn er kein (leid zum Lebensunterhalt bringt. Er, cs ist wahr, ist auch ״ein Schwächling“. Aber ein Mann ist keine Frau: ihm ist es nicht so a'izumcrken. Ausserdem hat er ein Mittel gegen den Husten: die Pfeife .. . ״die Pfeife" sagt er ״vertreibt die Nässe, und dann bin ich wieder gesund". Ein kranker Vater, eine kranke Mutter — dann müssen die Kinder auch krank sein. Die älteste Tochter ist am gefährlichsten krank von allen: bleich, lang, Türke daran geht! seinem Vaterlande neue feste Grundlagen zu schaffen. Mehr als alle andern Völker!nehmen w ir lebendiges Interesse an dem Türkischen Volk, dem wir zu ewigem Danke vcrpkflichtct sind, weil cs das einzige war, das uns zu allen Zeiten gastlich gegen Vcrfolgungen geschützt hat, das unsere Flüchtlinge aus Spanien freundlich aufgeuommen hat und niemals von ihnen verlangt hat, dass sie ihre jüdische Eigenart als Preis der Duldung und des Schutzes hergeben sollten. Wir sind nicht bloss dafür dankbar, dass das Türkische Volk das einzige -ist, unter denen wir wohnen und sogar in recht grosser Zahl wohnen, das uns niemals verfolgt hat, sondern dafür, dass sie unsere Verfolgten gehegt haben,, als es in ganz Europa keinen Ort gab, in dem die Juden nicht vogelirei waren. Aus vollem dankbaren Herzen und In brüderlicher Gesinnung wünschen wir dem Türkischen Reiche einen festen Bestand und ein ruhmreiche:: Gedeihen. Der Türkischen Volksvertretung wünschen wir, dass es hr gelingen möge, zur friedlichen Entw icklung des Reiches und zur Stärkung seiner inneren-und äusseren Kraft beizutragen. Das wünschen wir als luden. Weiy! wir aber als Zioirsten uns auf unsere eigenen besonderen Parteiinteressen besinnen, so liegen wir dieselben Wünsche, nur noch innige!, weil wir Zionisten die lrstoriseho, Partei im Judentpme sind und deshalb der geschichtlichen Freundschaft zwischen den beiden Völckrn um so besser gerecht werden können. Im Wähle des Türkischen Reiches ist das Wohl der Juden gelegen und wem! es uns gelingen soll, unser Ziel zu erreichen, die Schaffung einer öücntlich-rechtheh gesicherten Heimstätte für das Jüdische Volk i!1 Palästina, so bedürften wir zuerst einmal einer starken 1 iirke׳. Dass das Osmanischc Reich wachsen und c'fstarken möge, dass ist unser sehnlichster Wunsch, den wir hei der Eröffnung der tiirkisclte1!־ Volksvertretung üussern. Hein rieh Loew c. hager, das Gesicht wie Wachs und in den Augen — Todesfeuer. Dass die Tochter ״nicht ga,nz“ ist, sieht Chaim selbst ein, und trotzdem er nicht au ״die Wunder deir Medizin" glaubt, seufzt er oft, indem er ihr totbleiches Gesicht ansteht: ״Für sie wäre wirklich ein Arzt nötig.“ Aber das sagt er nur so hin, grade so. w ie ihm sonst, wenn kein Brot im Hause ist, d!e Worte entfallen: ״Jetzt wäre ein Dreirubelschem nötig“ . . . Solche Aeusserungcn riefen bei den Scinigei! nur ־.׳in bitteres Lachen hervor, und die Frau fing, wetm sie nicht gerade hustetet, zu schimpfen an: ״Schon wieder fängt er m;t seinen Spässclien an, es ist uns gar nicht danach zumute!" . . . Acht Schüler hatte er, - alles Kinder armer Leute. Reiche Eltern gaben ihm ihre Kinder nicht, sie sollen nicht ״auch verdorben“ werden. Auf diese Weise, war Cham sein ganzes Leben laug in kein reiches Haus gekommtei, er batte nur Armut, Kränklich und Dürftigkeit kennen gelernt. ״Das Leben ist keine bittere Zwiebel wert! hat er mehr als einmal zu dem einzigen, ihm nahestehenden Menschen, detu Synagogen-Diener, gesagt, mit dem cs ihm Spass machte, über hohe Dinge sich zu unterhalten. Ihm hatte er auch seine ganze Leidensgeschichte erzählt,

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