Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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J Vom Aktionskomitee Namens der Zionisten der ganzen Welt übermittelte Präsident Woliisohn dem türkischen Parlamente aulässlich seiner Eröiinung drahtlich die herzlichsten (iliickwünsche. Das türkische Parlament Die Eröffnung der Türkischen Reichsversaimtilung bedeutet üir den Orient e:nc wichtige Epoche. Mit Staunen haben alle die, welche im Orient nur Verfall und Ruinen erblicken wollten, sehen müssen, wie sich überall neues Leben regt und wie sich der Türkische Orient im mächtigsten Emporstreben befindet. Für den Eingeweihten war das seit langem kein Geheimnis und ist ihm deshalb keine Ueberraschung. Aber die Er- Öffnung des Türkischen Parlaments bedeutet einen Markstein in der Geschichte des Morgenlandes. Schon jetzt ist die Situation eine klare und durchsichtige, wie denn überhaupt der Türke kein Freund von Unklarheiten ist. Die weitaus grosse Mehrheit der Abgeordneten bestellt aus Mitgliedern solcher Nationen, die in der Erhaltung und Stärkung des Türkischen Reichs ihre Hauptaufgabe erblicken und es ist erfreulich, freilieh auch nach den! Verlaufe der ganzen türkischen und jüdischen Geschichte selbstverständlich, dass die Juden aller Anschauungen zu diesen türkischen Patrioten gehören. Das Licht, das im Osten atügelit, scheint auch den Juden und da s;e sich unter stammverwandten und religiousälmliclien Stämmen und Völkern befinden, dürfte diese Freundschaft und Freiheit au! festeren Grundlagen beruhen, als in den Ländern, wo der Rcligionsliass mir die moderne Umwandlung in Rassenabneigung durchzumachen brauchte, tun nicht im geringsten gemildert die Nachkommen des vertriebenen Volkes zu treffen. Ganz anders in der Türkei. Durch die innigsten Bande gemeinsamer Geschichte und gemeinsamer Feinde sind Juden und Türken!umeinander verbunden. Die gleichen Interessen sind nicht durch zufällige wirtscliaftUche, sondern durch lange historische Entwichlung und durch die ganze Geschichte beider Völker gegeben. Dabei haben die heutigen Osmanen so viel semitisches Blut bewusst in sich aufgenommen, dass man unbedingt von einer nahen Stanimverwandtschaft der ursprünglich fremden Stämme reden muss. Noch heute ist es wie vor vierhundert Jahren, dass jedes Wachstum der Türkei den Juden zugute kommt und dass jede Schwächung des Osmanisclieu Reiches eine Schwächung des Jüdischen Volkes bedeutet. Zu den Feinden der Türkei gehören in erster Linie einige Völker, die andern Glaubens teils in dem Türkischei! Reiche teils ausserhalb desselben zerstreut leben, wenn auch das eine davon, die Grechen, seit dein ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts sieh eine eigene nationale Scholle wieder errungen hatten. Sie sind die historischen Feinde des Türkentnms, wie sie Jahrtausende lang unzählige Blätter der jüdischen Geschichte mit Blut gestrichen und nvt Feuer geschrieben habe. Ein ähnlicher historischer Gegensatz trennt, wenn auch wenigdr schart, die Armenier von Türken und Juden. Sie. die in Aussehen und Lebensgewohnheiten den Juden so ähnlich sind, haben auch eine sehr ahnliehe Geschichte durchgeniacht, die eben durch die Rassencharaktere zum grössten.Teile bedingt hat. Aber ihr christfcbcs Bckenntis und der von selbstsüchtigen christlichen Nationen auf dieser Grundlage künstlich genährte Wunsch, Von diesen Nationen in ein selbständiges armenisches Reich sich verwandelt zu sehen, hat diese an sieh friedliche und begabte Kulturnation in einen Gegensatz zu den Türken gebracht, wie er durch den Gegensatz der Religion und durch vielfache wirtschait• liehe Konkurrenz gegen die Juden seit langem bestand. Dass diese Nationen, vor allem die viel gefährlicheren Griechen bei den Wahlen unterlagen, ist ein nicht hoch genug zu veranschlagendes Glück iiir die ruhige und feste Entwicklung des Türkischen Re'chcs, an der die Juden vollen Anteil haben. Die Zahl der Juden im Türkischen Reiche ist klein, viel zu klein für die grossen Aufgaben, die ihrer warten. Im Lande Israel ist kein einziger Jude gewählt worden und w׳ir Zionisten tragen zum grossen Teil dadurch die Schuld daran, dass w ir zu lange als Partei »einem Pliantom naclijagten, statt für die nationale Erziehung eines jungen Geschlechts im Lande Israel die nötige Sorge zu tragen. Die grosse Zahl der Juden ln Jerusalem und int ganzen Lande gehört dem Russischen Reiche und zum Teil sogar dem griechischen Königreiche als Untertanen an, die sich ihrer Zahl bedienen, uin türkischen