Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 5! $dte 504 . ־*»■ I .... Iiius. wie die serbisch-kroatische Koalition, welche den Antiscmitenhäuptling Tustlari sich zu ihrem Parteichef auserwählte.. Und wieder sehen wir auch im polnischen, sowie serfcisch-kroatischcn Lager den Ultranationalisrnns nach einem kurzen Aufstieg, wie bei sämtlichen übrigen Volksstümmei; des Reiches, freilich etwas langsamer, in die christlichsozialg Bewegung miinden. Die Lehre, die sich ans all diesen Tatsachen und Betrachtungen für die Österreichischen Juden ergibt, ist die. dass sie sich auf keine einzige der bestehenden parlamcntarischen Parteien \erlassen können, dass sie in keiner einzigen einen Scliutzdannn gegen die antisemitische Flut erblicken dürfen. Dringender als je ist es. dass sämtliche Juden sich der Zugehörigkeit zu ihrem eigene:! jüdischen Volke bewusst werden und die einzige richtige Politik: Line jüdische Volkspolitik, eine grossösterreichische, vom sozialen (leiste erfüllte, demokratische Reichspnütik verfolgen. Die diesbeziigliehe Organisation und ein zeitgemässes Programm endgültig festzustellcn. wäre die Aufgab־; eines möglichst bald cinzuberufenden Parteitages. Wir gehen ernsten Zeiten entgegen. Das provokatorische Vorgehen der Machthaber in Belgrad und Cctime kann jeden Moment Oesterreich in einen Balkankrieg verwickeln, der nicht ohne Rückwirkung auf die inneren Verhältnisse bleiben und möglicherweise auch die national-iörderative Umgestaltung beschleunigen wird. I ür alle Fälle muss aber die Balkankrise den christlichsozialen Elementen sämtlicher Nationalitäten nützen, da gerade uiesc es verstanden haben, siel! als die einzigen Anwälte der österreichischen Reichsintcresscn am Balkan zu geritren. Unsere ganze innere Politik in Zis- und Transleithanien wird jedoch in der nächsten Zeit von der Balkanpolitik Oesterreichs beeinflusst sein. Die Österreich!• sehen Juden aber werden bei sich daraus ergebenden Neugestaltung unserer Veriassungseinrichttmgen und der ferner daraus resultierenden Metamorphose des gesamten österreichischen Parteiwesens vollständig einflusslos u!!־J isoliert dastehen, wenn sie in ihrer derzeitigen Zerfahrenheit und Programmlosigkeit verharren. Noch ist cs Zeit, diesen Zuständen ein Ende zu machen, wenn abseits die nicht oit genug zu wiederholende Devise berücksichtigt wird: 111 ncccssariis unitas. in dnbiis liberalitas. in omnibus caritas. SELBST WEHR. Dr. Kadi sch. Kunascnau Kongress für hebräische Sprache und Kultur Mit dem Erstarken der .neujüdischen Bewegung hat natürlich auch die hebräische Sprache und Literatur, dieser wesentlichste Lebensnerv des jüdischen Volkstums, in den letzten 10 Jahren den Anlaut zu einer vielversprechenden Entwicklung genommen. Leider wurde diese Bewegung von den massgebenden Kreisen nicht genügend unterstützt und sich selbst überlassen. So kam es. dass diese Bewegung, bevor sic noch aus ihren Anfängen herauskam. bereits durch äussere Hindernisse eine Stagnation. Ja sogar einen nicht tmmerklichen Rückgang erfahren musste. Die politischen Wirren im Osten und die daraus hervorgegangene partei-politisebe Zersplitterung ebenso wie die allgemeine Wirtschaftliehe Krise haben diese Bcwgung in ihrem natürlichen Entwicklungsgange gehemmt und es ihr umnögiieh gemacht, in den jüdischen Massen ihren natürlichen Rückhalt zu imden. Die Arbeiten fiir die neuhcbrüische Sprache gingen bis jetzt von Einzelnen aus und waren daher zu planlos, um einem grösseren Ansturm stadiinitcf! zu können. Wem cs daher mit der Regeneration der Judcnhcit und ihres nationalen Schrifttnms ernst ist, der wild cs sicher freudig hegriissen. dass das Bestreben nach Schafhing einer umfassenden Organisation nunmehr festere Formen anznnebmen!*cginnt. ln Berlin hat sich ein Komitee gebildet, dass die Kiube* rufung eines allgemeinen Kongresses aller derjenigen vorbereitet. d'׳e ernstlich gewillt sind, für dic Neiibelebuiig der liebräischcn Sprache und Literatur das notwendige Fundament zu schaffen. Das Programm des Kongresses soll alle Gebiete des geistigen Lebens berücksichtigen. Erhaben über alle partei-politische .Engherzigkeit soll es ausschliesslich von allgemeinen jüdischen Grundprinzipien bestimmt sein. Der Kongress soll ebenso Fragen der Propaganda, die Erriclitung von Sprachkursen. Abhaltung von Vorlesungen über allgemeine Wissensgebiete in hebräischer Sprache behandeln, wie die Begründung von Fachkommissionen für die Erweiterung der iieulicbraischcn Sprache. Begründum •inov Verbandes hebräischer Schriftsteller, Kommissionen für die Herausgabe einer Enzyklopädie, sowie für die Herausgabe von Lehrhticheni. Wörterbüchern usw. Ferner soll eine ständige pädagogische Kommission, die sich mit allen Fragen der Erziehung zu befassen hat, gewählt werden. Die bestellenden hebräisehen Vcrlagsanstateu sollen unterstützt, und neue sollen, sow eit als notwendig begründet werden. Es sollen sodann Mitte! gesucht werden, tun das Hebräische als Umgangssprache in möglichst weiten jüdischen Kreise,! cinzuiiüiren.• Auf dem Kongress soll gleichzeitig der (irurJstein gelegt werden fiir einen Kulturfonds, der die materielle Unterlage der Orgmiisati< nsarbeiten bilden und die Mittel liefern wird fiir die Heransgabe von Ziets!*11!if1eu etc. in hebräischer .Sprache. Au die Spitze ’dieser Fiuzeikominjssionen soll ein Zentralkomitee‘ gesoßt werden, das die ('msamtarbciten der Organisation zu beaufsichtigen und zu leiten hit. Dies sind die allgemeinen Umrisse des Programms auf Grund Josse ס der Kongress bereits in allernächster Zeit einl׳eUlfen Werden soll. Dem vorbereitenden Komitee ist schon jetzt von bedeutenden Persönlichkeiten. wie yon bestehenden Institutionen. die volle Zustimmung und die Versicherung t׳tt- I räftiger Ante builnnc;ווי dem Zustandekommen des K» :.1gicsses ausg•. drückt worden. Demnächst wird ein Aufruf erscheinen, der v*allen diesen Institutionen mituiitcrscbriebcii sein und nähere Angaben über d;׳s Programm s׳>\vie über dien Ort im! die Zeit des Kongresses enthalten wird. Das vorbereitend־; K״n*b״c ׳Adresse: I.>senh Ein. für Kulturkongress Komitee. Berlin N. 21־, Oranieiiburgerstr. 5s) rechnet auf die Unterstützung;:Her jüdisch gesinnten Kreise, die für eine grossziigige Arbeit;•ui dem Gebiete des ueiikebräischen .Set1a??cr;s wirkliches Interesse haben. Der Schulverein Zur Notiz: ״Man Ha nk-ri sieh weiter“. S. •EM der RUND- J'CIIAU v.irJ uns \1 11״ eiretmdetcr Seite zur Steuer der Mahrheit geschrieben, unsere Beurteilung des .Aereitts zur Förderung des Deutscnrums im Aulandc" (der sich bis zaun vorigen Jahre .,Allgemeiner Deutscbcr Schul verein" nannteh aut einem Irrtum l>eru!:t. Der Verein lehrt es ausdrücklich ab. zu konfessioneMen nJ1r politischen Fragen Stellung zu nehmen, zählt zahirciehc jüdische Mitglieder, und lehnt die Kooperation mit antisemitischen Organisationen ab. Er gehört daher mit seiner Berliner Ojfsgruppe auch nicht dem Verbände ״nationaler“ Vereine an. der sich hier kürzlich unter grossem Brimiiorium gebildet hat. . Mit dem österreichischen .,Deutschen Schul verein‘* bat der rc ichsJeutscbe nichts zu tun. beide.sind ganz unabhängig von einander, wenn sie auch gleiche Ziele verfolgen.. Dieser österreichische Verein w i r d. a 11 e r d i n g s v o 11 Juden a 11 s g c h n 11 c n . die zu m Lohn da f ii r b e - schimpft werden. Diesem Verein gehören aber merk־ wiirüigcrwcise auch chiilussreiclic Zionisten an. Wenn es allerdings auch zutrifit. dass die ö s t c r r c i c h i - sehen Inden, die dem d o r t,i g י n Schulvcrcin aiigehören. sich prostituieren, so kann gleichwolil ein reichsdeutscber sein Judentum nur konfessionell rmffassendcr Jude wohl dazu kommen. dc:n hiesigen Sehulvci ein sich aimiseliliessen so gut wie der freisinnigen Volkspartei. Wir danken dem zionistischen Freunde im Interesse der Wahrheit für diese wohlgemeinte Berichtigung. _ Die Juden Prags Die letzten Vorgänge in Prag, dann als Folgeerscheinung der verhängte Boykott über die iüdisehc.n Geschäfte. lenken die Aufmerksamkeit der gesamten liidenheit auf die dortige jüdische Gemeind״•, welche bereits auf eine sehr bewegte Vorgaugeiiiicit /uri'ckblicken kann. Von gar vielen Leiden und Scln’cksalsschlägeii sind die jüdischen Bewohner der böhmischen Residenz in den vergangenen Jahrhunderten hcinigesucht worden. Zeiten der Ruhe wechselten mit Zeiten der Unruhe, doch stets zeichneten sieh die luden Prags durch Hingabe fürs Judentum und grosse Opfei Willigkeit :ms. Wohl keine Stadt Europas hat so viele Glaubensmärtvier wie Prag autzuw׳eisen. Mit blutigen Ledern ist die Geschichte der j’rager Judcngenieinde geschrieben mul etliche Wahrzeichen aus jener Zeit sind noch heute vorhanden, um deretwegeu Prag von vielen Fremden auigoucht wild: auch Schreiber dieser Zeilen bcsuchte in diesem Jahre Prag, um in dieser altehrwiirdigeu Stadt die Geschichte und Vergangenheit der Judeugemeiude durch Besichtigung seiner Altertümer recht eindringlich auf sich wirsen zu lassen. Hierbei hat er auch Eindrücke ge- Wonnen, wie er solche nicht erwartet, hat. noch erwarten durfte, die aber nachhaltiger, wenn auch wenig erfreulicher Natur waren. Vorerst erkennt man. dass Prag sich ütisserlich