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Jüdische Rundschau · 1908-12-18 · Heft 51 (18.12.1908) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 51 Seite 501 JÜDISCHE RUNDSCHAU Arbeiten volkswirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichcn Inhalts, jüdische Wirtschaftsgeschichte und Statistik; Schilderungen des Lehens der Juden in den verschiedenen Gegenden. Reisebriefc. Volkskunde in allen ihren Einzelgebieten; Schönwissenscliaftiehc und dichterische Beitrage aus Gegenwart lind Vergangenheit. Hervorragende Stücke aus der wenig bekannten syiiagogaleu Poesie, besonders des Mittelalters, aus der mittel- und iiculicbräisclicn weltlichen Dichtung, wie der älteren und neuen .,jüdischen‘־ (Jargon-) Dichtung und aus dem volkstümlichen Schrifttum; Essays über moderne indische Künstler, jüdisches Kunstgewerbc, indische Altertümer. Synagngcnnrchitektur und synagogalc Musik. Jüdisches Theater; Zusanimenfassende wesentlich informatorische Übersicht der jüdischen und das Judentum berührenden Tagesereignisse. Besprechungen von bedeutsamen Neuerscheinungen. Zeitschrift tcnschau. Bibliographie. Die in der ersten Woche eines jeden Monats erscheinenden Hefte umfassen etwa 70 Seiten in vornehmer Ausstattung. Per Bezugspreis betragt für Deutschland 1? Mark pro Jahr. DER VERLAG. DIE REDAKTION. Vorläufige Adresse für alle Eilschriften: Dr. Alexander FiHisherg, München 23. Mandlstr. I c. Wir begriissen die neue Mitstreiterin auf dem Gebiete des neuen und ncuerwaclunden Judentums. Der Name klingt so ähnlich wie der unsere. Aber ieder. der den Prospekt auch nur überfliegt, sieht, dass nicht die JÜDISCHE RUNDSCHAU, sondern DIE *NEUE RUNDSCHAU für die Namensgebung massgebend war. Es ist ganz besonders erfreulich, dass eine vornehme jüdische Monatsschrift letzt erscheinen wird, die sicher nicht verfehlen kann, die vornehmsten Schriftsteller und Künstler auf dem Gebiete jüdischen Wissens, jüdischen Lebens und jüdischen Könnens zu vereinigen. Wenn auch DfE NEUE JÜDISCHE RUNDSCHAU keineswegs ein naticvYialjüdischcs oder gar zionistisches Blatt sein will oder wird, so will sie in einen! Brennpunkt alles, was da wird und wächst, was da lebt und was sich entwickelt im jüdischen Stamme zuin Gegenstand ihrer Arbeit machen. Damit aber wird sie in unserm Sinne, wenn auch ohne ihren Willen, ein grosses und überaus wichtiges Stück unserer Arbeit leisten. Denn Zionismus und lebendiges Judentum werden schliesslich immer wieder Identisch sein. Andererseits werden DIE NEUE JÜDISCHE RUND- SCHAU und unsere Zeitung sich ergänzen, nicht stören. Denn unsere JÜDISCHE RUNDSCHAU hat mir dann eine Existenzmöglichkeit, wenn sie im Gegensatz zu dem neuen Blatte mit dem ähnlichen Namen, ausschliesslich ein zionistisches Organ sein wird, t'nd gerade darin liegt die Zukunft unseres Blattes, wie unserer Partei, dass sic keine ialschen Konzessionen machen. Indem wir unsern rcinzionistischcn Standpunkt nach wie vor nachdrücküchst feststcllcn, begriissen wir den neuen Mitstreiter auf dem Gebiete des Ocsamtjudeutums, das im Dienste keiner Partei steht und kein Parteiorgan sein kann. Was lehrt uns das Chanukahfest? Von E r i t z A s c 11. Berlin. AU um das Jahr 200 vor der bürgerlichen Zeitrechnung die hellenistische Strömung unter den Juden den Untergang des Volkes herbeizuführen schien, und als zu allem Unglück noch die Syrische Herrschaft kam. die die Wenigen, die noch am Judentum hingen, mit dct.u Schwerte atisznrottcn versuchte• entstanden! dem jüdischen Volke in den M a k k a b ä e r n die ״Retter gegen den inner« und üussern Eeind. Merkwürdig, wie siel! doch die Geschichte wiederholt! Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kommt int jüdischen Volke eine Strömung auf, die das «Los vom Judentumc“ predigt, alle Errungenschattcn und Eigenschaften der Wirts- Völker sich zu eigen zu machen, anstrebt. dagegen alles Jüdische verdammt. — zur selben Zeit dringen mordende und plündernde von der Regierung aufgehetzte Scharen auf wehrlose Mensehen ein. die das Verbrechen, Juden 7.u sein, begangen haben, von! itmern und üussern Feinde bedrängt, scheint das Judentum untergeben zu müssen —- da erscheint dem versinkenden Volke der Retter, der Makkabäer, der ihm die einzig mögliche Rettung weist — Theodor Herzl. Matathias war es nicht vergönnt, sein Volk, dem er den Weg zum Siege gezeigt, noch bis zum Siege zu führen, auch Herzl musste am Wege bleiben; doch wie Matathias Söhne gehabt hat, die sein Werk vollendet, so hat Herzl Nacht o 1 g c r gefunden, die seine Idee verwirklichen werden, -״ weil cs eben nicht anders möglich ist. Ja, weil es nicht anders möglich ist! Man fragt, wieso ist Herzls Idee die einzige Möglichkeit, das Judentum zu erhalten? Hat das Jüdische Volk nicht zwei Jahrtausende in der Verbannung unter fremden Völkern celebt, warum soll es nicht weiter so leben können? Es ist wahr, das jüdische Volk hat 2 Jahrtausende unter fremden Völkern gelebt, aber es hat nur geographisch!>0־ tiachtet, unter ihnen gelebt. Zwei Jahrtausende wohnte das jüdische Volk unter Fremden und zwei Jahrtausende schloss man sich vor ihnen ab wie vor der Pest. Ganz allein unter sich Italien die Juden zwei Jahrtausende gelebt, nur Jüdisches vor sich gesehen, denn das Fremde blieb ihnen verschlossen. Und das war ihre Renting. Denn in den 100. den 50 Jahren in denen wir wirklich unter unsern Wirtsvölkcrn leben, wie ist es mit unserm Judentum da schon bergab gegangen. Für uns Juden gibt es zwei Wege. Entweder wir gehen unter, dann lassen wir den jetzigen Zustand bestehen, oder wir bleiben bestehen, und dann heisst es nach Palästina! Ich glaube nicht, dass für uns Juden die Zeit des Unterganges gekommen ist. Hat uns die Vorsehung wirklich viertausend Jahre und länger erhalten, damit wir jetzt zu Grunde gehen? Aber davon abgesehen, jedenfalls ist es Ja so viel bcauemer. den Dingen ihren Lauf zu lassen, als sich zu einer gewaltigen, schweren Tat amzurafien und das. glaube ich. ist der w a 11 r e G r u n d f ii r d i e i m rn c r 11 i n n o c h c e r i n K c Z a h 1 der Zionisten. Ich zitiere Motmnsen: ,Das jüdische Volk lässt eben, wie seine Geschichte beweist, die Dinge immer erst an sich heran, kommen, ja. lässt es erst bis zum äussersten kommen, bis cs sich zu einer rettenden Tat aufraift!" Aber die Assimilantcn geben ja eine Parole aus; Möglichst schneller Untergang in den uns umgebenden Kulturvölkern, Als Mittel dazu wird die Mischehe genannt, damit wir Juden unsere noch vorhandenen Kulturkräite für unsere Wirtsvölkcr verwenden können. Wahrlich ein edles Ziel, den Völkern Europas, die uns bis vor hundert Jahren, ja. zum Teil jetzt noch, mit den Tieren auf eine Stufe stellten, unsere Kultur- Kräfte anzutragen. Aber, o Ironie, die Volker wollen uns 1a gar nicht; und gegen die von den Assimilantcn empfohlene Mischehe wehren sie sich mit Händen und Füssen. Ich zitiere wieder Mommsen: ״Der Schwerpunkt liegt für die Semiten, im Osten, für die indogermanischen Völker, im Westen und am Mittclmcer. und wie auch Krieg und Wanderung die Grenze verschoben, immer schied und scheidet ein tieferes Gefühl der Fremdartigkeit die indogermanischen von den syrischen, israe- litischcn und arabisclien Nationen.״ Also, was wird herauskommen, ein trauriges Hinsiechcn und Degenerieren, da uns Stadtiuden ja der irische Zuzug vom Laude fehlt. Das edle Endziel wird allerdings wohl erreicht werden, wir Juden werden in hundert oder in fünfhundert Jahren nicht mehr existieren. Aber. Gott sei Dank, die Vorsehung will uns ja nicht untergehen lassen, sonst würde sie uns in der Stunde der Gefahr nicht stets unsern Makkabäer geschickt haben. Freilich etwas schwieriger ist der Weg Her/.is. als das üaliinsiechen. ohne einen Finger'zu rühren, aber er verheisst uns das Weiter bestehen des Jüdischen Volkes, eine neue jüdische Kultur, kurz ein gesegnetes Wiederamerstchcn, und unter diesem grossen Gesichtspunkte, sollten alle Juden, die die VVeitcrexistenz ihres Volkes erstreben, unbeachtet kleinlieber Widersprüche den Weg zu uns finden. Demi, dass es uns Juden von der Vorsehung bestimmt ist. in unserer alten Volksheimat glücklich weucczuleben. Das lehrt uns das Chanukahfest. Der eherne Gang Von Rabbiner Dr. Max Joseph- Stolp. Gewiss, jeder vo!! uns möchte gern noch ein gutes •Stück des zionistischen Endziels verwirklicht sehen. Und zwar mögliehst bald. Aber die Dinge gehen ihren ehernen Gang. Wir

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