Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 500 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 5t tdotismus gegen die Gefolgschaft im feindlichen Lager einzutauschen. Es ist merkwürdig, wie sich Charaktere vererben und wie wir aus den gleichen Charaktereigenschaften heraus in ähnlichen Zeitläuften dem Judenvolke ähnliehe Geschicke erwachsen sehen. Es ist alles schon einmal dagewesen, sagt unser König Salomo, dessen weises Wort uns als deutscher Diehtcrausspruch ia geläufig ist. Aber nicht bloss die schwachen und schlechten Charakterc, nicht bloss die Aüütofcl und Jerobeam, Tiberius Alexander und Joscphus haben ihre Charaktere vererbt. Auch die jüdischen Nationalheldcn haben in allen Zeiten die gleichen Züge unbeugsamer Treue und ehrlxher Heldenhaitigkcit gezeigt, verbunden mit jenem Patriotismus der für spätere Ze ten noch den grössten unsere Heldenfamilien den Namen Makkabäcrtum erworben hat. Die Makkabäer s:nd nicht von ungefähr erwachsen und nicht vom Himmel gefallen. Sie sind bezeichnenderweise die Söhne einer Familie, die s'cli zu den Zeiten des allgemeinen Abfalls zuerst auf die nationale Geschichte und damit auf d:e stammcstftmliche Zukunft besonnen hat. Die durchaus historische Persönlichkeit MatFthjahus war es. die den Sinn auf die Geschichte der Hebräer lenkte und während seines langen Lebens seine Söhne und seine Umgebung systematisch zu nationaler Gesinnung erzog. Selbstverständlich mussten die jüdischen Kämpfer und Volkserzieher im eigenen Lande ganz andere Wege wandeln und andere Gedecke haben, als ihre späten Nacheiferer in den Landen der Verbaunung und Zerstreuung. Die niakkabäisehe Geschichte ist nur möglich und wird 3mr begriffen im Lande Israel. Aber die Hasmonücr s:nd nicht bloss vorbildlich für jede jüdisch-stammestiimlichc Arbeit, sondern die hervorstechendsten Züge ihrer Charaktere sind noch zu allen Zelten der jüdischen Geschichte und besonders in Zeiten der Not und der Sclbstaufgabe spontan in die Erscheinung getreten, und ebenso ihre flammende Liebe zum eigenen Stamme, ihre Begeisterung für Volk und Freiheit ,ihr ehrlicher S;rv1 und ihr siegesgewisser Optimismus, der sie den Heldentod sterben liess, aber in der absolut sicheren Erwartung, dass die. Sache, für die s־־e kämpften und starben, siegen würde. Wir haben unter uns die Juden aus der Stadt des Alexander Mugdan, und wir haben unter uns die begeisterten Jünglünge Männer, die in den Makkabäern das rühmlichste Vorbild erblicken. Der aalglatte Joscphus mag unter den begieistqrten Nationalen als einer ihrer Führer gelten, und unter den Assimilierten mag so mancher sein, der im Augenblicke, wo es scheint, als sollte sein Volk zugrunde gehen, seme Begeisterung für sein Volk wiederfindet. Aber der Kampf zwischen dem Verkauf des jüdischen Stammcstunis einerseits und der Selbstaufopferung für die Zukunft des Jüdischen Volkes andererseits ist nicht mehr zu vertuschen. Schmach und Schande über den Verräter, der aus egoistischen Motiven die geschichtliche Kultur und Blutsgemcinschaft verlässt, für die seine Väter in den Tod gegangen sind und für die Tausende und Abertausende auf den Sch eiterhaufen verbrannt sind. Sie haben die Bande zerschnitten, die sie mit ihrem Volke verbanden. Wir sollen zufrieden sein, dass diese gesinnungslose Gesellschaft den Weg zu der hohen Achtung tlndet, die man uns vorenthält und zu der Knippe, an der die Treuen des Volkes nicht stehen dürfen. Aber wir dürten stolz daraui sein, das war den Faden der Geschichte nicht zerschnitten haben, der uns mit den Makkabäern verbindet, der Familie, die sich mit den Barkiden in den Ruhm teilt, die heldenhafteste der Weltgeschichte zu sein. Derselbe historische Zusammenhang, der Mattithjahu in seii.vm politischen Testamente auf die Geschichte der Väter hinweisen lässt seit den Tagen Abrahams, verbindet uns mit seinen Söhnen und mit ihm und durch sie mit der alten jüdischen Geschichte. So halten wir an der Hoiimmg der Makkabäer fest und zünden an die Lichte der Weihe להדליק גי• של הנוכח , Heinrich Sachse. Die Neue Jüdische Rundschau Soeben «eilt uns das iolgende Zirkular zu: München, im November 191 י*, Sie werden eingeladen. Abonnent der Anfang 1909 in Miineben erscheinenden Monatschriit DIE NEUE JÜDISCHE RUNDSCHAU zu werden. Die neue Zeitschrift soll einen Plitz ausfülleii, der bisher leer stand, und einem Bedürfnisse al'helien. das von vielen empfunden wird. Die vorhandenen indischen Zeitschriften stehen zumeist im Dienste einzelner Richtungen innerhalb des Judentums und ihr Abonnentenkreis beschränkt sich auf Jie diesen Richtungen Zugehörigen. Die jüdischen wissenschaftlichen EachzeitselirÜteil haben naturgemäss einen noch kleineren Kreis von luteressenten. Wir gehen davon aus. dass es des ernsten Interesses wohl wert sei. in all das sich zu vertiefen, was an Lebensregungcn innerhalb des Judentums sich geltend macht. Und so wollen wir all die verschiedenartigen Erscheinungsformen, in welchen das Judentum in seiner Vergangenheit wie in seiner Gegenwart sein inneres Leben zum Ausdruck bringt, der heutigen Jitderiheit vermitteln. Wjr wollen sie so in eine stete innige Verbindung bringen mit der eigenartigen Welt, die sich die Seele des jüdischen Volkes geschaffen, in der allein sie gedeiht. Wir wollen das gerade heute, da im Kampf um eine Stellung in der Kulturwelt des Westens die Juden mehr und mehr sich scheiden in Ost und West und dabei das Verständnis für die eigene Art mehr und mehr verloren geht. So werden wir alles bringen, was nn ernster Wissenschaftlieber und literarischer Arbeit aus jüdischem Geiste geboren jüdisches Uesen spiegelt, lind damit die wirksamen aus de־־ Tiefe treibenden Kräfte des Judentums so w׳eit als möglich an einer Stelle versammeln, über allem zerkliiftendeu Streit aber mitten im Leben, für das Leben. Wir werden ohne Vorurteil eine jede Bewegung im Judentum!: in den Bereich unserer Betrachtungen ziehen und ihre wesentlichen Momente aufzu/eigen uns bemühen. Ein Organ, das alle Jude n zu aufmerksamen Lesern macht, wollen wir schaffen. Vor allem werden wir unseriti Leser ־ zunächst dem Juden, der seine Zugehörigkeit zum Judentum überhaupt noch empfindet, aber auch dem Nichtjuden, der Interesse für das geistige Leben im Judentum hat —• ein möglichst anschauliches Bild geben von dein, was im Judentum an ideeller Arbeit geleistet wird, und hofien aut die Juden aller Länder als tätige und aufnehmende Freunde. DIP. NEUE JÜDISCHE. RUNDSCHAU bringt: Abhandlungen über Religion, religiöse Mystik und Philosophie bei den Juden der Vergangenheit und der Gegenwart; Gemeinverständliche Arbeiten über alles, was im Sonderbegrifte Jüdische Wissenschaft :׳usamuiengefasst ist; Aufsätze über jüdische Sekten der Vergangenheit und der Gegenwart; Abhandlungen aus den Gebieten jüdischer Geschichte und Kulturgeschichte, Biographiccn. Memoiren. Briefwechsel;