Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Die Makkabäer Rinc einzige Familie war es, die das Freüicitsbaniter des Jüdischen Volkes hoch hielt, als nach den l agen des grossen Alexander unter der Herrschaft seiner Nachfolger die Anlehnung an das umgebende Griechentum, von Alexandria, der Hauptstadt der Assimilation, auch auf das Land Israel iibergriif, in dem eine von langer Hand vorbereitete staintnestiimliche Arbeit eine Zukmift der Jüdischen Nation vorbereiten wollte Nicht von ungefähr sondern planmüssig hatten die Griechlingc daran gearbeitet, ״die Weisen der Völker einzuführen“. Denn der Versuch des minderwertigen Königs Antioclms Kpiphancs, das Judentum auszurotten und an so:!1c Stell? Griechen jüdischer Abstammung erscheinen zu lassen, war erst hervorgerufen durch den Misserfolg, den die Männer zu haben schienen, ״die sich aufgeworfen hatten, zum Könige zu reisen, um die Erlaubnis zu erhalten, die Weisen der Völker einzufüliren“. Auch in Alexandria, dein Ur- und Stammsitz aller Judenfcindscliaft, Ist dieser Antisemitismus erst durch die Versuche wacligerufen worden, die die griechisch redenden Juden machten, in Sprache und Kultur in das umgebende Griechentum aufzugehen. Da mochten noch so grosse Geister und noch so feinsinnige Philosophen die hohe Bedeutung des Judentums mit allen Mitteln griechischer Weisheit und Gelehrsamkeit nacltweisen, der Umstand, dass grade die reichsten und scheinbar gebildetsten Juden es für nötig befanden, die alte Kulturgemcrnschaft der Hebräer zu verlassen und sich der jüngeren griechischen anzuschHessen, musste nach aussen hin Beweis genug sein, dass s i e in der Praxis das Judentum für weniger wert erachteten als das Griechentum. Und weil diese aus dem alten Volk Ausgetretenen nattirgemüss mit den Griechen mehr in nahe Beriihrung kamen, als die Treugeblicbctien, so mussten die Hellenen und ihre Mitläufer aus andern Stämmen durchaus das Bild bekommen, dass das ganze Judenvolk ein Stamm ohne eigene Ehre sei, der seine uralten Stammesgüter und nationalen Ueberliefcrungen dem Vorte le opferte. Der grosse Makedonierkönig, der unter dem Namen Alexander. Mugdan*) in der hebräischen Ueberlieferung fortlebt, hat in seiner alexandrinischen Gründung damit den Grund zu der ganzen antisemitischen Entwicklung ,*) Mtnrclan liebr.: Per Makedonier. der späteren Jahrhunderte und Jahrtausende gegeben. Gewiss wirken die altein Ursachen auch in heutiger Zeit noch immer fort. Bis in die neueste Zeit und die gegenwärtigen Stunden wirken gleiche Ursachen zur Belebung des Antisemitismus. Derselbe angebliche Freisinn, der oft nichts weiter ist, als das Freisein von Gewissen, lässt viele Juden, die durch ihre materielle Stellung in der Lage wären, anders die schwere Hand zu tragen, di? auf den Juden lastet, als die Armen und weniger Bemittelten, so gebildet sein, dass s:e •cs für nötig halten, aus der jüdischen Rasse auszutreten und schon nach ganz kurzer Zeit es so weit in der neuen Religion zu bringen, an die sie ebenso aufrichtig glauben, wie an das verlassene Judentum, dass sie sich verletzt iiihlen, wenn ein freidenkender Nichtjude seinem ireien Denken auch ungeschminkte.׳! Ausdruck verleiht. Es ist irehts weiter als massiose Eitelkeit und Selbstliebe, die in alter Zelt wie in neuer angebliche ״freisinnige4* Männer veranlasste, den Glauben zu wechseln wie ein schmutziges Hemd, und die selbe Unwalirhaitigkeit hat d'cse Leute, die es für vorteilhaft hielten, das Judentum gegen einen andern ״Glauben“?inzutauschen, veranlasst, so lange freisinnig und Atheisten zu sein, wie sic glaubten deswegen bei den Juden mehr zu gelten, und die als Angchörge der neuen Religion, der sie sich anschlossen, sehr bald den vorteilhaften Weg zu der Seite fanden, wo man sich über Unglauben entrüstet. Diese bodenlose Gesinnungslosigkeit ist kein Produkt der neuesten Tage. Nicht bloss das ganze neunzehnte Jahrhundert ist davon voll, sondern auch sein Vorbild, das jüdische Alexandria. Der grosse jüdische Philosoph Philo hatte einen Neiien. der aus purem jüdischem Freisinn zum Griechentum überging, das damals mit dem bereits herrsehenden Römertum politisch identisch war. und dann ein ebenso frommer Heide wurde, wie er früher ein freidenkender Jude gewesen w׳ar. Er erinnert damit an ienen inkonsequenten deutschen Professor, der, als er g?tauit wurde, aller Logik zum Trotz seinen Namen beschneiden liess. . Dieser Tiberius Alexander war freisinnig genug, bei einem Krawall in Alexandria, der sich gegen die Juden richtete, durch die von ihm befehligten römischen Legionen in der Weise di?• Ordnung herstellen zu lassen, dass er füniVgtauscnd jüdische Leben vernichte.'i liess. Er war auch Heerführer geg?n Judäa, als der vom freisinnigen Weltbürgertum angekränkelte und den ehrlichen Patrioten spielend? gahk'iische Statt- I halter Joscphus es für geraten hielt, den jüdischen Pa-