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Jüdische Rundschau · 1908-12-11 · Heft 50 (11.12.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 50 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sfeite 492 / jüdische ründscHaü No. 50 gen an Juden vorgcnoninicn liaben, darin iibereinstitnmen, dass die Juden e!!nen durchschnittlich geringeren Brustumfang haben als ander’ Völker. Er bleibt meist etwas unter der Hüllte der Körpcrlängc. Solche Messungen an mehreren tausend Juden sind von Snigireff in Russland, Eikind!!n Polen, Maior und Kopernicki in .Galizien, Fishberg 11'־׳ New-York u. a. vorgenonnncn worden, lind ich kann sie nach eigenen Untersuchungen bestätigen. Ist aber mit dem geringeren Brustumfang der Juden auch schon gesagt, dass &!e körperlich minder־ wertig sind? An sich durchaus nicht. Es gibt eben schlanke und untersetzt gebaute Rassen, und die Juden gehören — übrigens auch die durchaus krtegstiiehtigen Japaner — zu den schlanken Rassen. Wcissenberg und Eikind haben ausserdem nachgewiesen, dass auch die Juden einen grösseren Brustumfang erre:ehen, aber erst im späteren Alter. Ihre Entwickelung in dieser Be- Ziehung ist nicht, wie gewöhnlich, etwa mit dem 30. Jahre abgeschlossen, sondern sie erreichen ihren grössten Brustnmiang erst kurz vor dem *10. Lebensjahre. Dass geringer Brustumfang de Leistungsfähigkeit im Heere nicht aussch’iesst, dafür gibt es zwei exakte Nachweise. Erstens wird bei der Aufnahme der Ein* jährig-Freiwilligen *~ und auch der andern sich ire v.il־ lig Meldenden.-- ein Auge zugedrückt, ohne dass scluidliehe Folgen sich zeigen. Ich selbst bin, trotz nicht ganz ausreichender Brustweite, eingestellt worden, habe den D.'cnst ausgezeichnet iiberstanden —- und das Militär mit ausreichendem Brustumfang verlassen, eine Erscheinung, auf die wir noch weiter unten zu sprechen kommen. Zweitens aber wird gerade den Juden gegenüber in Russland dieselbe Ausnahme gemacht. Hier weiss man, dass d e Juden trotz gcringerer Brustweite eine gute Leistungsfähigkeit haben können, und ihr Anteil in der Aushebung zum Heere ist höher, als der der übrigen Bevölkerung, nämlich (1898) 3,2 auf 1000, gegenüber 2,21 bei der Gesamtbevölkerung. Es ist demnach sehr wohl möglich, dass auch in Deutschland die Juden nicht weniger tauglich zum Militärdienst sind, sondern nur infolge der Bestimmung über, den Brustumfang \deniger eingestellt werden. Immerhin aber erhebt sich die Frage, ob für den geringeren Brustumfang der Juden sich ausreichende Erklärung finden lässt. Der Brustumfang hängt 1111 wesentlichen von zwei Dingen ab: Der Weite der Lungen und der Stärke der Brustmuskulatur. Beides steht in engem Zusammenhang mit der Tiefe der Atmung. Die Weite der Lunge selbstverständl;ch. Aber auch die Stärke der Brustmuskeln, die ztiin grossen Teile Afemmiiskcln sind und sich bei gewohnheitsmässig vertieiter Atmung nach demselben Gesetz allmählich verstärken, nach dem auch andere Muskeln durch regelmässige Uebung erstarken. Hieraus erhellt zur Genüge, dass die Lebensweise ausserordentlichen Eöifluss auf die Weite der Brust hat. Am günstigsten wirkt die starke, alle Glieder beauspruchende Arbeit in freier Luft, wie sie bei der Landbevölkcrung geübt wird. In der Tat kann kein Zweitel darüber se'n, dass in dem berühmten Streit zwischen Sehr:ug und Brentano wenigstens darin Sehring recht hat, dass unter 100 Landbewohnern mehr Militärtaugliehe sind als unter 100 Stadtbewohnern. Unter den Stadtbewohnern werden wieder die bevorzugt sein, die im Freien körperlich arbeiten, wie die Maurer, Steinträger, Schlächter, Balmarbeiter etc., gegenüber denen, die im geschlossenen Raum eine Arbeit verrichten, bei der oft nur eine Hand oder einige Finger sieli .betätigen, Wi'c die Schneider, Buchbinder, Graveure und die meisten Fabrikarbeiter. Ziemlich am schlechtesten sind diejenigen dran, die sitzend eine geistige Beschäl־ tigung ausüben, wie de Bureauangcstellten, Schreiber und die eigentlichen geistigen Berufe. Und mm bedenke man die soziale Schichtung d־*r Juden in Deutschland! Keine Ackerbauer, keine Scliitfer, keine Ste/nhauer, Kutscher, selbst kaum Schlosser, Böttcher, Zimmerlcutc - dafür massenhaft Buchhalter, Händler״ Schneider, Studierte. Die Entwicklung, die dahin geführt hat, datiert nicht von heute, dii ganz Zeit des Ghettos war die Vorschule dazu. Da liaben die Juden das tiefe Atmen m der freien Luft verlern!. Fast die Hälfte der jüdischen jungen Männer, die sieh zum Militär stellen, die Einjährigen, haben bis tief in die Zet der üesehlechtseutw iekehmg hinein über den Büchern gesessen. Da w äre es w underbar, wenn die Juden noch eine höhere .Militärtauglichkeit hätten als sie liaben. Mau kann si־.־ deshalb ebensowenig dcgencliert nennen, wie das deutsche Volk, wc.'l bestimmte seiner Stände weniger Brustumfang haben. Vergliche man die Juden mit diesen Ständen, so würden sie sicher, das kann mau aus ihrer überaus günstigen Sterblichkeit folgern, nicht schlechter dastchen als d'esc. Lässt sich aber nun gegen die bestellende schwache' Entwicklung des Brustkorbes bei den Juden etwas tun? Wenn sie, wie w ir atisgeiiihrt haben, die Folge mangelnder körperlicher Uebitng ’!ist, so muss sie durch ge* steigerte Uebung auch wieder verbessert werden können. Da wir d'e wirtschaftliche Entwicklung nicht rückgängig machen können, so muss künstliche Uebung, Sport, die Losung der Juden werden. Hier liegt der Angelpunkt unserer Arbeit. Wir!missen unseren Ehrgeiz drein setzen ,die Juden so tüchtig zum Waffendienst zu machen, wie c'rgend einen anderen Te l der Bevölkerung, zumal unser eigenes Lcbeusinteresse darin liegt, dass unser Stamm erstarkt. Weiter müssen wir alles tun. um die Juden w ieder zu den gesunden Berufen des Landbaucs zu bringen, und da das in den jetzigen Wohnländern kaum möglich sein wird, liegt hier eine der grössten Aufgaben des Zionismus, der Juden auf eigener Scholle im eigenen Lande sässig machen will. Mahnung St) ist cs denn also doch zum Aussci steil gekommen mul was sich die Pessimisten nur leise zuzuraunen wagten, ist zur Tat geworden, ( her Prag wurde am 2. Dezember, am Jubiläumstage des greisen M.’iiarclion das Standrecht verhängt lind so einer seiner endlosen Kette von Vergewaltigungen mul Ausschreitungen die schärfste Massnahme der Regierung ent* gegengestellt. Ls war •aber auch wirklich kaum mehr zu bestehen in den Strassen der Stadt und Leben und Gut der Bürger erschienen m gleicher Weise bedroht. Antisemitische Pöbclwut feierte wüste Orgien und die Strasse wurde riieksiclüslos zum Schauplatz der leidenschaftlichsten Kämpfe gemacht. Den anti-deutschcn Charakter haben die Exzesse schon längst verloren. Der Antisemitismus hat sieh aut seine ureigentliche Arbeit besonnen und von beiden Seiten wurde gegen die Juden, die willkommenen Liickenbiisser. gehetzt. Lnd wenn man die Listen der \ erwundeten. die der < ieschädigten genau durchgeht, findet man in ihnen den klarsten Beweis dafür, dass die plamiiässigeu Vorstösse eines Klofac und Stribuy Eriolg gehabt und lebhafte Zustimmung gefunden liaben. Noch charakteristischer aber sind die Rufe, die aus den in übernatürlichem Wahnsinn verhetzten Massen laut wurden. ״Nieder mit den Juden, Tod den Juden, Schande den Juden," das wareu

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