Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wir geben uns der bestimmten Erwartung hin, dass unsere Leser uns auch in Zukunft ihre treue Gefolgschaft und ihre Mitarbeit nicht versagen werden, und bitten nochmals um genaue Beachtung des beiliegenden Prospektes, der über die zukünftige Gestaltung der״ Jüdischen Rundschau“ nähere Auskunft gibt. Verlag ״Jüdische Rundschau“. Die nilitärtauglictikeit der Juden Von Dr. E I i a s Auerbach- Berlin. Die Frage der Brauchbarkeit für den Heeresdienst is.t eine der wichtigsten für die jüdischen Organisationen, die sich eine körpcrbdie Hebung der Juden zur Aufgabe machen. Denn die Miütärtatiglichkeit ist in den Länd'ern der allgemeinen Wehrpflicht — also in fast allen europäischen Staaten — die grossart:gstc Uebersieht über die körperliche Beschaffenheit der Bevölkerung, und infolge der gewaltigen Zahlen, die liier auftret׳en, ein feines Barometer für die fördernden oder hemmenden Einwirkungen der sozialen Umstände au( das körperliche Wohl. Fassen wir zunächst die deutschen Verhältnisse ins Auge, so bleiben hier die Juden erheblich hinter den Nichtjuden in der MiHtürtaugliclikeit zurück.• Freilich nicht sovilei wie judenfeindliche Autoren uns glauben machen wollen, im Jahre IS95 kamen angeblich auf 1000 Christen 11,61 Soldaten, auf 1000 Juden aber nur 4,9Z! Diese Zahlen sind jedoch mit einem grossen Fehkr behaftet, da die Einjahrig-Freiwilligen nicht mitberücksichtigt sind. Ihre Zahf ist aber bekanntlich gerade bejj den deutschen Juden seift beträchtlich. Ruppiii schätzt nach der allgemeinen Schulbildung bei den Christen die Zahl der Einjährigen auf nur 5 pCt. aller Soldaten, bei den Juden dagegen auf etwa 45 pCt. der jüdischen Soldaten. Nach Einführung dieser Korrektur gibt Rupp'm als Tauglichkeitsziffer für die Nichtjuden 10,66 auf 1000 Einwohner, für dife Juden 7,76 auf 1000 jüdische Einwohner Deutschlands. Wenn also auch die Piffejriiz zwischen Juden und Christen erheblich geringer geworden ist, so bleibt doch die Tatsache bestehen, das die deutschen Juden um ein Bedeutendes in der M/'litärtaugiichkcit hinter der übrigen Bevölkerung Zurückbleiben. Welches sind nun die Ursachen dieser Erscheinung? Wir müssen uns zunächst über die Gründe der Untauglichkeit zum Heeresdienste klar werden, denn dfiesc können sehr verschiedener Natur sein. Es kommen zumidist die körperlichen Gebrechen in Frage, die mit einiger Wahrscheinlichkeit bei Juden nicht wesentlich häufiger Ursache der Untauglichkeit sein werden als bei den Nichtiuden. Obwohl keine genaue Zahlen darüber vorliegen, können wir vielleicht nur die Anzahl de1־ stark Kurzsichtigen bei den Juden etwas höher annehmen. Jedenfalls aber fällt die Zahl kaum ins Gewicht. Ebensowenig werden beträchtliche Unterschiede in der zweiten Klasse der Ursachen für die Untauglichkeit zum Heeresdienste vorhegen, bei den chronischen Krankbeiten. Die wichtigsten der Zahl nach sind hier die Herzfehler, die Lungentuberkulose und die Geist5skranken; und wenn auch die Juden vielleicht eine etw׳as grössere Zahl von jugendhehen Geisteskranken haben, so sind sie andererseits in der Lugentuberkulosc sicherlieh begünstigt, da bekanntermasseu die Jud'en unter dieser Krankheit viel weniger leiden. Die weitaus wichtigste Ursache für die ״Zurück- Stellung“ vom Militärdienst ist bekanntlich die ,.allgemeine Körperschwüehe“. Hierunter ist nicht eine bcstimmte Krankheit zu verstehen, sondern die Uebcrzeugung der untersuchenden Militärärzte, dass der bctreffende junge Manu infolge einer gewissen Schwächlichkeit nicht imstande, sein würde, die grossen 3trapazen des Heeresdienstes ohne Schaden zu ertragen. Diese Annahme!ist nun nicht einfach dem Gutdünken der Militärärzte überlassen, sondern findet ihren greifbaren Ausdruck in der Messung des Brustumfanges. Es wird angenommen, dass bei kräftiger Entwicklung des Körpers der Brustumfang mindestens die Hälfte der Körperlänge betragen muss. Da nun Deutschland über eine so ausreichende Menschenzahl verfügt, dass auch vöibg körperlich taugliche junge Leute als ״Ucberzählige“ zurückgestellt werden, so kann diese Forderung Im vollen Umfange durchgeführt werden. Diese Bestimmung trifft nun die Juden in ganz bcsonderem Masse, weil alle, die körperliche Untersuchun-