Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 488 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 4 erreichten sie. dass zwei Vertrauensleute zur Untersuchung dieser Anklagen aus Konstatinopcl nach Jerusalem entsandt wurden und schliesslich gestern durch ein Telegramm aus Konstantinopcl R. Meier seines Amtes enthoben wurde. Wer sein Nachfolger werden soll, ist noch gänzlich un* bekannt. In Jerusalem scheint überhaupt kein passender Kandidat fiir diesen Posten zu sein. Doch wird von einigen die Kandidatur des R. Eliaschar. Sohnes eines friiliercn Chaeliam-Baschi genannt. . Feuersbrunst b* Jerusalem. Jerusalem. 9. ״November. Heute Abend gegen 8 Uiir brach in der grossen Dampfmiihle Serubabel. deren Eigentümer drei Juden sind, plötzlich Feuer aus. das mit rasender Schnelligkeit. das zum grossen Teile aus Holz gebaute Miihlcngehüudo ergritf. In kurzer Zeit war dieses Gebäude, in dem sieh grosse Mengen Getreide und Mehl heianden. bis au! die Umfassimgsmauern vollständig ausgebrannt. Obwohl die Mühle in zwei Zisternen genügend Wasser hatte, war es unmöglich., das Feuer durch Spritzen wirksam zu bekämpfen, weil die einzige Dampfspritze in Jeiusalcm. die dem russischen Hospiz gehörte, gerade in Reparatur war. Man musste sieh begnügen, die in der Nähe des Brandherdes befindlichen Gebinde. durch Deseitigung der leicht brennbaren Stoöe zu schützen und tatsächlich gelang cs auch, das Feuer auf das Miihlgebäude zu beschränken und ii.shesonderc das Maschinenbaus zu erhalten. Pie Gebäude und das Inventar sind bei einer englischen Gesellschaft versichert:?ה jüdische Arbeiter sind durch das Unglück brotlos geworden, über die Eutstehungsursachc des Feuers ist nichts bekannt. Agrar-Bewegtm״ unter den Fellachen. Aus Galiläa wird berichtet, dass die dortigen Fellachen, die ihnen durch die Konstitution gewährte Freiheit dahin missverstehen, dass sie keinen üschcr mehr zu zahlen brauchen und das Recht haben, l.ändereien, die ihnen früher einmal gehört hätten, und die sic an andere verkauit haben, zurückzunchmen. Sie haben verschiedentlich Unruhen gegen die arabischen Grossgrundbesitzer ins Werk gesetzt. Auch aut der jüdischen Farm in Kincrcth verursachten sie vor zirka 10 Tagen eine Störung, indem sic die jüdischen Arbeiter von den Feldern verjagten und die am Bau der Wirtschaftsgebäude beschäftigten Maurer an der Fortsetzung der Arbeit hinderten. Auf energische Reklamation bei der Regierung entsandte diese ein Militärkommando, das die Ruhe alsbald wiederherstellte. Um die Wiederholung von solchen Störungen zu vermeiden, bleiben vorläufig einige Soldaten in der Nähe der Farm stationiert. Zu irgendwelchen Verletzungen von Sachen oder Personen ist es nicht gekommen. us den Ortsgruppen Hamburg. Am Sonntag, dem 29. November, veranstaltete die F r a u e n v e r c i n i g 11 n g der zionistischen Ortsgruppe Hamhurg-Altoiiu ihren ersten diesjährigen Unterhaltung snachmittag für b e r u f 1 i e 11 tat i g e M ä d e h e n. Der Referent. Herr Pr. Umta, Kiel, wurde am Erscheinen verhindert. Herr Re fr. N a 111 a n hatte ireundlichst zu später Stunde die Ansprache au die zahlreich erschienenen Mädchen ithcriiommctt. In treulicher M eise gelang es dem Redner, die jungen Mädchen von der holten Bedeutung unseres Judentums zu überzeugen. Er führte au«, dass die )»!!״•tausendjährige Vergangenheit uns Recht genug gäbe, uns allzeit mit Stolz als zugehörig zum alten Volk zu bekennen. Mit einem warmen Appell an die Mädchen, zu jeder Zeit sich offen und ehrlich Jüdinnen zu nennen, schloss der Redner seine vorzüglichen Ausführungen. Hicraui iolgte der unterhaltende Teil des Programms. bestehend aus Gesang und Rezitation. Dem Vorschlag, jüdische G c sc h i c h t s k u r sc einzuricliton, stimmten die Anwesenden freudig bei. eine grosse Anzahl!tat sich bereits zur Teilnahme daran gemeldet. Mit den! gemeinsamen Lied: ..Auf mein Volk“, schloss der wolligelungcue Nachmittag. Hannover. Dorsche Scldom Zion. Am 21. Mareheschwaii fand die General versa m itt Jung unseres Vereins statt. Gewählt wurden die Herren D. üravman 11 als 1., Ingen. G u r I a n d als 2. Vorsitzender; Ludwig Meyer 1., Saul T a!111 c n b a וי m 2. Schriiciuhrcr; R, A v e r b 11 c h als Kassierer: H. Lotidnor und H. Korn als Beisitzer. Ferner wurde beschlossen 7(10 Exemplare der Kopeken-Bibliotlick in Hannover gratis zu verteilen. Rcichcubcrg. Endlich hat. die zionistische Idee auch in unserer Gemeinde ihren, wir dürien ruhig sagen, siegreichen Einzug gehalten. Das zionistische Rayonkomitcc für Ostbohmeii in!'ramcnau und der Jüdische Volksverein Zion in Teplitz-Seliönau hatten ii:r diesen lag eine öffentliche Versammlung eiuberufen. welche der Erörterung der Judenfrage und ihrer Lösung durch den Zionismus gewidinet war. Vor dicht gefülltem Saal eröfmete Herr Dr. Hugo Rappaport aus Trauteiiau die Versammlung numens der Ein- I eruier. indem er seiner Freude über das lebendige Interesse an jüdischen Frager, welches in dem zahlreichen Besuche sieh dokumentierte, Ausdruck gab. Herr Dr. Emil Marguiics. 'I rauteiiati. referierte sodann über den Politischen Zionismus; er ging von der l.agc der Juden in allen Ländern der Erde aus. wies nach, dass sie alle und überall unter einem Drucke, unter, wenn auch ungeschriebenen, darum aber ums;) intensiver iuhibarcii Ausnahmegesetzen leben. lass dieser Druck im Wesen fiberall der gleiche mag auch die Form und .iu>scrliche Schärte differieren, tkiss •die Wurzeln dieses Druckes, die Ur* •saclien dieser abnormen Veri!»ltui»e überall die gleichen sind, und darin bestellen, dass die Ja den ein Volk ohne Land, «rliitc Möglichkeit einer freien normalen Ihitw i.kluag für das Volksganze wie ihr den Einzelnen sind. Am «ikutvv.eii aber trete dieser Mangel einer Heimat in Krscheinuug angesichts der entsetzlichen Lage der Millionen osteuropäischer Juden, welche aus dem einen Lande vertrieben, von dem andern nicht aufgenonuiiui werden; diese Verhältnisse müssten jeden fühlenden Juden von der Notw etidLkeit überzeugen, iiir diese heimatlosen Massen eine gesicherte Heimstätte, eine öricutlich rechtlich gesicherte Heimstätte zu schauen. Das sei das Programm des Zionismus, der dieses Ziel jedoch nicht aut dem Wege der Philanthropie, sondern dem der nationalen Selbsthilfe und der nationalen Organisation zu verwirklichen suche. Darum sei cs Pflicht jedes jüdisch Fühlenden, diese auf Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimskgttc gerichteten Bestrebungen zu unterstützen und sich der ziomstischei! Organisation anzuschliesseti. Der Vortragende, der dann auch noch die Mittel zur Erreichung des zionistischen Zieles und die zionistischen Institutionen besprach und die Eignung Palästinas als einzig in Frage kommenden Landes hervorltob. iand bei der Versammlung stürmischen, langanhaltenden Beitall iiir seine Ausführungen. — Es entwickelte sich eine längere eingehende Debatte, in der vom gegnerischen Standpunkt aus die Herren Dr. Ernst Neustadt!. Dr. Jerusalem, Dr. Munk und Schulhof, von zionistischer Seite die Herren Ludwig Steiner und der Referent sprachen. Die Stimmung der Versammlung war durchaus auf Seiten der letzteren und das Schlussw ort des Refercntei». iji dem er eingehend alle Ein- Wendungen widerlegte, sowie sein Versprechen, dass dieser zionistischen Versammlung sehr bald eine zweite folgen solle, weckte begeisterte Zustimmung. So wild auch unsere Stadt, die bisher als die der zionistischen Idee unzulänglichste gegölten bat, in nicht zu langer Zeit einen Verein haben, der alle Freunde einer Zukunft des jüdischen Volkes in fester Organisatiou um das Baseler Programm vereinen wird. Kleine Mitteilungen .״ ־ ־.־־J E□ - ״:־־ ־ ־ ' . :.: — Der Jüdische Turnverein .Bar Kochba“. Berlin turnt; I. M ä n n e r - A b t e i 11111 g; Dienstag und Donnerstag s -in Uhr, Gr. Hamburgerstr. 21: II. M ä 11 u e r - A b t e i In n g; Montag. 8-10 Uhr, Kaiserstrasse J9/.W: Sonnabend. 8—10 Uhr, Grosse Hamburgerstrasse 27: IV. Mann c r-A b t e i I u 11 g: Dienstag und I)oimcrstag. 8—10 Uhr, Niederw allstr. 7; I. F r a 11 e 11 - A b t c i I u n g: Montag umi Donnerstag. 8 -VjH'» Uhr. Atigiiststr. 07/08: 11. Frauen- A I) te i 11111 g: Montag und Donnerstag. 8lMO Uhr. Schicswiger Ufer l-l; III. F r n 11 e!1 - A b t e i I u u g: Mittwoch und Sonnabend. 8 -!0|ג Uhr, Irflandstr. 9/li: L e 11 r 1 i n gs-A b ־ teiiung: Montag und Donnerstag. S 10 Uhr. W'eissciiluirgerstr. Ja; M ä d c h c n - A b t e i I u 11 g: Montag. 6 -7 Uhr. Auguststr. 67/68; Alte Herren riege: Dienstag und Donnerstag. 8—10 Uhr, Gr. Hamburgerstr. 27; Schülerab teiiung: Montag mul Donnerstag. 6 8 Uhr, 21. Ge- »neindcschtile. Hinter der Garnisonkirclie. Bureau: Dragoncrstrnssc 24.