Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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v » Ä.. /A, Nj. 49 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 485 8 1 fl r i. Is % i i 1 ‘!־<-־ :;!s 'i :i-A 1 ■ *> J ־: und Bezirksvcreinc. wie sie einmal bereits existierten, erfinden. Sic konnten Sammelpunkte für Hunderte und Tausende von zlbiiistisclicn Bürgern werden, die bei Wahlen und andern Arbeiten, die eine Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte erheischen, eine «;rosse Werbekraft besitzen würden. Die Bürgcrorgamsationcii würden nicht nur einige Wochen \or der Wald, sondern im täglichen Verkehr mit den Schieb• teil der jüdischen Bcvülkcrun« Ffihluiig haben. die für den zionistischen Oedanken «ewonnen werden können. Bezirksverein*.־ allein können auch die Verbindung zwischen der Leitung und den auf einem «cwnlti«en Gebiet zerstreuten Zionisten hcrstcllen. die eine VorhcdinKun« .kontinuierlicher Arbeit ist. Sollte das n1iss«lückte Walder«cbnis zu einer durchstreifenden und heilsamen Rcor«auisatiou führen, so wird es nach zwei Jahren nicht schwer fallen, die Scharte anszuwetzen. WELXl i Epilog zu den Wiener Kultuswahlen Am 25. Oktober fand im Tempelgebäude in der Seitenstettemrasse eine Sitzung des Kultusvorstandes der Israelitiselten Gemeinde statt, bei welcher der Präsident Dr. S. t e r!1 die Wahlbcwegimg besprach tmd behauptete. die Opposition leibe einem Anthcmitcnhlatte ihre ,Mitarbeiterschaft. Der. anwesende Advokat Dr. I:go 11 Zwei«, der im Zuhörerraum stenographierte, rief dazwischen: ..Das ist ein Lil«e!“ Aufgefordert, den Saal zu verlassen, wendete er sieh der Tür zu: da rief ihm der Ivhrikant Wilhelm Kuftner. Mitglied der Kiiliusrepräsentauz. die Woitc zu: ..Hinaus mit dem L . ... buben!" Uebr Kineo des Dr. Zwei« hatte sich Herr Kuüner beute יor dem Richter des 8. Bezirks. Sekretär Dr. Stolz. we«eu Beschimpfung zu verantworten. Er «ab an. in seiner Erregung über ,den Vorwurf der Lüge habe er «erufcij: . . . bub hinaus”, doch habe er Dr. Zwei« «ar nicht «ckannt. Der Klagevertretcr Dr. Krasny erklärte. Dr. Zwei« sei zum Ausruf ..Läge‘* bcrechti«t «ewcscti. Dieser selbst verwies darauf, dass er an einem besondere Ans׳.ändi«keit fordernden Orte beschimpft wurde. Der Verteidi«er Dr. Leopold Kolm seit, bestritt, dass der Sitzungssaal der Kult!1s«emcin:le besonde re A11ständi«keit erfordere- Der Richter verurteilte Herrn Kuftner zu einer Geldstrafe von zweihundert Kronen. Par nobili fatrum! Die Nachricht von dem Ucbcrfall der doutseb-nationaleii Studenten auf die indischen Studenten in Wien hat in den Kreisen der ״echlnissischen Leute* natürlich «rosse Freude Iicrvorccrufcn. Das Or«a11 des Verbandes ..Russkoic Snainja־‘ veröffentlicht einen .Artikel, in dem cs die russischen Studenten suffordert. diesem Beispiele ihrer Wiener Kollegen zu folgen und die jüdischen Studenten genau in derselben Weise zu behandeln.' — Die Majorität der russischen Studenten ist nun freilich liberal, wenn auch eine «rosse Anzahl Echtrussen unter sich bat. Hs ist also nicht anztmelmien. dass die russischen Studeuten, die im allgemeine!׳ eine ernstere Lebensauffassung haben, als die Wiener deutsch-nationalen Jünglinge, den Rat der ..Russkoje Siiamja“ befolgen werden. Aber gleichwohl ist diese Freude der Verbändler noch charakteristischer als iiir die echten Russen, die inan ja längst von dieser Seite kennt, für die Wiener deutsch-nationalen Studenten, denen mau zu ihren neu gewonnenen Freunden nur aufrichtig gratulieren kann. Da haben sich doch endlich schöne Seelen gesucht und gefunden. * Die Mensa academica Die jüdisch-nationale‘ Studentenschaft hat beim Obmann dir Mensa academica. dagegen protestiert, dass, nachdem d: Mensa vom Oelde alle־־ erhalten werde, durch den Terrorismus der Pcutschuatiomilen viele Hunderte uiehtdeutscher Studenten nn ihr Mittagbrot gebracht werden. Was die Besorgnis wegen Aufreehterhaltung der Ordnung anbelangt, so ist die Mensa mellt akaimlischer Boden und wäre es Sache der Polizei, eventuelle Demonstrationen hmtanzuhalten. Oeieh/.eitig hat sich ein Notstandskomitec gebildet, welches die Mcnsamarkcn gegen andere Marken umtausclit. Schwarz auf Weiss Zu üngiinsteii jüdischer Anwärter für die mittlere B e ־ a 1111 e n k a r r i e r e in Preusscn. ist ein Iirlass ergangen, demzufolge jüdische Bewerber um die Stelle eines Rcgierungssekretärs nur bei Erteilung einer besonderen Erin ä c 111 i g 11 n g des Ministers berücksichtigt werden dürfen. Der Erlass soll sogar älteren Datums sein 1111g noch lieute in Geltung stehen! Die freisinnige Presse kolportiert diese Nachricht mit allen Zeichen der Bestürzung. Wir glauben, dass ein derartiges aktenmässiges Bestiegen administrativer Bestimmungen, deren Wirkung von cn Leidtragenden de facto schon längst gefühlt wurde, die Situation nur klären kann. Täuflings Freud und Leid Am 2.5 November erklärte der antisemitische Abgeordnete Werner im Reichstag dem Stenogramm zufolge: ..Meine Herren. Ic ton fait la musique. Ich weiss nicht, ob der Ton, den der Herr Abgeordnete Cuno angeschlagen hat. wohltuend auf das hohe Haus gewirkt hat. Mir gefällt entschieden besser der Ton seines Fraktionsgeitossen. des Herrn D r. Mujdan; er bat eine 11 harmonischere!: Klang.“ (Heiterkeit.) Das mag dem Herzen Dr Mugdans wohlgetan haben, umsotnehr. als mau ihn gm ade jetzt im Berliner Wahlkampf in taktloser Weise fortwährend an seine semitische Vergangenheit erinnert. Das ist ihm aber vor allem von seinen guten Freunden eingebrockt wurden, die sieb fiir den Täufling Mugdai! mit einer Wärme ins Zen« legten, die sieb mit ihrer Stellung als Beamte grosser jüdischer Verbände allzuseliwcr \creiubareu lässt. Die drei Ringe Während des Walilkampies erhielt Präsident Roo.scvelt tausende von Briefen, die ihn über die Religion des Präsidentschaftskandidaten Taft aniragten. Nunmehr hat Rooseve!! ei'icii oiieuen Brief in der Presse veröffentlicht, in dem es heisst: ..lc!1 habe alle diese Briefe nicht beantwortet, weil ich es als schimpflich betrachte, die Frage nach dem religöiseu Bekenntnis eines Mannes za diskutieren, um dadurch politisch zu beeinflussen. Einem Bürger mit Vorurteilen gegeniiberzutreten, weil er einer bistinmiten Konfession angehört, oder konfessionslos ist. wie cs Abraham Lincoln war. ist eine Beschimpfiuig uer Gewissensfreiheit, die ein Fundament des amerikanischen Lebens ist. Ich glaube, dass unsere Republik noch viel Jahrhunderte bestehen wird. ־ Und ich hege keinen Zweifel, dass unter ihren künftigen Präsidenten sich nicht nur Protestanten, sondern auch Katholiken und wahrscheinlich bald auch Juden befinden werden. In meinem Kabinett sitzen momentan Seite an Seite Katholiken. Protestanten. Unitarier. Methodisten. Presbyterianer und Juden. Jeder ist nach seinen individuellen Fälligkeiten Iiir den Platz, auf den ich ihn gestellt habe, erwählt worden. In keinen! einzigen Falle aber hat eines Mannes religiöser Glauben seine Ernennung irgendwie beeinflussen können. Man verlangt, dass Taft die Welt wissen lassen soll, wcleher Religion er sei. Ich aber sage, dass dies seine Privatangelegei-heit ist. eine Angelegenheit zwischen ihm und seinen Erzeugern, zwischen ihm und seinem Gewissen. Zu verlaugen aber, dass er öffentlich ein Glaubensbekenntnis ablege. Fiesse die ersten Prinzipien unserer Regierung negieren, die vola "mene religiöse Freiheit garantieren und jedem Manu das Recht Gewähren, in religiösen Angelegenheiten nach seinem eigenen Ermessen und Gutdünken zu handeln.“ Das verkannte Deutschland Dem in Boston erscheinenden GLOBE entnehmen wir folwende Notiz, über den amerikanischen Austauschprofessor. Dr. Adler an der Berliner Universität. ..Die Aufnahme Prof. Adlers, dessen jüdisches Stammestum. mul dessen Ausbildung zum indischen Theologen, im eifiziellcn Verzeichnis der Berliner Universität verzeichnet ist. bat eine mehr denn rein akademische Bedeutung. Als amerikultischer Professor an einer preusslsclien Universität empfängt er Ehren uad Auszeichnungen, auf welche deutsch-jüdische Professoren vergeblich warfen sollen. Eine Sendung wie die Dr. .Adlers überragt natürlich alle akademischen Abgrenzungen und seine Aufnahme seitens der demokratischen Intelligenz aer Berliner Universität muss einen merk liehen Einfluss auf das üfi entliehe Gew issen bezüglich der Gleichberechtigung vmü brüderlichen Velitiing der Juden ausübend* Angesichts solcher Illusionen erkennt man die Notwendigkeit des Instituts der Austaiisehprofessorei׳ das geeignet ist. hüben und drüben gegenseitig die Kenntnis der Volkspsvehe zu vermitteln. Eroberte Genneindestube Am 22. November fanden in Pilsen die Wahlen in den Vorstand und In die Umlagekotnmlsslon der hiesigen Kultiisgemeinde in den dritten Wahlkörper statt- Die t! %! t t | i I ו { ו 1 k i I » , p; > %, 4 \l I t , 1 fl i t 1.1 fו*ר.ומ!* 1HV41 ® *■'.^י7'7'י'י4יייוי** ■