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Jüdische Rundschau · 1908-11-27 · Heft 48 (27.11.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 48 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 475 Ein weisser Rabe Der Privatdozent an der Petersburger Kaiserlichen technischen Hochschule. N. F r i c d m a n n. wurde zum ordentlichen Professor an dieser Hochschule ertsannt. Es ist das seit Jahrzehnten der erste Fall, dass ein nicht-getaufter Jude in Russland in das Amt eines ordentlichen Professors berufen wird. Russische Cholerabekämpfung Die Gesellschaft zur Unterstützung: armer und kranker Juden in Riga wandte sich z. Zt. an die Stadtverwaltung mit dem Ersuchen um eine materielle Bcihilie zur Herausgabe einer in jüdischer Sprache abgefassten Broschüre ״Die Cholera und Ihre Bekämpfung". Die Bitte würde damit motiviert, dass die indische Bevölkerung in Riga ungefähr 40 000 Seelen betrage, von denen ein sehr grosser Teil nur die jüdische Sprache versteht und erst nach fünf Wochen (!!). als in Riga die Cholera bereits längst erloschen war, criolgte eine Antwort der hohen Behörde, und zwar natürlich eine ablehnende. Diese Entscheidung spricht Bände. Sogar angesichts einer solchen Gefahr, wie die Choleracpidcmie ist. deren Verbreitung unter den Juden doch auch iür die übrige Bevölkerung hätte im höchsten Masse gefährlich werden können, vermochte sieh der russische Tschinowjiik des altgc* wohnten Judenhasses nicht zu cntschlagcn. Die Lage im türkischen Reiche Herr E. W. Lcwin * Epstein, Mitglied des A.*K•. der erst jüngst zwei Monate in Palästina weilte (bekanntlich gehörte er zu den Gründern der Kolonie Rcehobotli). wurde nach seiner Rückkehr nach Amerika von einem Vertreter des AMERICAN HEBREW interviewt. Dabei üusserte er sich über die gegenwärtige Lage in Palästina wie iolgt: ..Die Jungtiirken sind jetzt noch zu chauvinistisch, um zuzulasseu. dass andere die industriellen und kommerziellen Möglichkeiten ihres Landes ausbeuten. weswegen sic mit der Erteilung von Konzessionen zurückhaltcn. Da sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um selbst die verschiedenen Unternehmungen auszuführen — und cs könnten sehr grosse Profite dort erzielt werden — sind die Dinge jetzt mehr oder weniger aut einem toten Punkt augclangt. Aber dieses wird nicht andauern. Wenn die Jungtürken wollen, dass das Land gedeihe und blühe, werden sie fremdes Kapital willkommen heissen müssen, und die ersten Investierungen, die zugelassen werden, werden die Machthaber überzeugen, dass cs im Interesse der Türkei liegt, die industriellen Möglichkeiten jedermann zugänglich zu machen und mehr und mehr die Einwanderung zu ermuntern. Vorläufig machen die Juiigtiirken hauptsächlich noch Schwierigkeiten bei der Vergebung grosser öffentlicher Arbeiten. Privatunternchmungen gemessen jetzt schon jede Begünstigung, und die Juden in Palästina werden darin in keiner Hinsicht behindert. Was die Kolonien anbetrifft, so habe ich überall eine deutliche Besserung der Verhältnisse wahruehmen können, und die indischen Kolonisten gemessen, tatsächlich ihr gutes Auskommen. Ich bin seit einer Reihe von Jahren nicht mehr in Palästina gewesen und seit der Zeit sind manche der Kolonien so gewachsen, dass ich sie nicht wiedererkannt habe. Uebcrall herrscht rege Tätigkeit und die Leute schauen sehr vertrauensvoll in die Zukunft." Grossen Eindruck macht aut Herrn Lcwin-Epstein der kulturelle Fortschritt, der iiberaii wahrztmelimen ist. Enthusiastisch äussertc er sich über die wachsende Bedeutung der hebräischen Sprache, die das allgemeine Bindeglied in Palästina geworden ist. Die Türkische Naiionalbank Hiesige Kreise sind seit einiger Zeit eifrig an der Arbeit, eine T ii r k i s c 11 c א a t i o n a I b a n k ins Leben zu rufen. Fs erhellt ohne weiteres, von welcher grossen Bedeutung die Gründung eines solchen n a t i 0 n a I e u F i 11 a 117. i n s t i t u t e s für die Türkei wäre. Man spricht davon, dass die Bank mit einem Kapital von etwa 3t!- Millionen türkischer Piund bcgründet werden soll, iiir das ein ansehnlicher Grundstock bereits gezeichnet ist. Leitende Männer aus Politik. Finanz und Handel treten mit ihrer ganzen Persönlichkeit für das Projekt ein. das demgemäss alle Aussicht hat. in kürzester Zeit realisiert zu werden. Hier wäre ein Angriffspunkt für jüdische Finanziers, der Türkei einen grossen Dienst zu erweisen, der jedenfalls bessere Früchte tragen würde als die Liebesdienste, die man Russland und der russischen Regierung erwies. Aber die jüdische Geschichte der letzten Jahre ist so überreich an verpassten Gelegenheiten, dass mau kaum zu hoffen wagt, es könnte plötzlich einmal im richtigen Moment das Richtige getan werden. Die türkische Konstitution und der Zionismus Der ״N. J. K.“ wird von einem gelegentlichen Korrespondenten aus San Francisco geschrieben: Die Besserung der zionistischen Aussichten unter dem neuen türkischen Regime beschäftigt andauernd die jüdische Presse Amerikas und steht im Vordergrund der jüdischen Interessen. Man bespricht die Erleichterungen im Landkauf, die Möglichkeit des Erwerbs grosser und wichtiger Ländereien, die bisher Krongut und als solches wenig bearbeitet waren, lind auch eine Reihe von Tatsachen der bisherigen jüdischen Kolonisation, die bis.jetzt wenig bekannt waren, dringen mehr und mehr in die Oeffcntlichkcit und bereiten so den Boden für eine kräftige neue Palästina-Propaganda vor. Aus dem Lande Israel Handarbcitskiirse In Jaffa. Durch die Bemühungen des Palästina-Amtes ist ein wichtiger Fortschritt im Schulwesen Jaffas zu verzeichnen. Als Dr. R u p p i n s. Zt. nach Palästina übersiedcltc. brachte er aus Berliner Handarbeitsgeschüiten Muster. Material und Auiträge iür weibliche Handarbeiten mit. Man hoffte damals, dadurch sofort einer Anzahl von Mädchen Beschäftigung und Brot gelten zu können, denn in Berlin verdienen junge Mädeben mit diesen Handarbeiten 2,50—3 Mark pro Tag, und in Jaffa wäre ein Verdienst von I Fr. täglich iiir ein junges Mädchen schon ein sehr erwünschter. Der Versuch ist alter trotz Auiwcndung von Mühe und Geld daran gescheitert, dass die jungen Mädchen hier von Handarbeiten absolut nichts verstehen und mit vierzehn Jahren mangels jeder Unter- Weisung und Übung ungeschickter sind als ein deutsches Mädchen von 6—7 Jahren. Dies wird hier allgemein als Mangel empfunden, nicht nur. weil cs die Mädchen .Vier Möglichkeit eines Verdienstes beraubt, sondern auch, weil sie später als Frau int eigenen Haushalt zu jeder Handarbeit für den eignen Gebrauch unfähig sind. ln Anerkennung dieser Verhältnisse hat das Palästina-Amt im Einverständnis mit dem A.-K. und zusammen mt dem Odessaer Komitee den Plan gefasst, die Schülerinnen der beiden oberen Klassen der Mädchenschule des Odessaer Komitees und eventuell noch andere geeignete Mädchen zu einem einjährigen Handarbeitskurse zu vereinigen. Diese Kurse haben inzwischen schon begonnen und stehen unter der technischen Leitung der Brau Hirszcnberg, der Witwe unseres jüngst verstorbenen grossen Malers. Die Absetzung des Chacham-Baschi von Jerusalem. Die in unserer vorigen Nummer gemeldete Absetzung des Chacham-Baschi Paniscl erfolgte durch telegraphische Verfügung' des Chacham-Baschi von Konstantiuopcl. Es ist nach nichts darüber bekannt, wer der Nachfolger des abgesetzten Chacham-Baschi werden soll. Es verlautet, dass in Jerusalem selbst kein geeigneter Kandidat zu finden ist. Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina Am 10. November fand in Berlin die erste Versammlung des anlässlich des achten Zionistenkongresses im Haag gegründeten Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina statt. Den Geschäftsbericht erstattete die Vor* sitzende Frau Professor War bürg. Der Verband, dem jüdische Frauen aller Kreise und verschie« dener Richtungen angeboren, umfasst gegenwärtig etwa 500 Mitglieder, hat in Berlin. Hamburg. Köln. Breslau. Königsberg i. Pr. sowie im Haag besondere Ortsgruppen begründet und findet bei den jüdischen Frauen und Mädchen überall grosse Sympathien. Er unterstützt gegenwärtig das jüdische Krankenhaus in Jaffa und hat die Schwester Früulein Tempclmann uls dessen Leiterin eingesetzt: er verfügt zur Zeit über einen Barbestand von 2500 Mark. Die Versammlung beschloss, eine straffe Zentralisation der Vcrbaudsleituug in Berlin und die Einleitung einer grosszügigen Propaganda. Zuschriften für den Verband sind zu richten an die Schrittfiilirerin. Fräulein stud. med. Resa Hirsch. Berlin NW- Flcnsbwrgerstr. 12. Geldsendungen an das Bankhaus A. H. x II c v m a n 11 & C 0.. Berlin NW. 7. Unter den Linden 59. Die Juden in Tunis Auch in die Jiidenhcit von Tunis kommt nun allmählich; neues Lehen. Am 5. November erschien hier die erste Nummer einer jüdischen Wochenschrift Xe De f cnseu r" (Redaktion: 28. Rue de Naples. Tunis), die das Organ der

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