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Jüdische Rundschau · 1908-11-27 · Heft 48 (27.11.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 48 ׳4f ־#סי? י ‘Jlf mfcjZs. •4■ •# Sjö^I rJ1׳r1UMSmM4u<^.<£Uw£ ii׳; L-^^־^!*;atecrSt*1fteÄ!1a»ste<ta JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 473!,unkt *denkt, auch iimner danach getrachtet. neue Vertraue abzuschlicssen. um diese Kraue neu zu regeln. Wir haben in allerletzter Zeit eine ungünstige Antwort aut unsere V«wschlaue crlialten und haben •jetzt Russland den Ausdruck unseres Wunsches übermittelt, eine vollständige Revision des Vertrages von IS.!״’ vorzunclunen. sowie eine dahingehende Ergänzung bcizuiiigen. dass Gegenseitigkeit der Rechte der Bürger beider Staaten, zu reisen und sich auizuhalten.' verbürgt werde. Wir haben unserer Ansicht Ausdruck verliehen, dass eine derartige Regelung der vollständigen Beendigung des Vertrages vorzuziehen sei. die ii׳r die Regierungen beider Länder die Möglichkeit schaffen würde, ohne irgendwelche Rechte 'dazustehen, mit Ausnahme der Schaffung eines neuen Vertrages. Die Politik, welche die Regierung i!« dieser Krage verfolgt, erscheint uns als die beste, das gesteckte Ziel zu erreichen, ein Ziel, von dem ich Ihnen die Versicherung geben kann, dass es die Regierung in eben demselben Masse verfolgt w ie Sie. In Kretmdschaft Ihr El ihn Root.“ ן Ueber Glaubenswechsel Aus Mannheim wird uns geschrieben: ..Ich habe dieser lag;־ im hiesigen ..Verein für jüdische Geschichte und *Literatur" einen Vortrag von Dr. Karpeles über ..Glatibenswcciiscl" gehört. Naeli meiner Ansicht ist der Kernpunkt nicht berührt worden. Kriiher sind die Juden für ilirct» heiligen (Hauben gestorben. Worin besteht dieser heiüge Glaub(? In der heiligen Bibel, und die Heiligkeit der Bibel besteht in ihrer (iöttüelikeit. d. 11. darin, dass sie unmittelbar von Gott gegeben w urde. Heute glaubt aber die Masse der Juden. s׳!w ie sie an der Zivilisation gerochen haben, nicht mehr an diese Heiligkeit, und die Bibel ist für sic nur noch ein Buch, welches die damaligen Kenntnissc der Jüdischen Geschichte, die damaligen ethischen Anschaumigen (die sich teilweise überlebt haben, so z. B. die Auffassung, dass die Arbeit eine Strafe Gottes sei), die Gesetzgebung auf den verschiedensten Gebieten zusammenlasst, vermischt mit Sagen. Märchen und Wundergeschiclitcn. wie sie in allen Religionen zu finden sind. Man stirbt aber nicht für eine Literaturgeschichte. Die Religion ist also nicht mehr imstande, das Judentum zu erhalten, mul ist es nicht zu verwundern, dass Leute, für welche der Glaubcnswechsel eine ..Lebensfrage" in weiterem oder engerem Sinne bildet, einen Schritt tun, der ihr Gewissen mir insofern berührt, als sie erklären, an ihre neue Religion zu glauben. Logischer und wahrhaftiger wäre es. aus der Jüdischen ״Kirche" auszutreten. ohne in eine neue cinzutrcteii. Das Verdienst des Zionismus ist es. in! Judentum die Begriffe Religion und Nationalität getrennt zu haben. Wem etwas an der Erhaltung des Judentums liegt, der kann nicht genug die Nationalität, das Volkstun! betonen, denn nur auf dieser Basis ist an eine Erhaltung des Judentums zu denken. ־־ Das Judentum w ird national sein oder es wird nicht sein. E. D. Kultuswahlen in Wien Aus dem Aufruf des oppositionellen WchlkotnUecs. ״Sonntag, den 22. November, finden die Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde statt. Es handelt sich um keine häusliche Angelegenheit der Wiener Juden. Es ist nicht gleiehgilfig. welchen Gebrauch die indische Bcvölkerung der führenden Gemeinde des Reiches und der grössten Westeuropas von ihrem Selbstverwaltimgsreehtc macht. Die sogenannten israelitisclieiiKultusgemeiudeu überschritten schon längst den ihnen oifizieli gesteckten religiösen Rahmen. Sie sind in Österreich nicht mir konfessionelle Körperschaften. Das jüdische (jemeindelcbcn. an Not mul Soigcn reich, erfüllte naturgemäss auch die Kultusstuben mit neuem Geist- Der Wirkungskreis eines jüdischen Gemeindcvorstaiidcs erstreckt sicli über Armen- und Schulwesen, umfasst Krankenfiirsorgc und Arbeitsnachweis. Auf allen diesen Gebieten ist ein breites Betätigungsfeld für jüdischen < iciucinsinii und jiidisches soziales Empfinden. Den israelitischen Kulttisgeiiieiudcn ist der ungelieinmte Weg der Entwicklung zu Stätten jüdischen Volkslebens klar vorgezeichnet. Es ist ein elementares Erfordernis der Demokratie und der Lebensnotwendigkeiten, dass alle Gruppen und Strömungen, die für eine gesunde Eortevistenz und Entfaltung des Juden- Volkes arbeiten wollen, in dieser Gemeindevertretung Sitz, und Stimme haben. Es ist ferner dringend geboten, dass die gesamte Verwaltung mul Verfassung der jüdischen Gemeinde eien Grundsätzen des Freisinns, denen alle Juden, auch die Kahalgewaltigcu angeblich huldigen, nicht ins Gesicht schlagen. Wir haben bereits mehrmals nachgewlesen, wie vieles in der jüdischen Gemeinde Wiens reformbedürftig ist. Es hat keinen Zweck, an! Vorabend der Wahlschlacht die Diskussion über moderne, von sozialpolitischem Geiste getragene Armenfiirsorge. Einigrantcnwcscn. zeitganässc Besteuerung und andere einer Lösung harrende Kragen und Probleme zu erneuern Einer Reform muss aber gedacht werden• Denn cs handelt sich um ein schreiendes Unrecht. Das W a 111 r e c ht in der Kultusgemeinde beruht auf der vierjährigen Entrichtung einer Minimalsteuer von g•' Kronen. Diese hohe Steuerzensus, diese unerhörte Sesshaftigkeitsvorschrift. ein unsinniges Kurien- System sind die Grundlagen der W iener «üdischen Gemeinde- Verfassung! Dazu noch eine brutale, alle Forderungen der Minoritätenvertrctung vci höhnen Je Listenwahl. Sämtliche Kultusräte werden der Mehrheit entnommen. Es gibt keine Wahlbezirke, keine Proportion, rein gar nichts! Die Opposition vereinigte im Jahre 190b —- 44 Prozent aller Stimmer. Sie errang keinen einzigen Sitz- Eine derartige Niedcrmctzclung last einer Hälfte der Wählerschaft sucht ihresgleichen. Ma.» braucht kein Zionist oder Oppositioneller zu sein, um den vereinigten Oppchitirnen den vollen Erüftg in ihrem schweren Kampf zu gönnen. Die Ehre des jüdischen Namens erheischt es. dass die brutale. rUcksichtsh.se, dem natürlichen Rcohtsbew׳usstseiii widersprechende Knebel u n g einer unzufriedenen Minderheit in der jüdischen Gemeinde Wiens ein Ende nimmt. Alle billig und rechtlich Denkenden haben die I ,flieht. - wir wagen die Behauptung, auch wenn sie den UonJeruiigen uer Opposition nicht zustimmen können. -- liir sic zu stimmen. Lin Zustand, der Entrechtung der breiten Volksschichten. eil. System der Ausschaltung ieder Opposition imd Kontrolle und der Zusammenfassung aller Macht, die ein Millionciihiidge; verleiht. in den Händen einer engen. Volksfremden Tischgesellschaft sind unhaltbar und einer |S1»(Km» köpfige•: jüdischen Bevölkerung un würdig.‘‘ Deutsche in Prag und Deutsche in Wien Die Geschichte der Juden ist so reich au tragischen Itouiert wie kaum eine andere. Eben haben wir wieder ein Beispiel davon erlebt. Zur seihen Zeit, wo in Wien sogenannte deutsch-nationale Studenten in zehnfacher Übermacht sich r.ui die Juden stürzen, die mit einem steinernen Treppengeländer in die Tiefe gestürzt sind und wehrlos daliegen. — früher erhob sich der Mut der Deutsch-nationalen nicht! — zur selben Zeit promenieren in Prag die ״deutschen" Studenten Cohn. Glesingcr und Kompagnie und demonstrieren i ii r das bedrohte Deutschtum Prags gegen die Tschechen. Und die deutsch-nationale Münchener ״Jugend" verherrlicht in einer hochtrabenden Hvrnnc den ״deutschen‘* Heldenmut der Prager Jünglinge (die in Wien ..Judenbengel" geruien werden!). So geht’s uns Juden. In Prag sind w ir Jie Schützer des Deutschtums, und in Wien werden wir von deutschen Feiglingen übcriallcn. weil wir ״den deutsch-nationalen Charakter der Universität gefährden.*‘ Bald sind wir der ״deutsche Kampfgenosse" — und bald sind w ir der ״Saujude“, dem ein anständiger Deutscher keine Satisfaktion gehen darf. Ist die Hofimmg vergebens, dass Colin und Kompagnie in Prag oder anderwärts endlich begreifen werden, was Selbstaclniing heisst? — — Der Erfolg der bosnischen Abordnung In voriger Woche wurde eine Abordnung spauiolischer Jaden aus Bosnien vom Kaiser Franz Joseph empfangen, dem sie ihre Beschwerden wegen der beabsichtigten politi- ל eben Zurücksetzung vortrugen. Die freundliche Antwort des Kaisers auf die Ansprache Josiia Saloms enthielt auch den Satz, dass die Juden überall ״ein Element des Friedens und der Ordnung waren. ‘״ Dem ist es zu verdanken, dass die christlicJi-sozialeu Blätter den Empfang der Deputation in der Hofburg oder die kaiserliche Aussprache unterschlagen haben. Nach der Audienz begab sich eine sicbcugliedrige Deputation zum'gemeinsamen E'inaiiziuitiister. Baron Burian, dem die bosnische Verwaltung unterstellt. Dem Minister wurde ein Memorandum über die Krage des Wahlrechts überreicht. in dem eine Vertretung für den Landtag verlangt wird. Unter anderem wird in der Denkschrift licrvorgeltoheu. dass die Juden in der ersten t ii r k i s e 11 c 11 K a 111 tu c r im Jahre Is76 zwei Vertreter hatten. Bann! Burian erklärte im Namen der Regierung, dass \ keine Absicht besteht, die Juden in ihren Rechten zu schmälern. Kr versicherte, dass den Juden, ebenso wie anderen Konfessioiien des Landes, ein Sonderwalilkörpcr ziierk iiint werden wird. Die Abordnung erreichte also eitlen vollen Erfolg, zu dem wir die Juden Bosniens beglückwünschen.

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