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Jüdische Rundschau · 1908-11-27 · Heft 48 (27.11.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite •412 No. 48 JÜDISCHE RUNDSCHAU mus, sondern aus Snobbismus ausschliesst Aber was die ABWEHRMITTEILUNGEN nie und nimmer verstehen werden, das ist der gemeinsame Grund beider Erscheinungen und der heisst Rischus. Zur Belehrung der MITTEILUNGEN wollen wir aber bemerken, dass der Jude ein Sprichwort hat, das besagt ״Jeder Goi hat Rischus“. Damit ist keineswegs gesagt, dass jeder Nichtiudc ein Antisemit sei, sondern nur dass er die Anlage zum Antisemitismus von der Geburt und Er- Ziehung her mit bekommen hat. Rischus ist aber eben die Anlage zum Antisemitismus. Diese ist nach dem jüdischen» Sprichwort in jedem Nichtiuücn immanent, freilich latent, vorhanden, und kann sich, wenn ein Anlass dazu vorlicgt, jeden Augenblick in virulenten Antiseruitisruus umsctzcn. Und dieser Rischus, den ganz freisinnige Politiker, wie der selige Eugen Richter und Lciizmann in gc-!lügendem Masse besessen haben, ist das Agens bei dem angeblichen Snobbismus der Amerikaner. Der Ausschluss der Juden, der mit der weniger vornehmen Form des cingcvanderten Juden nichts zu tun hat, ist um kein Härchen anders als in Deutschland, mir dass er so allgemein ist, dass mau das in Amerika nicht Antisemitismus neunen kann, weil dann eben die Mehrzahl der Hotels antisemitisch genannt werden müsste. Man Kami die Juden auch ohne Antisemitismus unterdrücken, wie das die Polen beweisen, die in Galizien keinen Antisemitismus nötig: haben, tun die Juden zu unterdrücken und olmmächtig zu machen und die in Posen ohne Antiseniitis• mus systematisch und gründlich die Juden wirtschaftlich verdrängen. Übrigens sind die Vorwürfe der MITTEILUNGEN gegenüber den ciugcwanderteii russischen Juden in Amerika sehr unbegründet. Die Juden werden in Amerika ebenfalls verleumdet. nicht weil die Amerikaner Snobbs. sondern weil die Juden Juden sind, weil sie als Nation keine nationale Heimat, weil sic als Volk keinen Boden unter den Eüsscn haben, ",ctui es ein jüdisches Gemeinwesen gibt, mögen die Amerikaner Snobbs oder Antisemiten sein nach Belieben, uns trifft es dann nicht. Kunascnau Das hebräische Kommando Der folgende Notiz entnehmen wir der JÜDISCHEN, ITIRNZEITUNG, weil sie für die immermehr sich erweiternde | Ausbreitung der kcbr;iisch.cn Sprache auch ausserhalb des Landes Israel bezeichnend ist: Sei einigen Jahren macht sich in weiten Kreisen unseres Volkes eine Bewegung geltend, die auf eine Neubelelumg unserer alten hebräischen Volkssprache hinxiclt. Der praktische Wert solcher Bestrebungen kann natürlich nur dann über den einer nationalen Kundgebung hinausgehen, wem» sich verschiedene Splitter unseres Volkes mit abweichender Mutter* spräche zu einer gemeinsamen Arbeit vereinigen. Wie von selbst ist das Hebräische im täglichen Verkehr Palästinas aus dem praktischen Bedürfnis der Verständigung erwachsen und man würde es dort für eine ungebührliche Belastung des Turnunterrichts ans.chcn, wollte ein Lehrer in einer anderen denn der ortsüblichen hebräischen Sprache lehren. Nun ist aber auch aus anderen Ländern der Wunsch nach einem Leitfaden der hebräischen Konnnandosprache an ans herangetreten, und wir hatten die angeführten Gründe zu prüfen. Da zeigte es sieh, dass auch hier, ähnlich wie in Palästina selbst, die gemeinsame jüdische Arbeit, die an den sprachlichen Grenzen nicht halt machen will noch kann, das hebräische Kommando fordert. Der Turnwart in den Balkanländern und dem weiteren Orient braucht cs. um unsere sepliardisehen Brüder mit den Aschkcnasim unter seiner Leitung | zu vereinen, und dort, wo in den österreichischen Kronlündern der Nationalitätciikampf wütet, bekräftigt cs die Neutralität unserer Turnbriidcr. Denn vom Turner verlangt man zuerst, dass er im Völkerstreitc Farbe bekenne, und unsere Brüder bekennen sich zur jüdischen. Wir haben seit Jahren die Bedeutung des hebräischen Kommandos nicht verkannt, waren uns aber auch der Schwierigkeit unseres Unternehmens voll bewusst. Wer sich nur ein wenig mit der Technik unserer deutschen Turnspracbc befasst hat, den wird ihre Eindeutigkeit, das bis ins kleinste durchge,f1ihrte Klangbild, mit Bewunderung erfüllt haben. Er wird aber auch erkannt haben, hier das Ergebnis jahrkingcr Versuche %*or sich zu haben. Wenn wir als׳) an die Ausarbeitung eines solchen Leitfadens gegangen sind, so kann cs sieh nur um einen ersten Entwurf handeln. Für diesen Versuch bieten sich aber unseres Erachtens die günstigsten Bedingungen: Unser Freund Orloff wird die in Bern und Berlin gemachten Studien im Jaffaer Schul- und Vcreinsturncn verwerten und erproben, und das so gesichtete Material einer* seits dem bedeutendsten Hebraisten Palästinas, andererseits dem breiteren Forum dr Turncrscliaft zur sprachlichen und technischen Vervollkommnung vorlegen. Neben unserem Leitiadeu soll ein zusammenhängendes hebräisches ^Lehrbuch des Turnens im l.clirbüeherverlag des Gymnasiums erscheinen. Alle jene aber, die schon jetzt unsere Arbeit durch Vor- Schläge unterstützen wollen oder die bereits über irgend welche praktische Versuche berichten können, bitten wir nochmals. sieh mit unserem Vcrbamlstuhiwarte in Verbindung zu setzen. ״Der jüdische Handwerker“ In Berlin erscheint seit kurzem unter diesen! Titel ein Monatsblatt, das als Organ des ..Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens*‘ von diesem Verein herausgegeben wird. Der Verein, der seit etwa 15 Jahren bestellt, hat den Zweck das Handwerk unter den Juden zu fördern durch den steten und regen Austausch der Erfahrungen, durch Bckäuipfiuig der leider bestehenden Vorurteile gegen Handw c r k u n d j ii d i s c h e Hand w erker, durch Einwirkung an massgebenden Stellen bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen tunlichst jüdische Handwerker zum Mitbewerb hcranzuzielieii, durch Förderung und Unterstützung aller Vorcinigungen. die sich der Hebung des Handwerks zur Aufgabe gemacht haben: durch Gewährung von Darlclm an Mitglieder etc. Zur nachdrücklichen Unterstützung aller Programmpunkte bat der Verein das genannte Blatt gegründet, und e>־ hofft, damit dem jüdischen Handwerkerstande ein Organ geschaffen zu haben, in dem dieser seine Wünsche mul Hoffnungen zum Ausdruck bringen kann. Angesichts der Tatsache, dass es In Berlin allein ungefähr 2000 selbständige indische Handwerker gibt, die sieb zum Teil in nicht gerade guten Verhältnissen beiiikleu. kann man dem Unternehmen nur von Herzen Erfolg wünschen. >ässe nach Russland Ucber das Verhalten der amerikanischen und der deutschen Jegierung in der Angelegenheit der russischen!Nisse wurde ürzlieh erwähnt, dass der prenssisclie Minister des Innern inem Anträge des Verbandes deutscher Juden, der um den *'ortfall des Religiensvermcrkes bei der politischen Auskuuftsrteilung über die Personalien der um einen Pass nach Russand naclisuchenden Reisenden petitioniert batte, -nicht entprcclien zu können geglaubt hat.“ Anders die amerikanische Regierung, die allerdings mit ihren Bemühungen bei der russi-;dien Regierung zunächst keinen Erfolg erzielt hat. sich aber nit der Ablehnung nicht zufrieden gezeigt hat. wie folgendes n der amerikanischen Presse veröüentUcUtc Schreiben des uuerikaiiischen Staatssekretärs El ihn Root beweist: ..Die andere Frage betrifft die Bestrebungen, von der russischen Regierung eine Sicherheit dafür zu erlangen, dass ille amerikanischen Bürger, die den Wunsch haben, Russland uit einem Pass zu betreten, ohne Rücksicht auf Glauben und Abstammung behandelt werden. Unsere Regierung hat stets auf eine derartige Behändung bestanden, und gerade diese Verwaltung bat wiederhf.lt Jie Aufmerksamkeit der russischen Regierung auf vorliegenden (Fortsetzung auf Seite •173.) I

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