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Jüdische Rundschau · 1908-11-20 · Heft 47 (20.11.1908) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 47 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU, Ho. 47 Seite 466 baute ihnen die Erfüllung einiger Wünsche zu und ersuchte sie. ruhig abznzichcn. Das Resultat wurde den Zionisten aut der Rampe verkündet, worauf diese das ..Makkabäer-Lied" sangen und sich zum Abzug in Viererreihen rangierten. Memorandum der jüdisch-nätionalenStudenienschafi an den Rektor der Wiener Universität_ Die jüdisch• nationale Studentenschaft protestiert auf aiis entschiedenste gegen das Vorgehen der deutsch-nationalen Studenten während der letzten Tage. In brutalster Weise wurden einige .lüdiselmationale abgci;meeu und. wenn sie aui die Präge, ob sie .luden seien, mutig ihre Nationalität einbekannten, misshandelt. Den Anlass für dieses pöbelhafte Betragen der Blüte der deutschen Kulturträger hot ein alter, tiefer Gegensatz. der seit der Zeit des sogenannten •AV a i d 11 <> i c ner B e s c 11111 s - ses” datiert. Seit mehr als U Jahren wird den Juden zufolge dieses Beschlusses die Phrc ahgesprochen. werden sie allen anderen Nationalitäten gegenüber für inierior und satisiaktinnstiüiähig erklärt. Die indischen Akademiker haben damals die ganze Zeit hindurch verachtungsvoll geschwiegen. Nur wenn die Gegner im Gciühlc ihrer U e h e r z a 11 I sie provozierten, haben sie den Weg der L!1 r e n 11 o t w c h r betreten und alle diejenigen gezüchtigt, die frech ihre Ehre antasteten. Sie haben es hierbei ängstlich vermieden, dui Kumpf aut die Alma mater zu tragen, und niemand kam! ihnen den Vorwuri machen. dass sie uen heiligen Ernst des Studiums und des akademischen Betriebes jemals gest•>rt haben. Doch der Ucbermut de־־ ..Kulturträger'‘ empfand schon diese Regungen der Notw ehr als Anmassung. Die vielen I alle von Züchtigungen der Beleidiger, die in der letzten Zeit vorkamen, wurden dem LigenJünkvl der dcutschuutioualcii Stildeuten unerträglich. Auel! in dem konkreten Palle ״Allemania" contra ..Kadimalr und in anderen Eällen sdiaiiten sich jüdischnatinnale Studenten die entsprechende und einzig mögliche Genugtuung ausserhalb des akademischen Bodens. Die Gegner aber überfielen mit Manncsniut und Mannesstolz In Horden einzelne, ahnungslose, aus den Vorlesungen kommende jüdische Studenten und misshandelten dieselben, bis sie blutüberströmt am Boden liegen blieben. Und dies alles geschah auf einem Boden, der. wie zahlreiche Rclcgatiotien in trälleren Jahren beweisen, seit jeher als akademisch er glit. Montag, den 9. November, hat Herr Kanzlcidirektor Dr. v. Blumaucr. der seihst einer Verbindung angehört. die Juden keine Satisfaktion gibt, diesen Boden für nichtakademisch erklärt. Nach seiner Auffassung ist jener Boden, auf w elchem Juden durch Deutschiiationale« täglich misshandelt werden; nicht akademisch. Die Polizei hingegen verweigerte ein P.inschreiten. mit der Begründung, dass der Ort akademischen Charakter trage. Die jüdischen Studenten wurden also von beiden Seiten für vogelfrei erklärt, eine Behörde hat der anderen die Verpflichtung zum Schutze zugeschoben. Die einzige Massregel. die getroffen wurde, war ein P a r b e 11 v e r b o t für die akad. Verbindung ..K a d i in a h." Sollte uns der Schutz der akademischen Behörden in unserer gerechten Sache nicht in wirkungsvoller Weise zuteil werden, so sind wir zu einem Schritte gedrängt, den w ir zw ar sonst p c r ho r r csz i c r e 11. zu dem wir aber in der Not. in welcher sich allenthalben unser jüdisches Volk und seine Akademiker befinden, gezwungen sind: zur Selbstwehr der Desperados. Die lüdiselmationale Wiener Studentenschaft. Eine jüdische Deputation aus Bosnien beim Kaiser In Wien wurde die Deputation der Spaniolen Bosniens und der Herzegowina vom Kaiser in der Hofburg in Audienz empfangen. Die Deputation bestand aus dl Mitgliedern, die sämtliche spaniolischen Oemeitiden der beiden Provinzen repräsentieren. Ihr Pnhver war Salo.non P.kndi-Sahnn, ein JSiähriger Mann, der schon vom Kaiser mit dein {־'ranz Joseph- Orden und dem goldenen Verdienstkreiiz und vorn Sulun mit dem Mcdschidijc-Ordcn dekoriert wurde. Er erfreut sich in seiner Heimat grossen Ansehens und hat dem ersten türkischen Parlament, das sich auf (irund der Midhadschen Verfassung konstituiert hatte, angehört. Die Auiiahrt der Spaniolen in der •Dofburg, von denen einige im schwarzen Salonanzug mit dem Pez auf dem Haupte, die anderen aber in ihrer ganz eigenartigen, bunten, heimatlichen Tracht erschienen, erregte viel liiieresse. Der Piihrer der Deputation richtete an den Kaiser in deutscher Sprache eine Huldiguugsaureüe. in der er zunächst den Dank für die Annexion zum Ausdruck brachte. Die Spaniolen wollen ihre Loyalität au den Stufen des Thrones verkünden. Die Spaniolen leben in den Provinzen in brüderlieber Hinfracht mit den anderen Nationen, arbeiten mit ihnen zum Wohlc des Landes und werden dies auch aus voller Seele und mit allen Kräften in •Zukunft tun. um die Kultur und die Wirtschaft in diesen Ländern konseuuent zu heben. Wir sind ein ruhiges Volk bemerkte der Sprecher - und werden es unter den Segnungen der Kultur auch fortan bleiben. Der Kaiser antwortete: ..Ihr Lrsclicineu und der Ausdruck Ihrer loyalen Gesinnungen gewähren mir aufrichtige Bcfriedigimg, da cs mir wohlbekannt ist. dass Ihre Glaubensgenossen stets ein Element der Ordnung in ihrer Heimat gewesen sind. Durch die fortgesetzte Betätigung der bürgerlichen Tugenden in brüderlicher Lintraeht mit dem gesamten Volke Bosniens und der Herzegowina werden Sie auch in Zukunft ein wert* voller Paktor des kulturellen und wirtschaftlichen öffentlichen Lehens bleiben. Meines landesväterlichen Wohlwollens mögen Sie hei Ihren patrotischcii Best, ebungen versichert sein." Die Antwort des Kaisers wurde mit Zi.io-Rufen aufgen;um!;en. Hierauf zeichnete• der Monarch alle 31 Mitglieder der Deputation durch Ansprachen aus. Die huldvolle Auinähme :nachte au: die Deputation tiefen Lindruck. Soweit der amtliche Bericht. Aus der Antwort des Kaisers geht nicht hervor, ob die Njihi Juden der neuen Reichslandc als eigene nationale Gruppe aufgefasst werden und demgemäss hei der Aufstellung der W ahlkataster Berück- Getaufte Juden Die katholische KÖLNISCH!; VOLKSZLITUNO erhält zu dem Kapitel (ictaufte Juden von einem Preundc ihres Blattes aus Ungarn folgende Mitteilung: Ungarn hat ein bedeutendes, atiistrebeudes Judentum. Die Intellektuellen wählen seit Jahrzehnten dieselben Wege, um in ihrer Lauibaim vorwärts zu kommen, wie in Preussen. Dass es sich auch in Ungarn sehr häufig nicht um Ucberzeugung. sondern vielfach um eine Spekulation handelt, heweise!! folgende Tatsachen: 1. Dass die übertretenden Intellektuellen meistenteils einen einflussreichen Mann, nicht selten einen Bischof oder Minister, als Taufpate aufsuchen: 2 dass die Taufe oitmals nur kurz vor Berufung auf einen Lehrstuhl von einer höheren Lehransalt mit konfessionellem Charakter, oder vor Lrncnnung in einem Amte geschieht: 3. dass der Prozentsatz der ztim Protestantismus übertretenuen Juden irüher. als die Regierung die katholische Volks- Partei mit allen Mitteln hekämpite. die Zahl der katholisch getauften Juden mehrfach überflügelte: seitdem aber, dass die katholische Partei in die Koalition zur Regierung kam, hat die Sache sich ganz umgekehrt entwickelt; 4. mit einigen getauften Juden, besonders mit Professoren, hat man bittere Lriahrungen gemacht. Die waren gute Christen, bis sie den Lehrstuhl erworben hatten, später aber haben sie sich nicht nur in Schriften als Atheisten entpuppt, sondern in atheistischen IBewegungen die Piihrerrolie übernommen. Freisprechung der beiden Brodsky In dem bekannten Prozess gegen die beiden Sühne des jüdischen Millionärs Brodskv. die während des Kiewer Pogroms auf die Hooligans geschossen und einen derselben schwer verwundet batten, wurden die beiden Angeklagten dieser Tage von dem Kiewer Bezirksgericht f r c i g csprochen. Dar:t sind'glücklicherweise die Befürchtungen beseitigt, dass sogar diese Notwchrhaudlungcn den Juden noch als Schuld angerechnet werden könnten. Ls ist bezeichnend, dass man in Russland auch diese Selbstverständlichkeit noch besonders anerkennen muss. ״Die Neue Türkei“ Die seit Anfang September d. Js. in Konstantinopel erscheinenden deutsche Tageszeitung ״Oie Neue Türkei" wird mit der von dem Berliner Redakteur Grunwald herausgegebenen deutschen Tageszeitung 0״ s in a 11 i s c h e r L10 y d" verschmolzen. Der ״Osmanischc Lloyd" dem vom deutschen R’e i c h s k a n z 1 c r aus dem Dispositionsfonds des Deusches Reiches eine S u b v e n - t i o n von 100 000 Mark bewilligt wurde, wie die ״N. J. K.“ bereits vor einigen Monaten zu melden in der Lage war. wird bereits Mitte November zu erscheinen beginnen.

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