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Jüdische Rundschau · 1908-11-13 · Heft 46 (13.11.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 457 Stützungen ,behufs Einrichtung von Viehziichtcrcien zu wenden. Wird ihnen diese Unterstützung gewährt, so dürfte sich ihre Zukunft sehr gut gestalten. Ausserdem gibt es ganz junge jüdische Siedlungen in der Nahe von Princc Albert und eine im südlichen Manitoba. Die Kolonisten gehen auch hier zielbewusst vor und der Boden ist gut. so dass aller Grund vorhandcti ist. anziinchmcii, dass ihr Unternehmen erfolgreich sein werde. Ausser diesen jüdischen Kolonisten kam auch eine grosse Anzahl von Juden ins Land, die über Kapital verfügten. Diese kauften sich selbst Landstüekc in der Nähe der Stadt Winnipeg, woselbst sic sich als Farmer betätigen, Gärtnerei und Obstzucht im Grossen betreiben und durchwegs gute Erfolge erzielen. Ein jüdisch-politischer Klub in Kanada In Kanada werden demnächst Lanutagswahlcn stattlinden und es ist wohl heute das erste Mal. dass die Juden als selbständige politische Partei in den Kampf einzugreifen entschlossen sind. So hat sich in Toronto ein ״Hcbrew Indcpcndant Political Club“ gebildet, der entschlossen ist. an der bevorstehenden Wahl aktiv tcilxiinchmcn. Aus einem Aufrufe des Klubs an die jüdische Bevölkerung von Toronto geht 11ervor. dass es in Toronto jetzt 40011 jüdische Wälder gebe, die entschlossen sind, im politischen Leben die ihnen gebührende Rolle zu erwirken. Die jüdischen Wähler werden nufgefordert, ,nicht jedem beliebigen Kandidaten ihre Stimme zu geben, sondern zu iordern. dass die Kandidaten aller Parteien in jüdischen Wälderversammlungen ihr Programm entwickeln t:ml bezüglich ihrer Haltung den Juden gegenüber bindende Erklärungen abgeben. Erst von diesen Erklärungen wird es ablniugeii, liir welchen Kandidaten die Juden sich einsctz.cn werden. Ein ״guter Jude“ Der ״N. J. K.“ wird unter diesem Titel geschrieben: Als einen solchen bezeichnen viele jüdische Blätter den kürzlich in London verstorbenen Fat her Ignatius. Der Verstorbene gehörte zu den nicht ganz seltenen Erscheinungen in der englischen Christenheit, die jüdischen Dingen ein tiefes und wahrhaftiges •Interesse und Verständnis entgegenbringen. Der Umstand, dass solche Anschauungen vielfach auch als Deckmantel iiir Tauihcstrchungen benutzt worden sind, hat die Juden natürlich äusserst misstrauisch gemacht, und wenn jetzt Juden aller Schattierungen die Verdienste des Vcrstorbenen, der so oft seine grosse Autorität zugunsten der vcrfolgten Juden eingesetzt hat. übereinstimmend würdigen, so ist das wohl ein hinreichender Beweis iiir die Existenz einer ehrliehen — sozusagen wahrhaft-christlichen — Sympathie für die jüdische Sache und die jüdische Nation. Der jüdischen Sache werden, wenn sic von jüdischer Seite ernster und zielbewusster als bisher vertreten wird, noch viele christliche Helfer erstehen — und nicht nur in Eng- 1:1 m! ...» Eine Konferenz Der ..N\ J. K.“ wird geschrieben: Der Präsident des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation. Herr W'o I f f so h 11. begab sich anfangs letzter Woche mit Herrn N. So ko low nach Paris, wo er mit Herrn J. II. Kan n-Haag und Herrn Dir. N. K a t z c 11 e I s o h n - Libau eine Zusammenkunft hatte. Die Herren benutzten diese ׳Gelegenheit, um in Anwesenheit der Herren Dr. Max N o r d a u und Dr. Alexander Marmorck und der aus London eiugetroffeneii Herren J. Co wen und I. L. Greenher!׳ die durch die gegenwärtigen Ereignisse gegebene Lage nach allen Richtungen gründlich zu erörtern. — Uehcr die Ergebnisse dieser Beratungen verlautet einstweilen noch nichts, sodass alle bisher zirkulierenden Gerüchte auf blossen Vermutungen beruhen. Israel Zangwills ״Schmelztiegel“ Aus N c w V' o r k w ird der ״N. J K.“ von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Das neue Stück des bekannten Autors hat in Amerika nicht ganz die Aufnahme gefunden, die wohl zu erwarten gewesen wäre, und zwar nimmt Herr Z.uigw ill au. dass dies auf die grosse Unkenntnis zurilckzuführen sei. mit der das allgemeine. Publikum (und auch die allzu ״modernen“ Juden) jüdischen Sitten und Gebräuchen gegenühersteht. Er ist daher auf den guten Ausweg verfallen, das Stück umgearbeitet i n E o r m einer Novelle erscheinen zu lassen, in der natiirlieb viel mehr ״erklärt" werden kann, als auf der Bühne. : Zangwill beabsichtigt, das Buch dem Präsidenten der Republik, Theodore Rooscvelt, zu widmen, der als ein guter Kenner des Ncw-Yorkcr Ghettos und auch der Lage der Juden in Ostcurona gilt. ¬# ■ •*-יי» •** * •י ׳ ז** %• '״ » Eine ״Immunität“ der Juden gegen Krankheiten Auf dem internationalen Tuberkulose-Kongress in Washington hat kürzlich Dr. Maurice F i s h b c r g (New׳ York) einen höchst interessanten Vortrag über die ״Tuberkulosc bei den Juden“ gehalten. Er weist auf die erstaunliche Tatsache hin. dass trotz schlechtester Wohn-, Arbeits- und Lebensbedingungen, die bekanntlich unter den ärmeren Klassen der Juden vorherrschen, statt einer grösseren eine viel geringere Sterblichkeit der Juden an Tuberkulose naehzuweisen ist. Es sterben jährlich an Tuberkulose pro 10 000 Seelen: Juden Christen In Berlin 9.81 21,(56 ״ Wien 17.9 36,7 ״ Budapest 21.93 40.01 .. Krakau 2U.49 66,41 ״ Lemberg 30.64 63,51 .. Rumänien 25.6 38,7 .. London 13.3 17.9 ״ New York 17.24 23.94 Im Gegensatz zu anderen Forschern, die den jüdischen Snc : sege sc tz c n% einen wesentlichen Anteil an dieser verhältnismässigen Immunität der Juden beimessen, behauptet Fishberg, dass die Juden Westeuropas und beispielsweise auch die der vornehmen Wohnviertel New Yorks, die meist die Spciscgcsctzc n ich t oder doch in geringerem Masse beobachteil, diese Sterblichkeit eine noch kleinere ist. als unter ihren ökonomisch schlechter gestellten, dabei aber orthodoxen Volksgenossen. Nach Fishberg ist die Hatiptursache der geringeren Sterbliehkeit der Juden darin zu suchen, dass sie — wenigstens die europäischen und amerikanischen Juden — ihrer überwältigenden Mehrheit nach seit sechzig Generationen S t ä d t e b c w o h n c r sind. Hierdurch hätten sie sielt gründlieh ״verstfidter t“ und ihren Organismus dem Stadtleben derart angepasst. dass alle die Schrecken der Uebervölkerung und unsanitärcr Zustände, die bei mindergewöhnten Organismen Schwindsucht und andere Krankheiten zeitigen, für die Juden fast ihre Bedeutung verloren haben! Das auffallendste Beispiel iiir anderes Verhalten einer ländliehen Bevölkerung, die in unsanitäre städtische Verhältnisse kommt, bilden die italienischen Viertel New Yorks, wo die Sterblichkeit an Tuberkulose eine geradezu erschreckend hohe ist. Nach obigem ist es klar, dass Fishberg auch e i g e n t - :1 i c 11 e R a s s e - E i g e n s c h a f t e p. . die meist zur Erklärung dieser und ähnlicher Tatsachen herangezogen werden, ablehnt. Er tut dies auch mit dem Hinweis darauf, dass Mischheiraten solche Rasseueigenschaften (wie z. B. im Falle der Immunität der Neger gegen das gelbe Fieber, die bei den Mulatten usw. verloren geht) auslöschen, dass aber gerade bei den Ber - I i n e r Juden, wo Mischheiraten am 11 ä u i i g s t c n sind, die Sterblichkeit der Juden unter allen die geringste ist. Am Grabe des Esra Einem Reisebriefe durch Mesopotamien und Babylonien des bekannten Oricutrciscndcn Eduard Mygind entnimmt die N. J. K. lolgende interessante Schilderung: ״Etwa eine Tagereise von B a s r a befindet sich hart am l'fcr des Stromes ein israelitisches Nationallieiligtum: eine bunte Kuppel, wie sic irgendeiner Moschee angeboren könnte, erhebt sich in einem kleinen Garten, in dessen Nähe eine Reihe äusserst fensterreicher, also nicht mohammedanischer Karawanscreieu und Privathauser steht. Das ist Tiirbc-el-Usair. kurzweg Usair genannt. Esras Grab! Alljährlich pilgern 'lausende von Juden aus Basra, Bagdad und den Uferstädten hierher, um während einer Woche, gewöhnlich von einem Dampfer zum anderen, ihre Andacht am Grabe des Propheten zu verrichte«, und eine ganz Kolonie streng ritueller Logis- und Speisewirte. Händler und sonstiger ..Unternehmer“ hat sich dort angesiedelt, unbelüstigt durch die Beduinen und die Behörden, denen das Grab des ״Mar Usair" ebenfalls eine Art Heiligtum ist. und sorgt für die Verpflegung ihrer Religiousgenossen. Noch ehe unser Dampfer vor dem Orte Halt machte, stürzten sich die ungeduldigsten der Pilger in den Fluss, erkletterten schwimmend das Deck und umarmten wassertriefend die Verwandten und Bekannten, die sie gerade vor fanden. Wir hatten nicht viele an Bord, die nach Hause

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