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Jüdische Rundschau · 1908-11-13 · Heft 46 (13.11.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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rr-r.••• «Am h! : ׳0 Seite 452 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 46 teil, wird Ihm diese Kenntnis die Quelle der schönsten Stunden seines Lebens. Wir können daher nur dann an wahren Ernst monistischer Ucbcrzcugung glauben, wenn bei uns der Eifer für die hebräische Sprache aus lobenden Reden und dem Stolze über ihr Aufblühen in Palästina sich an das Lernen der Sprache umsetzt. Sonst laufen wir Gefahr, dass unser angeblicher Stolz auf das Hebräische zur Phrase wird. Und wir sollten der Redensarten eigentlich genug haben. Wir stehen am Anfänge eines Winterhalbjahres, in dem wir uns recht flcissigc Arbeit für den Zionismus zum Ziele gesteckt haben. Möge diese Arbeit ihren ersten Erfolg in der Verbreitung hebräischer Kenntnisse m unserti eigenen Reihen finden. Unsere Freunde, die im Zionismus nicht bloss eine nationale Bewegung, sondern eine Rückkehr zu früheren Formen jüdischer Geschichte erblicken möchten, erinnern wir an das Wort unsere Weisen רא עם הארץ הסיד, in dein sie kund tun, dass sic ivetnanden fiir fromm erachten wollten, der im Hebräischen unwissend sei Ob man daher das Judentum vom nationalen oder von irgend einem andern Standpunkt hetrachten will, immer drängt sieh uns die Notwendigkeit und der hohe Wert des Hebräischen gelvcterisch auf. Aus der Sprache, in der unsere Propheten die Lehre von der Gerechtigkeit verkündeten, wollen wir das Rüstzeug holen, tun den Stamm der Menschheit zu erhalteil, der der Träger dieser Lehre ist. E1 i A q 1 in. Wie agitieren wir? ,.Zur Arbeit״ ruft uns der Leitartikel in einer der letzten Nummern unseres Zentralblatts D1F. WELT. Der Appell hat diesmal etwas mehr Bedeutung als die der Jahreszeit gernässe. Die geschichtliche Entwicklung ist an Jahreszeiten nicht gebunden und während wir Rast machten, um neue Kräfte fiir die schwere und manchmal undankbare Aufklärungsarbeit unserer Stammesgenossen zu sammeln, hat eine höhere Macht das Problem, für dessen Verständnis in den jüdischen Volksmassen wir seit mehr als einem Jahrzehnt arbeiten, mit einem Schlage in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Jeder, der Volks Stimmungen zu beurteilen weiss, wird etwas von den gespannten Erwartungen verspüren, die gegenwärtig in der Judcnheit vorherrschen und sie mehr als je fiir die zionistische Saat empfänglich machen. Es wäre unbillig von unserer Leitung mehr als allgemeine Direktis׳en für die Arbeit des Augenblicks zu verlangen. Jede Organisation, jeder Parteigenosse muss selbst w issen, wie zu arbeiten ist. Dass aber jetzt die Voraussetzungen fiir eine erspriessliche Werbearbeit auf breitester Grundlage und in intensivster Weise vorhanden sind, werden auch diejenigen nicht leugnen können, die — wie es leider in vielen Orten der Fall ist — seit Jahr und Tag in Passivität verharren und vielfach die Arbeit der andern hindern. An der Hand eines lehrreichen konkreten Beispiels möchte ich einiges über unsere Methoden der mündlichen Agitation sagen. Bisher hatten wir nur zw׳ci allgemeine Arbeitsmethoden: Die Versammlung und die Agitation von Mann zu Mann. Beide sind, wenn gut vorbereitet, von Wirkung, aber beide haben sich in gewisser Beziehung als unzulänglich erwiesen. Die Wirkung der Versammlung verpuiit. wenn sich beim neuen Versammlungsbesucher nicht unmittelbar die Lektüre der Parteilitcratur anschliesst. In dieser Beziehung muss man aus Erfahrung sagen, dass viele Versammlungen einen relativen Erfolg für die konstante Vermehrung unserer Parteianlüinger bedeuten. Aber auch einen anderen, nicht unwesentlichen Nachteil hat eine Versammlung. Nicht immer gelingt cs, gc wisse Disharmonien, die die Diskussion hervorrm't. zu vermeiden. Auf uns selbst macht dies natürlich keinen besonderen Eindruck, aber jemand, der das erste Mal in eine solche Ver- Sammlung kommt, gewinnt dadurch sehr leicht eine ialschc Vorstellung vom Zionismus und ist fiir uns verloren. Dabei spielt, wie alle Versammlungsteilnehmer wissen, das Gefühlsntoment eine grosse Rolle. Doch will ich durch das Gesagte keineswegs die Bedeutung von Versammlungen für die Propaganda im allgemeinen unterschätzen. Bei der Agitation von Mann zu Mann sind die Erfolge — besonders aber die materiellen — entschieden nachhaltiger, aber bei dem Mangel agitatorischer Einzelkräfte kann diese erprobte Methode noch lange nicht das fiir uns sein, was sic unter Umständen sein kann. Es tritt aber noch ein anderes Moment hinzu, nämlich das suggestive. So sehr juan im Privatgespräch jemanden . überzeugen kann. einen s״ schwierigen Stand hat inan mitunter durch Einwiirie, die leicht zu einer gereizten Antwort hinreissen, da inan sicli dem Einzelnen gegenüber doch nicht jene Mässigung auferlegt, die in der Versammlung selbstverständlich ist. Andererseits geht von der Versammlung seihst eine Suggestion aus, die den Neuling mit sich fortreisst und ihn zu uns iiilirt. Es gibt aber noch eine t|rittc Methode der Propaganda und die scheint mir. so wenig sie vielleicht bis jetzt erprobt wurde, die wirkungsvollste. Das ist die Agitation im kleinen Zirkel. Ich will hier das oben erwähnte konkrete!?eispiel anfiihren. Ein Gesinnungsgenosse, der selbst kaum ein halbes Jahr in unseren Reihen steht, aber trotz dieser kurzen Zeit (ein drastisches Beispiel von der lebendigen Kraft der zionistischen Idee) in wirkungsvoller Weise agitatorisch tätig ist, ersuchte mich, mit ihm einen Emptangsahcnd in einem jüdischen Privathause zu besuchen. Es kamen da etwa 15 Personen —• Damen und Herren in verschiedenen Altersstufen -- zusammen, die eine Art Kränzchen oder Kegelklub bilden. Der erwähnte Gesinnungsgenosse wurde von einen! Herren, der diesem Klub angehort, ersucht, einen kleinen Vortrag über den Zionismus, der fast allen so ziemlich eine terra mcognsta ist. zu halten. Wie ich nachträglich erfuhr, finden diese Zusammenkünfte regelmässig während des Winters statt und haben einen durchaus geselligen Charakter. J)ie meisten Anwesenden gehören dem Kaufmannsstande an und besitzen, soviel man aus den Gesprächen entnehmen kann, die Intelligenz des jüdischen Mittelstandes. Bevor der Vortrag beginnt, die üblichen ironischen Bemerkungen über Judenstaat, jüdische Regierung. Minister ctc. Aber kaum'fängt der Gesinnungsgenosse au zu sprechen, verschw inden die lächelnden Gesichter und der Vortrag findet die konzentrierteste Aufmerksamkeit. Um es kurz zu sagen, die-Sache war 1'iir uns ein voller Eriolg. Nachdem er in diesem engen Rahmen stattfand, konnten wir gewisse Vorbereitungen treffen, die in einer grösseren Versammlung nicht so leicht sind. Die meisten Bücher und Bilder des Jüdischen Verlages konnten von allen mit Müsse betrachtet werden und cs wurden sofort von verschiedenen Anwesenden Bestellungen aufgenommen. Auch die WELT wurde abonniert und die ganze Gesellschaft freut sich bereits, an unserer nächsten grösseren Versammlung teilzunehmen. Soweit das Tatsächliche. Welche Schlüsse können wir nun daraus ziehen? Zunächst den, dass die Propagierung des Zionismus vor der Gesellschaftsstube nicht Halt machen darf. Viele Zitmisten, insbesondere in Deutschland, finden es unpassend, in guter Gesellschaft, deren Unterhaltungston mitunter viel zu wünschen übrig lässt, über ernste jüdische Probleme zu sprechen. Auel! in den! erwähnten Zirkel verhält cs sich so; seit Jahren pflegt man da die Geselligkeit, aber den ersten genussreichen Abend hat, wie fast alle versicherten, die ernste Auseinandersetzung über den Zionismus gebracht. Auch das äussere Milieu trägt viel zum Gelingen bei. Im Salon mildert sich die Form der Diskussion und man kann siel! wirklieh aussprechen. Und noch eines: Man kann hier mit den Gciiihlsimpondcrabilien operieren, wie sonst nirgends, zumal man ja vorher ein w enig die einzelnen Personen kennen lernt. Zum Schluss noch etwas, w as auch fiir andere Agitationsmethoden gilt. Lcbc-iw inden wir doch endlich die Abneigung, früher Gesagtes zu wiederholen! Wir müssen 1111s dazu auiraffen, immer wieder vom Anfang zu beginnen. Vergessen wir nicht, dass es für uns eine fiir Jahrzehnte unerschöpfliche Duelle allein in den zionistischen Schriften Ile:/!s gibt. Jeder Versammlungsrediier wird es bestätigen, dass die grösste Wirkung auf den Einzelnen, den kleinen Zirkel und die grosse Versammlung bis jetzt immer noch mit Herzt ausgeübt wurde P . . . . k. Kunascnau Ein Anlass zu Sorge und Tat Aus Bosnien kommt eine Nachricht, welche geeignet ist, in jüdischen Kreisen lebhafte Beunruhigung hervorzurufen, urJ Anlass genug wäre, alle jüdischen Parteien gegen einen gemtiusameu äusseren Feind znsammenzuscliliessen. KiirzliJi registrierten wir die Meldung, dass die Wahlen zutn kommenden Parlament des Okkupationsgebietes, Bosniens und der "*•wmf me*-■pw יוי

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