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Jüdische Rundschau · 1908-11-13 · Heft 46 (13.11.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 ד v1 Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT «lertetjihrllch: f. durch di« Expeditl«n: •) In Berlin —,90 Marx. b) nach aus- •Irti 1,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. t kn PetUbenntmint: 1,25 Mark. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Varltg JGditche Rundschau, E. 0. m. b. H. Berlin S.W. 68, Zimmerstrisse 77 Insertlonsprets die »lergespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Pernsorecher: Moabit, 3587. Ocichittiatuadan der Bzpedltlea täglich (ausser Sabbat und Sonntag) nachmittags 3—7 Uhr. Alle Rechte »orbehalten. Abdruck aus der JÜDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. t 1' i: t; I 1 - * ״ t *. i f; I Nummer 46 Berlin, 19. Cheschwan 5669 13. November 1908 xni. Jahrgang! f. i t ׳■i c I' Die Grundlage des Nationalismus Die Nation!ist ein historisches Produkt, und nie־ inaud anders als der Historiker sollte bestimmen, was eine Nation ist. Darum entstehen nationale Bewegungen im engsten Anschluss an die Volksgeschichte und die jüdisch-nationale Bewegung, die.im Zionismus nach dem Ausdruck!ihrer Ideen ringt, ist ein Ergebnis und die wichtigstc Folge der historischen Studien und des geschiehtliehen Sinnes, der im neunzehnten Jahrhundert in einem Teile unseres Stammes erwachte. Wer also jüdisch- ' nationale Gesinnung als die ieste und unerschütterliche Grundlage der zionistischen Bewegung pflanzen will, muss an die Quelle dieser Gesinnung gehen und den historischen Sinn durch historische Kenntnisse •wecken. Denn ohne Wissen von der Geschichte ist eine ernste Auffassung nationaler Ideen unmöglich. Daher sollte jeder von uns, dem es ernsthaft um die nationale Grundläge unserer zionistischen Ziele zu tun ist, daran denken, erst einmal bei sich selbst, dann aber bei den anderen durch Kenntnisse von der Geschichte den nationalen Sinn zu pflegen, der nichts anderes ist, als das Bewusstsein des innigen unzertrennlichen Zusammenhanges aller Geschlechter des Stammes in allen Zeiten. Wenn aber so die Geschichte und ihre Kenntnis das I feste Band *ist, das die Nachkommen an die Väter knüpft, י so ist sie zwar das wesentliche Moment der nationalen Anj schaumig, aber doch nicht das einzige. Denn auch ein/ ganze Reihe anderer Momente wirken insoweit zur Erzielung nationalen Sinnes mit, als sie eben auch nur Seiten der Geschichte sind. Dahin gehört das ganze! volkstümliche Schrifttum. Die Literatur, vor allem die klassischen Bücher jüdischen Geistes, geben ja den besten Spiegel jüdischen Wesens, und sie s'nd die ' Quellen, aus denen wir die Kenntnisse unserer Vcrgan- ' genheit schöpfen. Insofern kommt den Literaturdenk-! malen als den eigentlichen Geschichtsquellen mehr Bej deutung zu, als den Darstellungen der Geschichte, da sie ׳ die alte Geschichte unmittelbarer aufleben lassen, als jede 1 aus ihnen schöpfende Darstellung. Denn die beste Hypoj thesc hat doch einen zweifelhafteren Wert als eine mittel- 1 massige Ueberlieferung. | Diese liiteraturdenkmalc sind zum grossen Teile , und vor allem in ihrem wichtigsten Bestände in die : meisten Sprachen der Welt übertragen und jeder in dem f eigenen Wissen noch so unwissende Jude kann sich ein Bild ihrer Schönheit in einer Ucbersetzung verschaffen, ohne dass damit gesagt werden soll, dass cs nicht viele unter uns gibt, die sich für gute Zionisten halten, wenn sie sogar nicht einmal die Bibel in Ucbersetzung gelesen haben, ausser dem, was ihnen die Schule zufällig gegeben hat. Aber ein wahres und unverfälschtes Bild bekommt man von der biblischen Literatur nur, wenn man sie in ihrem originalen Texte lesen kann. Dazu bedari cs aber der Kenntnis des Hebräischen, das zugleich für andere Perioden jüdischen Geisteslebens, dessen Quellen nicht in Uebersetzuugen vorlicgen, absolut unentbehrlich ist. Hieraus ergibt sich der ungeheure Wert der hebräischen Sprache auch für alle die Zionisten und Juden, für die nicht wie im Lande Israel das Hebräische als die neuerwachsende Einheitssprache der Nation gebieterisch inbetracht kommt. Dass ohne die intensive Pflege des Hebräischen ein Aufblühen nationalen Lebens in Palästina unmöglich ist, das kann niemand bezweifeln, der auch nur einen Blick nach dem Orient hincingeworfen hat, das muss auch jeder verstehen, der aus der Geschichte gelernt hat, dass der mächtigste Faktor, eine Nation erstellen zu lassen, in der nationalen Sprache liegt. Man begreift es ohne weiteres, dass die Juden der verschiedenen Länder, die im Lande Israel aufeinander treffen, so lange e:11ander fremd gegenüberstehen müssen, als sie sicli nicht in derselben Sprache verständigen und als sie ihre Kinder verschiedene Sprachen lehren. Aber man verkennt allzuleicht den unschätzbaren Wert der hcbrä'schen Sprache im europäischen Westen. Man weiss nicht aus der Geschichte״ dass die wictytigßfc Quelle der angleichenden Entjudung von der Unkenntnis herkam und herkommt, die in jüdischen Dingen und vor allem in der hebräischen Sprache in allen jüdischen Kreisen sich geltend macht. Ohne Unwissenheit war eine Schaffung unjüdischen Judentums, das sich ״Reform*‘ oder ״Liberalismus“ nennt, unmöglich, während wahrhaft liberaler Geist sich mit der Kenntnis der Vergangenheit und der nationalen Sprache nicht bloss verträgt, sondern sogar erst aus ihr begreiflich wird. Fs ist daher von allergrösstcm Wert, dass wir zu den hebräischen Quellen zuriiekkehren und uns mit vollem Bewusstsein von der Schwierigkeit aber auch von der Notwendigkeit d’em Studium des Heb rätschen widmen. Es ist nicht einmal -ein Opfer, das wir verlangen. Denn die hebräische Sprache ist so wunderbar schön und ist die Mittlerin des Verständnisses für eine so schöne ׳' Literatur, für eine Geistcswelt, die ihres Gleichen nicht hat, dass jeder, der sie erlernt, niemals die Zeit und Mühe bereut, die er auf sie verwendet. Im Gegen- ««ךיווו>זו(י*׳,'יןי*ו,?זןיי'!*' * > , i , r '1 ־ ־ V 4* » I* r« 1»’ '; t t i!1. i i 1* 1 1 I! ו

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