Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Tiberias 2× ep/1048138
- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
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^.*וויוייו ׳:- Seite 428 (JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 43 griindung an verschiedenen Orten Palästinas das unvergängliche Verdienst des Milfsvereins der deutschen Juden ist. Hier wie in Jerusalem, in Beirut und Haifa wie in Tiberias streut der Hilfsvcreiti durch diese Gründüngen den Samen aus, aus dem sich mitten in dem alten modernden Sumpf ein neuer blühender Baum entwickeln wird, der mit zunehmendem Wachstum nicht nur den sumpfigen Mutterboden austrocknen und in fruchtbares Erdreich verwandeln, sondern gerade aus diesen Säften der Mutter Erde seine Kraft schöpfen wird. Zwei russische junge Damen unterrichten hier gegen 100 jiidische Kinder, deren jüngste kaum eben die Gabe des Sprechens erlangt haben. Die Umgangssprache ־ist hebritisch, lind es ist ein hcrzcrfreuender Anblick, wie diese Kleinen, die in einer armen, schmutzigen Umgcbting geboren sind und leben, in ihrer ärmlichen, aber sauberen Kleidung, gewaschen und gepflegt, an die Ordnung und Pünktlichkeit des modernen Schulbetriebes gewohnt, ihre heiteren Kinderspiele verführen und mit hübschen hebräischen Gesängen begleiten. Die älteren Kinder erhalten auch Unterricht im Eiechten und Weben, Schreiben. Lesen und Rechnen, Heimatkunde und jiid - scher Geschichte. Leider wird der ״Gau jeladun“ lumptsächlich von Mädchen besucht, da für die Knaben keine Möglichkeit zur weiteren Fortbildung bestellt, solange nicht an den Kindergarten eine Schule angegliedert ist. Aufgerichtet durch diesen neue Hoinumgeii erweckenden Anblick verlassen wir die Stadt. Unsere Maultiere klettern über die nassen Treppenstuien der Gasse hinweg und ziehen in grossen Bogen um den Felsen herum, am dem die Stadt ruht. Zum letzten Mal gemessen wir den Anblick auf das schweigende Gebirge: im Westen hohe, bewaldete Berge, darunter der höchste Berg diesseits des Jordans, der Dscliebel Dscliermak, im Süden die gleiclnuässig abgerundete Kuppe des Berges Tabor, dessen charakteristisch(: Gestalt am* den Fahrten in Galiläa immer w ieder vor den BPckeu auftaucht, weiter im Südwesten die Umrisse des Karmel und drüben im Osten die transjorda11iscI1e.il Berge des Dscholfin. Der Libanon ist von hier aus nicht s’clitbar. Und 1mn trotten d:e klugen, eigensinnigen Tiere auf den verschlimgcnsten Gebirgspfaden vorwärts gen Norden. Uebcrall ödes Gestrüpp, verwahrloste Steppe, dichte Kaktushecken, die kaum zu passieren sind. Selbst unser Muk ni (Führer und Maultiertreiber». e־n sefardischcr Jude, der sich in Tracht, Sprache und Gesang dem arabischen Fellachen — welch ein Ideal! - assimi- Eiert hat. findet sieh nicht immer zurecht und verfehlt Zuweilen den Weg. Wir sind ntm reichlich eine Stunde geritten und sollten bald die Kolonie Roseli-Piiiah erreicht habet!. Noch aber ist es um uns öde und wüst. Die Maultiere klettern auf schmalem Gehirgspfad tun einen Felsen herum: da Ivegcu sie am Rande des Felsens lim die Ecke, und plötzlich liegt die ganze Schönheit von Erez Jisael vor uns. Da dehnt sich zu unseren Füssen die prächtige Jordanebene, die zw ischen dem Gebirge, öüf dem wir stellen, und den Bergen drüben im Dschohlu Utid Haiirfm einen tiefen Einschnitt bildet. Von rechts her grüsst die Kolonie zu uns herauf. Mögen die roten Ziegeldächer der steinernen Bauernhäuser in dieses siid- E'che Milieu hmeiupasscu oder nicht ־ das irische, freundliche Rot lacht uns /.wischen dem satten Grün der wohlbcstellten Felder einladend entgegen. Safed und Rosch-Plnah! Eine alte und eine neue Welt! Weit drüben zur linken Hand ragt das schneeige Haupt des Hermpn, jenes prächtigen südöstlichen Ausläufers der Libanonkettc. hervor und schlicsst das Bild nach Norden hin in majestüFscher Grösse ab. Längs der ganzen grünen Ebene, deren Farben sich von dem tiefen Braun der Berge diesseits und dem verschwimmenden Blau der Berge jenseits des Jordans abhebt, strömt der windungsreiche Jordan, In der Ferne erkennen wir einen dunklen Wald au den Ufern eines Sees: das sind die Eiikalyptiispfianzungen der jüdischen KoIoiFe Jessod Hamaalah am westlichen Rande des vom Jordan durchflossenen Meromsees. Rosch-Pinali aber zur Rechten ist ganz und gar in einen farbigen Teppich von wogenden Getreide- und grünen Gemüsefcldcru eingebettet, die an vielen Stellen von!langen Baumreihen — Mandel-, Oel- und Maulbeerbäume» — djirchzogen sind. Keine jüdische Kolonie Palästinas hat c:11e herrlichere Lage. Es ist, als wären hier höchster landschaftlicher Reiz und düstere Oede dicht nebetiemander gelagert, um den Kontrast zwischen zwei Welten umso lebhafter empfinden zu lassen. Rasch traben die Maultiere zur Ebene herab. Der erste Mann, der uns begegnet, ist ein junger Bauernsohn von schlanker Gestalt, der auf seinem Pferd ohne Sattel dalleringt. Fr griisst: SehaV-m! Wir reiten durch eine dichte Mandelbaimiallee, zu deren beiden SFteti sich Weinfelder mit ihren kriechenden, knorrigen Reben und allerlei Ciemüsepflanztiugu! dehnen. Bald treffen wir neue vereinzelte Kolonisten. Welch irolic, gesunde Gesiebter! Ist das dasselbe Fand, in dem die Saieder Juden hausen? Dort führen arme Bettler in Schmutz und Dunkelheit. Unwissenheit und Trübsinn ein nienselienunwiirdiges Dasein ־ liier aber schafft ein Baiiernvolk, dem die Berührung mit dem /Mutterboden neue Kraft eiligeilösst hat, auf jüdischer Erde und unter dem herrlich klaren Himmel Palästinas an seiner Arbeit, die reichPch die Miihe des Bauern lohnt und ilmi Brot, Gesundheit und Zufriedenheit spendet. Rosch-Pinali hat nicht den beinahe städtischen Charakter, wie Ihn z. B. Rischon lc-Zion aufweist. Ist es docli nicht wie jenes mit den ־ Millionenspenden eines gros enPhi'antrophenausgeba׳:; sonder•» in mühseligem, rastlosem Ringen von den Bauern selbst zumeist aus eigener Kraft begründet und vergrössert worden. Rumanische Juden, die in Galatz ״in Komitee zur Förderung der Auswanderung nach Palästina gebildet batten, gründeten 1882 die beiden Koloniccn Samnrin (später von Baron Rothschild Sichron Jakob genannt) südlich vom Karmel und Rosch-Pinali (d. 11. Eckstein) am Ostraude des galüäischen Gebirges. Auch diese Kolonie hat schwere Zeiten durchgemacht, bis sich der edle Baron Rothschild ih.er annalim und sie durch Unterstützung vor dem Untergang bewahrte. Heute ist die Kolonie die grösste aber jüdischen Siedlungen im Lande, wenngleich nur 700 Seelen darn leben. Fast von jedem Dache aus kann man die Aussicht gemessen, die w ir vom Gebirge aus beschriebe־״ haben, und man begreift, dass dieser befreiende Ausblick auf soviel Schönheit das Merz des Bauern weiten muss. Leider gehört diese schönste Koloirc zu den wenigst besuchten, da sie recht abseits von der grossen Verkeilrsstrasse liegt. Die Reisenden, sofern sic sieb nicht überhaupt auf den Besuch Judäas, der Kiistenkolonien Samarias und der grösseren Städte des südlichen Syrien beschränken, pflegen sieh bei dem Besuch Galiläas nicht weil von der Eisenbalmstrecke Ilaifa-Samach zu entfernen und gelangen daher meist 1-iv-lit über die Stadt Tiberias hinaus. Darum ist für die Rosch-Pinalicr Fremdenbesuch ein kleines Ereignis; umso herzlicher ist der Empfang in den Bauernhäusern. Es ist liier nicht der geeignete Ort, über die in Rosch-Pinali gepflegten Kulturen zu sprechen. Nur das sei bemerkt, dass die Kolonie, wenn auch ziemlich viel Plantagenbau betrieben wird, im wesentlichen doch —*