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Jüdische Rundschau · 1908-10-16 · Heft 42 (16.10.1908) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 422 JÜDISCHE KÜMDSCHAÜ Ho. 42 Jüdische Einwanderung in New-York Die indische Einwanderung in New-York betrug im Jahre 1907 1908 Januar 4889 gegen 6366 Februar 3685 5802 ״ Mürz 4095 6741 ״ April 2920 3215 ״ Mai 2485 16377 ״ Juni 3448 11807 ״ Juli 4349 12052 ״ August 3767 13526 ״ Ingesamt 29638 gegen 75886 Betragt somit die jüdische Einwanderung in New-York in den ersten acht Monaten des Jahres 19US noch nicht einmal die Hälfte der Einwanderung aus dem gleichen Zeitraum des Vorjalires, so ist 7.u berücksichtigen, dass nicht eine plötzliche Besserung der Lage der Juden in den Emig1־ationslä11deru die Ursache ist, sondern die allgemeine geschäftliche Krisis, die Amerika besonders stark mitnahni. Auch sind die Einwanderungsbehurden innncr strenger geworden. Da die Lage der Juden in Russland. Rumänien, Galizien bekanntennassen sich nicht gebessert hat, so ist aus den niederen Einwanderiings- Ziffern New-Yorks nur das eine mit Sicherheit zu entnehmen, dass die armen Wanderer noch entferntere und ungünstigere Plätze haben aufsuchen müssen. Jüdische Auswanderer in Brasilien Itn Verlaufe des letzten Monats sind ungefähr P'O jüdische Emigranten aus Russland nach Brasilien gekommen. Wie diese erzählen, hat die'brasilianische Regierung ihnen goldene Berge versprochen und sie kamen von den besten Hoinumgcn beseelt nach Brasilien. Es wurde iluie gute und lohnende Arbeit in Aussicht gestellt. Als sie sich zur Arbeit meldeten, wurden sie in das u 11 g e s ü n d c s t e Klima des Landes geschickt, dort in schwere Arbeit g :steckt und wie Sklaven behandelt. Fünfzehn Mann wurden n!it Hilfe des osterreiclüschen Konsuls nach Rio Grande do Sul befördert, von wo sic zu Fuss in die Kolonie ״Philippson'4 kamen, in der Meinung, hier Arbeit zu linden. Da man ihnen in der Kolonie selbst keine Arbeit geben konnte, mussten die Kolonisten sich iiir sie einsetzeu. dass sie bei den Eisenbahnen irgendwelche wenn auch noch so schlechte Arbeit bekämen. Lieber diese Sache bringt das BRASILIANISCHE WOCHENBLATT die folgende Notiz: «Die diplomatischen Vertreter von Russland lind Oesterreich haben sich an die brasilianische Regierung mit dem Ersuchen gewendet, die russischen und österreichischen Emigranten, mit welchen sic Kontrakte für Tagelohnarhcitcn hei dem Baue der Eisenbahnlinie Sau Paolo—Rio Grande do Sui geschlossen hat, auf eigene Kosten zurückzusehickeri. Die Regierung zahlte für die schwere Arbeit so elende Schuudlölme, dass die Arbeiter derT Streik proklamierten und die Arbeit einstellten.״ Kleine Mitteilungen - ־ _־.־, ־ , m ׳״ Wien. Beim interparlamentarischen Friedenskongress, der in den letzten Tagen hier in Berlin stattland, haben die österreichischcn Delegierten Dr. Mahler, Stand, t)r. Gabel und Genossen dem interparlamentarischen Rat folgende״ Antrag unterbreitet: ״Wenn ein Staat durch die Nichteinhaltung eines internationalen Vertrages Privatinteresseii hindert, so ist der durch die Nichteinhaltung geschädigte Private berechtigt, dagegen beim Haager Schiedsgericht Beschwerde vorzubr: ׳en." Der Antrag bezweckt direkt, den rumänischen Juden die Müglichkeit zu geben, auf die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrags zu dringen. * Jüdlsch-territonalistische Organisaiion Der ״N. J. K.“ wird aus Bremen berichtet: An Bord des Schnelldampfers ״Kaiser Wilhelm der Grosse“ des Norddeutschen Lloyd begab sich heute eine Kommission des russischen Zentralkomitees der Jewish Territorial Organisation nach Amerika zum Studium der dortigen Ein wänder u n g s v e r h ü 11 n i s se für die russischen JuJen. Der Präsidciit der Jewish Territorial Organisation. Mr. Israel Za ngwill aus London befindet sieh bereits seit einigen Wochen in New York. Die Kommission beabsichtigt auch, eine längere Studienreise nach den südwestlichen Staaten zu uiitunchineii, um dort die Ausiedelungs- und Einwanderung::- I bcdingtmgcn für die über den südlichen Hafen Galveston kommenden jüdischen Einwanderer kennen zu lernen und geeignete Vorbereitungen für deren Niederlassung zu treffen. In einer der letzten Sitzungen des Ministerrats wurde auch über die Frage der jüdisch• territorialistischen Organisation verhandelt, deren Filialen in den verchiedcnen Städten bekanntlich geschlossen worden sind. Man erwartet nun. dass der Ministerrat nach Prüfung aller zu dieser Sache gehörigen Materialien die Erlaubnis erteilen wird, die Abtei- Jungen in P c t e r s b ur g, Warschau, Kiew, Odessa etc. wieder zu eröffnen. Konstantfnopcl. Das Bankhaus S. Mitrano & Co. in Konstantinopel das seit 15 Jahren arbeitete, hat mit dem I. Oktober zu bestehen aufgehört. Es wurde von dem Jewish Colonial Trust London (Jüdische Kolonialbank) übernommen, welche sie als Zweigniederlassung unter der Firma The Anglo- Levantinc Co. Limited weiterfiihrt. Die Zweigniederlassung arbeitet mit einem Kapital von!00 000 türk. Pfund. Berlin. Im vorigen Jahre hatte das Internationale Sozialistische Bureau die russischen ״Zionisten-Sozialisteu“ in die internationale sozialistische Organisation aufgenommen. Von Seite des ״.indischen Arbeiterbundcs'' in Russland ist jetzt dagegen ein längerer!,rötest eingelegt worden, den der VOR- WÄRTS veröffentlicht. Nach der Versicherung des jüdischen Arbciterbnndes wären die ״Zionistcn-Sozialisten** keine waschechten Sozialisten, sondern falsche Sozialisten von kleinbürgerlich-reaktionärem Charakter mul sollten von der interrationalen sozialistischen Organisation ausgeschlossen werden. Miilliehn a. d. Ruhr. Einen Arehitektenscher/. nicht alltäglieber Art hat das seiner Vollendung cntgcgcugchcndc unmittelbar an die neue Synagoge anstossende neue städtische Sparkassengebäude als Portalschmuck aufzuweisen, nämlich eine von drei!,ulten umgebene mächtige Glückssau, die lebend in ihrer Grösse das respektable Gewicht von 200 Pfund repräsentieren würde. Dieses Sinnbild unmittelbar an der Synagoge ־ das Portal des Sparkassengebäudes befindet sich direkt neben dem Portal der Synagoge — hat seiner Zeit im Stadtvcrordnctcn-Kollcgium eine lange Debatte entfesselt und mancherlei Bedenken hervo-^eruten. Trotzdem liess man von diesem sonderbaren Portalschmuck nicht ab. Der sonderbare Portalsclimuck, der übrigens mehr oder minder in gär keinem Zusammenhang mit einer Sparkasse steht, wird allgemein bekrittelt und wird voraussichtlich in der nächsten Stadtverordnetensit/.ung zu erneuten Debatten führen. Der unglückliche Architekt, der kein besseres Sinnbild für die Sparsamkeit finden konnte, hat gewiss an eine Verletzung der jüdischen Mitbürger nicht gedacht. Budapest. Durch falschen Feuerlärm entstand in der Synagoge in Marniorosziget, die wegen des Versöhnungsfestes überfüllt war, eine grosse Panik. Im Gedränge wurden vier Kinder erdrückt und zertreten, mehrere andere Personen schwer verletzt. J Budapest. Voh den hei der Panikin der Synagoge von Märamarossiget verletzten Personen sind vier ihren Vcrktzungen erlegen, so dass die Zahl der durch den Unglücksfall ums Lehen gekommenen Personen jetzt acht beträgt, Angriff auf ein jüdischesLeichenbegängnis Ein grosser Strassenkampf entstand jüngst während eines jüdischen Leichenbegängnisses. Während die Leiche eine* reichen Llssuboucr jüdischen Kaufmann, begleitet von zahlreichen Leidtragenden und Freunden, von der Synagoge nach dem jüdischen Friedhöfe gebracht werden sollte, wurde der Leichenzug plötzlich von einer rohen Menge, welche Steine schleuderte, angegriffen. Daun auf einmal gingen sie mit dem Rufe ״Nieder mit den Juden I“ dazu über, mit Stöcken und Keulen auf die Juden loszuschlagcti. Die Juden umgaben den Sarg und verteidigten sich mit der blossen Faust.. 111 dem Streite wurde der Leichenwagen umgeworfen und der Sarg fiel heraus. Glücklicherweise kam die Polizei noch zur rechten Zeit, um den Mob auseinanderzutreiben. Uchcr 20 Juden wurden verwundet und 9 mussten zum Hospital gebracht werden. Die ganze Presse ist über den Vorfall erbittert. (JEWISH CHRÜNICLE.) Aus Tunis vvhd der ״N. J. K.“ von ihrem dortigen-Korrespondenten geschrieben: Am 23. September fand liier unter grosser Teilnahme dih־ indischen und niehtjiidischeu Bevölkerung die Beerdigung des Herrn Joseph Valensi statt. Valeusi war einer der angesehensten jüdischen Bürger von Tunis und österreichisch-

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