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Jüdische Rundschau · 1908-10-16 · Heft 42 (16.10.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 42 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 42! den in iiiiscrtii vorstehenden Rundschreiben attgckündigtcii Zweck der Gründung einer landwirtschaftlichen Kolonie in der Nähe von Jerusalem beliebe man daher Kcf. unter der Adresse unseres Vereins ״Kchillath Jaakob“ an die ״Anglo Palestine Company Ltd.“ in Jerusalem zu richten, welche ffir den richtigen Empfang Quittung ausstellen und überweisen wird. ־ Achkenasische und arabische Juden in Kairo Einem aus der jüngsten Zeit stammenden Berichte aus Kairo entnehmen wir die folgenden Stellen, betreffend das Leben der Juden in der genannten ägyptischen Stadt. Bekanntlich machen sich in Ägypten sehr oft!grosse, trockene Sturmwinde unangenehm fühlbar, die von den hohen Bergen herwehen, die das Land Ägypten von der grossen Hinsehen Wüste scheiden. Diese Sturmwinde tragen förmliche Staubsäulcu.. vom dünnen, brennenden Wüstensand gebildet, durch das ganze Land. Dieser Wüstensand ist für das menscli* liclie Auge ausserordentlich schädlich. Die Augen werden blutunterlaufen, die Sehkraft wird erheblich geschwächt und viele Menschen, die auf diese Weise an den Augen erkranken, vcilieren gar oft ihr Augenlicht. Eine vollständige Heilung diese־ Krankheit hat sich, bisher ausserordentlich schwer gc* zeigt. Der Neuangekommene, de־׳ zum ersten Male das arabisch* jüdische Viertel ..Chart fl •falind“ aufsuclit. sicht ein schreck* liches Bild vor sich: junge Menschen im Alter zwischen |ר und 25 Jahren werden an der Hand durch die Strassen geliihrt. weil sie• stockbiinJ sind. East 10 Prozent der jungen Leute in diesem Viertel s;:: I halb oder ganz, erblindet und fast *10 Prozent der gesamten Bevölkerung dieser Stadt leidet zeit* lebens an einem Augcniibel. Besonders stark ist die Augen־ Krankheit unter den Eraueit verbreitet. Die Blindheit ist hier etwas so Gewöhnliches, dass mau zahlreichen Blinden he* geguct. die ganz, allein .ohne Führer durch die Strassen gehen oJer die grössten Geschäfte abwickeln. Geld in Empfang nehmen und auszahlui. ohne sich jemals in der Rechnung zu irren. Die sandigen Wünstenwiudc sind jedoch nicht die einzige Ursache der starken Verbreitung der Augeukrankheit unter den arabischen Juden. Viel trägt Eierz!: auch ihre Lebensweise bei. Die arabischen Juden von Kairo leben zumeist in engen schmutzigen Wohnungen, ifihrert ein dürftiges Leben, wie die ögj ptisehen Juden überhaupt. Es ist klar, dass diese Lebensweise geeignet ist. die epidemisch auftretende Augeukrankheit mir noch mehr zu verbreiten. Die asclikenasisclien Juden, die in Kairo wohnen, bemühen sich, soweit es bei den obwaltenden Umständen möglich ist, ein «europäisches" Leben zu tiihnen. Sie sind im allgemeinen viel reinlicher als ihre arabischen Stanimcsgenosseu und legen bei Auswahl der Nahrungsmittel, der Einrichtung ihrer Wohntingen usw, grosses Gewicht aui die Anforderungen der Hygiene und Icidbn daher in: allgemeinen weniger an Augen- Krankheiten als die arabischen Juden. Auch der Aussatz, eine von den ״zehn Plagen“, kommt liier, heute genau so oft vor, wie zu Pharao's Zeiten. In den Monaten Juli und August, wenn der Nil anschwillt, zeigen sich an den Körpern der Bewohner von Kairo eine Menge kleiner wundartiger Pusteln. Besonders stark sind die Neuangekommenen dieser Krankheit ausgesetzt. Zu diesen ägyptischen Plagen hat sielt in diesem Jahre; auch eine grosse, wirtschaftliche Krise gesellt, von welcher hauptsächlich die jüdischen Arbeiter betroffen wurden. Nahezu die Hälfte der jüdischen Arbeiter war fast während des ganzen Jahres beschäftigungslos. Selbst intelligente Arbeiter, die aus Deutschland oder England nach Ägypten gekommen waren, die Landessprache beherrschen und in normalen Zeiten täglich 10 bis 12 Pranken verdient haben, waren in diesem Jahre ohne Arbeit. Der grösste Teil der aschkenasischeu und viele arabisch* jüdische Arbeiter ist in Zigarren- und Zigarettenfabriken heschäftigt. So lange es irgendwie möglich war, haben diese jüdischen Arbeiter der Konkurrenz der Araber, welche die Löhne stark hcrabdriiekten. staudgelialten. Schliesslich konnten sie mit den Arabern nicht mehr konkurrieren und mussten die Arbeit aufgeben. Ein Teil verlicss Ägypten überhaupt und die übrigen, die seit längerer Zeit in Ägypten leben, warten hier bessere Zeiten ab. Das Syrian Protestant College in Beiröt v Von Dr. A. Ruppin-Jaffa. Beakimtlich gibt es in Beirut zwei Universitäten, die von französischen Geistlichen geleitete UnivcrsitC• Saint Joseph und das aus amerikanischem Oelde unterhaltene und unter ameri- Kultischer Leitung stellende Svrian Protestant College. Per Wirkungskreis beider Universitäten erstreckt sich weit über Syrien hinaus; ihre Studierenden rekrutieren sich aus allen Ländern des Orients, aus Aegypten ebenso gut wie aus Kleinasien. aus Tripolis wie aus Mesopotamien. Griechenland und der europäischen Türkei. Eine grosse Zahl, vielleicht die Mehrzahl aller in» Oiicnt tätigen Aerztc und Apotheker hat Ihre Ausbildung in Beirut erhalten. Interessant ist der Jahresbericht des American Protestant College, der ftir das Jahr 19117/08 vorliegt. Mit berechtigtem Stolze weist der Bericht auf die grosse Zahl prächtiger Gcbände (Hörsäle .Laboratorien, Pensioiishäuser) hin, die in Ras Beirut, in beherrschender Lage an der Bcirüter Bucht, mit licri lieber Aussicht auf Stadt. Meer und die Libanonkette den Komplex der Universität bilden. Die Universität besteht seit den! Jahre 1866; ursprünglich war die Unterrichtssprache arabisch, bald wurde dies jedoch durch das Englische ersetzt. Die Universität besitzt neben einer Vorbereitungsabteilung 1. eine Abteilung für Sprachen und Literatur. 2. eine Abteilung für Handelswissenschaft. 8. eine Abteilung für Medizin. 4. eine Abteilung für Pharmazie. 5. eine Abteilung für biblische Archäologie und Philologie. Die Studenten wohnen und essen (nach dem Muster der englischen Colleges) in der Universität: ausser dem Kollegiengeld. das zwischen 6- 10,£ schwankt, haben sie für die Ver- Pflegling jährlich 12 £ zu zahlen Die Universität nimmt Stuliierende aller Konfessionen aui. unel es gibt auch eine Anzahl von Juden unter den Studierenden. E'iir alle Studierenden, auch für die Juden, ist die Teilnahme an den Bibelstunden mul gottesdienstlichen Veranstaltungen obligatorisch. Von der grossartigen Entwicklung der Universität zeugt am besten die wachsende Zahl der Studierende״. Mit 16 Studicrciidci! wurde die Universität im Jahre IS66/67 eröifnet. heute zählt sie 825. Utbcr das Anwachsen in den einzelnen Jahren gibt die nachstehende Tabelle Auskunft: Zahl der Studierenden in der Abt. Tür Zeh! Spracben und Literatur Medizin Vorbercituogs- 4M*ilunp Klarmazin Handel»- wissen- Schaft | Geaam zahl 18G6 67 16! - 16 1867.63 27 14 «MM. _ 41 1868/69 31 , 21 _ MM. 52 1869 70 4.8 | 29 — MM 77 1870,71 54 31 «■MM — 85 187U72 י 36 25 5 — 66 1872 73 39 26 10 _ — 81 1873 74 29 27 16 2 P l 14 1874 75 . 31 21 13 3 — 68 1874.76 28 26 22 1 77 1876,77 31 24 47 1 106 1877178 33 21 51 ' 3 108 1878 79 25 27 67 9 — 121 187980 33 36 3S 1 — 108 1 SSO, 81 י 29 49 5t 2 — 121 18SI 82 31 | 46 74 1 — 162 18S2 83 37 47 86 — 170 1888/S4 43 33 99 3 — . 178 J8S4 85 £6 31 96 3 — 186 18S5:8ii 61 30 76 1 — 168 1880/87 66 27 40 ♦> Ml — 170 7 8Sי 18 70 31 78 2 — 181 1S88 89 65 33 96 ü — 199 18S9 9».» 56 38 127 7 — 228 1890 91 57 36 102 5 — 200 92־1891 49 :48 104 5 — 196 1892 93 ׳ 49 42 139 8 — 238 189 i 91 40 49 137 11 — 242 189195 65 59 139 12 — 275 1895 96 70 1 56 159 12 """ 297 1896 97 72 1 05 172 10 — 309 1897 98 80 49 174 15 — 318 1898 99!06 1 51 202 20 — 378 1899 00!09! 62 310 24 — 435 15)1)001!09; 84 315 29 14 551 1901/02 124 100 324 28 26 611 1902 03 121 j 115 328 30 .‘45 629 1903/01 139 129 378 26 45 717 1901/05 146 111 425 21 47 750 1905 06 153 95 450 29 37 764 1906/07 190 102 515 27 38 872 1909/03 186! 108 449 30 62 825 Dem Syrian Protestant College ist nicht zum geringsten der wachsende englische Einfluss in Syrien zuzuschreiben.

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