Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 42 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 415 איש בעי לא ירע וכסמ לא יבץ את זאת , da!,s der menschliche Blick unzulänglich ist und והשמדם עדי■—עד dass doch Gerechtigkeit zum Siegen kommen muss. Heisst doch Jcrlוsalcnיייר הצדקו. In diesem Optimismus feiern wir das Fest der Gesetzesfreude, ohne uns die reine undlautcre Fröhlichkeit stören oder trüben zu lassen. Noch einmal schwillt unser ganzer Jubel in einem spontanen Aufjauchzen in der Freude, dass endlich doch das Prinzip das die Welt regiert, die Gerechtigke:t ist. in diesem Sinne entbieten wir allen, die in echt-jüdischem Sinne der Sz'mchath-Thorahfeier gedenken, den alten jüdischen Fciertagsgruss: מעדים לשמחה הנים וזמנים לששון Eljaqim. Erinnerungen an Hirszenberg Von Dr. EmVl Lev ׳ל. Nacht war es, und die Strassen lagen in Dunkelheit; der neue Mond war schon untergegangen. Alles Leben seh en erstorben, nur der Wind wehklagte geisterhaft. Eilends trieb es mich vorwärts, denn ich wollte Jcrusalern nicht verlassen, ohne des grossen Meisters Augesicht gesehen zu haben. Ich kann mich auf die Förmlichkeiten der Begegnung nicht mehr besinnen; rch weiss nur. wie wir uns bei traulichem Lampenlicht gegemibersassen und sein sympathisehes, mildes Gcs:cht sieh mir in rührender He!ziichkuit eutgegenneigte. De Vertraulichkeit war sofort hergestellt, und die Seelen erschlossen sich. Fs waren wenige, köstliche Minuten. — Klingende Musik lag in seinen Worte», als er von dem Lande sprach, dessen Farben und Schönheiten er mit dürstender Seele einsog. Nichts mehr vom trüben Schmerz des Ghettojudentunis, den sein Pinsel so ergreifend darstellte; wie stdlzes Almenrauschen ging es durch die Harten seiner Seele. — Er sprach von den genussreichen Wanderungen in der Umgebung Jerusalems, von der überwältigenden Natur und der köttigliehen Hoheit der Berge; — dort weht Prophetengeist, dort ist Jehowa! — rief er, und seine Augen leuchteten. Und er erzählte von dem unerschöpflichen Reichtum des Landes an malerischen Motiven; er betonte die Notwendigkeit, die jüdischen Mäcene Europas zu veranlassen,;n Jerusalem Ateliers zu bauen und talentierte Jünger zu Studienzw ecken nach Palästina zu senden —. Ob er mit seinen Schülern zufrieden wäre? — 0, sfe hätten kolossalen Fleiss und ungemein scharfe Fassungsgabc. Was ihnen noch vielfach fehle, wäre der Sinn für Perspektive, das Gefühl für das harmonische Aufgehen der E'nzeldinge im Gesamten. Ich fragte nach den Aussichten der Teppichiiidustrie, und er machte kein Hehl aus seinen Bedenken. Wir könnten, was die Technik beträfe, froh sein, wepu wir in fünfzig Jahres etwas schaffen, das halbwegs m't den Konkurrenzwaren Schritt halten kann. Der einzige modus vivendi sei die Schaffung eines neuen künstlerischen Stiles, ׳?«es typisch Jüdischen in der Behandlung des Entwurfs; und er machte mir AndeuUmgeu. dass dies weuc Individuelle kein frommer Wunsch mehr sei, sondern bereits tastende Versuche mache, ins Leben zu treten — — —. Von sefnem Leiden sprach er nicht. Dagegen klagte er über den Lärm der Strasse und freute sich über den beabsichtigten Wohnungswechsel. Fr hat jetzt d e Wohnung bezogen, wohin der Lärm des Tages nicht ttuhr dringt — --. In der Blüte der Jahre ist er hingegangen, und weinend senkt der Genius der Kunst d e Fackel. Wer weiss, wieviel mit ihtn gestorben ist! — Have, pia animal Einem Jeden, der dich kannte, wirst du, gleich mir, das Gefühl* unendlicher Sehnsucht hinterlassen. — Denkschrift betreffend die Bildung eines ständigen Ausschusses der Jüdischen Organisationen. (Eingabe des von der Jüdischen Konferenz am 29. März zu Bcriin eingesetzten vorbereitenden Komitees an die Organisationen.) Auf Veranlassung des Unterzeichneten Komitees hat am 29. März 1908 zu Berlin eine von Glaubensgenossen verschiedencr Länder besuchte Jüdische Konferenz getagt. Ganz besondere Aufmerksamkeit ist im Laufe der Beratungcii der Frage der dauernden Versündigung zwischen ׳ den grossen Organisationen gewidmet worden. Ihre Not- | Wendigkeit ist unter dem Beifall aller Anwesenden mit Nachdruck horvorgehoben und schliesslich nachstehende, von den Herren Justizrat Dr. •Edmund Lachmaiiu-Herlin. Proi. ,Pr. Ludwig Stein-Bern. Dr. Paul .Nathan-Berlin. Moritz Warburg- Hamburg, Justizrat Dr. Blau-Frankfart a. M, beantragte und von Herrn Dr. Bela Taussig-Wicu auiciulierte Resolution einstimmig angenommen worden: ״Die Versammlung, die von Glaubensgenossen aus einer Reihe von Ländern besucht war, erachtet eine fortlaufende Verständigung auch in der Knloiilsatiousfrage bei entsprechendem Anlass •/.wischen den bestehenden Organisationen für notwendig. Zu diesem Zwecke Ist von den bestehenden Organ!- s&tioncn ein Ausschuss zu bilde», der nach Bedürfnis zusammen• tritt. Das vorbereitende Komitee wird beauftragt, die Unterhandlangen }״ diesem Sinne mit den grosse« Organisationen zu führen: der Vorsitzende der heutigen Versammlung, Dr. M. Horwitz, wird ersucht, dieselben zu leiten.“ Da demnach die Verwirklichung dieser Resolution den! Unterzeichneten Komitee übertragen worden ist, erlauben wir uns hiermit. Sie böflichst einzniadc». den in der Resolution angeregten Gedanken zu prüfen und uns baldgefälligst mitteilen zu wollen, welche Stellung Sic ihm gegenüber Im Prinzip cinnehnicn. Gestatten Sic uns in dieser Frage, die für die ganze Judenheit von der allergrösstcn Tragweite ist, und deren glückliche Lösung die jüdische Gesamtheit mit auiriclitigcr Freude begriissen würde, Ihre Aufmerksamkeit auf folgende Umstände zu lenken. ♦ * * Die traurigen Ereignisse, von denen unsere östlichen Glaubensgenossen im Laufe des letzten Yicrteljalirhunderts betroffen worden sind, haben zur Evidenz bewiesen, dass die iüdische Wahlfaiirtspflcge Potz der Zahl lind der Mittel der 1111 dienenden Organisationen, den an sie herantretenden Aufgaben nicht in vollem Umfange gerecht zu werden vermag. Insbesondere war sie. wenige Fülle ausgenommen, nicht in der Lage, das Eintreten grosser Katastrophen zu verhüten, obwohl deren Herauualien bekannt war. Ist es vor allem schon höchst beklägenswe'L dass bei der bisherigen Organisation den hochherzigsten jüdischen Wohltätern und den am besten ausgestatteten WuhliahrtsgeseUscbaiten nur das traurige Amt zuficl. die Ermordeten zu begraben, ihre Hinterbliebenen zu versorgen, den Ruinierten zu einer neuen Existenz zu verhelfen, so konnte man selbst diesen Aufgaben nicht in zweckentsprechender Weise naehkonimcn. Unter dem Drucke der entstandenen Notlage ist in solchen Fällen allerdings eine Verständigung zwischen den verschiedenartigen und getrennt vergehenden Organisationen angestrebt, es sind auch spezielle Hilfskomitees aus Delegierten verseiltedentr Gruppen der Judcnhcit gebildet und erhebliche Mittel aufgebracht worden. Mau hat jedoch bei dem Mangel an Informationen, an geeigneten, geschulten Organen und vo.' allem bei dem improvisierten Charakter der ganzen Aktion mir Stiiekwerk zu leisten vermocht. Kein Mitglied derartiger Komitees hat sich verhehlen können, dass gelegentlich solcher Aktionen bedeutende Mittel, mit denen bei anderer Organisation viel dauernd Frsprjicssliciieres hätte geleistet werden können, vergeudet worden sind. Die Ursache dieses Mlssstandes liegt ganz zweiiallos nur in der Zusamnienhanglosigkeit der bestehenden jüdischen; Organisationen und Wohliahrtsbestrebnngen. in dem Mangel I an einer allgemein anerkannten Zentralinstanz, t