Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 41Ö JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 4 t Gesundheitszustand. Slchron ist trotz seiner schönen Laue (180 m über dem Meeresspiegel) nicht frei von Malaria, welche beonders gegen das Ende des Sommers in stärkerem Masse auftritt. Augenkrankheiten sind weniger häufig als in den anderen Kolonien verbreitet und sic nclimcn nur in Aiisnahmefällen einen schlimmen Ausgang. Wenn ein Malariafall tödlich verläuft, so handelt es sic!» immer um einen aus den benachbarten Chtideira oder einer andern Ortschaft mit ähnlichen Verhältnissen eingescbleppten Pall (in früheren Jahren hat cs allerdings auch in Sichron perniziöses Fieber mit tödlichem Ausgang gegeben). In den letzten Jahren ist kein einziger Pall vorgekommen, dass jemand infolge einer gewissen, in Palästina mitunter bösartig auftretenden Form des Trachoms das Augenlicht verloren hat. Es gibt in ganz Palästina vielleicht keinen gesünderen Ort als die benachbarte kicinc Kolonie Sc hu fei ja. Sie liegt zwar etwas niedriger als Sichron, hat aber dank ihrer freien Lage, ihres Bodens und der, Beschaffenheit ihres Qucllwassers, ein vorzügliches Klima und einen ausgezeichneten Gesundheitszustand. Die Beziehungen zur arabischen Bevölkerung sind im allgemeinen gut; ohne gerade herzlich zu sein. In Sichron Jako!) gibt es ungefähr •WO Araber und Araberinnen, und mindestens cbensovicle halten sich als Tagelöhner. Hausierer usw. vorübergebend dort auf. Unzweifelhaft besitzen die Araber einen grossen Respekt vor dem hohen kulturellen Niveau der Juden, und sic wissen auch den hohen Komfort, das gute Familienleben, die fortgeschrittene Arbeitsmethode und — *— - die Leichtigkeit im Geldausgebcn zu schätzen. Anderseits gibt es auch Araber, welche die Juden iiir etwas weichlich halten 1.nd an einer! Mangel an Solidarität unter den Juden glauben. Interessant ist. dass die Araber zum grossen Teile bereits das Jüdischdeutsche von den Juden gelernt haben und mit ihnen jiidischdcutsch sprechen. Tibcrias: Vor einigen Wochen vereinigten sich liier mehrere aschkenasisclic Juden, um ausserhalb der Stadtmauer Häuser zu erbauen. Bekanntlich war dies bis jetzt nicht erlaubt, weshalb die Innenstadt überfüllt, eng und schmutzig war und zahlreiche Krankheiten ausbrachen. Vor einigen Jahren hat die Cholera hier viel mehr Opfer gefordert als irgendwesonst, und bei einer Pockencpidcmie sind fast 300 Kinder umgekotnmen. Eine sephardische Hüuserbaugesellschait besteht schon seit längerer Zeit, die jedoch nur geringes Kapital besitzt, da ihre Mitglieder (4!) an der Zahl) nur einen Monatsbeitrag von 1 Beswldik fca. 45 Pfennig) leisten. Dagegen hat jedes der 20 Mitglieder der aschkenasischen Gesellschaft bei einem hiesigen Bankltausc sofort 120 Frcs. deponiert. Dieser Betrag soll zunächst zum Ankauf eines Terrains von etwa 40 Bunan! in der Nähe des Begräbnisplatzes des Rabbi Mosche ben Mainion (Rambam) dienen. Die Baukosten sollen für ein jedes Haus etwa 3000 Frcs. betragen. Milchamle: Wir waren gezwungen, in diesem Jahre unser Getreide zu geringeren Preisen, als sie hier in der Umgebung er reicht wurden, zu verkaufen. Im nächsten Jahre aber hofft man, dass sich alle galiläischen Kolonien vereinigen werden und die A.P.C. den Verkauf ihres Getreides übernehmen wird. In einem Prozess mit einem Nachbardorfe Abadie, welches uns an der Benutzung des Wasserzeichen Wadi cl Fedsclias hiiidcrtc. erlangten wir ein für uns günstiges Urteil, kraft dessen von nun ab die Benutzung des Wadi abwechselnd einen 'lag uns, den andern Tag dem Dorfe Abadie freistclien soll. Das uns gehörende an den Wadi angrenzende Land umfasst etwa f>00 Dunam und liegt zwischen Abadie und der neuen Allsiedlung Kincrcth. Da es als bewässerbares Land eine intensive Arbeit beansprucht, die von den Kolonisten wegen der. Entfernung des Grundstückes von der Kolonie nicht geleistet werden kann, besteht die Absicht, diesen Teil jüdischen Arbeitern in Pacht zu überlassen. Im allgemeinen ist hier das Verhältnis zwischen Kolonisten und Arbeitern günstig. So ist von den Kolonisten die Anregung ausgcgangeii, den Arbeitern Wahlrecht und im allgemeinen ,;ein Bürgerrecht■* in der Kolonie einzuräumen. Es ist hier noch Platz iiir mehrere fleissigc und nicht anspruchsvolle jüdische Arbeiter. Die Sterblichkeit der jüdischen Bevölkerung in Sichron Jaakoh, Schufcija und Bcth-Sclilomo schwankt zwischen 8 IS pro Mille. Von Tierkrankheiten hat man in der letzten Zeit nicht zu leiden gehabt. Man hat jedoch in der Umgebung von Sichron mehrfach krepierte Kühe gefunden. Sollte die Rinderpest, welche vor drei Jahren gewütet hat, uns von neuem bedrohen? Land kaufe. Die Verwaltung der JCA beschäftigt sich mit dem Ankauf eines Terrains in der Nähe von Beth-Schlomo, die Verhandlungen gehen ihren gewöhnlichen schleppenden Gang, man ist bisher noch zu keinem Resultat gekommen. Die Kolonisten von Sichron möchten gern zusammen mit grosse Terrain kaufen, das zwischen Sichron und den Ländcrcieu von Burdech liegt. Es handelt sich um 18 000 Dunatu; die Forderung dafür ist aber so übertrieben hoch, dass vorläufig von dem Kauf keine Rede sein kann. Es gibt ferner ein Stück Land in der Nachbarschaft von Marah, über dessen Ankauf schon mehrfach gesprochen worden ist. Endlich sind der JCA oder mit irgendeiner zionistischen Organisation das noch bei Burdech auf dem Wege nach Clmdeira 2000 Dunam zu kaufen, aber auch bei diesem Lande ist man über belanglese Vorbesprechungen nicht herausgekommen. In dem benachbarten A 11 i 111 lut die JCA mit der Auftcilung des ihr dort gehörigen Landbesitzes begonnen. Es wurden etwa zehn bisherige Pächter als Kolonisten installiert. Jeder Kolonist erhält ca. 15 ha Land, ein Häuschen und einen Stall, dagegen müssen sich die Kolonisten, mit wenigen Ausri'ihmeh, Inventar und Vieh aus eigenen Mitteln atischaffcn. Man beginnt schon mit dem Bau der Häuschen. Leider» hat die Regierung nicht erlaubt, die Häuschen auf dem höchsten Punkt anfzubaucn und man bat sic auf einem weniger gesimden tiefem Ort bauen müssen . Die jüdische Bevölkerung in Sichron vermehrt sich ihrer Zahl nach fast gar nicht, ein paar Kolonisten sind weggezogen, um in Ägypten oder Amerika ihr Glück zu machen, andere wieder sind mit einigem Geld vom Auslände nach Sichron Jacob zuriickgckeiirt. Die natürliche Vermehrung der Bevöikerung ist sehr stark. Die Geburten übersteigen um 12 las 2׳'יי nie Sterbeiäile. Fremde Juden sieddn sich nur ganz ausnahmsweise in Sichron an .was sich hoffentlich ändern wird, sobald der Landerwerb erleichtert und die Zahlung des Kaufpreises in Raten ermöglicht wird. In ganz Sichron Jacob u.it Scliefeia und Batli Sclilome gibt es ca. 1000 jüdische' Seelen. Oie Wahlbewegung in Palästina Aus Jaffa wird der ״N. .1. K.“ von ilirehi dortigen Korrespoudeüten geschrieben: Die jüdische Wahlbewcgung in Palästina leidet vorläufig noch sehr darunter, dass bisher weder die Wahlkreiseinteiliing noch der Walilmodus. ja nicht einmal die Bedingungen der Wahlberechtigung, ganz genau bekannt sind. Jedenfalls aber hat das Jaffacr Wahlkomitcc in Verbindung mit dem Jcrusalemer Komitee und mit den Vertretern der jüdischen Kolonien beschlossen, die Zahl der jüdischen Wähler einstweilen schätzungsweise fcstznstellen und jedenfalls mit aller Energie danach zu streben, dass unter den vier Abgcord- 11 e t e n, die wahrscheinlich das Sandschak Jerusalem zu wählen haben wird, wenigstens ein Jude gewählt werden wird. In Jerusalem ist ein Verein d C r o 11 o m a n I s c 11 c 1t Juden gegründet worden, der die Wahrung der Staatsbürgerrechte der otromanischen Juden, die Aufklärung der iiidischeil Bevölkerung und die Verbreitung der Kenntnis der türkischal und arabischen Sprache bezweckt. Gründer des Vereins sind der Direktor der Jerusalemer Filiale der Anglo PalcstinC Company, Dr. Lew, Dr. David Yellin und der Herausgeber der Jerusalemer hebräischen Wochenschrift HASClI- KAFA, Ben Je hu da. Der. Jahrestag der Thronbesteigung des Sultans wurde auch in Jaffa in der ganzen Stadt u!1d von allen Nationalitäten gemeinsam gefeiert. Die Strassen waren beflaggt und am Abend illuminiert. Aut eine telegraphische Anfrage aus Saloniki und Jerusalcm au das Ministerium des Innern in Konstantinopel ist die Antwort cingcgaugcn. dass sämtliche volljährige 0Smanische Staatsbürger, die überhaupt irgendeine Steuer zahlen, w n 1111> e יו e c 111 i g t sind. Dadurch haben sich die W a 111 e!1 a 11 een der J 11 d c 11 und auch der C 11 r i s t e 11 wesentlich verbessert, da auch diejenigen Üsmancn. die nur die Militärsteuer (Askerye) zahlen, das Wahlrecht werden ausübci! können. Mau hatte nämlich früher befürchtet, dass das Wahlrecht nur denjenigen Wählern zitstehen wird, die Grundsteuer (Ve׳־gho), Gewerbesteuer!Temetu) oder Vichstcuer (Agnan) entrichten. Während fast alle Muhammedaner eine dieser Steuern zahlen, gibt es unter den osmatiischen Juden hind auch den Christen) Jerusalems nur scltr wenige, die eine dieser drei Steuern entrichten, insbesondere, da die meisten ihre Grundstücke atu fremde ausländische Namen im Kataster eingetragen haben. In dem Mutessaritlik Akka werden die M u h a in nt e - d a 11 c r wahrscheinlich einen nuiliammedanischeit Kandidaten aufstcllen, der als sehr j 11 d e n f r e u 11 d I i c h gilt und auch von den *Juden in Safed und Tiberias unterstützt werden wird, die Aufstellung eine jüdischen Kandidaten in diesem Wahtbezirk ist aussichtslos. ■1f