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Jüdische Rundschau · 1908-10-09 · Heft 41 (9.10.1908) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 41 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 41 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 411 Eine Denunziation? ׳ Ein Wahiknmitcc in Jerusalem, das sich ״jungtürkisch“ nennt, hat einigen Z io n i s t e n, die sich zum Beitritt meldeten, die Aufnahme verweigert. Da das Komitee sich aber mit einem iiusser liehen Verzicht der Betreffenden auf die Zugehörigkeit zur zionistischen O r g a n i - s a t i o n begnügen wollte, so ist klar, dass cs andere als ״fungtfirkisclie*‘ (Iriinde sind, die das Komitee zu diesem Schritt veranlasst haben. Wahrscheinlich sind es sogür sehr persönliche Gründe. In einer meiner letzten Mitteilungen hatte ich berichtet, dass von den beiden in Betracht kommenden jüdischen Kandidaten nur Herr 1) r. Lev v Aussichten habe, während Herr Ante bi als Vertreter der Alliance IsracHite Universelle, die immer noch wegen ihres französierenden Einflusses im Orient mit Misstrauen angesehen werde, weniger Chancen habe. Diese sachliche Meldung scheint nun Herrn Antehis Ehrgeiz gekränkt zu haben. Tatsuche ist jedenfalls, dass seit dieser Zeit das genannte ״jung* türkische“ Komitee f ii r Herrn A n t e b i Propaganda macht. Das Kunstgewerbe im Orient. Unter diesem Titel bringt die in München erscheinende Zeitschrift PALÄSTINA in ihrer nächsten Nummer einen Aut- Satz des Malers J. Rothschild, der uns zur Verfügung gestellt wird, und.dem wir das folgende entnehmen: Eigentlich ist das Wort .,Handwerkskunst“ eher am Platze, denn von Kunstgewerbe nach unseren Begriücu ist wohl schon seit einigen Jahrhunderten nicht mehr die Rede. Was dort geschaffen wird, ist mit der Zeit zur Schablone geworden, von einer Entwicklung im fortschrittlichen Sinne ist gar nicht zu reden: immer noch zehrt man an den einst und auch heute noch gefeierten maurischen Architekturen und ornamentalen Gebilden, jedoch ohne jedes Verständnis werden diese verarbeitet und schlecht kopiert. Technisch wird allerdings noch immer ganz gutes geleistet, besonders was Teppicliwirkcrei. Cisclicrkunst und Intarsicarbciten anbetrifit. Ich batte während meines Aufenthaltes in Palästina, Damaskus, Bcyr u 111 usw. Gelegenheit, das dortige Kunstgewerbe von allen seinen Seiten kennen zu lernen und zu studieren. Was mir, als indischem Kunstgewerbler, besonders aufiicl. war vor allem, dass die ausiiihrenden, und entwerfenden arabischen Kunsthandwerker meist marokkanische und sephar* disehc Glaubensgenossen waren, ja in Damaskus bildet gerade das K u n s 111 a n d w c r k einen Haupterwerbszweig der dortigen jüdischen Bevölkerung und meine ge* naueren Beobachtungen führten mich zu der Erkenntnis, dass gerade jene Menschen ganz hervorragend für diesen Industrie* zweig geeignet sind. Von der einstigen Märchenpracht der kunstgewerblichen Erzeugnisse zur Zeit Harun ar־Rascl1id‘s und der berühmten Damaszener Klingen und Waffen ist allerdings nicht.; mehr zu spüren, letztere werden hauptsächlich aus Solingen importiert und als echt arabisch an antiquitütensiichtigc englische Ladys verkauft, die dann meist ob ihrer Eroberungen überglücklich sind. Die Erzeugnisse sind durch die vcihültuismässig niedrigen Löhne meist billig. Unbedingt ist das Material. Holz. Perl* mutter, Metall, Stoffe ein ausserordentlich ausgiebiges; jedoch versteht man es nicht, grössere dekorative Wirkungen zu er* zielen, sondern beschränkt sich auf kleine Elachurnanicntationcn, die im Raum meist ihr Ziel verfehlen. Am wirksamsten sind eigentlich die grösstenteils maschinell hergestellten Stickereiei;, die durch grelle Earhcn. Gold und Silber bestechen: sie werden fast nur in K <» n s t a n t i u o p e l fabriziert. Die Muster auf allen Erzeugnissen sind meist durch arabisch 1111 leserlich .verschlungene Schriften unterbrochen, die sich rlivtlimisch wiederholen: sie sind nur als farbige Punkte in der Raumkunst wirksam. Von Damaskus aus findet der Export in alle Welt statt, vor allem ist Kairo, als die luxuriöseste Stadt des Orients, ein grosser Konsument Damaszener Waren. Es sind meist die Reisenden, die sieh als Andenken und a!s Kuriosität solche Sachen mit tu die Heimat nehmen. Es ist iu»11pts:i;;l1licl1 der o r i e 111 a I i s c 11 e T e p p i c 11, der den Kon* jinent Immerwährend beherrscht und auch künftig beherrschen wird. Es wird hierin in Damaskus, wie auch in anderen iic* rühmte:! Städten ja hervorragend Geschmackvolles geleistet, bi einzelnen Städten Palästinas,!»esonders in Ramaiiag auf der Strecke Jerusalem- Sumaria. werdet! vmt •Ja. Araberinnen noch ganz geschmackvolle Stickereien gearbeitet, die aber auf dem Weltmarkt ohne Bedeutung sind. Die älteste Synagoge der Welt Der Grossrabbiner von Mcssottl in der Türkei bereist gegenwärtig verschiedene Städte, um einen Schulhausfond für seine Gemeinde, die 3500 Seelen zählt, aufzubringen. Seine Gemeinde, erzählte er, wir.de seit der Zerstörung des ersten Tempels nur von Juden bewohnt. Die Gemeinde zählt drei Synagogen, deren eine 1265 Jahre alt ist und seit 7<יא Jahren nicht mehr renariert wurde. Trotzdem stellt sic ein so festes Gebäude dar, wie man es sich nur wünschen kann. Mcssoitl hat seine eigene Gerichtsvcrwaltung. die in den Händen der Aeltcstcn der Gemeinde liegt. W'ir überlassen Einsichtigeren und Sachkundigen das Urteil über das Alter der angeblich ältesten Synagoge. Zur Kolonisation Mesopotamiens Zur Leitung der Arbeiten bei den im Vtlafet Ada na mul in Mesopotamien geplanten Bewässerungsanlagen, über die wir bereits vor mehreren Monaten zu berichten in der Lage waren, wurde jetzt von der ottomanischeu Regierung auf fünf Jahre der bekannte englische l achniann Sir William Willcox gewonnen, ucr noch in diesem Jahre mit seinen Ingenieuren etc. nach Bagdad übersiedeln wird. Mit der Durchführung dieser Arbeiten wird ein neues grosses Gebiet einer systematischen Kolonisation zugänglich ,gemacht. — (über die g'ossartiVen Arbeiten zur Trockenlegung von Siimpien und Scl.iubarmaclmng von El;:sscu im Vilajet A d a 11 a hat die ״N. J. K.“ in No. 7 und 8 dieses Jahrganges ge* naaere Mitteilungen gebracht!) Nicht nur Religionsgemeinschaft Der JEWISH COM MENT schreib: im Anschluss an die Erwähnung der Tatsache, dass kurz hintereinander die ameri* kanisciien Zionisten, die Zeutralkonferciiz der amerikanischen Rabbiner lind die Chautaiiqua-Gesehschait ihre Jalircsver* Sammlungen abgchaltcn haben, wozu noch die Jüdische Publikatiousgescllschaft, der Bund amerikanisch-jüdischer Gemeinden. die amerikanisch-jüdische Gcschichtsgesclischaft. die Nationalkonferenz jüdischer Wohltätigkeitsvereine und die Jahresversammlungen der verschiedenen Orden kommen: ״Eine ungeheure Menge nutzbringender Tätigkeit repräsentiert sich in diesen Versammlungen, und man kann wohl sagen, dass die amerikanischen Juden Gelegenheit genug haben, über wichtige Dinge, die sie angehen, informiert zu werden. Es muss darum auüallen. dass während des Jahres keine Ver- Sammlung solcher Leute stattfindet, die rein und ausschliesslieh am Judentum religiös, aber nicht beruismässig interessiert sind. Der Bund amerikanisch-jüdischer Gemeinden kommt hauptsächlich zu administrativen Zwecken zusammen, und sowohl die Konferenz amerikanischer Rabbiner und die Union orthodoxer Rabbiner üben nur auf den Berufsmann An- Ziehungskraft ms. Es möchte scheinen, dass nicht genug Laienintcrcssc vor! ';.iden ist. um eine Versammlung zusammenzuberufen oder gar nur anzuregen. Woher kommt es. dass, wenn wir. wie die Jahreskonferenzen doch zeigen, die Idee des W itaerautlebeiis des Judentums annchmcn, wir alles auigre.fen ausser der Religion? W ir möchten weder die geistige Beuct.ü.ng noch das Wünschenswerte einer solchen Versammlung hervoiheben. jedenfalls ist es bemerkenswert, dass die!cligiose 8'citc des Judentums vorn Volke absolut ausserccht gelassen wird. Eine jüdische Zeitung des Westens macht die kritische Bemerkung, dass die Konferenz der amerikanisciien Zionisten keine Notiz von der jüdischen Religion nahm, aber sic vergisst hinzuziifügeii. dass diese Kritik sielt nicht gegen eine einzelne Organisation richten darf, sondern f ii r •־»Ile z u t r i f f t. Andererseits mag hervorgehohen werden, dass die zahlreichen Versammlungen, bei denen die Religion nur zufällig erwähnt wurde, einen Beweis dafür abgeben, dass es andere Dinge sind als die Religion, die das Interesse der Juden als solcher erregen und sic Zusammenhalten. Dies, denken wir. ist die Erklärung, und sie gibt denen mir geringe Aussichten, die sieh beschwert fühlen, weil die Religion nicht jede jüdische Versammlung beherrscht. Das ist hart für diejenigen, die che Juden lediglich als eine religiöse Gemeinschaft aufgefasst haben wollen, ohne jede andere Gemeinsamkeit von Interessen. Aber die Tatsachen sprechen fiir sich seihst." 1 ״״—*״ *j-- «■־,v ־־•־•*'►י'-.» Juden und Polizei in New-York Die Juden in Ncw-York erheben eine eigentümliche Anklage gegen die Polizei, die sie beschuldigen, den Juden feindiicli zu sein und in ihrer Eeindseligkeit so weit zu gehen, dass sic Verbrechern jüdische Namen geben. Diese Beschuldigung ruft in Ncw-York, d. h. in der grössten Judenstadt der Welt,

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