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Jüdische Rundschau · 1908-10-09 · Heft 41 (9.10.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 41 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 407 (10. 4! gegebene interne Monatsschrift DER JÜDISCHE STUDENT hielt die Einheit des Bundes aufrecht und stellte allgemein interessierende Dinge zur Diskussion. Dabei ist es natürlich, dass im Sommersemester die Ge* sclligkeit ganz, besonders zu ihrem Rechte kam; durch Ausfliigc. Kneipen. Schwimmen. Rudern usw. suchten sich die * Bundesbrüder einander näher zu kommen: auch bot sich hierdurch eine erwünschte Gelegenheit, in der Bürgerschaft der verschiedenen Universitätsstädte bekannt zu werden. Jede Aiiskunst über alle den B.J.K. betreffenden [•־nagen erteilt bereitwilligst der Schriftführer des Bundespräsidiums, cand. ehern. Arnold Hildesheimer. Berlin N. 24, Pricdrichstr. 130. Niedriger hängenI Der ״N. J. K.“ wird geschrieben: Unter der Spitzmarkc ״Arme Schächer“ brachte die Bcrliner ״Deutsche Tageszeitung“ dieser Tage einige Zeilen über den jüdischen Humoristen Saphir und knüpfte daran die Betnerkung: ״ist hier nur von Saphir die Rede oder von dem ganzen jüdischen Schnittlinie deutscher Zunge? Was mehr ist vom grossen Baruch Börne übrig geblieben? Was wird trotz der unausgesetzten Reklame von Harry Heine bleib e 11? Wer unter den zeitgcnössischcn Litcraturgrossisten führt einen Artikel, der in fünfzig Jahren noch Kalifwert haben wird? Das ist ein Stück vom Einehe des ewigen Juden.“ Diese ebenso dumme wie arrogante Bemerkung verdient keine ernste Erwiderung. Höchstens könnte man dem Blatte, das die grosse Kartoffel im Wappen iiihrt. antworten, dass ״von dem ganzen jüdischen Schnittlinie deutscher Zunge״ jedenfalls unendlich viel in c 11 r die Zeiten überdauern wird als von den Geistesprodukten der .Deutschen Tageszcitimg“ und ihrer sämtlichen irüheren. jetzigen und zukünftigen Redakteure. Das käme dann freilich immer noch auf eine Schmeichelei für das Blatt hinaus. Hilfsverein der Deutschen Juden Am 21. September fand unter Vorsitz des Herrn James Simen eine Sitzung des geschäitsfiihrenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden tatt. Es wurde u. A. über das Projekt beraten, einen Zusammenschluss der grossen iiidisehen Vereinigung für bestimmte Fälle zu organisieren. Der Hilfsvcrein der Deutschen Juden, der bereits anlässlich der ersten Kischinewcr Pogrome eine solche Gesamtorganisatio:1 in Vorschlag gebracht hatte, und der nach den Pogromen im Jahre 1905 die Anregung zu dem Zusammenwirken der grossen Organisationen gegeben batte, wodurch alsdann auch eine schnelle und rationelle Hilfeleistung ermöglicht wurde — hat seine volle Sympathie für die Idee ausgesprochen, in geeigliefen Fällen das Hilfswerk durch Korporation der berufenen indischen Vereinigungen zu zentralisieren, uni er hat sich rrinziniell •bereit erklärt, einer praktischen, zwcekcntsprechcudei: Gcs.untorgauisation bei/.utreten. Wie diese Gesamtorgam'satioii licrziistcllcn und wer ihr ang'eliüren soll, darüber werden weitere Verlundlungcii geführt werden, vor allem in Rücksicht auf die Bestrebungen des Kmmtees, das unter Vorsitz des Herrn Justizrat Horwitz, Berlin, dem gleichen Ziel zustrebt. Es wurde alsdann in der Sitzung eine Reihe von Bewilligiingcn vorginommcn. 11. A. fiir Erziehungsanstalten und Schulen im Orient und für Institute in Deutschland, die sich im Dienste des lliliswerks für die osteuropäischen, vor allem die russischen Juden betätigen. Bei dem Umschwung der Verhältnisse in der Türkei ist die Vermehrung und Verbesserung der Bildungsgelcgenheiten daselbst von besonderer Bedeutung. Es wurden dementsprechend Mittel zur Entsendung deutscher Lehrkräfte• fiir Schulen in Konstautiuopel bewilligt, deren Reorganisation und Ausbau der Hilfsverein übernommen hat• Geeignete Persönlichkeiten sind bereits gewonnen und sie treten zum Oktober ihre Stellungen daselbst an. Auch nach Bulgarien sind zwei neue deutsche Lehrer au Stelle ahgehetuicr entsandt. Zur Begründung eines Kindergartens — dieser für den Orient so eminent wichtigen und segensreichen Institution — in Saloniki wird der Hilfsvcrein seine Unterstützung durch Hergabe der erforderlichen Mittel herleihcn. Ferner wurde die Begründung einer Wanderbibliothek in Aussicht genommen, die insbesondere eine Reihe kleineren Ortschaften in Palästina zugute kommen soll. Herr James Simon machte eine besondere Zuwendung in Höhe von 3000 Mark zur Herausgabe und Verbreitung von Schriften für die Jugend im Orient — Schriften unterhaltenden und belehrenden Inhalts. Lieder usw. Literatur fiir die jüdischen Kinder im Orient, die nach der Entwickelung der dortigen Verhältnisse in der Hauptsache hebräisch geschrieben sein müsste, fehlt noch fast völlig resp. cs ist noch nicht an eine passende Zusanimcntellung für den gedachten Zweck gegangen. Der Segen der durch geeignete Lektüre für Phantasie. Gcmütslcbcn und die Weltkenntnis der Jugend in ihrem empfänglichsten, bilduiigsi-äliigsten Alter gestiftet werden kann, ist* nicht hoch genug zu veranschlagen. Die versammelten Mitglieder des geschäftsführenden Aus- Schusses gaben zu der schönen Anregung des Herrn James Simon und seiner hochherzigen Zuwendung ihren lebhaften Beifall kund. Für den Israelitischen Unterstützungsverein fiir Obdachlose in Hamburg, der die osteuropäischen Durchwanderer bchcrbergt und der ein neues Heim fiir sein ebenso notwendiges w ie segensreiches Werk errichten muss, wurde eine Beisteuer gewährt. Auch der Hilfsvcrein fiir kranke russische Israeliten au der Ostgrcuzc. in Königsberg i, Pr., an dem gleichfalls hohe Anforderungen gestellt werden, erhielt einen Zuschuss. Russisches aus Galizien Aus Lemberg wird der ״N. J. K• ‘ von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Dass die galiziseheu Behörden sich bemühen, in ihrer Politik den Juden gegenüber russische Muster nachzuahmen, ist seit langem bekannt. Wie geschickt sic praktisch die hier iiichtvorliaiideucu russischen Judengcsctze zu ersetzen wissen, /figt das Verhalten gewisser Schuldirektoren. Obwohl die berüchtigte Resolution Sclp.nid im österreichischen Rciclisrat bekanntlich abgrlelmt wurde, die. ganz wie in Russland, die Juden zu den mittleren und höheren Schulen nur nach einer bestimmten prozentualen Norm zulasscn wollte, führen diese Direktoren den Willen des Herrn Schtnid und seiner Gesimiungsgcnosstn praktisch aus. indem sic jüdisch e n Eltern, die ihre Kinder an dem betreffender! Gymnasium oder der Mittelschule usw. nntcrbringcu wollen, mit bedauernden! Achselzucken die Antwort geben, die Anstalt sei I) e r e i t s über i ü 111. Und da helfen weder Bitten noch Proteste. Wenn der Herr Direktor sagt, dass die Anstalt iilicriftHt ist. dann ist sie eben überfüllt. — auch wxnn hinterher noch eine ganze Anzahl christlicher Schüler ausgenommen werden! Dieses Schauspiel wiederholt sich in einer ganzen Reihe von Anstalten Jahr für Jahr, und die jüdischen Eltern müssen von einer Schule zur andern wandern, um ihre Kinder irgendwo unterzukriugeu. Auf diese höchst einfache Art ersetzt man in Galizien die nicht vorhandenen antisemitischen Gesetze. Der besorgte Gouverneur Aus Poltawa w ird der ״N. J. K.“ von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: . Eine Gruppe von Juden in Poltawa wandte sich kürzlich an den Gouverneur, um hei diesem die Erlaubnis zur Gründimg einer Gesellschaft zur Pt'lege und Förderung der hebräiselten Sprache nacltzusuchcn. Der Gouverneur lehnte es jedoch ab. diese Erlaubnis zu geben. Jetzt erfährt man, dass der Polizeimeister die Zurückweisung des Gesuches in folgender Weise begründet habe: ״In der Gesellschaft, die als ihre Aufgabe die Erlernung der hebräischen Sprache betrachtet, sehe ich ein Streben der hiesige! Juden nach nationaler Absonderung, die leicht eine Verschärfung d er E »1 t i r c m d 11 n g zwischen luden lind Russen zur Folge habe״ könnte. Da mm das Gouvernement zudem noch nicht ganz ruhig ist. so finde ich die Gründung der Gesellschaft nicht zeitgemäss weil sie zu Unruhen unter der Bevölkerung Anlass geben könnte.“ Diese Besorgtheit ist wahrhaft rührend! Ein Umschwung? Aus Petersburg wird der ״N. J. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Am 19. September hat der Senat in seiner Sitzung über ein Kassatiimsgesuvh verhandelt, das von einer Reihe von cchtrtissisdieii Leuten eiliger eicht worden w ar, die vom Bezirksgerieht in Grodno wegen Teilnahme au dem B i a I y - Stoker Pogrom zu verschiedenen Strafen verurteilt wurden. Der Senat hat bemerkenswerterweise das Kassationsgcsuch zuriiekgewlesen, und die Herren Vcrbäudler werden mm im Gegensatz zu ihren glücklicheren Verbandsgeitosseti ihre Strafen absitzen müssen, falls sie nicht etwa die kaiserliche Gnade noch zur rechten Zeit erreicht. ייייייי״ויי*

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