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Jüdische Rundschau · 1908-10-09 · Heft 41 (9.10.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 41 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 402 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Mo. 4i keinen Schaden leide. Aber es ist selbstverständlich, dass ־wir die Möglichkeiten erwägen, die morgen oder vielleicht heute schon am politischen Horizonte des Orients aufsteigen. Die Geschicke der Juden sind aufs innigste mit denen der übrigen Menschheit verflochten und cs geschieht keine grössere politische Aktion, die nicht irgendwie auf die Geschicke der Juden zurückwirkt. Man erinnere sich doch des Burenkrieges, der direkt doch gewiss nichts mit den Juden zu tun hatte, und atii allerwenigsten mit den Juden in Deutschland, und doch hat die gerechte Burenbegeisterung in Deutschland das Wasser geliefert, das die antiscniitisehen Mühlen bei uns zu Lande trieb. Um wie viel mehr muss cs auf die Juden im allgemeinen wirken, wenn das Objekt der feindlichen Angriffe das einzige Volk ist, das niemals die Juden verfolgt, das sie immer gcschützt und immer als gleich und verwandt gefühlt hat, das Volk,'mit dessen Gedeihen und Glück die Hoffnungen der Besten der jüdischen Nation auis innigste Zusammenhängen. DT* Juden brauchen ia nur ihre Lage in der Türkei, in der ihnen keine europäische Macht irgend ein noch so geringes Recht garantiert, mit der ihrer Brüder zu vergleichen, die unter der Garantie samt־ lieber Mächte in Rumänien gleichberechtigt sein sollten. Die zionistischen Ziele s;nd nun bekanntlich auf einen Teil des Türkischen Reiches gerichtet mit dem ausdrücklichen Wollen, dass dieses Erbland der Jude•? stets ein integrierender Teil des Türkischen Staats sein und bleiben soll, um wie viel mehr müssen wir das Gewölk beachten, das am östlichen Himmel aufsteigt und für das Türkische Reich und ebenso für das Land Israel Sturm bedeuten kann. Wie leicht könnte das Gewitter losbrechen und alle die zarten Keime vernichten, die eben erst den Türken einen reichen Segen zu versprechen schienen und nicht minder alle die lebcnsfähigen Keime treffen, die von jüdischer Hand im Lande Israel gesät sind und ein junges frohes Volksleben ahnen lassen. Die junge jüdische Kultursaat im Lande Israel ist bei dem vielleicht drohenden Wettersturin in nicht geringerer Gefahr als die politische nationale Saat des Türkischen Volkes. Aber es wäre verfehlt, eine andere Lehre ans den Wcchselfüllen politischer Konstellationen zu ziehen, als die. dass \v.!r nicht durch die augenblickliche Lage uns grundsätzlich bestimmen oder zu übereilten Schritten fortreissen lassen. Die politische und nationale Mora! bleibt die gleiche in allen Wechseliällcn nationalen und politischen Lebens. Vorsichtig und festen Schrittes gehen wir aut uiisctcm Wege weiter; es ist der richtige Weg, den wir gehen. Vierzig Jahre sind unsere Väter durch die Wüste gezogen. Eine kurze Spanne Zeit, wenn es gilt, ein Volk zu werden und ein Land zu gewinnen. Aber der grösste Mann, den jemals das Volk hervorgebracht hat in seiner mehr als drcitausci’diührigcn Geschichte war ihr Führer. Wir haben keinen Moses an unserer Spitze und kommen nicht in geschlossenem Zuge aus einem Lande, sprechen nicht eine nationale Sprache, w:e unsere Väter und sehen nicht das Land der Vcrheissung von ferne. Da dürfen wir nicht erwarten, dass das Leben einer Generation uns schon an die Grenze 1111■ seres Ideals bringt. Vielmehr werden wir noch weit durch die Wüste widriger Geschicke wandern miisccu und noch lange in den Hätten wohnen, die nicht mit dem Laube der Bäume aus dem Lande Israel gedeckt sind. Aber der Weg ist derselbe, den unsere Väter zogen, der Weg von der Knechtschaft zur Freiheit, aus der Wüste zum Laude Israel. E 1 j ״ q i m. Leibesübungen unter den Juden Palästinas Nach Mitteilungen des Herrn 7, b I Orion־, Turnlehrers am hebräischen Gymnasium zu Jaffa. Die Tttriiidee ist von den neuen Kräften, die vor 3 *I Jahren in Palästina einströmten, hinübergebracht worden. In Herrn l>r. Leo Kohan, der vor zwei Jahren ciuwandertc, fand sieh ein tüchtiger 'Organisator, dessen rastlosen Bemühungen die Gründung des Jaüucr Turnvereins ״Riselion le-Zion“ zu danken ist. Lin junger Mann aus Bulgarien übernahm die turnerische Leitung und es wurde regelmässig von 20— 30 Turnern geturnt. Dieser flotte und teilweise äuss'crst erfolgreiche Turnbetrieb hielt sich etwa K• Jahr. He־״r Dr. Kohan widmete dem Verein ständig seine Arbeitskraft und übernahm die physische Prüfung der cintrctcndeii Mitglieder. Dieser Anfang berechtigt zu den schönsten Hoffnungen, und es ist ausser Zweiiel, dass die kraft* bewusste, tntenfiohe palästinische Jugend den Verein zu einem cinfluss •eichen Kaktor des Jaffaer Lebens ausbauen und das Vereinsturnen auch in den anderen Städten verbreiten wird. Line vorübergehende Lähmung erlitt der Verein, als der Turnwart aus dem Laude ging, um in Bulgarien eine Stellung als hebräischer Lehrer einzunehmen. Mangels einer geschulten Le innig erlahmte eas liue-esse sichtbar und der Mangel au Geldmitteln hinderte den Verein an der Beschauung eines ge* eigneten Turnplatzes. Bessere Zeiten brachen erst an, als das hebräische Gymnasium den Turnern die Benutzung seines Schulhofes, der von einem ansässigen Handwerker mit Geraten ausgestattet ist, ireignb. Auch die eigenen Turngeräte des Vereins werden jetzt dort atiibewahrt. Das hebräische Gymnasium ist die erste palästinische Schule, die nicht nur die Wichtigkeit des Turnens erkannt, sondern auch einen regelmässigen Turnunterricht cingcführt hat. Herr Orlow, der Turnlehrer des Gymnasiums, befindet sich gegenwärtig zu weiterer turnerischer Ausbildung in Berlin, nachdem er vorher in Bern an einem dreimonatlichen eidgeaössischcn Turnleiircrausbiidungskursus tcilgenommcn hat. Herr Orlow bedient sich bereits mit gutem Krfolge des hehräisehen Kommandos und wird uns bei unseren bezüglichen Arbeiten zur Seite stehen. Ausser den zweimal wöchentlichen Turnstunden besteht am Gymnasium die Einrichtung der Turn* pausen (auf je Stunden Unterricht folgt U Stunde Pause), bei der die Kinder sich unter Aufsicht des Lehrers nach freier Wald aiisturnen. Die Einrichtung hat sich sehr bewährt, und die Erfolge sind in der kurzen Zeit ihres Bestehens überraschcnd. Das glückliche Klima des Landes ermöglicht mit geringer Ausnahme das ganze Jahr hindurch das Turnen im Breien. Dennoch ist in dem projektierten Neubau des Gymiiasiums eine geräumige Turnhalle vorgesehen. Die Leitung der übrigen Jaffaer Schulen ist der Einrichtung' eines regclmassigen Turnunterrichts durchaus nicht abgeneigt, nur liess der Tiirlchrermangcl bisher alle Pläne scheitern. Hier bietet sich unseren Tmiicrn, die des Hebräischen oder Eranzösisehen mächtig sind, ein dankbares Feld, zumal auch die nichtjiidischcn Schulen für den Unterricht in Frage kämen. Ein: sehr bclichteEiiiriclitmig am Gymnasium sind die regelmässigen Ausfinge der Kinder, die so recht geeignet sind, in ihnen die Liehe zu ihrer altiieuen Heimat zu wecken und zu erhalten. Meist führt ein Leiterwagen die Schüler aus der Stadt hinaus. Dauu wandert mau zu Kuss durch die Kolonien und erst spät abends heimwärts. Häufig dehnt man die Partien auch über mehrere Tage ans und findet hei unseren jüdischen Kolonisten gastliches Nachtlager. In den Kolonien der l’mgcgend von Jaffa haben sich die Leibesübungen so recht urwüchsig aus dem Betätigungsdrang unserer Bauern hernus entwickelt und sich den örtlichen Verliältnissen angepasst. An einem jeden Samstag wandert man | hinaus und hält ausserhalb der Kolonien Spiele, Wcttlauf und

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