Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kopie ״Organ der Zionisten“ nannte, nachdem sie vorher einige Jahre ״Organ der Jiidiscli-NaFonalen“ g־el1eissen hatte, dass die Judenfragc nicht im Wahllokale und nicht in den Pariainerten gelöst würde, sondern unter Gottes freiem Hirninel am Pfluge und in dem Lande, aus dem sie gekotumen wäre. Diese Ueberzcugung, die damals von wemgen erst geteJt wurde, hat sieh seitdem mächtige Balm gebrochen. Der ■Nachdruck in der Judenriage liegt im Osten. Keineswegs bloss in Russland, wenn auch die Masse der Juden unbedingt zu einer solchen Auffassung berechtigt, sondern vor allem 1111 Orient, im Lande Israel, aus dem die Juden riage gekommen ist. Je mehr diese Ueberzcugung sich Balm bricht, und je mehr das Land Israel als Zukunitsland der Juden der Gegenwart näher' gebracht wird, um so wichtiger erscheinen uns die Vorgänge im Türkischen und Arabischen Orient, d*e uns und unsere Ideale in wichtiger Weise zu bcein- Aussen geeignet erscheinen. Erst die allerjüngste Zeit, die dem kraftvollen Türkischen Volke Gelegenheit geboten hat, dem staunenden Europa ein klares und unzweideutiges Bild seiner politischen Reife zu geben, hat sogar schwer zugängliche,11 Personen die Einsicht näher geführt, dass die alte Judenhemmt nicht bloss ein erstrebenswertes Ziel sondern auch'ein erreichbares Ideal wäre. Wenn solche leicht beweglichen Gemüter, die sich durch selbstverständliche Schwierigkeiten hatten absclirecken lassen, mm plötzlieh glaubten, durch die neue Lage in der Türkei sei überhaupt erst Palästina in die Sphäre politischer Möglichkeiten gerückt, so haben sie damit gezeigt, dass s:c den Wcchseliällen im politischen Durcheinander einen mehr als zufälligen Wert beilegten, emen Wert, der ihnen eben nur bedingt zukommt. Gegenüber zielbewusster ruhiger Volkskraft, die einem vielleicht noch so fernen Ideal mit sich glelchbleibendcr stoischer Ruhe ־/,usirebt, gibt es auch ein nervöses Hasten, das heute in der Türkischen Verfassung die Gewähr sieht, die mau einem Charter erwartet hatte, der eigentlich hätte vom H'mmel fallen sollen, das morgen vielleicht 411 politisehen Verwicklungen des Orients den Untergang der zionistischen Hoffnungen sehen zu dürfen glaubt. Das eine ist so falsch wie das andere. Es ist zwar unbedingt richtig, dass die Türkische Verfassung, wenn sie eine Gesundung und Kräftigung des T'ärkischen Reiches herbeiführt, sowohl dem Jüdischen Volke ganz im allgiucinen. wi-e dem Zionistischen Interesse im besondere zugute kommt. Dem! jede Stärkung der Türkei ist ein Vorteil für die Juden und eine jede Schwächung, die ihr zuteil wird, trifft uns als Juden und als Zionisten. Aber niemand vermag heute zu sagen, wie die Dinge im Orient sich gestalten werden. Niemand, ausser den treibenden Kräften in einigen diplomatiseben Faktoren, vermag cinigennassen vorauszusehen, ob morgen Krieg oder Frieden ist, und auch diese ia nur, soweit sie sich bemühen, den Frieden zu stören, und trotz aller Friedensliebe der Türkei;st es möglich, dass der Kriegslärm im Osten erschallt. Denn . wenn es auch bekannt ist, dass die Türken sich bemühen, die schwere nationale Kränkung, die ihnen mitten in vollem Frieden wieder einmal zuteil wurde, bei aller Wahrung der nationalen Ehre so hinzunehmen, dass dadurch nicht die Schuld für emen plötzlichen Krieg nicht sie trifft, so wäre es doch begreiflich, dass sie sich in gerechtem Zorn aus der abwartenden Stellung herausdrängen lassen und die ihnen aufgezwungenen Waffen in d:e Hand nehmen. Daran, das das Türkische Volk bei seinem hofiinmgsvolleu und von nationalem• Ehr- und Ge recht! g,- keitsgctiilil cingegebcnen Protest an Europa irgend welchen Widcrkltuig im ״Kulturwesten*‘ finden wird, kann nur jemand glauben, der nicht weiss, dass die cu׳• ropäisclien Völker Juden und Türken gegenüber eine andere nationale Moral für angebracht erachten,, als europäischen Völkern, die ihre Kultüriähigkeit mit Kanonen erweisen. Man braucht ja nur zu beachten, dass kein europäischer Staat es s:ch jemals hätte beikommen lassen, auch das liberale (!) England nicht, den scheusslicheu Judemnorden gegenüber ״in die hmeicn Verhältnisse•‘ des christlichen Russlands hineinzureden, während man dauernd in dem friedlichen Lande der Türken erst einmal die Völker gegen einander hetzte, um daun europäische Vonmmdschait einzufiili reu. Es wäre aber e!u falsches Beginnen, wollten wir hier uns die Köpfe der Türkischen Politiker zerbrechen. Diese besonnenen Leute werden, ohne der nationalen Ehre, die sie zu wahren haben, irgendwie das Geringste zu vergeben, sicher den besten Weg finden, damit der Türkische Staat, sow eit es von ihm selbst abljäugt, W't x \