Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1908)
- Date
- 1908-10-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 40 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 395 & ist eine Ehrenpfiidit der gesamten Judenheät, gegenüber diesem Notschrei Herz und Hand nicht zu verschliessen. Wir müssen die Palaschas durch Verbreitung von Schriften, durch Erteilung von Unterrcht so schnell wie möglich die erbetene Hilfe senden und so das Band fester knüpfen, das sic mit dem Judentum verbindet. Der einzige, der in der Lage r‘st, diese schvvierige Aufgabe zu erfüllen, in dem unwegsamen, von der Kultur noch wenig berührten Land.* mit Erfolg zu wirken, istDr. J. Faitfowitsch. Er hat durch Unterstützung des verewigten Grand-Rabbiu Zadoe Kahn, unter Subvent:on des Baron Edmund von Rotschild in Paris, in den Jahren 1904/5 eine Reise bis t ef ins Innere von Abyssinien gemacht, sich eine gründliche Kenntnis von Land und Leuten angeeignet, überall Verbindungen augeknüpit und s ch das Vertrauen und die Achtung der nicht leicht zu- Bänglichen Palaschas erworben. Die von ihm überbrachten eingehenden Nachrichten Mcmbrc de l’lustitut. Paris. Dr. J. IL Dünner. Oberrabbincr, Amsterdam. Dr. N. Ehren leid, Oberrabbiner,!*rag. Dr. Elias, Arzt, Stadtrat, Mülhausen i. Eis A. da Pauo, Oberrabbiner, Mailand. M. Pinzi, Poi. Avv״ Florenz. Dr. M. G ii d e m a n!1. Oberrabbiner, Wien. Dr. (i ti t niann, Rabbiner, Breslau. Joseph Ua K* vy, Professor, Paris. Proi. Ja re. Obcrrabhincr. Ferrara. Dr. Klein, Oberrabbiner. Stockholm. Dr. Koch. Oberrabbiner, Gothenbürg. Dr. K o 11 c n sc 11 c r. Rechtsanwalt. Posen. Dr. P. Löwen stein, Oberrabbiner, Kopenhagen. Dr. S. May* bauin, Rabbiner. Professor. Berlin. R. Otto len g hi, Avv. Acqui, Piemont. H.!,a lasche. Oberrabbiner, der portugies. Gemeinde, Amsterdam. A. Roürigiics Fereira Oberrabbiner der jxirtusiics. Gemeinde. Haag. Dr. Gera rd- P o I a k - D a 11 i e I s. Rotterdam. Dr. S. P o z n a n s k i, Rabbiner, Warschau. Dr. Martin P It i I i p p s o I! n , Professor, Berlin. Placzek, Justizrat. Posen. Leone Ravenna, cotmn. Avv., perrara. Dr. R o s e 11111 a I. Rabbiner, Breslau. Proi. Dr. Sch echter, Seminardirektor. New York. Angelo S e r c 11 i. Cav. Ufi. avv. Stadtrat. Rom. I. Schlossniann, Kommerzienrat, Berlin. Wiener. Stadtrat. Kattowitz. über die Palaschas, die von anderen berufenen Fachmännern und von Abyssitiiern, die sich in Europa aufgehalten haben, bestät'gt werden, bilden eine in jeder Beziehung hinreichende Grundlage für die Eröfinting des praktischen H i 1 is w c rk es. Wir haben mm deshalb Dr. Paitlow itsch zum zweiten Male nach Abyssinien gesandt, zum'iehs!, dann die Palaschas in den Hoffnungen, die sie seit seiner ersten Anwesenheit liegen, sich nicht getäuscht seliciPund damit die von ׳:Inn in amharischcr Sprache verfassten Schriften über Juden und Judentum unter ihnen verbreitet werden, daun aber auch, damit die vorbereitenden Schritte zur Gründung einer Schule getan werden, in der junge Palaschas zu Relig:onslchrern für ihre Stammesgenossen ausgebildet werden solled. Weiter wird Herr Dr. Faitfowitsch eine Anzahl junger und begabter Falaschas auswählen, von denen einige in eine Jüdsche Schule nach Jerusalem und die andern in die •erwähnte entweder in Abyssinien selbst oder in Eryträa zu errichtende Lchrer-Bildungsansalt gebracht werden sollen. Selbstverständlich wird die zu gründende Schule in streng traditionellem Ge;ste geleitet werden. War wenden uns mit der Bitte um Unterstützung unseres Werkes an die Judenlicit aller Länder und wir sind der festen Ueberzeugung, dass unsere Bitte für den versprengten Bruderstamm, der seit Jahrhunderten losgelöst von jedem Zusammenhang mit All-Israel, auch in den Tagen blutigster Verfolgung und schwerster Bedriiekung dem Gott Israels die Treue, bewahrt hat, nicht ungehört verhallen wird. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, die Zeichnung von Jahresbeiträgen oder einmaliger grösserer Spenden entgegenzunehmen. Das Komitee. Dr. S. H. Margulles. Oberrabbiner, Florenz. a Dr. Alfred Klee, Dr. J. Elbogen, Rechtsanwalt, Dozent an der Lehr- Berlin. anstatt f. d. Wissen- Schaft des Judentums, Berlin.. Dr. Eugen Mittwoch, Privatdozent, Lehrer des Abyssinisehcii am Oriental. Seminar. Berlin. H. Adler, Chief Rabbi, London. Dr. Ascher. Rechtsau* walt, Dessau. Dr. B a d t, Professor, Breslau. Dr. ß a g i 11 s k v, Uiüvcrsit.itsprofessor. Geh. Medizinalrat. Berlin. A. Bernn ei in, Mitglied des israel. Konsistorium. Mülhausen i. Eis. Dr. Ludwig Blau, Professor. Budapest. ü. Bola ff 10, Oberrabbiner, Turin. Cassel. Geh. Justizrat. Landtugsahgeordneter, Berlin. Dr. H. P. C h a j e s. Proicssor. Florenz. Dr. A. Cohn. Rabbiner, Basel. Dr. Cohn, Rechtsanwalt, I. andtagsabgeordueter, Dessau. Dr. S. Colombo, Oberrabbiner. Livorno. Hartwig Dercmbonrg‘. Professor Der jüdische Student*) Fs gibt Gruitdanschauungei!. welche niemals veralten. Zu ihnen gehör« n diejenigen von der Bedeutung des Universitütslebens. Sic können vorübergehend einmal verschiedene Formen der Universitatsgthilde zeitigen, aller der civis acadeniicus bleibt das konservative Element in ihnen: die goldene Freiheit zu leben und zu streben, der freie Geist, welcher 11.»eh in jedem Burschen steckt und sich in gesunden Zeiten gegen Grillen und borgen wehrt. 1!1 gesunden Zeiten: ju denen des Kampfes stellten die Studenten noch stets ilrcit Mann. W enn aber die Kampfeslust abflaut, tritt mit einem Schlage ein Umschwung in der Interessensphäre der Studentenschaft ein. Jetzt leben wir in einer solchen Krise. Der Antisemitismus als Kampiesart ha; dem Aseinitismus Platz gemacht. Dieser bleibt als Frucht des erstem! bestehen, bis vielleicht einmal ernste politische Zeiten auch ihn entthronen werden. Innerhalb der Studentenschaft bereitet sich dieser Umschwung schon seit langem vor. Asctuitisch wurden die meisten alten Korporationen sofort mit Beginn der antisemitischen Bew egung. Antisemitisch traten in Ferm von rüden Rempeleien die Herren nur so lange auf, als nicht die jüdische Studentenschaft, die freie sowohl, wie die organisierte, ihnen die Faust zeigte. Es gab nur diese eine Methode, sie war wirksam: denn schon das Bestehen einer jüdischen Korporation, besonders aber einer solchen, welche den ״Coiileiir-Klimbhr rmtmacht. genügt heut, uni den Antisemitismus gar nicht in die Erscheinung treten zu lassen Aus dieser Zeit, verehrter Herr Kommillione Tlieilhaber, habe ich die Theorien, von denen Sie annehmen, dass ich den Stand der Dinge ״allzu theoretisch in allzu günstigem Liebte" sehe. Damals existierte ausser dem K C. und — wenn ich nicht irre — drei ״interkonfessionell-jüdischen ‘ (an e i n e r solchen hängt mein Herz noch beut in begeisterte*. Jugendliebe) sclilägenden Verbindungen keine jüdische Korporation. Wollte ich Reminiszenzen feiern, so würden Sie vielleicht bedauernd erkennen, dass Sie den letzteren Unrecht getan haben: sie hüben, «»lute in ihren Statuten die Bekämpmng des Antiscniitismus festgelegt zu haben, an persönlichen Opfern alle mehr geleistet in kurzer, Zeit, als jetzt in einer Reihe von Jahren die gesamte iiidische Studentenschaft zu leisten nötig hat. Ich will Ihnen aber gestehen, dass mir die programmatische Bekämpfung del Amiseiritisinus niemals sympathisch war! Ganz abgesehen von dem unschönen Polizisteiitimi, das sich durch sie zu einer Misere in der Judenscliait ausgewachsen hat. musste sie in ihr die Entwicklung der gesunden Selbstwelir niederhalteu und wohl auch zuw eilen für Elemente, deren wir uns nicht zu ireuen nötig habyn, ein schützendes Bollwerk bieten: man läuit zum Kadi und ist geborgen. Keineswegs durch Bekämpfung des Antisemitismus hat dieser sieb in die immerhin noch vorhandenen Grenzen zurückgezogen, vielmehr ist er durch seine eigenen Auswüchse auf den jetzigen Stand gekommen. Ein anständiger CIrist geniert sich der Gesellsebait der bisherigen Yolksbihrcr. Um auf die engere studentische Frage zuriickzukomnieii: die antisemitischen Ausschreitungen seitens der Studenten- Schaft sind durch das stramme Auftreten der oben erwähnten Generation von der Bildfläelie verdrängt worden, ein Verdienst, das dieser keiner von denen, welche damals Studenten waren, wird schmälern w ollen. ־ ־ Als Bew eise für die Be- *) Wie versprochen, wiederholen wir -Jen Artikel, der in vorletzten Kumme ■ inkorrekt ahgedruckt war.