Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 39 JÜDISCHE RUNDSCHAU Pank, Dr. Viktor Jakobsohn, bisheriger Leiter der Filiale der Anglo-Palestine Company in Beirut, ist schon in Konstantinopcl eingetroffen. um die Eröffnung der Bank vorzubereiten. Damit besitzt die zionistische Bewegung, deren Finanzielles Instrument der Jewish Colonial Trust bekanntlich ist. nun auch in der Hauptstadt des Osmaniseheu Reiches ein Finanzinstitut, das bei der Ausführung verschiedener zionistischer Pläne eine wesentliche Rolle spielen dürfte. Förderung der Naturkunde in Palästina Unter dem Namen ״Akademischer Verein zur Forderung ־der Naturkunde in Palästina" hat sich soeben eine neue Oe- Seilschaft konstituiert, die sich die Erforschung der Fauna und Flora Palästinas, sowie seiner geographischen und geologischen Verhältnisse zum Ziele setzt. 1:1 dem eben erschienenen Aufrufe des neuen Vereins heisst cs nach einer Skizzierung des heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisdranges: ״Dennoch gibt cs ein Land, das weder in der Nähe des Siidpolcs gelegen noch von wilden Völkerschaften bewohnt ist, das vielmehr in eine: benuemen Reise von der Datier einiger Tage erreicht werden kann und nach allen Richtungen oltne jedwede Geiahr durchforscht werden könnte, lind dennoch man sollte cs kaum für möglich halten! — Ist dieses Land letzten Endes eine terra i r. e o g 11 i t a. Es ist weder nach seiner Bodeiihesehaifeulicit. nach der Natur seiner Berge lind Flüsse, noch auf seine Fauna und Flora Reinigend criorscht worden. Allgemein sind die Klagen hierüber bei den F'acligciehrten. Dieses Land, das einst einem Paradiese glich, und seit Jahrtausenden zu einer Einöde verwandelt ist. ist das allbekannte, unbekannte Palästina!״ Der Auirui des nach einem Vorträge von Dr. Leo M e 1111 a 11 n im Akademischen Zinnistctivercin in B e r n gegründeten Vereines, ist unterzeichnet n. n. auch von einigen niehtjiidischcn Proiessoren der Universität Bern, den Herren Professor Dr. Studer ua.l Prozessor Dr. Marti, sowie von einem cbcnialls nichti'dischen Berner üyninasialdircktor, Dr. P r e i s w c r k, ausserdem von Prozessor Dr. Mai. Bern. Professor Dr. War bürg. Berlin etc. Der Verein verdient 7.wei1ellos die wärmste Unterstützung von Juden und Nichtj'uden. Er hat ein so weites Arbeitsfeld vor sich, dass er Tausende von Mitgliedern brauchen kann, die sich üoffemlicn in kurzer Zeit zusammen(׳::den werden. Zuschriitcn sind zu lichten an Herrn (Dr. Leo Met mann. Jaiia (Palästina). Der Vortrag des Herrn Dr. Metmaim ist unter dem Titel ״Zur Regencrationsarbcit in Palästina" im Verlage des Akadcmischen Ziouistenvcrciiis in Bern erschienen und für 60 Cetitimes zu beziehen. Aus dem Lande Israel Kolonisation palästinischer Juden Aus Jerusalem wird der ״N. .1. K.“ von ihrem dortigen Koricspoiideiiten geschrieben: Dass auch in die hiesige• bisher in ziemlicher Leblosigkeit verharrende Masse der Juden ein frischer Hauch Eingang findet, das beweist ein Vorgang, dessen Zeugen w ir vor einigen 'lagen waren. Es fand nlmlielt eine Versammlung von einigen Iniiictcrt scfaidiselien Juden statt .die. bisher städtische j Bewohner Jerusalems, darüber be־ietet!, wie sie sieh auf dem I Lande als Kolonisten sesshaft machen könnten. Man fängt also auch in diesen Kreisen an zu erkennen, welchen Schaden fiir das palästinische Judentum cs bedeutet, wenn die Masse in einigen Städten eng zusammengepfercht wolmt und so sich selbst jeder Entwicklungsimglielikeit beraubt. Die erwähnte Versammlung kam am Ende zu dem Beschluss, dass man gegenwärtig atu besten dar. :1 tue, nach Cvpern zu gehen und' dort vielleicht mit Hilf•.־ der •.Jewish Colönisntioii Ass»- cintinn“ eine neue jüdische Kolonie zu gründen. Die englische Regierung hat bekanntlich nichriach erklärt, dass sie eine jüdische Kolonisation in Cvpern mit allen Mitteln zu fördern bereit ist. Man will sich deshalb von neuem an die englische Verwaltung in Cvpern mul an die JCA wenden.Eigentlich ist nicht einzuseheti; werdiari» Jerusalemer Juden - - besouders unter den jetzigen, so viel günstigeren Umstanden weht lieber im Lande Israel sich ansässig machen wollen, das so tuieudlich viel günstigere Bediiigjii'gen bietet als Cypern: aber freilich darf man dort nicht auf die Hilfe er J.C.A. rechnen. I Samuel Hirszenberg | In Jerusalem ist, wie unser!! Lesern bereits bekannt ist, kaum 43 Jahre alt, der bekannte jüdische Maler Seite 391 Samuel Hirszenberg gestorben. Vor einem Jahre erst war er. nach Jerusalem gegangen, um dort als Lehrer der Jüdischen Kults tgewer beschule ״Be za lei“ zu wirken, fiir deren ferneres Gedeihen mau grosse Hoffnungen auf ihn setzte. Er war in Lodz ii: Russisch-Polen als der Sohn eines Wcbemcisters geboren und gab schon frühzeitig Beweise seiner ungcwohnlichen künstlerischen Begabung. Gleichwohl war auch er natürlich für den Beruf des Vaters bestimmt, und nur ein Zufall ücss einen Arzt auf das Talent des Knaben aufmerksam werden. So kam Samuel Hirszenberg statt an den Websiuid in die Kunstschule nach Krakau. Einige Jahre später ging' er nach M ii n c 11 c 11 und malte dort sein erstes bedeutendes Bild ״Jesehihalr. In einem dauernden Kartipi mit dem ärgsten materiellen Elend schuf Hirszenberg in München eine Reihe seiner heute berühmten Bilder ״Uriel Acosta und Spinoza“, ״Jüdischer Fricdhoi“, ״Der ewige Jude" u. a. Schliesslich kehrte er nach Lodz zurück, um dort durch Porträtmalcrci die Mittel iiir Studien in Paris zu erwerben. Lange hielt es ihn indessen nicht in dem rauschenden Seine-Babel, und er kehrte bald wieder nach Polen zurück . Nach dieser zweiten Heimkehr schui er die reifsten seiner Werke, zu denen ihm das Leben der polnischen und russischen Juden die Stoiie reichlich darbot. In Lodz entstand auch, s.in berühmtes Oeuiälde ״Gohrs‘', das den bekannten Zug gen Westen wandernder Juden zeigt aut der eisigen Schnceiliiche Russlands. Ausser seinen Judcnbildcrn hat Hirszenberg auch als Landschafter Bedeutendes geleistet. Eine grössere Anzahl vorzüglicher italienischer Szenerien waren s. Zt. in Paris ausgestellt und bei dieser Gelegenheit auch in dem ’bekannten französischen Blatte L’ILLUSTRATION reproduziert. In Jerusalem hat Hirszenberg neben seiner Lehrtü'tißkeit in der Ktmstgcwcrbesoliulc ״BczalcI“ auch Zeit zu verschiedenen eigenen Arbeiten gefunden, worunter eine Reibe ganz prachtvoller Jitdcntypcn. an denen die heilige Stadt ja jetzt wieder so reich ist, wie nur je in den lagen ihres Glanzes. Mit Hi׳szenbc:g ist nicht nur einer der bedeutendsten jüdischen Künstler unserer Tage dahiiigeschicden. sondern auch ein wahrhaft liebenswerter Mensch. Wer je mit ihm zu tun gehabt hat. wird ihm ein liebevolles Gedächtnis bewahren — dein Maler des ״Golus“. der nun in־ .,Zion" gestorben ist. Konstitution und Wahlbewegung Jaiia: Wie in den meisten grösseren Städten, so hat sich auch in Jaffa ein jungtürkisches Komitee gebildet, dem mehrere jüdische Mitglieder augehören. Nach der Zeit der rauschenden Demonstrationen und Feste aus Anlass der Verfassung־ hat jetzt die Stadt ihr früheres Aussehen angenommen. Es besteht noch Unsicherheit darüber, welchen Personen das Wahlrecht zum Parlament zustehen wird, ob allen Osmanen ohne Ausnähme, oder ob cs von der Zahlung einer gewissen Steuer abhängig sein soll oder vnu Besitz von Grund lind Boca: insbesondere ob die Entrichtung der Militärsteuer (Askerijja) allein genügen wird, oder die Zahlung einer Grundsteuer erforderlieh ist. Die Vorbereitungen zu den bevorstehenden Wahlen innerhalb der jüdischen Bevölkerung haben bereits eingesetzt. Am 31. August hatte eine Verständigung des Jerusalemer und Jaffae־ Wahlkomitees im Verein mit den Vertretern der jiidisehen Kolonien in Jaffa stattgetundcii. Man versuchte zunächst, die Zahl der jüdischen Wähler schätzungsweise festzu- Mellen. Nach längerer Debatte einigte mau sich darauf, dass man mit aller Energie danach streben müsse, dass von den 3 oder •! Abgeordneten, die w alirsclieinhcli i:11 Sandschak Jcru- Salem gewählt werden, mindestens ein Jude sein soll. Das krülteverliältnis der Juden lässt sich so lange nicht genau bestimmen, als die Walilkrciseinteüung und der Wahlitiodus nicht ganz genau bekannt sind. Es ist fiir alle Falle anziuielmien. dass den Juden unter etwa 300 Walilinännern des gesamten Samlscltaks Jerusalem ca. 2? Stimmen Zufällen. Jerusalem: Auch hier hat sich in den letzten Tagen ein Komitee der jmigtiirkisclieu Partei gebildet, das dem junglinkischen Zentralkomitee ״Union e: Progres“ in Saloniki umersteht und die bevorstehenden Wahlen ins Parlament leiten soll Mehrere hervorragende Mitglieder unserer jiidisehen Gemeinde gehören diesem Komitee an. Dureli die Bemühungen des Direktors Dr. Levy. David Vclliu. Ben lehuda u. a. ist ein Verein der jüdischen osmanisehen Staatsbürger in Jerusalem ins Leben gerufen worden, der die Wah nng der Staatsbiirgerrechtc der osuiaiiiselien Jaden, die Aufklärung der jüdischen Bevölkerung und Verhrdtung der Kenntnis dc'r türkischen und arabischen Sprache ■ sich zum Ziele gesetzt hat. I ln den Listen der osmaniseheu Untertanen sind fiir die