Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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יי1 ,?-\רווויי^יי י• י־ ל"'1*"" "T Seile 396 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 39 vorlas. Er heisst mit seinem bürgerlichen Namen Rabiuowitsch, und schon die Wahl seines Pseudonyms (Scliolem AIfcichem -Friede sei mit Euch“, oder ..Outen Tag") deutet den heiteren Charakter seiner sclri(tstcllerischcn Tätigkeit an. In Amerika begegnete er auch dem bekannten amerikanischen Humoristen Mark Twain, dem er von einem Bekannten mit den Worten vorgesteüt wurde: ..Das ist der jüdische Mark Twain!“ worauf der Amerikaner schlaciertig erwiderte: •*Freut mich sehr — ich bin der amerikanische Schalem- Alcichcm!“ Erweiterung des Ansiedlungs-Rayons Aus Peters hu rg wird der ״N. •I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Wie hier mit grosser Bestimmtheit verlautet, beabsichtigt die Regierung, der Duma bereits in der nächsten Session einen Gesetzentwurf vorziilegcu. nach welchem der Ansied־ I u n g s ־ R a y o n der Juden ziemlich bedeutend erweitert und den Juden ferner das Recht, O r ti 11 d und Boden zu erwerben, gewährt werden soll. Nach dem gegenwärtigen Verhalten der Regierung den Juden gegenüber macht diese Nachricht einen wenig wahrscheinlichcn Eindruck, da alle einschränkenden Bestimmungen gerade jetzt mit grosser Härte und Rigorosität angew endet werden. Aber bei der Plötzlichkeit und t'nhcrcchcnluirkcit der Entschlicssungen unserer Regie־׳»».! ist cs immerhin nicht 1111möglich, dass auch die genannte Meldung, die, wie gesagt, mit grosser Bestimmtheit aintrin, den Tatsachen entspricht. Graf Witte über die Judenfrage Eil, hiesiger englischer Journalist hatte kürzlich mit dem Grafen Witte (ine Unterredung, in deren Verlaut sich Witte über die ItiJeiurage äusserie. Er erzählte u. a. von einer Umterredung. die er seinerzeit mit Alexander III. über diese Frage hatte. Der Kaiser habe ihn geiragt, ob es wahr sei. dass er eine gewisse Vorliebe für die luden hätte. Daraui habe er geantwortet: ״Gestatten Sie. Majestät, dass ich auf diese Fiage mit einer Frage antworte. Kann man alle Juden auf Schiffe packen und im Meere ertränken?" Der Kaiser schüttelte den Kopf. -Nun also.‘ sagte Witte. ..dann müssen die Juden also unter uns bleiben, und w ir müssen ihnen die Möglichkeit geben, so unter uns zu leben, wie wir leben. Ich meine also, es gibt keine andere Lösung dieser Frage als die (ileiehbereehtigung.“ Der Kaiser dachte längere Zeit nach und antwortete schliesslich: ״Vielleicht haben Sie recht. . . Weiter erklärte Graf Witte d.m Korrespondenten, dass er bisher mit seiner Meinung in Regicrtingskreisen stets in der Minorität geblichen sei. Witte meint, dass die Judentrage in Russland im Verlaufe von etwa 25 Jahren gelöst werden könnte, wenn nämlich die leitenden Kreise zu der Frkenntnis kämen, dass die bisherige Versehleppimgspolitik zu nichts iülire. Man müsst;• sofort alle Beschränkungen des Wohnrechts der Juden abschaffeu: dagegen sollten vorerst die Verbote des Bodenkaufes in den inneren Gouvernements Rtisslands in Kraft!)leihen. Sodann müsste man den Juden den Zutritt zu den Schulen und zu der Regierung ermöglichen Imv. erleichtern. Leider hat Graf Witte in dieser Frage bereits so oft seine Meinung geändert, dass man sogar für den Fall, dass er wieder einmal aus Ruder kommt, nicht mit Bestimmtheit hohen kann, er werde nach den hier ־ausgesprochenen Grundsätzen handeln. / Jüdische Schüler in Russland Die ganze russisch-indische, I ־ יesse ist jetzt voll von Klagen über die Beschränkungen, denen die luden bei der Atiinähme in die höheren und mittlere» Schulen unterliegen, und die gegenwärtig mit einer bis jetzt unerhörten Härte angewendet werden. Einer sehr grossen Zahl von jungen Feilten ist dieses Mal der Zutritt zu den Schulen verweigert worden, und die Unbemittelten leiden natürlich darunter am iiieihlen. da sie nunmehr ganz auf die Frlaiigung einer höheren Bildtmg verzichten müssen, weil sic nicht in der Lage sind, ansländische Schulen und Universitäten aiifzusuchen. Da sie auch nicht ausserhalb des Ansicdluugsrawms Wohnung nehmet! ehitien. so ist den meisten von ihnen jede Gelegenheit genonimen. sich eventuell durch die Erteilung von Unterricht die Kosten ihres Studiums selbst zu verdienen. Demi uatiirlieh drängen sich in den Städten des Ansiedluugsra'.. infolge dieser Verhältnisse so viele Schüler und Studenten zusammen, dass nur wenige einen ausreichenden Verdienst finden können. Nun gibt es wie in einigen Städten auch in Minsk, eine Kammer/.sch ule. die etwa den Realgymnasien gleichberechtigt ist. A11 dieser Schule finden eine grössere Anzahl Non jiidisehen Schülern Aufnahme als an den übrigen Lehranstalten. Gleichwohl aber kommt in diesem Jahre der Vcrw altungsrat der Schule abermals um eine Flrhöiiung der Prozcntnorm der jüdischen Schüler ein. weil die Minsker Kommerzschulc so wenige christliche Schüler hat. dass sie ohne eine grössere Anzahl iiidiselicr Schüler überhaupt nicht existieren kann! Zu solchen Absurditäten führt das weise Prinzip, das der russische Minister für Volksatifkläruug. Herr Schwarz, immer strenger diirchzuiührcn strebt. Ein russischer Gemeinderat bestehend aus Juden In def Stadtgcnicinde Klikol bilden die Juden eine so überwiegende Majo'it 1t, dass trotz, a'lcr Anstrengungen, die Juden ans dem Gcmcindcrat auszuscliliessen. der ganze Gemeiudernt bis auf.ein Mitglied, aus lauter Juden bestellt. Zum Starostn (Bürgermeister) winde natürlich der einzige Christ im Gundndcrate ernannt mul da nach russischem Gesetze kein Jude in einer ():tsvorstelmng eine Stelle bekleiden darf, musste der W'ilnaer Genera!gouverneiir erst vom Minister des Innern die Frlauhuis eiuholcii, J11cü־a für einzelne Ämter der Stadt- Vorstellung bistätigen zu d׳'׳rien. Dieser Fall wirft ein krasses Ficht auf die Legalität der Ausnahmegesetze gegen die Juden selbst in denienigen Gegenden, wo sie eine kompakte Majorität bilden. Das Elend der Juden in Odessa Die (Messner jüdische liiiisgesellschaft für arme und kranke luden ..Fstath Choliin" veröffentlicht in den Odess.ter Zeitungen einen Brici. dessen Inhalt von dem wahrhaft ers e 11 r e c k c n d 1 n F I e 11 11 lines grossen Teiles der Odessa;• ״ Juden' berichtet. Nach einer genauen von der Gesellschaft geführten Statistik leben gegenwärtig ungefähr 5(1001) Juden, d. h. ein!Drittel der gesamten jiiJisehen Bevölkerung von Odessa in grosser Armut und Not. Die allermeisten von diesei! 50 0111) haben überhaupt keinen ständigen Verdienst und sind also darauf angewiesen, von der Hand in den Mund zs leben. Aber sogar diejenigen, die ziemlich regelmässige Finnahmen haben, verdienen so blutwenig, dass sie kaum das trockene Brot aus ihrem Verdienst erwerben können. Sc» verdienen z. B. die Obsteerkätifer grösstenteils 30. 20. ja viele sogar nur 10 Kopeken täglich. Fine andere Kategorie aber verdient höchstens 30 bis 50 Kopeken täglich, wovon sie noch zumeist 10 15 Kopeken pro Tag au Abgaben bezahlen müssen. Die Wohnungen, in denen diese Ärmsten der Armen hausen, sind feuchte, finstere und kalte Löcher, und oft wohnen noch drei bis vier Familien in einem einzigen dieser sogenannten Zimmer! Bei diesen hygienischen Verhältnissen nimmt cs natürlich nicht Wunder, dass die Leute au allen möglichen ansteckenden KrankF.iteii leiden, und dass Diphterie und Scharlach, Typhus und Schwindsucht bei ihnen ständige Gäste sind. Namentlich die Tuberkulose wütet furchtbar unter diiseit armen Juden. Die Gesellschaft wendet sich deshalb an die gesamte jüdische Bevölkerung von Odessa mit der dringenden Bitte, ihr Mittel z.uzuw enden. damit sic diesem unsagbaren Elend eiiiigcrmasscu steuert! könne. Ausweisungen aus Sewasiopol Aus Odessa wird der NFL'FN JÜDISCHEN KORRF.S- I’ONDENZ von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Der Gencralgoiiverneur von Sewastopol. Admiral B o s t r e m . hat den Stndthnuptmaiiu, General Morgen- Schild, veranlasst, in einer Verordnung den Juden ohne jede Ausnahme zu verbieten, in dem Stadtteile zu wohnen, wo sich die Kasernen betiiuleu. Fs werden als!! gegen. 50 jüdische Familien aus diesem Stadtteil ausgewiesen. Der besorgte (ieiicralgouverneur befürchtet wahrscheinlich, dass der Einfluss der paar jüdischen Familien die zarte russische Soldateska korrumpieren könnte. Vielleicht glaubt er auch, dass die militärischen Unruhen mul Revolten, deren Zentrum Sewastopol durcii lange Zeit bekanntlich war. ebenfalls auf die Anwesenheit der 5n jüdischen Familien in jenem Stadtteil ztirückzufiihrcn sind. Diese Meutereien haben jedenfalls gezeigt, dass a n d e r e R e f o r ui e n der Garnison von Sewastopol notwendiger sind. Jüdische Bank in Konstantinopel Die ncugegriindetc A 1t g I o - F e v a n t i n e B a 11 k i 11 g Company in Konstautiuope!, eine Tochtergesellschaft des Jewisli Coloifial Trust (Jüdische Koloiiialbank. London) wird bereits Anfang Oktober, w ie der ״N. I. K." berichtet w ird, ilire Tätigkeit aufuelimcn. Der zweite Direktor der neuen י«***•"»