Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 39 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3S9 t «Die Versammlung, die von Glaubensgenossen aus einer Reihe von Ländern besucht war. erachtet eine fortlaufende Verständigung zwecks gemeinsamer Aktion auch In der Kolonisationsfrage bei entsprechendem Anlass zwischen den bestehenden Organisationen für notwendig. Zu diesem Zwecke Ist von den bestehenden Organisationen ein Ausschuss zu bilden, der nach Bedürfnis Zusammentritt. Das vorbereitende Komitee wird beauftragt, in diesem Sinne die Verhandlungen mit den grossen Organisationen zu führen. Der Vorsitzende der heutigen Versammlung. Justizrat Dr. Maximilian Horwltz, wird ersucht, dieselben zu leiten״ In Durchführung des ihm erteilten Auftrages iiat sieh das vorbereitende Komitee einerseits mit Fachmännern auf dem ן Gebiete des Kolonisationswerkes, sowie mit den leitenden!,ersönliehkeiten der grossen. jiidischenOrganisatinncti hinsichtlich des Tätigkeitskreises der zu gründenden Kohniisationsgcsellschuft ins Einvernehmen gesetzt, anderseits ein Memorandum in Sachen der ständigen Kooperation der jüdischen Organi* satioiicn an sämtliche in Betracht kommenden Körperschaften verschickt. Nachdem die vorbereitenden Studien genügend weit gediehen waren, und nachdem eine Reihe von Körperschäften dem Kooperationsantrag in prinzipieller Weise zugestimmt hatte, berief das Komitee eine neuerliche Konferenz .Indischer Notabchi nach Berlin ein, um über seine Tätigkeit Bericht zu erstatten. Biir diese Konferenz, die Sonntag, den 2m. September I9MS im Verw altungsliausc der Jüdischen Geuicinde in Berlin. Rosenstrasse 2/A, tagte, hatten ihre Beleihgung u. a. angeineldet: Sanit.-Rat Pr. Appel-Köln, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Aron- Berlin, Geh. Kommerz.-Rat Aronsolm. Landtagsabgcordueter, Bromherg. Adv. Pr. I״ Bencicner. Vize-Präs, der Israel. Kultusgemeinde Prag. S. Bergel-Berlin. Oskar Berlin-Berlin. B. Birnbaum-Londoii, Geh. Sanit.-Rat Dr. Bhimenthal-Berlin. Prof. Pr. Bluiuenthal-Beilin, J. Chischiu-Mnskau. R.-A. Pr. Colm. Landtagsabgcordueter. Dessau. J. Dreyius-Brodskv, Grossindustrieller Basel. Rabl». Dr. Esclielbacher-BerÜn. Max Eil)- Dresden. Br. EeilcheufelU-Berliu. Konsul A. Fleischl-Budapest. Pr. A. Eriedemami-Berlin, Justizrat Pr. E. Puchs-Berlin, Adv. Pr. Gabel. Reiclisratsabgeordneter, Wien. R.-A. Pr. Barkavy- Moskau, R.-A. Dr. Guggenheim-Oiienhuch, Pr. (loldilanun- Warschau. Kommerz.-Rat M. Halpcrin-Kiew־, Pr. H. G. Heyniann-Beriin. Rabb. Dr. Horovitz-Frankiurt a. M״ S. v. Horowitz, Grossgrundbesitzcr, Lemberg. Justizrat Dr. M. Hörwitz-Berlin. Aron Hirsch-Berlin. Kommerz.-Rat Benjamin Hirsch-Halberstadt, Pr. Hirsch, Präs, der Synagogengemeinde, Hannover, Stadtrat Kaliseh-Berliu. R.-A. Dr. A. Klei-Berlin, Dr. Edm. Kolm-Wien, Paul Laskar-Hamburg. Martin Lcbrecht- Nürnberg, Levin-Epstcin-Ncw York. Justizrat Dr. Lippmann- Hamburg. Kommerz.-Rat A. Löwcnbcrg-Bcrlin, Dr. N. Löwenstein, Reiclisratsabgeordneter. Wien. Hermann Landau-London, Geh. Rat Prof. Dr. Landsberg-Beriin, Lipmann-Bloch-Brcslau, Grigory Luric-Pinsk, Fabrikbesitzer Magnus, Präs, der Synagogengenieinde, Leipzig. Dr. Mahler, Reichsratsabgeordneter. Wien. Prof. Dr. Mandelstamm-Kiew׳, K. K. Baurat 0. Marmorek-Wicn. Prof. Dr. Maybaum-Berlin. Dr. Mittwoch-Berlin, Dr. Paul Nathan-Berlin, Dr. Alfred Nossig-Berlin. Prof. Dr. M. Philippson-Bcrliu, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Pinner-Berlin. E\z. Wirk!. Geh, Rat L. S. Polliakow-Moskau. Dr. H. Rappaport- Trautcnau, Kaiserl. Rat Leopold Sachs-Wien, Dr. Schaft, Präs, der Kultusgemeinde, Lemberg. Dir. A. Schwarz-Mähr.-Ostrau, Moritz Simon-Wiesbaden. Adv. Dr. Adalbert Skall-Prag. Dr. Sonnenschein. Präs. d. Kultusgemeinde. Troppau. Prof. Dr. L. Stein-Bern, Meyer A. Spielmanu-London. Dr. A. Stand. Reichsratsabgeurdneter, Wien, Dr. A. Stern-Bukarest, K. K. Baurat >V. Stiassiiy-Wicn, M. A. Strauss. Bankier, Karlsruhe, Dr. TaussigAVien, Dr. Tilles, Präs, der Israel. Kultusgemeinde, Krakau. Justizrat Dr. Timendorfer-Berlin. Dr. Otto Thon, Rah- Inner. Krakau, Konierz.-Rat R. L. Trier-Darmstadt, Gust. Tuch- Hamburg, Prof. Dr. O. Warburg-Berliu, Oskar Wassermann- Berlin. Dr. F. E. Wcisl-Wien. Rabbiner Dr. Werner-Münclien. Ueberdies stellte eine Reihe von Persönlichkeiten der geplanten Aktion ihre Kräfte zur Verfügung und sandte Begriissuugsschreibeu ein. die in einem folgenden Bericht veröffentlicht werden sollen. Die Konferenz, deren Beratungen durch Justizrat Dr. Maximilian Horwitz eröffnet und geleitet wurden, nahm ׳zwei Referate von Dr. Alfred Nossig-Berlin, ״Der Zusammenschluss der jüdischen Organisationen" und ״Leitende Ideen und Arbeitsplan einer Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" zur Kenntnis und votierte hierauf folgende, von Dr. Paul Nathan-Berlin beantragte und von Prof. Dr. Martin Philippson-Berlin amend,eite Resolution: ..Die am 20. September 190S in Berlin tagende Ver- Sammlung erklärt ihre Uebereinstinunung mit dem einmütigen Beschlüsse der Versammlung am 29. März d. J. und bezeichnet demgemäss den Zusammenschluss der grossen Jüdischen Organisationen zu einer Qcsamtorganisation mit einer ständigen Zentrale, unbeschadet der selbständigen Betätigung jeder einzelnen Organisation auf ihrem Sondergcbiet. als dringend geboten. Der Gesamtorganisation wird es obliegen, Aufgaben des Judentums, deren Lösung die Organisationen in ihrer Vercinzelung nicht herbeifiiliren können, nach gemeinsamer Verständigung auf Grund einheitlicher Gesichtspunkte in Angriff zu nehmen. Die Versammlung erklärt es als Notwendigkeit, dass au dieser Gesanitorganisation alle grossen jüdischen Körperschatten mit entsprechenden Zielen Anteil nehmen und es wird zugleich zu erstreben sein, dass alle Länder, in denen ein reges jüdisches Lehen vorhanden, in dieser Gesamtorganisation vertreten sind. Schliesslich spricht die Versatmnhing die Hoffnung und den dringenden Wunsch aus. dass die noch abseits stellenden Organisationen sich möglichst bald anschliesscn. Mit den Verhandlungen zu diesem Zwecke, insbesondere auch zur Herbeiführung eines Ausgleiches zwischen den heutigen Beschlüssen und den ein verwandtes Ziel verfolgenden Vorschlägen der ICA, sowie mit den detaillierten vorbereitenden Festsetzungen über die Zusammensetzung und über den Arbeitsniodus der Gesamtorganisation, xvird ein permanentes Komitee mit dem Rechte der Kooptation eiligeset/t. das alsdann erneut Bericht zu erstatten hat. Das permanente Komitee ergänzt sich aus den Vertreter» derjenigen grossen jüdischen Organisationen, die bereit sind, in das Komitee ciiiziitretcn." Als permanentes Komitee wurde das bisher vorbereitende Komitee eingesetzt. Die Versammlung sprach ferner einstimmig ihr Wohlwollen für den weiteren Ausbau und die tatkrüitige Förderung der Kolcnisatiou, insbesondere auch im Orient, ans und überwies die Angelegenheit dem permanenten Komitee zur weiteren Veranlassung. Kunüscnsu Jüdischer Kunstverein Der jüdische Kunstvcrcin veranstaltete als ersten Vortrags* abend der 11(. Saison zu Ehren der Mitglieder der Konferenz Jüdischer Notabein am Sonntag, den! 20. September im Arcbitekter.haus einen Jüdischen Kunstabend, der ausserordentlich zahlreich von denen besucht war, denen er galt. Wir hörten w ieder die vorzüglichen Leistungen von Vera Goldberg und Leo Gollanin und hörten Vorlesungen von Max Jungk. Ausserdem wurden zwei Lichtbildervortnäge abgelialten, der eine von Dr. Adolf Fricdemann Über eine ״Wanderung durch Pa* l::stina". der andere von Dr. G. Kutna über ״Moderne jüdische Kunst". Während Dr. Fricdntanns schöner Vortrag erhebliche Iritünier enthielt, litt der geistvolle und tiefdurchdachte Vortrag Dr. Kutnas an dem Mangel der Form. Der Plan Vieles zu bringen, der für diesen Abend so nahe lag־, hatte eben den Nachteil, dass die Leistungen nicht alle gleich sein konnten und dass die Glcichmüssigkcit des Abends dadurch litt. Immerhin war das Publikum ausserordentlich befriedigt und hat auch seinerseits den Grundsätzen des Vereins sich wesentlich ge* nähert. Bei späteren Abenden wird man mebr darauf sehen müssen, einzelne jüdische Künstler und Kunstkategorien dem Berliner jüdischen Publikum näher zu bringen und wird wieder auf die gedruckten Licdcrte.xtc zuriiekgreifen müssen, die am besten in korrektem Jüdischdeutsch mit entsprechender lieber- Setzung zur Ausgabe kämen. Wir wünschen dem Kunstvcrcin von Herzen gleiche Erfolge wie in den beiden früheren Jahren. Scholem-Aleichem Der bekannte jüdische Humorist Scbolcm-Aleichctn begeht in einigen Wochen sein 25jäbrige.s Schriftsteller- ] u b i 1 ä u ni. Schölcm-Aletchcuu der so vielen Juden und Nichtjuden — denn eine grosse Reihe seiner Erzählungen ist in verschiedene Weltsprachen übertragen worden — in diesen 25 Jahren manche heitere Stunde bereitet hat, liegt jetzt selbst schwer krank in Baranovvice (Podolicn). Er lebt auch sonst in sehr ärmlichen Verhältnissen, und einige seiner Freunde planen deshalb, ihm zu seinem Jiibiläumstagc eine Ehrengabe in Geld zu überreichen. Noch vor w enigen Monaten machte Scholcm- Aleichein der wohl der bekannteste, jüdische Humorist der Gegenwart genannt werden darf, eine Tournde durch Amerika, wo er unter dem grossen Beifall seinen Zuhörer in einer endlosen Reihe von Vorträgen seine Humoresken und Erzählungen