Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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יי!«יי. ייוי No. 39 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 386 die Unteilbarkeit des Türkischen Reiches. In eine Lostrcnnuiig* Palästinas werden wir nie cinwilligcn. Bedeutet aber Zionismus die Besiedelung׳ P a 1 ä s - tinas mit Juden und Bildung einer] üdischen Majorität im tandc,'so haben wir absolut nichts dagegen. Die Türken leben schon Jahrhunderte mit den Juden in allerfrcundlichsten Beziehungen, und wir •betrachten sie als die verlässlichsten Bundesgenossen. Von allen Einwanderern sind sic uns die erwunsclitcstcn. Sie brauchen Land und Freiheit — wir brauchen Menschen, die die Türkei nicht schwächen sondern stärken wollen, ergo passen wir sehr gut zu einander. Soweit ich den Zionismus verstelle, ist sein Ziel die Erlösung der jüdischen Masse von den fortwährenden Verfolgungen, denen sie i!1 den christlichen Staaten unterworfen ist, t!!1d ihre wirtschaftliche und geistige Regeneration. (Dies alles werden Sie in Pa löstina finden. Erstens müssen wir ja zugeben, dass die Türkei immer die kulturelle Selbständigkeit aller sie bewohlicudcn Nationen anerkannt hat. Zweitens aber können Sie wohl sicher sein, dass wir dieses richtige Prinzip weiter entwickeln werde». Wir begreiien wohl, dass die Bciriedigung der gerechten Forderungen der verschiedenen Natioiialitüten im Interesse der Türkei liegt. Wir werden schon zu Anfang der Parlamentstäligkeit ein Gesetz über die Selbstverwaltung der Provinzen aus* arbeiten, wobei wir uns alle Mühe geben werden, die territoriale Einteilung mit den c t h 11 o g r n - p 11 isch c 11 Ver hä 11 n is s e 11 in Einklang * u bringen. Folglich werden auch die Juden, weit» sie die Mehrheit in Palast ina. bild cn . die volle Selbstverwaltung g e!1 i ״* s s e n — b t z ü g 1 i c h der Kultur, der P r o v i n z i a 1 w i r t ־ Schaft uhd überhaupt in allen Fragen des inneren L e b e i» s Palästina s. Selbstverständlich werden Sie zu gleicher Zeit Repräsentanten i!11 R e i c 11 s p a r I a in e!11 haben und somit an der Ents c I! e i d 1111 g i 11 a 11 e 11 Rciclisfrag'cn »11 i t \v i r k c n.'*. Eine prachtvolle Antwort. Klar und schar! wird hier austinandergesei/.i,*welche Art von Zionismus berechtigt und aus- Sichtsrcich ist und welche nicht. Diese Antwort hat auch nichts mit Jungtürkeiitmii zu tun: jeder türkische Patriot — gleichviel ob im alten Regime oder in der jetzigen Uebergangszeit oder im künftigen Verfassungsstant konnte so mit- Worten uiul wird sc» antworten können. Frappant ist mir, dass fciuc so klare Darstellung unserer Lage uns von einem Türken gebracht wird, obwohl die jüdische Palästina-Frage doch nur ein geringer Bruchteil ist 111 der Fülle der Kragen, denen sich die Veitretcr des jetzigen Regimes gegenübersehen! — Bei uns aber gelten bis auf den heutigen Tag noch z.mn Teil die konfusesten Ideen. Der türkische Staatsmann, der diese maassvollc, sympathische Antwort gegeben hat, weiss. wovon er spricht, wenn er sieh gegen jene Art von Zionismus wendet, die mit ״selbständigen*‘ jüdischen Gemeinwesen, mit ״Charters“ und mit ״Einmischungen der Grossmäclite* jung- Jiert und wir können noch froh sein, dass er die ״andere** Version kennt und mit ihr rechnet. Und da diese ״ander.e Version“ — nämlich der durchfidirbarc, icalpolitischc Zionismus --- bei uns selbst noch sc» wenig bekannt ist, sc» soll im folgenden gezeigt werden, was wir politisch zu tun und was wir zu lassen haben. Der falsch verstandene ״politisch-diplomatische“ Zionisiiius von früher gipfelte in den Begriffen von ״Charter“, von ״Autonomie‘ und von ״Garantie der ürossniäclite‘*. Es muss uns kla~ werden, dass ein jüdischer Charter, der sich fiicltt auf eine jüdische Bevölkerungs-Majorität stützt, eine U11 »n ö g I ic 11k e i t ist. Branchen wir aber vorher die Majorität, so!miss eben mit der praktischen Tätigkeit in Palästina begonen werden, bcv o 1 w i 1 Jen ״Charte r“ habe n. Aber gerade dies ist versäumt worden, und so werden wir jetzt von der Neuordnung der Dinge überrascht, bevor wir irgendwie Wesentliches zur Schaffung einer jüdischen Majorität im Lande getan haben. Diese Unterlassung war der grösste Fehler, den w ir machen konnten. Ziehen wir also wenigstens die Lehre daraus, rocht noch länger zu zögern, sondern unsere beste Kraft in den Dienst der praktischen Arbeit in Palästina zu stellen. Wenn wir in dieser Beziehung unser Möglichstes tun, da»? — aber nur da 11 n — werden wir uns in Zukunft keine Vorwürfe zu machen haben, was auch immer die Zukuuit uns bringen möge. Und ebenso: was auch die Zukunft bringen möge — nur w e n 11 wir in Palästina möglichst fest 0 11 Fass gefasst haben werden — mir dann wird, was dem Laude zugute kommt, auch uns zugute kommen. Dasselbe gilt auch von der Autonomie, die ja ebenso eine jüdische Majorität zur Voraussetzung hat. Aber während von dem ״Charter“ iiir ganz Palästina gesprochen wurde, kann man bei dein Worte Autonomie auch an Selbstvcrwaltung kleinerer Gebiete, eventuell auch au .Selbstverwaltung von Städten. Gemeinden und Kolonien denken. Aber was cs auch sei — eine jüdische Bcvölkeriuigsmajoritit ist in jedem Falle nötig, wenn die Autonomie nicht gegen uns wirken soll! — Man nehme doch nur au. dass jetzt etwa dem Laude Palästina als solchem die Autonomie gewährt würde. Dann wäre es natürlich eine arabische Autonomie, innerhalb deren die jüdischen und christlichen Minoritäten i 11! günstigsten!*alle nur kleine M i 11 o r i t ä t s - Privilegien beanspruchen könnten! Besser läge ef. w enn nicht ״P a I ä s t i n a als solche s“ (der Begriff Palästina existiert ja weder in der Geographie, noch in der Provinzial-Finteihmg der Türkei), sondern w ein! möglichst kleine Distrikte des Landes eine Art voll Selbstverwaltung zugebilligt bekämen. Dann würden wir zwar in den meisten dieser Distrikte gar nicht oder nur als kleine Minoritäten vertreten sein, aber w ir hätten wenigstens die Aussicht, in einigen anderen Distrikten, wo w i r die Majorität bilden, die Selbst- Verwaltung in unsere Hände zu bekommen, so dass in diesen Füllen die anderen auf nicht mehr als kleine Miuoriläts-Priviiegicn rechnen könnten. Solche Verhältnisse wären in der näheren Umgebung von Jerusalem schon jetzt möglich, da in Jerusalem die Juden osnianisclier Untertaneiiscliai't die numerisch stärkste Be* völkerimgsgriippe bilden, und ähnlich mag es in einem für uns günstig abgegrenzteu Distrikte von Tiherins liegen. ־ - Aber damit sind unsere jetzigen Chancen auf eine jüdische Autono-!nie selbst sehr kleiner Distrikte erschöpft und unter diesen Umständen ist cs viel besser, nur darauf liinznar heilen, dass unsere Kolonien und S t a d t g e;11 e i 11 - d e n als s o I c h e eine ganz eng I o k a I - g e f a s s t e A 111 11 ס o m i e haben respektive bekommen können. Hier spielt auch die Untertancnsehafts-Frage eine wichtige Rolle. Fiir Selbstverwaltung irgend einer Art ist cs auf alle l alle nötig, dass die jüdischen Bewohner des Landes die tiirkisehe Staatsziigebörigkeit erwerben,!.eilte, die ihre Ziiktinitsliofi'iimigen auf die Türkei setzen, dürfen nicht gleichzeitig ihre russische oder rumänische Untcrtaiienscliaft iiir ein wertvolles Gut halten, Wir müssen mit vollem V c ז t r a u e u auf eine Zukunft im Osmanisclieu Reiche alle Schritte tun, mn i 11 dies e m L a 11 d e voll I» e r c c 11t i g t e B ii r g e r zu werden. — Schon jetzt, bei den ersten türkischen Par.'imcutswalilen rächt es sieh an 1ms. dass wir zwar Verhältnismassig keine geringe Volkszahl in den Städten Palästinas habe». da>s diese aber als Ausländer nicht w a 111 b e r e e 11 - tigt sind!-- Auch hier heisst es, baldigst das Versäumte naclizulioleii. Unlogisch und unliistoriscli wäre es im höchsten