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Jüdische Rundschau · 1908-09-18 · Heft 38 (18.9.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 38 ,JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 381 Sonnabend, die Christen am Sonntag. Seit der Einführung der j mechanischen Webstiihle und des Dampfbetriebes wurde nun aus rein ökonomischen Gründen ein einheitlicher Ruhetag und zwar auf *den Sonntag fcstgelcgt. Auf diese Weise müssen jetzt die Juden zwei Tage in der Woche icicrn, was ihre wirt* schaftliche Lage natürlich ausserordentlich verschlechtert. Deswegen haben nun Abgeordnete der jüdischen Arbeiter schon oft bei den jüdischen Fabrikanten, an deren jüdisches Volksgcfiihl sie appellierten, gegen die neue Ordnung Einspruch erhoben, aber erst ganz vor kurzem ist es• ihnen gelungen, einige der jüdischen Grossindustriellen zu bewegen, ihre Wünsche zu berücksichtigen. Man hofft, dass auch die übrigen nunmehr diesem Beispiel folgen werden, so dass die jüdischen Arbeiter in Zukunft wie früher am Sonntag arbeiten werden und so nur einen Ruhetag in der Woche zu halten brauchen. Diese kleine Episode beweist wieder einmal, wie der tecliuisehe Fortschritt und die unvermeidlichen Neuerungen, die er mit sich bringt, auf die jüdischen Arbeiter doppelt schädigend wirken. Natürlich wäre es aber unsinnig, deshalb etwa gegen diesen Forschritt anzukämpfen. Nur lassen sich leider nicht überall so verhältnismässig leicht, wie jetzt in Bialystok, die Schädigungen der jüdischen Arbeiter abwenden, die nicht nur als Arbeiter, sondern noch ausserdem als Juden zu leiden haben. 1 Die EPOCA und d.e Juden Wir entnehmen der BUKAREST!־!* TAGEBLATT: ״In den Nummern vom 2.. 5. und •I. September der EPOCA waren unter dem Titel ״Zur Wahrheit" eine Anzahl von Artikeln von ausgesprochen antisemitischer Tendenz erschienen. Uber den Geist und Inhalt dieser Artikel kann man sich aus folgenden Stellen ein Urteil bilden: ..Der besondere Charaktei der jüdischen Rasse ist. dass sie vagabundiert und sich in erstaunlicher Weise vermehrt. Der Jude hat sich nicht geändert, und die Vorstädte, in denen der Sohn Israels wohnt, haben alle den gleichen Geruch. Geldwechsler oder Pächter, Makler oder Kuppler, Philosoph oder Journalist, hat der Jude nur ein einziges Bestreben: für sein zersprengtes Volk und gegen den Staat, der ihn ernährt, zu arbeiten. Sehr anhänglich und solidarisch seinen Religionsgcnossen gegenüber, wird er absolut unzugänglich, wenn es sich um diejenigen handelt, die nicht Verehrer A\osis sind. Er isteiu Moment der Auflösung und der Verpestung für das Milieu, in dem er lebt, das er zersetzt und in Fäulnis bringt . . . Wer erhebt in Ungarn mit grösserer Wut die Faust gegen Wien, als der magyarisierte Jude: wer anders als die in Joschka und Istvan umgeänderten Schmachtlockenträger hetzen die magvarische Nation gegen unsere Brüder jenseits der Berge aui? Der Jude an den Ufern der Seine will französischer scheinen als der Urfranzose: und in Pest ist der Nachkomme Mosis der strenggläubigste Ungar. Die Menge, die zum Unglücke der Menschheit und zur Verpestung der Menschheit vor Tausenden von Jahren vom Jordanflusse misgegangen ist, vergisst keinen Augenblick, dass dort, wo ununterbrochen und ungestört der Friede unter den Mensehen herrscht, für sie das Lehen unmöglich wäre, und dass — nach dem Ausdrucke des Generals Mercier — die jiidiche Rasse, die Duelle ihres Lebens aus dem Tode anderer Völker zieht. Das ist der Gedanke, der die Schritte dieser Rasse lenkt. Welches immer das Volk sein mag. unter das er sich anfangs demütig, später frech entschleicht, hat der Jude keinen andern Gedanken, als das Milieu, dem er angehürt, auszubeuten, auszusaugen und zu erniedrigen. Der Jude ist so geartet, dass er bloss von den Lastern und Feldern des Fremden leben kann. Alles was fault, oder was sich zersetzt, mästet ihn.“ Und in diesem Tone geht es fort ins Unendliche. Man kann sich denken, welchen Eindruck dieser Artikel in dem leitenden Blatte einer Partei, die aui Regierungsfähigkcit Au• Spruch macht, veröffentlichten Artikel auf die jüdische Bevölkerung machen musste. Die EPOCA. die. wie alle hauptstädtischen Blätter aus den Inseraten der jüdischen Kuufieute beträchtliche Einnahme erzielt, scheint infolge dieser Artikel einen Ausfall der diesbezüglichen Einnahmen verzeichnet zu haben. In ihrer gestrigen Nummer veröffentlich sie deshalb unter dem Titel ״Unsere Haltung* einen Artikel, in weichem sie zunächst erwähnt, dass an viele jüdische Kautleute Exemplare der EPOCA mit ״angeblichen“ antisemistisehen Artikeln geschickt wurden. 11m die jüdischen Kaufieute zu veranlassen, dass sic der EPOCA keine Inserate mehr geben. Das Blatt konstatiert hierauf, dass das Bestreben vorhanden sei, ihm seine zahlreiche jüdische Klientel abwendig za machen und veröffentlicht infolgedessen folgende Erklärungen: ״In der EPOCA /wurden stets alle diejenigen, ob sie Rumänen oder Juden waren, angegriffen, die in Irgend einer Welse eines der hohen Interessen des rumänischen Landes und Volkes schädigen. Niemals aber und unter keinen Uniständen haben wir daran gedacht, irgendeinen Juden anzugreifen, bloss weil er Jude ist. Im Gegenteil, wenn sich die Gelegenheit ergab, in lobender Weise von einem Juden zu sprechen, der sich in irgend einem Zweige der allgemeinen Tätigkeit ausgezeichnet hat, so haben wir diese Gelegenheit mit Vergnügen benützt.“ Diese Erklärungen sind ja sehr schön. Nur stehen sie cinigermasscn in Widerspruch mit den früher zitierten Er- Klärungen und machen den Eindruck opportunistischer Intercssierthcit. Wir haben Respekt vor jeder ehrlichen Oberzeugung. auch wenn sic der unsrigen widerspricht, aber solche Mauldrehereien können bei Jedem anständig Denkenden bloss Misstrauen und Widerwillen erregen.“ Wir können dem BUKARESTER TAGEBUTT nur leipflichten und finden dieselbe Heuchelei bei den deutschen Blättern, die der EPOCA hier entsprechen. Vom Rigaer Polytechnikum Die neuentretenden ״Studenten hebräischer Konfession“ werden in diesem Jahre keinem Konkurrcnzexamen unterworfen werden. Bis zum 15. September wird die Frage entschieden werden, welche Aufnalimegesuclie der jüdischen Studenten berücksichtigt werden können. W ir iiigen — schreibt hierzu ein Rigaer Biatt — unserseits hinzu, dass im Lehrjahre 1906׳'/ ca. 13 7 und im Lehrjahre 1907/3 ca. 12M* 7«* aller Studierenden am Rigaischen Polytechnikum Juden waren. Eine Aufnahme von Juden über die festgesetzte Norm geschah erst nach eriolgter ministerieller Erlaubnis. Da der; jetzige Minister ein Einbalten der festgesetzten Norm, die 7־e V« hetiügt. verschreibt, dürfte wohl in diesem Herbst die Aufnahme der Juden eine sehr beschränkte sein. Erwähnt sei noch ,dass in den SUer Jahren und zu Anfang der 90er der Prozentsatz der Juden 25 '<'< erreichte und auch überschritt. Die Zukunft der Türkei In einer Handelszeitung finden wir über die Wirtschaft• liehen Zukunftsmöglichkeiten der Türkei folgende interessante Ausführungen: ״Gelingt es der Regierung, sich Autorität und dem Lande geordnete Verhältnisse zu schaffen, dann sind die Aussichten für einen wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei und für die Belebung der Handelsbeziehungen mit diesem Lande ganz ausserordentlich günstige. Dann werden Landwirtschaft und Viehzucht einen bedeutenden Aufschwung nehmen und die grosse Fruchtbarkeit des Landes ganz auszunutzen sein als bisher: in weit intensiverer Weise wird es daun auch möglich sein, die reichen Schätze des Landes an Erzen, Metallen und anderen Produkten zu fördern. Der Regierung selbst aber werden dadurch neue erhebliehe Einnahmequellen erschlossen werden: Hand in Hand damit wird aber die kulturelle Hebung des Landes und vor allem der grossen Städte marschieren, wo sich noch ein überreiches Feld der Betätigung für Handel und Industrie eröffnet. Die Flotte muss von Grund auf erneuert werden. Den militärischen Einrichtungen fehlt vieles, obgleich diese bisher noch mit besonderer Fürsorge bedacht worden sind. Die städtischen Einrichtungen sind, wo überhaupt vor-' handen. durchgchends mangelhaft: Strassen. Brücken. Wege unö Kanalisation befinden sich überall im schlechtesten Zustände. Die offizielle Einführung der Elektrizität war bislang verboten: durch ihre Erlaubnis werden Telephon, elektrische Strassenbahncn und unzählige andere Einrichtungen ermöglicht werden. Kurz, eine wirkliche Reform der Türkei könnte einer ungeahnten Ära für Handel. V e V k c h r und Volkswirtschaft die Wege ebnen." Auch die Juden, die in der Türkei so grosse Chancen haben, sollten die rechte Zeit nicht versäumen, an diesem Aufschwunge Teil zu nehmen. Das wäre ebenso sehr im Interesse des Einzelnen wie dem der Gcsnmtjudenheit und — last not least — auch dem des türkischen Reiches gelegen. Die Sachkenntnis des Herrn Prot. Schiemann Die ABWEHR-MiTTEILUNGF.N erhielten vor kurzem von Herrn Dr. Paul Nathan die nachstehende Zuschrift: ״Sie senden mir die KREUZ-ZTü. vom 29. Juli mit einem Artikel des Herrn Prof. Th. Schic m a n 11 über auswärtige Politik. Herr Schiemann bespricht die neuesten Vorgänge in der Türkei und schreibt wörtlich: ״Wir finden also zwei Gruppen am Werk: die revolutioiiärc antidynastische, deren Wortführer zum Teil Armenier und Juden find, und die eigentlichen Jungtürken, die, wie sich nachträglich herausstellt, in der türkischen Armee unter den Offizieren Überaus zahlreiche Anhänger hatten." >ייי*ל*?י«י 4 י' "VÄH? JP( ■ 1!•ל f 1*

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