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Jüdische Rundschau · 1908-09-04 · Heft 36 (4.9.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 357 Ansicht nach der jetzt gefasste Beschluss den Bestimmungen des Kongresses widerspricht. Dr. Handtke: Ich muss diese Bemerkung zurückweisen, cs kann keine Rede davon sein, dass der Beschluss dein Kongressbeschluss widerspricht. Der Antrag Tschlenow betr. kurzfristige Kredite wird zu Protokoll genommen. Dr. Tschlenow modifiziert seinen Antrag betreffend Achuzath Baiith wie folgt: Nach Anhörung der Erklärungen des Direktoriums hinsichtlich dieser Angelegenheit beschüesst die Versammlung, dass die noch übrigen 250 000 Franken lediglich für Jaiia reserviert bleiben sollen. Der Antrag wird a n g c n o m in c n. Wolffsohn beantragt: Das Direktorium werde ermächtigt, zur Abrundung des Besitzes des Nationalfonds in Betli Arif die 445 Duuam Land in Lydda, die jetzt Int Besitze der A. P. C. sind, von dieser anzukaufen. Der Antrag wird angeno m m e n. Hierauf gelangen noch folgende Anträge zur Annahme: Antrag G o I d b c r g: In Anbetracht der weittragenden nationalen Bedeutung der Errichtung einer Technischen Hochschule in Pa- I ä s t i 11 a soll der Natinnaltoud das Zustandekommen der Errichtung eines Technikums in Palästina dadurch fördern, dass er ihm einen geeigneten hinreichenden Bauplatz aus den Mitteln des Nationalfonds zur Verfügung stellt. Antrag J. L. G old b erg: Das Direktorium wird ermächtigt, die freien Ländereien In Um-cI-Dschune den kaukasischen liergjuden unter geeigneten Bedingungen zum Zwecke der Gründung einer Ansiedelung 11 verpachten. Antrag Dr. Ha n tk e: Die Generalversammlung ermächtigt das Direktorium, der Jüdischen National-Bibliothck einen Fond für die Vollendung des Hausbaues für die National-Bibliothck zur Verfügung zu stellen, unter der Bedingung, dass das Land und Haus Eigentum des Nationalionds wird. Herr Wolffsohn stellt folgenden Antrag: Für den Fall, dass Herr Moser, der die Mittel für den Bau des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa gegeben hat, an den Nationatfond mit dem Ersuchen herantritt, dieser möge den erforderlichen Boden für den Hausbau hergeben, soll das Dircktorium des Nationalionds ermächtigt werden, den Bauplatz für das Hebräische Gymnasium aus den Mitteln des Nationalionds zur Verfügung zu stellen. Der Antrag wird, nachdem Herr Moser sich damit einverstanden erklärt hat, angenommen. Moser dankt der Versammlung herzllchst für die Annähme dieses Antrages, und erklärt, dass er im Notfälle an das Direktorium dieserhalb herantreten werde. Fischer beantragt, dem Direktorium Decharge zu erteilen und ihm und den Beamten den aufrichtigen Dank der Generalversammlung für ihre Mühewaltung auszusprechen. Hierauf schliesst der Vorsitzende. Dr. Bodenhei 111er, die Versammlung mit folgender Erklärung: Es seien im Verlaufe der Versammlung verschiedene Vorwürfe gegen den Vorsitzenden des Direktoriums erhoben worden und die Auffassung des Vorsitzenden hinsichtlich der formellen Erledigung der Geschäfte getadelt worden, ebenso 1 auch seine Meinung über die Kompetenz des Direktoriums. : Da er sich überzeugt habe, dass die grosse Mehrheit der i Generalversammlung und der als Gäste anwesenden übrigen I Mitglieder der Jahrcskontercnz annähtnen, cs sei im Nationalj fondsbericht ein Gegensatz gegen die Auffassung zum Ausdruck gebracht, dass der Kongress und das E. A.-K. die oberste entscheidende Instanz für die Verwaltung des Nationalionds bilde, so erkläre ergänz bestimmt, cs liege ihm nichts ferner, als sich zu dieser Auffassung in Gegensatz zu steilen. Vielmehr werde er auch in Zukunft daiiir Sorge tragen, dass die Kompetenz, die die Mehrheit der Generalversammlung dem Direktorium eingeräumt habe, nicht mehr überschritten werde. Kunascnau ״Liberales Judentum“ Eine vor kurzem neu gegründete jüdische Vereinigung giebt soeben die erste Nummer einer Monatsschriit LIBERALES JUDENTUM heraus, die ״dem Sehnen und Verlangen der deutschen Judenkcit ihre Stimme leihen“ will. ״Sie will ein Bote sein an die Entfremdeten, um sie zurückzuführen unter die Fittiche des liberalen Judentums. Sie will die Schwankenden festhalten und die Matten stärken mit neuer Liebe zum Judentum." ״Den grossen Bewegungen des Judentums der Gegenwart in die Tiefe nachzugehen, den grossen religiösen und historischen Problemen des gegenwärtigen Judentums nahe zu treten, das Recht auf Entwicklung nachzuweisen und zu begründen, den unheilvollen Widerspruch zwischen Leben und Lehre theoretisch und praktisch einer Lösung entgegenzuführen — in den Dienst dieser lebendigen Wissenschaft will sich diese Zeitschrift stellen.“ Die Absicht ist sicher gut, aber man wird das positive rettungslos für ihn verloren sei. Er fuhr mit einem Schrei der Verzweiflung in die Tasche seines Rockes, ein Moment, und Rachel stürzte mit durchbohrter Brust in die Arme des Ritters. Kaum aber fühlte der .׳Ute, der den tätlichen Streich geführt, sich vom hochaufspringenden Blute seines Kindes getroffen, als er totenbleich ward und winselnd zu den Füssen des Rabbi zusammenbrach. Alles war entsetzt über die ungeheure Tat, am meisten der Rabbi, der mit bebenden Lippen das Gesetz des Herrn aussprach: ״Du sollst nicht töten.“ *״“% Chlum von Nowidwor erst erstarrt, dann wie eine Flamme auflodernd, hatte das Messer vom Boden aufgerafft, um den Alten zu durchbohren. Da umklammerte Rachel mit der letzten Kraft seine Knie und Tycho de, Brahe entwaffnete den Wütenden. Der Kaiser hatte beim Anblick des fliessende.n Blutes das Haupt abgewendet und ergr i: den Astronomen am Arm, um mit ihm das Gemach zu verlassen. Tycho winkte dem Rabbi, den Alten zu entfernen, aber ein Blick in das gebrochene Auge des Greises überzeugte ihn, dass die Vergeltung der Tat so schnell gefolgt sei, wie der rollende Donner dem Blitz. Der Rabbi hatte sogleich, vom ersten Schrecken sich erhörend, alles angewendet, das unglückliche Opfer der Glaubenswut zu retten. Aber sein sicherer Blick erkannte bald, dass menschliche Hilfe hier zu spät sei. Schweigend vcrliesscn der Kaiser und sein Astronom das Haus des Schreckens. Chlum, über Rachel s erblassende Leiche geworfen, küsste den schönen Mund, der den Druck seiner Lippen nicht mehr zu erwidern vermochte. Mitten in dieser Szene des Gräuels und der Zer- Störung stand der Rabbi mit aufgerichtetem Haupt und die Hände erhoben, während er die Worte des Klage- Iledcs sprach: ״Gebrochen ist die Blüte und der Baum, Die Axt des Zornes hat seinen Stamm gefällt. Jeschuruns Kinder, weint ob euerem Los, Und mischet euere Tränen in mein Lied!“

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