Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 36 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 355 * bin ich sicher, dass wir dadurch auch fremdes Kapital bekommen werden. Tr letsch (als Gast): Bezüglich ״Achuzath Bajith“ ist es vielleicht möglich, die 50 000 Franken zurückzuerhalten, vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls aber ist es eine Gefahr für ״Achuzath Baiith״ in Jaffa, wenn sie auf die versprochenen 300000 Franken rechnet und sie nicht voll erhält. Ich hatte die .Begünstigung von Hfiuscrbaugcsctlschaftcn für sehr zweckmässig, unser Hauptaugenmerk müssen wir eben nicht auf die agrarpolitischc Richtung legen, sondern auch auf die Wahrung der Interessen der städtischen Bevölkerung, die ia viel zahlreicher ist, und der auch mit viel geringeren Mitteln in geschäftsmässigcr Weise geholfen werden kann. Der Nationalfond* ist eine der wichtigsten Institutionen, die wir besitzen, aber sein Statut taugt nichts. Das Statut sollte den Nationalfond instand setzen. Maximalleistungen zu erzielen und nicht Minimallcistungcn, wie cs jetzt fast der Fall ist. Dr. Bndcnhcimcr hat von einem Obligationsplane gesprochen, der es ermöglichen solle, alle Gelder, die ausgegeben werden, in kürzester Zeit wieder zurückflicssen zu lassen. Ich erblicke in diesem Plane auch die Möglichkeit, dadurch Privatgeldcr nach Palästina liercinzubekonimcn. Gelder, die in aufstrebenden Ländern in Bodenankauf investiert werden, sind nicht verloren. Wenn der Nationalfond» in Palästina Boden ankauft, so wird er in Kürze mehr an Geld gewinnen, als er sonst durch Spenden usw. in Jahren erhalten wird. Ich muss dem KationalionJ zum Vorwurf machen, dass er ohne System arbeitet. Das ist in der ganzen Bewegung, besonders aber beim Nationaliood der Fall. Fs ist notwendige dass die Idee von ״Fwigcm Figentum“ fallen ge־ lassen und die Gelder des Nationalionds zu grösserer Wirksamkeit gebracht werden, dadurch, dass tr Land kauft, um es unter gewissen Sicherungen und eventuell nach Amelioration — an Juden weiter zu verkaufen. Dr. Brau de (als Gast): Ich stimme Herrn Wolffsohn darin bei. dass die oberste Parteileitung auch die oberste Instanz für den Nationalfoud bildet, eine allzugrosse Selbständigkeit einzelner Institutionen kann der Bewegung nur Schaden bringen. Bei der Fntscheiduiig der Achuzath Bajith* Frage war für uns der Gesichtspunkt massgebend, dass es sich hier um einen grosszügigen Kolonisationsakt in Palästina handelt, nämlich um die Gründung eines jüdischen Viertels an der Fingangspiorte von Palästina, in Jafia. S c 11 e i n k i n (als Gast) wendet sich gegen die Ab־ schliessungsversuche, die seitens des Direktoriums des Jüdischeu Nationalionds gemacht werden. Fs ist notwendig, den Nationalfonds vom F. A.־K. abhängig zu machen. Redner wünscht Auskunft über die Ausgaben für die Landverwaltung in Palästina. Die Alt, wie das Direktorium die Bewilligung der 300 tXJO Frankemur die Achuzath Bajith durchgettihrt hat, entspricht nicht allein nicht den Beschlüssen, sondern ist auch vom kaufmännischen Standpunkte durchaus verfehlt. Auch bei der Bewilligung von Krediten an kooperative Genosscnscliaften ist die grösste Vorsicht nötig. Dr. Bodenh c i me r: Die Ausführungen im Berichte des Hauptburcaus in bezug auf die Bewilligung von bestimmten Summen seitens der Verwaltung des Nationalfonds wurden vielfach falsch aufgefasst. Ihren Ausganspunkt finden sie in einem Beschlüsse des west-österreichischen Distriktstages, wonach den Delegierten für die Jahreskonferenz aufgetragen wurde, dahin zu wirken, dass der Nationalfonds in bezug auf die Bewilligung von Geldern möglichst abhängig vom Kongressc gemacht werde. Der Kongress tagt doch nur alte zwei Jahre, und da ist es doch nicht möglich, wenn inzwischen eine Frage auftaucht, erst zu warten, bis der Kongress darüber be־ fragt wird; die Verwaltung muss in der Lage sein, auch ohne Befragen des Kongresses Entschlüsse zu fassen. Selbstver־ stündlich sind Fragen, die nur vom Kongresse entschieden werden können, hier ausgeschlossen, Von Selbständigkeitsgelüsten beim Nationalfond kann keine Rede sein. Das geht auch klar aus den Sätzen hervor, die sich den hier zitierten anschlicsscn. und wo es heisst: ״Fs handelt sich hier nicht darum, irgendeinen Gegenstand der Kompetenz des Kongresses zu entziehen oder diu Genossenschaft und deren Direktorium von einer Yeraut־ wortung zu beireien, vielmehr widerstrebt die ganze Einrichtung des Kongresses einer solchen Erledigung der Agenden des Jüdischen Nationalfonds. Nur dann könnte vielleicht die Rede davon sein, ob der Kongress eine derartige Aufgabe übernehmen solle, wenn er ständig tagen würde.“ Auch die Bemerkungen des Berichtes über den Kongress klingeni aus dem Zusammenhang gerissen ganz anders, als sie gemeint sind. Mir lag nichts ierner, als etwa die Bedeutung des Kongresses herabzusetzen. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass die Hast, in der der Kongress tagen muss und der Umstand, dass er nur alle zwei Jahre für ganz kurze Zeit Zusammentritt, ihn nicht ohne weiteres mit einem Parlamente vergleichen lasse. Man muss wohl unterscheiden zwischen Geschäf tsführung und den Grundprinzipien des Nationalfonds. Eine Beschränkung in bezug auf die Höhe der Beträge, über die die Verwaltung zu verfügen hat, ist praktisch undurchführbar. Vergessen Sic nicht, dass eine Uebercinstimmung unserer Handlungen mit dem englischen Rechte notwendig ist; um nun allen Wünschen möglichst gerecht zu werden, haben wir zuerst die Jahreskonferenz abgewartet. Wenn manches nicht so durchgeführt worden ist. wie es sollte, so liegt dies nur an den Verhältnissen und nicht am schlechten Wiilen. Bezüglich Achuzath Bajith bemerke ich, dass wir in dieser Frage handeln mussten, da durch Zuwarten die ganze Sache gescheitert wäre. Fs war auch unsere Ueberzcugung.im Interesse der Sache zu handeln. Heuie ist daran nichts mehr zu ändern, da die A. P. C. bereits die Verhartes Eisen zerschmilzt. Ruhig soll ich sein? Versuche es mit dem Stein, der zur Tiefe niederrollt, ob er dis Wucht des Laufes hemmen, und stille stehen kann. Lass mich zn ihr!“* Der alte Isaak, der jede seiner Bewegungen argwöhnisch beobehtet hatte, fasste seine Tochter am Arm, und fragte: ״Was befehlt Ihr, hoher Rabbi?“ Der Rabbi zogilm bei Seite, und sprach nach einem Winke des Kaisers mit ernster tiefer Stimme: ״Der Ritter liebt deine Tochter, willst du ihr entsagen, dass er sie heim führen kann in sein Haus und in den Tempel der Christen?“ Lob Ben Isaak prallte zurück und stotterte: ״Was sagt ihr, hoher Rabbi, meine Tochter soll eines Christen Weib sein?“ ״Bedenke cs wohl.t fuhr der Rabbi gewaltsam,, ein ungeheures (Mühl zurückdrängend, fort, ״er ist ein edler Graf, der hoch in unsers gnädigen Kaisers Gunst steht und dessen Fürsprache viel Nutzen unserer Gemcinde bringen konnte.“ Mit stummer Verwunderung hatte der Jude den Rabbi nngehürt und sprach jetzt mit den Zischlauten einer giftigen Schlange: ״Ihr, hoher Rabbi, racet mir, dass ich mein Kind aufgeben soll, mein einziges Kind —־ der böse Geist, der in den Nabuchodonosor gefahren, soll eher ihr Gatt2 sein, als wie ein Christ.“ Der Rabbi trat mit rascliem Entschlüsse zurück. ״Was, will der Jude nicht?“ sagte Tycho de Brahe aufloderud, ״befiehl cs ihm!" ״Herr," antwortete festen Tones der Rabbi, ״ich habe mir vielleicht jetzt schon siebentausend Herzen, die mir unbedingt vertrauten, in diesem Manne entiremdet, weil ich der Herold eures Willens war. Vergebt dem Knecht; denn über das Leben geht mir die Achtung und das Vertrauen meiner Brüder.“ ״Der arme Chlum,“ sagte der Kaiser, mitleidig den Grafen betrachtend, zu Tycho, ״wir müssen ihm doch helfen. Sagt dem Manne fm Namen des Kaisers, dass er seine Tochter aufgcbcu soll.“ Beu Isaak fasste wieder die Hand seiner Tochter, diesmal mit dem Entschlüsse, die Stube mit ihr zu verlassen. Da stürzte Chinin, alles tim sich her vergessend, auf sie los, stiess den alten zurück, und schloss Raclicl in seine Arme. ״Lasst mich, Herr Graf," flehte diese, ״der Schritt zu euch hinüber führt in die ewige Nacht.“ .,Nacht, .wie kommst du Lichtgestatt zu diesen 1 Worte, denk’ unserer Liebe, sie führt in den Tlimniel,