Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 354 ׳JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 36 * adressen reichen jetzt nicht aus. Jetzt lieisst cs, mit fester Hand das Schiff lenken, das unser Volk Znon entgegenführt; jetzt heisst cs. alle Kräfte aufbieten, damit eine zionistische Fraktion in das türkische Parlament einzicht. Nur, wenn wir in diesem Sinne arbeiten, erfüllen wir unsere zionistische Pflicht. Der Jüdische Nationalfond (Schluss der Generalversammlung) W01 ffsohn: Nach der letzten Erklärung des Herrn Vorsitzenden des Direktoriums sehe ich mich doch veranlasst, zu bemerken, dass meiner Meinung nach Kar nicht scharf genug hervorgehoben werden kann, dass der Bericht des Hauptbureaus nicht als Bericht des Direktoriums zu betrachten ist Das ist deshalb nötig, weil ohne dieses niemand einen Unterseliicd zwischen diesen beiden Begriffen machen würde. Wenn das Bureau des Direktoriums einen Bericht vorlegt, so muss jeder aunclimcn, dass es sich um einen Bericht des Dircktoriums handelt, und Dr. Bodcnhcimcr selbst war wohl bis beute auch dieser Ansicht. Und wenn dieser Bericht prinzipielle Ausführungen von grosser Tragweite enthält, so wird jedermann das Direktorium iiir diese Ausführungen verantwörtlich machen. Aus dem ganzen Bericht des Hauptburcaus resp. des Heini Vorsitzenden geht nämlich die unzweideutige Tendenz hervor, den .Indischen Nationalhmd von der Gesamtbewegung loszulösen, ihn zu einer vom Zionismus ganz unabhängigen Organisation zu gestalten. Ich verweise auf iolgcnde Stellen aus dem Bericht: ..Es ist nämlich angeregt wjrdcn, die Kompetenz der Geiiossenschaft des Jüdischen Nationalfonds be/.w. ihres Direktoriums durch eine Bestimmung cinzuscliränkcn. wonach ihr nur über gewisse geringfügige Summen das Verifigmigsrceht zustehen und im übrigen jede Beschlussfassung, welche die Verwendung von höheren Beträgen betrifft, dem Kongress Vorbehalten bleiben soll. Schon aut der letzten Sitzung des Grossen A.-K. ist diese Frage nach der Richtung hin bcsprochen worden, die Kompetenz des Nationalfonds zugunsten des Grossen A.-K. cinzuscliränkcn. Wenn man nun auch letzteres für Fragen prinzipieller Natur akzeptieren kann, obwohl der gesetzlich gegebene Weg der Einflussnahme des Grossen A.-K. auf den Jüdischen Nationalfonds sich in einer anderen Richtung bewegt, so stehen dieser Kompctcnzeiiischränkung bezüglich aller praktischen Fragen nicht nur formelle, sondern auch materielle Bedenken schwerwiegender Natur entgegen. Bei einer solchen Einschränkung wäre die Aufgabe der Nationalfonds- Verwaltung bezw. des Direktoriums tatsächlich auf die Sammeltätigkeit, d. h. die Aufgabe des Hauptburcaus beschränkt. Dazu ist cs aber nicht notig, eine Körperschaft zu schaffen, die über die ganze Welt verbreitet ist, und eine Der Rabbi von Prag Erzählung von Therese v. M. (Schluss.) Der Kaiser hatte sich teilnehmend vor den Grafen gestellt und untersuchte seinen Puls. ״Kr hat wirklich ein Fieber,“ sagte er, ״hat der Rabbi nicht etwas Niederschlagendes bei der Hand? Wären wir zu Hause, so würde ich ilnn gleich turturus stibiatus eingebeii.“ V. In ihrem Kämmerlein, dessen Türe der zürnende Vater hinter sieh verschlossen, sass auf ihrem Bette die schöne Rachel, ein Bild des tiefsten Scl1111cr7.es. Ueber den weissen Busen hing aufgelöst das glänzend schwarze Haar, ihre Augen g’ichen zwei Quellen, ihre Wange aber einer verdorrtet! Flur. Vor!ihrem Gedächtnisse zogen wild und verworren die Bilder der jüngsten Vorgaiigcnheit vorüber, sie hörte die stürmischen Worte des Geliebten, lind das heisere Wehgesehrei des greisen Vaters zugleich. Da kam es ihr vor, als würde au die Türe gepocht, horchte auf, und vernahm, wie der Vater die Treppe hinab schlurfte ,und nach einigen Worten den Riegel zurückschob. legalisierte Genossenschaft zu bilden, wenn diese Genossen- Schaft in Wirklichkeit gar nicht diejenige Körperschaft ist. welche die Arbeit des Jüdischen Nationalfonds erledigt.“ Ich bin gerade entgegengesetzter Ansicht. Gerade weil für den Nationalfond in der ganzen Welt gesammelt wird, ist cs erforderlich, eine Körperschaft zu schaffen, die über die ganze Welt verbreitet ist, denn das ist doch die Hauptaufgabe des Direktoriums, das Vermögen des Nationalionds zu mehren. Seine anderen Aufgaben, die Verwendung des Vermögens, die Ausgaben usw. gehen eben die allgemeine zionistische Orgauisation an. Ich verweise weiter darauf, dass in den! Berichte die Rede davon ist: wenn mail den Kongress als das Jüdische Parlament bezeichne, so dürfe dies bloss ״cum gratio salis“ verstanden werden. Wo führt das hin, wenn wir seihst vom Kongress in einer solchen Form sprechen, die auch ganz und gar, unberechtigt ist! Ich stehe auf dem Standpunkte, dass die Verwaltung des Nationalfonds vollkommen selbständig arbeiten soll, genau wie die Kolonialhank. Die Oberaufsicht aber muss das Aktions-Komitee resp. der Kongress haben. Das geht ja schon klar aus der Bestimmung hervor, dass der Kongress die Personen wählt, die die Eigentümer resp. die Verwalter des Nationalfonds, d. 11. die Mitglieder der Genossenschaft des Nationalionds werden sollen. Auch der Bericht des Hauptbureaus bestreitet nicht das Recht des Kongresses, «eine Wünsche mit Bezug auf die Verwaltung des National!'!»!.!s dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass er dementsprechende Personen in den Nationalionds wählt. Wie soll sich aber der Kongress darüber verständigen können, wenn er über all diese l'ragen nicht mitreden dari? Und soll der Kongress, und soll das Aktions-Komitee nicht das Recht halsen, den von ihm gewählten und beauftragter. Verwaltern des Nationalfonds bestimmte Aufträge zu geben, weil man sagt, der Nationalionds sei eine selbständige englische Gesellschaft? Ich bestreite das auf das Entschiedenste. Der N a t i o a 1 i o n d ist nicht irgendeine fremde englische Gesells c 11 a i t. der N a t i 0 n a 1 f 0 n d ist eines der Glieder der zionistischen Organisation und muss zu den Zwecken dieser 0 r g a tii - sation verwendet werden. Wenn inan ihn, ausschliesslich aus juristischen Gründen, in die Form einer englischen Gesellschaft gekleidet hat. so hat dies an seiner Zweckbestimmung, an seiner ganzen Figcnart nicht das geringste geändert. Was nun die Angelegenheit der Häuscrbaugcsellschaftcn anbelangt, so möchte ich Sic bitten, von einer.! Anträge, wie ihn Herr Podlisehewsky gestellt hat, abzusehen, denn 1. soll man einen einmal gefassten Beschluss nicht rückgängig machen, 2. ist dieser Beschluss, der s. Zt. gefasst wurde. 300 000 Franken iiir die Hätiserbaugesellschaiten zu fixieren, ein wirklich günstiger. Auch dadurch wird Boden gekauit und dadurch Gelegenheit für Wohnugen iiir Juden in Palästina geschaffen. Wenn sich die Häuserbaugesellschaften bewähren. . . J-׳——-—-!-!---- Als sich nach einer Weile ihrer Türe Schritte näherteil, schrak sic zusammen, als stünden blutige Rächer vor ihrer Türe. Der alte Löb Ben Isaak trat ein, und gebot ihr, sich anzukleiden, und ihm zu folgen. Sic hatte nicht den Mut; zu fragen, wohin, sondern ordnete schweigend ihr Gewand und ging mit dem Vater am* die Strasse hinab, wo Aaron, der Diener des Rabbi Löb,!ihrer wartete. Schweigend schritt sie hinter den beklen Männern her, welche angelegentlich zusammen flüsterten; als sie sah, dass sie vor des Rabbi Türe anlangtcn, fasste sie wieder Mut.' S:.e stiegen die Treppe hinauf und traten in das Gemach. Der Kaiser hatte sein Haupt wieder verhüllt, der Grat und Rabbi Lüw standen vor ihm. Ersterer geiasstcr. wie es schien, der Rabbi aber mit tiefer Schwermut in den Augen. Beim Anblicke Rachels zuckte Chltttn in die Höhe, die verweinten Augen schienen ihn gross und vorwurfsvoll anzublickeii. ״Ruhig, ruhig,‘‘ flüsterte ihm Tycho de Bralie zu. ״Ruhig,“ antwortete mit wilder Heftigkeit der Graf, ״wenn sie mir nahe ist? Befiehl dem stürmischen Meer, dass es sieh plötzlich glätten soll, wie ein blauer Spiegel, oder Uem Wachs, dass es der Flamme trotzen soll, die