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Jüdische Rundschau · 1908-09-04 · Heft 36 (4.9.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT *leHaljihrllch: 1. durch die Expedition: a) in‘Berlin —,90 Mar»:, b) nach aus- Wirts I,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. X fae Peitabennement: 1,25 Mark. Allgemeine Jüdische Zeitung Redaktion: Expedition und Adresse für Qeldsendungen and Bestellungen: Verlag Jüdische Rundtchau, E, O. m. b. H. Berlin S.W. 68» Zimmerstrasse 77. Insertionspreis die Tiergespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Fernsprecher: Moabit, 3387. 1 Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JÜDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet OeschiftMtuoden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) nachmittags 3—7 Uhr. Nummer 36 Berlin, 8. Elul 5668 4. September 1908 XIII. Jahrgang Der Zionismus und die Parlamentswahlen in derTürkei Von Dr. Elias (Mülhausen). Bis heute hat der Zionismus in der Hauptsache Erfolge in der Propaganda gehabt; die Arbeit die er geleistet, ist zum grossen Teil Vorarbeit. Er hat einen Teil der Judenlieit um seine Fahne zu scharen und für seine Ideen zu begeistern gewusst, und hat Institutionen geschaffen, die von unberechenbaren Nutzen sein werden, wenn er seinem Ziele sich nähern wird. Sein Programm hat er aber nicht verwirklicht und konnte es nicht verwirklichen, denn die diplomatische Aktion, die allein möglich war, hat keine, oder keine gre'ibaren Resultate gezeitigt. Heute ist aber eine andere Aktion, die parlamentarische, möglich. In wenigen Alonatcn tritt ein türkisches Parlament zusammen. Dasselbe kann d:e Bedingungen schaffen, unter denen die Ideen in erfolgreicher Weise Palästina kolonisieren können, unter denen sie sich in Palästina!liederlassen, und Land erwerben, besitzen und bebauen, unter denen ein Agrarkredit möglich ist. ln einem Wort: Das türkische Parlament kann durc.« seine legislatorisch'en Arbeiten den zu Beginn unserer Bewegung so sehr gewünschten und erhofften Charter Überflüsse machen. Und die Chancen sind sehr gross, dass das türkische Parlament die zionisischen Forderungen bewilligt, falls die jüdische Parlamentsvertrctung au! dem jüdischnationalen Standpunkt stellt, falls sie ihrer nationalen Pflichten bewusst und ihrer Aufgabe gewachsen j ist. Man vergesse nicht, dass im türkischen Parlament i die rein politischen Fragen in den Hintergrund, und zunächst die nationalen Forderungen auf der Tagesordnung stehen werden. Die Nationen, die in der Türkei leben, werden das Parlament in erster Linie als Instrument benützen, um die Bedingungen, unter denen sie existieren. . zu verbessern. Ihre Vertreter werden deshalb möglichst j weitgehende Zugeständnisse nationaler Natur fordern; 1 und das Parlament wird sich mit diesen Förderungen be- 1 fassen und sie, soweit sie die Sicherheit und dtc Zukunft I der Türkei nicht gefährden, bewilligen müssen. Dürfen wir nun erwarten, dass die türkischen Juden, auf sich selbst angewiesen, einer natiotialjüdischen Verj tretung ihr Gesch'ck anvertrauen werden? Sie sind zweifellos gut national gesinnt; doch aus naheilfegenden Gründen konnten sie nicht intensiv genug unsere Bewegung verfolgen; sie kennen sie deshalb nicht genug; sc sind auch im allgemeinen politisch zu uugeschult. Sich selbst überlassen, werden sie sieb bei der Wahl nicht von nationalen, sondern von andern Erwägungen bestimmen lassen, und werden nicht Vertreter der jiidisehen Nation, sondern Vertreter irgend welcher Sonderiuteressen;n das Parlament schicken. Diese Gefahr kann man vermeiden, wenn die zionistische Leitung und alle Zionisten, die mit der türkschen Judcnheit Fühlung haben, in dem bevorstehenden Wahlkampf die Führung übernehmen. Die türkische Judcnheit, die aus Gruppen besteht, die in kultureller, sprachlicher, religiöser und Wirtschaftlieber Beziehung grundverschieden sind, die also aus den heterogensten Elementen besteht, kann nicht in einheitlieber Weise organisiert werden; es wäre deshalb sinn- und zwecklos, ein Wahlkomitee nach dem Muster des galizischen zu bilden, das bei den vorjährigen Wahlen in Galizien in mustergiltiger Weise zeigte, was eine einheitliche Organisation vermag. Dagegen haben wir in den an d:e Türkei grenzenden Gebieten und den .meisten in Betracht kommenden Zentren Vertrauens- 1ieiite. die unserer Leitung über das Wo? und das Wie? emer Wahlkampagne Aufschluss geben können Manche Anzeichen sprechen dafür, dass die zionistische Leitung sich zur Wahl rüstet, und dass unter ihrer Acgide Zionisten um Mandate sieh bewerben und kämpfen werden. Es mögen aber dejenigen, die es angeht, nicht vergessen, dass Walllarbeit mit der bisherigen so viel gepriesenen diplomatischen Arbeit nichts zu tun hat. Für diese mögen geheime Konventikel und vertrauliche Sitzungen von Nutzen sein; für die Wahlarbeit aber nicht. Wahlen sind öffentliche Vorgänge. Sollen sie günstig ausfallen, so muss von einem bestimmen Moment an die Oeffentliehkeit möglichst gründlich aufgeklärt und aufgerüttelt werden, und von den Mitteln, die die moderne Technik demjenigen bietet, der sich au die Oeffentliehkeit wendet, darf keines uubenützt bleiben. Dieser Moment ist zweifellos gekommen. Es entzieht s:ch unserer Kenntnis, ob das Aktions- Komitee sich entschlossen hat, mit aller Energie zionistische Kandidaten zu unterstützen. Es möge aber wohl bedenken, dass es nicht ausreicht, sich über d;e Ere.ignissc zu freuen, die uns nnserm Ziel näher gebracht haben, denjenigen zu danken, die diese Ereignisse herbeigeführt haben, und neue güust'ge Ereignisse zu erwarten. Die werden ein zweites Mal ohne unsere Mitwirkung nicht kommen. Theoretische Erörterungen oder Dank- $

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